Tierliebende Autorin Mischke. © Frank Wilde / neuepresse.de

Tierliebende Autorin Mischke. © Frank Wilde / neuepresse.de

Susanne Mischkes Kriminalromane lesen sich angenehm. Neben dem Hauptthema spielen auch das Privatleben und die Eigenheiten der Ermittler*innen unter Kommissar Bodo Völxen eine wesentliche und auch amüsante Rolle. Im Zentrum des 8. Hannoverkrimis stehen jedoch einsame Damen über 50, die sich von einem charmanten Herrn umgarnen lassen.

Hannover mit Südstadt, wo die Cellistin ermordet worden ist.  © Jens Bludau /  free licenseWorum es geht in „Zärtlich ist der Tod“, ist bald klar: Ein Heiratsschwindler ist unterwegs, sucht sich Frauen, die er ein paar Wochen lang verwöhnt, um ihnen dann das Ersparte abzuknöpfen und zu verschwinden. Und, wie so oft bei Mischke, spielt auch ein Pferd eine wichtige Rolle, die rote Strieme an seinem Hals führt letztlich zur vollständigen Aufklärung der Fälle, die sich nach dem Aufruf der Polizei erschreckend gemehrt haben.

Die Täterjagd wird zügig erzählt, doch eigentlich sind die Ausflüge ins Privatleben der Ermittler interessanter. Allein Völxen bietet allerlei Unterhaltung, lebt er doch nicht in Hannover selbst, sondern außerhalb in Springe und züchtet Schafe, die den Rasen abgrasen sollen. Seine Frau lauert auf die Wolle, sie hat das Stricken entdeckt und versorgt Ehemann und Nachbarschaft mit kratzigen Pullovern. Unter den zu scherenden Schafen ist natürlich auch ein Bock, und der ist widerspenstig wie sein Herr. Im Dezernat muss sich Völxen immer wieder platte Schaf-Wortspiele gefallen lassen. Nur zum Anschauen: Das berühmte Fayence-Violoncello von Alfred Beau aus der Fayencerie Proquier. Die Ermordete sipelte  allerdings auf einem Instrurment aus der Werkstatt von Guadagnini. © Moreau.henri / free license

Nach sieben Hannover-Krimis kennt man ja alle aus dem Dezernat, den glutäugigen Spanier Fernando, der nach einigen Irrwegen endlich die Richtige gefunden und Jule Wedek geheiratet hat. Die hat nun das Team verlassen müssen, denn Ehepaare dürfen nicht unter einem Dach arbeiten. Sie ist beim LKA gelandet und dockt immer wieder im alten Revier an, um die Crew kompetent zu unterstützen. Fernando bleibt unter den Fittichen der kochenden Mutter, weil er gemeinsam mit Jule im Oberstück des Hauses eine Wohnung bezieht. Dass Jule sich so besonders gut mit Mama Pedra versteht, Hannovers 400 m hohes Hausgebirge, der Deister, an dem auch die Schafe samt Kommissar Völxen leben. © Tortuosa im Sommer 2004 hannoverdemacht das Abnabeln ziemlich schwer. Auch der Rest des Ermittlerteams ist da, die kettenrauchende, pragmatische Oda, der selbstverliebte, aber unfähige Sudokufan Raukel und die junge, ehrgeizige Elena Rifkin, die sich nur mit dem Familiennamen anreden lässt.

Die Suche nach dem zärtlichen Schwindler wäre nicht so dringend, wenn es nicht eine Tote gäbe, die hübsche Musikerin Elisa Pirlo. Möglich, dass es ein gewöhnlicher Raubmord war, denn die Geige der Pirlo ist verschwunden, doch das teure Cello ist noch da. Und die Nachbarin weiß von einem Liebhaber, und dessen Phantombild gleicht frappant jenem, das die düpierten Damen von ihrer letzten Liebe zu zeichnen wissen. Überraschend ist, dass auch die treue Sekretärin des Dezernats unter diesen ist. Erst durch einen Blumenstrauß und gutes Zureden überwindet sie ihre Scham.Hannoverkrimi Nr. 8: Cover. © Piper Verlag

Der Schwindler wird gefunden, er ist nicht der Mörder, doch auch diese Untat wird aufgeklärt. Die spröde Oda hat sich verliebt und Fernando die Wohnung fertig ausgemalt. Nach zehn Tagen hat alle wieder der Alltag. Bis zum nächsten Fall.

Hannover, wo auch die Autorin lebt, bietet keine besonders interessante Kulisse, wie das gesamte Niedersachsen nicht wirklich attraktiv ist. Mischke konzentriert sich daher auch weniger auf die Geografie als auf ihr Thema, die leichte Verführbarkeit einsamer Damen, die noch einmal die Liebe erleben möchten. Diese werden mit allem Respekt und Mitgefühl behandelt, denn zumindest die Frauen spüren: So ein Reinfall kann jeder passieren.

Susanne Mischke: „Zärtlich ist der Tod“, Piper 2019. 288 S. € 15,50.