In diesem neuen Roman stellt der amerikanische Autor Dennis Lehane zum ersten Mal eine Frau in den Mittelpunkt, Rachel Childs. Für Liebhaberinnen Lehanes, dessen Romane, etwa „Mystic River“ (Deutscher Titel „Spur der Wölfe“) oder „Shutter Island“ erfolgreich verfilmt worden sind, eine Überraschung, gar kein typischer Lehane. Entgegen seinem bisher linearen Stil beginnt Lehane den Roman mit einer Reihe von schockierenden Szenen, Puzzleteile, die sich erst im Lauf der Erzählung zusammenfügen. Rachel versucht herauszufinden, wer sie ist. Am Ende wissen es zumindest die Leserinnen.

Eindrucksvolle Verfilmung des 2014 erschienen gleichnamigen Romans von Ian McEwan. Der Autor hat selbst das Drehbuch geschrieben und, wie schon in der Verfilmung seines Romans „Am Strand“ nach seinem Drehbuch, Literatur in Bilder umgesetzt. Emma Thompson spielt die zentrale Rolle, Fiona Maye, eine hochrangige Richterin in London, die einen komplizierten Fall zu lösen hat.

Slow horses, die lahmen Pferde, sind abgehalfterte Agenten, die vom noblen Regent’s Park, wo die Superstars des Londoner Spionagebüros MI5 aus und ein gehen, ins Slough House versetzt worden sind, weil sie gravierende Fehler gemacht haben. Jeder der Untergebenen des grantigen, ungepflegten Jackson Lamb, ebenfalls strafversetzt, wartet auf eine Chance, sich zu beweisen und wieder ins Mutterhaus zurückkehren zu dürfen. Ein Thriller der besonderen Art, voll Spannung und Ironie.

Gleich mit zwei Ausstellungen lockt das Leopold Museum Freundinnen der frühen Fotografie ins Haus. „Machen Sie mich schön, Madame d’Ora“ beschäftigt sich ausgiebig und üppig mit der Mode- und Gesellschafts-Fotografin Dora Philippine Kallmus (1881–1963), die sich mit dem Künstlernamen Madame d’Ora anreden ließ. Gleich nebenan, schlichter präsentiert, sind die Bilder des „Fotografen der Wiener Moderne“ Moriz Nähr (1859–1945) zu studieren.

Auch wenn die Geschichte von Anatols Abenteuer im Winter spielt, eignet sie sich bestens als federleichte Sommerlektüre. Anatol ist nicht nur das Zentrum des Romans von Susanne Falk, auch die gesamte Wiener Familie kreist um ihn. Der kleine Bruder von drei Schwestern ist ein wenig sonderbar, ein Außenseiter, nahezu autistisch. Doch er schlägt sich tapfer durchs Leben und bis nach Frankreich, weil ihn die Liebe überfallen hat. Ein amüsanter, schwungvoller Roman.

Auch die dritte Edition des Kärntner Tanz- und Performance-Festivals wirft wieder einen Blick auf heimische Produktionen, zeigt aber auch Interessantes aus den Nachbarländern im Alpen-Adria-Raum. Zwischen 18. September und 2. Oktober 2018 sind in Klagenfurt / Celovec fünf österreichische Erstaufführungen und eine Uraufführung zu sehen. Eröffnet wird das Festival am 18. 9. mit drei Solos (Alva Morgenstern, Wilhelmina Wilie Stark, Andrea Hackl), wie alle weiteren Vorstellungen im theaterHalle 11 / Klagenfurt.

Grenzenlos“ ist der deutsche Titel des jüngsten Filmes von Wim Wenders, gedreht nach dem Buch „Submergence“ („Eintauchen“) des ehemaligen Kriegsreporters J. M. Ledgard. Der eingedeutschte Titel hat mit dem Filminhalt wenig zu tun, allerdings wird auch nicht ganz klar, was der Regisseur tatsächlich wollte. Liebesromanze oder Diskussion existenzieller Themen? Die große Romanze jedenfalls endet in den Tiefen des Ozeans und in den Gefangenenlagern von islamistischen Terroristen. Alicia Vikander, James McAvoy und das Meer spielen die Hauptrollen.

Diese Qualen von Major Johannes Schäfer, Tiroler in Wien, sind der Leserin alles andere als eine Qual. Eher ein Vergnügen, garniert mit klugen Gedanken. 2009 hat Georg Haderer, ebenfalls Tiroler in Wien, seinen ersten Krimi veröffentlicht und ist dazu wohl wieder in seine Heimat gereist, so authentisch und auch ein wenig boshaft ist dieses erfolgreiche Debüt. Wer Krimis gern in der Bahn liegen lässt, um andere zu erfreuen oder in der Badewanne liest, was nicht ohne Tauchübungen des Papiers möglich ist, für die gibt es jetzt den Tirolausflug des eigenwilligen Polizeimajors als Taschenbuch.

