Die Titelfigur in Cordula Simons jüngstem Roman ist ein Phantom. Der namenlose Erzähler wartet ebenso auf ihn, den Neubauer, wie die ganze ekelhafte Bobo- Yuppie- Clique. Am Ende ist er da oder doch nicht. Wie gesagt, ein Gehirngespinst. Simon lässt ihren Erzähler, auch kein besonders sympathischer Kerl, rasant und ohne jegliches Blatt vor Mund und Hirn vor sich hin plaudern, schimpfen, mosern, meckern. Er mag diese ganze Gesellschaft gar nicht, will aber dennoch dazugehören. Das funktioniert nur, indem er ziemlich hoch stapelt.
Weiterlesen
iChoreography“, das klingt trendig, verständlich. Im Untertitel erfährt man mehr und auch Verwirrendes: „Kurort. Eine Therapie-Performance“. Magdalena Chowaniec & Valerie Oberleithner haben mit vier Jugendlichen eine verlockende Einladung ausgesprochen. Nicht Zuschauerinnen sind wir im Projektraum des WUK, sondern Teilnehmerinnen an einer fröhlichen, feinen Gemeinschaft, an Tanz und Therapie, an einem Erlebnis der besonderen Art. Eine ausgefallene und originelle Eröffnung des brut-Festivals „imagetanz“. Zehn Sterne!
Weiterlesen
Das Thema liegt in der Luft, Sanja Tropp Frühwald hat es bearbeitet, Gisela Elisa Heredia und tanz.coop tun es auch: Durch die Lebensjahre der Frauen surfen. Zwei Uraufführungen an einem Tag. „Tiger Lilien“ im Dschungel, Heredias „Age Surfer’s Symhony“ im Kosmos Theater. So fetzig wie der Titel ist auch die Clubbing Atmosphäre , in die drei energiegeladene Tänzerinnen mit Begeisterung eintauchen. Akrobatik und Tanz, unterhaltsam und schwungvoll, nehmen auch das Publikum mit. Wer will sich nicht gern aufmuntern lassen, das Leben ist ohnehin viel zu ernst.
Weiterlesen
Die Tiger Lilien, das sind sechs weibliche Wesen, Frauen und Kinder, die sich tanzend mit dem Alter, ihrem jetzigen, der vergangenen Jugend und dem Altwerden, auseinandersetzen und auch das Zusammenleben der Generationen versuchen. Schwungvoller Tanz, den Sanja Tropp Frühwald / VRUm Performing Arts Collective mit nicht professionellen Tänzerinnen einstudiert hat. Till Frühwald assistierte als Dramaturg. Die Aufführung im Dschungel war von jungen Mädchen wie auch von Burschen besucht. Sie alle folgten dem Tanz der Generationen mit Aufmerksamkeit und zeigten ihre Begeisterung mit reichlich Applaus. Schade, dass keine Gelegenheit für ein Publikumsgespräch war.
Weiterlesen
Die im Titel des neuesten Romans des Schweizer Autors Lukas Hartmann genannte Lydia hat tatsächlich gelebt. Lydia Escher, verheiratete Weltier, war im ausgehenden 19. Jahrhundert eine der reichsten Frauen der Schweiz, eine selbstbewusste, kunstsinnige Frau, Mäzenin und Gründerin einer Kunststiftung. Ihre Lebensgeschichte ist nicht lang, Hartmann erzählt sie, aus der Perspektive ihrer Kammerjungfer, Gesellschafterin und Freundin Luise, empfindsam und lebhaft.
Weiterlesen
Teilen, teilhaben, mitteilen oder teilen mit, wer könnte da dagegen sein? Jedenfalls nicht die Kompanie Freispiel, die ihr Erfolgsstück mit dem wundersam doppeldeutigen Titel „Ein Stück teilen“, zurzeit im Dschungel, dem Theaterhaus für junges Publikum, zeigt. Was die drei jungen Männer allerdings teilen und mitteilen, ist nicht nur ein Stück, es ist Gesellschaftskritik und Philosophie, Freundschaft und Konkurrenz, Abstraktes und sehr Konkretes und auch, dass nicht alles teilbar ist. Bei aller Liebe und Toleranz!
Weiterlesen
Zum ersten Mal zu Gast im Festspielhaus St. Pölten: das Alonzo King LINES Ballet. Die Compagnie aus San Francisco des afroamerikanischen Choreografen zeigt die beiden Ballette „Biophony“ und „Sand“, beide Stücke beschäftigen sich mit der Natur und dem Menschen. In „Sand“, uraufgeführt 2016, dient der Sand als Metapher für menschliche Beziehungen; in „Biophony“, Kings jüngster Schöpfung, bewegt sich das Ensemble inmitten der Klänge des Erdballs.
Weiterlesen
Die Mehrfachaufgabenperformance (Multitasking, ein Begriff aus der Computertechnik) hat der Video- und Performancekünstler Jan Machacek zu einer lockeren audiovisuellen Stunde zusammengefasst. Um die einzelnen Videokunststücke zusammenzuhalten und dem Stücktitel (plump übersetzt: Mehrfachaufgaben-Tagebücher) gerecht zu werden, erzählt er dazwischen live von allerlei Pannen bei fiktiven Auftritten. Begleitet wird er vom bekannten Multiinstrumentalisten Oliver Stotz. Abwechslungsreich und überaus erstaunlich.
Weiterlesen
Für eine Weile scheint der dreiteilige Abend mit zwei einprägsamen, immer wieder gerngesehenen Choreografien, und einem neuen Werk abgetanzt. Zehn Mal ist er zu sehen und auch zu genießen gewesen. George Balanchines „Symphonie in C“ zur gleichnamigen Symphonie des 17jährigen Georges Bizet, kann ebenso beglücken wie Edward Liangs großartiges Werk „Murmuration.“ Daniel Proietto, der in Argentinien geborene Tänzer und Choreograf mit der romantischen Seele, lässt das Publikum etwas ratlos und die Tänzerinnen samt Tänzer Eno Peçi mit recht spärlichem Applaus zurück. Doch der Misserfolg des mit soviel Ambitionen für Wien geschaffenen Balletts „Blanc“ liegt nicht an ihnen. Auf keinen Fall an der „Sylphide“ Ketevan Papava, die die Rolle kreiert und jetzt damit auch ihr Karenzjahr beendet hat.
Weiterlesen
Die 17jährige Victoria ist schwanger. Ihre Mutter wirft sie hinaus. Ihre Lehrerin Maggie hilft ihr, auf der Farm der McPhersons, zweier wortkarger Brüder, unterzukommen. Allmählich gewöhnen sich die beiden alten Männer an das junge Mädchen und freuen sich auf das Baby. Kent Haruf erzählt lapidar, und doch vibriert dieser Roman von Gefühlen. Einsamkeit und Liebe, Gewalt und Güte werden in Handlungen, Gesten und in den alltäglichen Verrichtungen spürbar. Haruf braucht in "Lied der Weite" kein Pathos, um Atmosphäre zu schaffen genügt die angenehme Klarheit, mit der er seine Sätze niederschreibt. Ein Meister, der im deutschen Sprachraum viel zu spät entdeckt worden ist. Kent Haruf ist 2014 im 70. Lebensjahr verstorben. Jetzt ist ein zweiter Roman auf Deutsch erschienen.
Weiterlesen