Mit dem zweiten Teil der Trilogie „On Earth“ gehen die Performer*innen von The Loose Collective in die Steinzeit zurück und landen, hungrig und durstig, doch wieder in der Gegenwart. War Teil I dem Urknall und der Entstehung der Pflanzen und Tiere gewidmet, so sind diesmal die Menschen an der Reihe. Nach der Uraufführung in Graz im Dezember 2017 war die Wien-Premiere im WUK zu sehen.
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Einen erlebnisreichen Abend bescherten Choreograf John Neumeier und das Hamburg Ballett dem Publikum im Theater an der Wien mit dem Ballett „Die Möwe“. Nach dem Drama von Anton Tschechow 2002 entstanden, hat Neumeier diese wunderbare Kreation 2017 wieder aufgenommen und bietet auch in Wien ein ausgewogenes, tief empfundenes, ästhetisch traumhaft schönes Ballett über die Liebe und die Kunst, die Liebe zur Kunst, und die Kunst der Liebe. Ein großartiger Abend, der die beiden Akte von je einer Stunde im Flug vergehen ließ. Auch Tänzer*innen können fliegen und die Herzen des Publikums ebenso. Sie fliegen dem Choreografen zu, wenn er sich vor dem Vorhang zeigt.
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Mit ihrer neuen Arbeit „The Gap in Between“ hat die kolumbianisch-österreichische Tänzerin und Choreografin Adriana Cubides einen lang gehegten Wunsch realisiert: eine sehr persönliche Arbeit über Gegebenes, über Strukturen, Gegenwart und Möglichkeiten. Über den „konkreten Moment“, Potenziale und die Freiheit, sich all dem zu entziehen oder sich bewusst zu eigen zu machen. Über Begegnungen mit Unbekannten und die Wirkmacht von Kollaborationen. „Ich erschaffe Mechanismen, in denen alle Beteiligten ‒ Performer, Zuschauer, Licht und Ton – damit konfrontiert werden, zulassen zu müssen, dass die Kontrolle zwischen uns allen liegt“, beschreibt Cubides, die neben ihrer Tanzausbildung an der Bruckner Universität in Linz auch Literatur- und Sprachwissenschaft in Bogotá studierte, im Vorfeld ihre Arbeitsweise an dieser Produktion.
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Schlicht und knapp nennt Choreograf und Compagnie-Gründer Lin Hwai-min sein Tanzstücks, das er zum 40. Geburtstag seiner Compagnie 2013, dem Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan, kreiert hat. Mehr als 20 TänzerInnen und Tänzer erzählen darin in kurzen Episoden vom Zyklus der Reispflanzen, vom Aussäen und Bewässern der Felder, von der Ernte bis zum Abbrennen und der neuerlichen Geburt aus dem Wasser. Im Festspielhaus St. Pölten herrschte zum Abschluss lebhafter Jubel und auch Staunen. Freudig nahmen die Tänzer*innen samt Chef Lin Hwei-min, in wohl geordneter Formation aufgestellt, die Begeisterung entgegen.
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Der vierteilige Abend mit „Stravinsky Violin Concerto“ und „Thema und Variationen“ von George Balanchine, „Bach Suite III“ von John Neumeier und dem fröhlichen „Concert“ („Or, The Perils of Everybody“) von Jerome Robbins kommt beim Publikum bestens an. Das konnte auch am 3. Mai 2018 in der Staatsoper beobachtet werden. Am heftigsten wurde Neumeiers „Bach Suite III“, ein verzauberndes Ballett für zwei Hauptpaare und drei Begleitpaare, gefeiert. Solotänzer Jakob Feyferlik hat als Partner der Ersten Solotänzerin Olga Esina auch bei diesem Debüt gezeigt, welch feinsinniger, eleganter Tänzer er ist.
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Der irische Schriftsteller Donal Ryan läßt diesmal, in seinem dritten auf Deutsch erschienen Roman, von einer Frau erzählen. Melody Shee erwartet ein Kind, das nicht von ihrem Mann ist. Die neun Monate bis zur Geburt hält sie in einer Art Lebensbeichte fest, erzählt vom Schwinden der Liebe und der Sehnsuch nach Glück. Begleitet wird sie von der jungen Mary Crothery, ebenfalls einer Ausgestoßenen. Einfühlsam schildert Ryan die Gefühlsverwirrungen der beiden Frauen, die durch ihre Eigenwilligkeit die gesellschaftlichen Normen überwinden.
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Mit „Church of Ignorance” setzt Liquid Loft / Chris Haring das Projekt „Foreign Tongues“ fort. Der erste Teil (Wiener Version) fand im Februar 2017 im Tanzquartier statt. Im August kommt im Rahmen von ImPulsTanz ein weiteres Forschungsergebnis zur Aufführung: „Babylon (Slang)“. Ausgangspunkt für die verschiedenen Aufführungen sind Sprachaufnahmen, die im Rahmen von persönlichen Interviews in verschiedenen Regionen Europas entstanden sind. Ziel ist eine Verschmelzung von vokaler und physischer Kommunikation mit Sound und Licht. Im Rahmen des Donaufestivals ist eine atemberaubend intensive und perfekte Performance in der seit langem profanen Dominikanerkirche in Krems gelungen.
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Mit ihrer ersten gemeinsamen Arbeit „I don’t remember this body“ untersuchen der Tänzer und Choreograf Georg Blaschke und der Videokünstler Jan Machacek das Verhältnis von Körper, Raum und Bewegung und deren technischer, medialer, projizierter (Re-)Produktion.
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Der Esel tanzt wieder. Nicht auf dem Eis, sondern auf der weiß ausgekleideten Bühne im WUK. Oder in meinem Kopf. Choreograf Nikolaus Adler hat sein Tanzstück „Balthazar“, inspiriert von Robert Bressons († 1999) Film „Au hasard Balthazar“, überarbeitet und ein Gesamtkunstwerk aus Licht, Ton und Tanz, wirklichem Tanz, ausdrucksstark und präzise, gezeigt. Natürlich ohne Esel, der ist der Titelgeber und auch Metapher für das menschliche Leben, von der Geburt bis zum Tod. Den stirbt Balthazar im Film inmitten einer Schafherde. Gelassen und mit Würde.
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Mit „Strafe“ ist die Trilogie aus der Anwaltspraxis des Strafverteidigers und Autors Ferdinand von Schirach vollständig. Mit „Verbrechen“ hat der im doppelten Sinn ausgezeichnete Autor seine lakonischen Berichte aus dem Strafgericht begonnen, mit „Schuld“ fortgesetzt. Nun ist der letzte Band, „Strafe“, erschienen. Die Reihenfolge der Titel der drei Bände ist nicht zufällig, sie entspricht der Prüfungsreihenfolge einer Anklage bei Gericht. Schirach hält es als Berichterstatter mit Hanna Ahrendt und erzählt von der Banalität des Bösen, lakonisch, minimalistisch, kommentarlos. Einem Band ist ein Zitat von Aristoteles vorgesetzt: „Die Dinge sind, wie sie sind.“
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