
Das Zarte und das Harte – ein Tanzvideo

Der zerbrechliche Mensch in einer rauen Welt. Tanzkörper suchen Schutz und Wärme und finden oft nur rohe Gewalt. Wo liegt die Grenze zischen Intimität und Brutalität, fragt die junge Schweizer Company Cruelbehavior projects unter dem Tänzer und Choreografen Lino Eckenstein. Gemeinsam mit sieben Tänzerinnen hat er das Spannungsfeld zwischen Intimität und Brutalität erforscht und im Basler Anton Franck-Areal einen Video-Katalog aus sieben Kurzfilmen produziert.
In einer verlassenen Industriehalle kämpfen empfindsame Körper gegen Betonmauern, eiskalte Fliesen, sind auf der Suche nach Zärtlichkeit und finden Gewalt, wollen frei und selbstbestimmt sein und sind doch gefangen in Einsamkeit und Ausweglosigkeit. In Solos, Duos und als Gruppe erforschen die Tänzerinnen den Zusammenhang zwischen Intimität und Gewalt. Intimität kann schnell unangenehm werden, erwünschter Schutz wird zur Einengung; Zärtlichkeit schlägt in Gewalt um.
Doch werden in diesen sieben Szenen Intimität und Gewalt aus einer neuen Perspektive betrachtet. Herausgelöst aus dem üblichen sozialen und emotionalen Kontext, wird Intimität als fragiler Zustand verstanden; Gewalt ist kein Akt der Aggression, sondern lediglich brutale Kraft. Dennoch prallen in diesen sieben Szenen Bilder auf die Zuschauerinnen, die Beklemmung und Abwehr erzeugen.
Das Ziel dieses als Video-Katalog bezeichneten Films erklärt Regisseur Lino Eckenstein im Begleittext zur Uraufführung im Rahmen des Skin Performance Dance Festivals im Tanzhaus Basel:
Unser Ziel war es, diese emotional und sozial aufgeladenen Gefühle aus den Konstrukten herauszulösen, in denen sie normalerweise existieren, und Intimität außerhalb des Kontexts sexueller Zuneigung oder emotionaler Bindung zu betrachten, sowie Gewalt als brutales Gefühl und nicht als Akt der Aggression. Unsere Frage lautet: Wie erleben wir diese Zustände, ohne die damit verbundenen Handlungen nachzustellen? Wir haben dieses Thema definiert und gefiltert, indem wir das Gefühl von der sozialen und emotionalen Konfrontation isoliert haben.
Die Company Cruelbehavior projects ist ein junges, aufstrebendes Tanzkollektiv unter der Leitung von Lino Eckenstein. Die Arbeiten sind kompromisslos, verletzlich und pur, inspiriert von Themen wie Reibung, Gender, Empowerment, Begehren, Vermächtnis und Tod. Ziel ist es, Grenzen zu verschieben, das Publikum herauszufordern und Tanz als politischen Ausdruck zu begreifen.
An zwei Abenden wird der hochemotionale, poetische doch auch verstörende Film im Wiener Schikaneder Kino gezeigt.
Cruelbehavior projects: The Dust of my concrete Child. Ein Video-Katalog mit Porträts zum Thema Intimität und Gewalt
Konzept, Choreografie, Regie: Lino Eckenstein und Eden Manga Nikoy. 
Tanz & Co-Kreation: Ana Paula Lemus Payiatsou, Nina Keijzer, Ida Osten Ekaterina Cheporova, Anaïs Van Caekenberghe, Joy Ogboi, Alexandra Kylerioti
Kamera und Schnitt: Rubén Darío Bañol
Sound: Robin Beckers; Kostümdesign: Kareem Aladhami; Grafik: Claudia Dzengel; Fotos: Rainer Berson
Freitag, 8., Samstag, 9.5. 2026, 20 Uhr im Schikaneder Kino, Margaretenstraße 24 in 1040 Wien.