Ein Publikum, das zum Orchester wird durch ein getanztes Dirigat. So ließe sich die Performance „Le sacre du printemps (2018)“ des promovierten Molekular-Biologen und seit 1991 als Künstler tätigen Franzosen Xavier Le Roy betiteln, die, in der Originalfassung für einen Tänzer bereits 2007 am Tanzquartier Wien uraufgeführt, 2016 in einer Neufassung für vier TänzerInnen bei der Biennale Danza in Venedig Premiere gefeiert hat. Die (in dieser ImPulsTanz-Performance) drei PerformerInnen tanzen hier in Auszügen das akribisch analysierte Dirigat von Sir Simon Rattle bei einer 2004 erfolgten Aufnahme des 1913 von Igor Stravinsky komponierten Orchesterwerkes „Le sacre du printemps“ auf eine Weise, die diese komplexe Komposition wesentlich klarer und intensiver erleben lässt.

Nach der Wiederaufführung von „Solos and Duets“ hat Meg Stuart in der Reihe „Classic“ von ImPulsTanz 2018 im Museumsquartier / Halle G auch ihre 11 Jahre alte Arbeit „Blessed“ gezeigt. Ein immer noch gültiges Stück, in dem beinahe unaufhörlicher Regen ein Paradies aus Pappmaché, eine Hütte, eine Palme und ein riesigen Schwan zerstört. Eine Metapher für die Fragilität unserer Welt.

Nach der Erstauflage 2010 ist der reizvolle Roman „Bacons Finsternis“ von Wilfried Steiner als Taschenbuch erschienen. Endlich kann ich Versäumtes nachholen und mein Gewissen wieder in ein sanftes Ruhekissen verwandeln. Das tue ich gleich doppelt, indem ich mich auch mit Steiners jüngstem Roman, „Trost der Rache“, ebenso reizvoll und 2017 erschienen, beschäftige.

Gemeinsam mit Frans Poelstra und Elizabeth Ward holt der Künstler Michikazu Matsune Personen auf die Bühne, die nicht da sind. „Leider“ oder „zum Glück“. „All Together“ ist eine präzise ausgearbeitete Performance, in der das Trio sich erinnert, Geschichten und Anekdoten erzählt und sich tanzend bewegt. Als eine der letzten Vorstellungen des ImPulsTanz Festivals darf die gute Stunde im Schauspielhaus in die obersten Ränge der ImPulsTanz-Hitliste gereiht werden.

Mit der österreichischen Erstaufführung ihrer ersten Soloarbeit I ride in colour and soft focus, no longer anywhere hat sich die britische Tänzerin und Choreografin Jamilla Johnson-Small, die unter dem Künstlernamen Last Yearz Interesting Negro arbeitet, dem Wiener Publikum im Rahmen der Reihe [8:tension] des Impulstanz-Festivals 2018 vorgestellt.

Jamila Johnson-Small © Ayka Lux Gemeinsam mit dem Londoner Licht- und Raumdesigner Jackie Shemesh, Sounddesigner Josh Anio Grigg und Skulpturen von Joey Addison erzählt Johnson-Small zu teils groovigen DJ-, Dancefloor- und Party-Sounds, dann wieder harten Techno- und Elektronik-Beats von Phoebe Collings-James, Nkisi, Junior XL, Shelley Parker sowie Grigg und Johnson-Small selbst vor allem von sich. Man erfährt im Laufe der Performance nach und nach vom plötzlichen Verlust des Vaters, von Ängsten – Zeit, Wasser und Tod –, Begegnungen und einem kontinuierlichem Sich-Verorten in einer Welt der Hindernisse, Dunkelheiten und Projektionsflächen. „But you get what you are given and you take what you can get.“

Während die Tänzerin zu Beginn der Performance unter einem Plastiksack liegt, der hie und da von den sich ständig durch den Raum bewegenden Lichtspots eingefangen wird, tanzen auf der Leinwand mehrere virtuelle Kopien der Tänzerin. Projektionen des eigenen Körpers und monochrome Farbräume treffen hier aufeinander, ohne dass, abgesehen von den parallelen Lichtimpulsen, der reale eigene Körper Teil dieser Begegnungen wird. Die Projektionen selbst bilden ein Ensemble der "vielen", "humans everywhere", in unterschiedlichen körperlichen und emotionalen Manifestationen.

Während sich Johnson-Small im folgenden Teil aus ihrer Hülle schält und in einen choreografischen Dialog mit Licht, Sound und (dank schwarzer, verbrannter Styroporgebilde, die die Bühne strukturieren) nicht ganz hindernisfreiem Raum begibt, erzählen Toneinspielungen von Gesprächen, Straßengeräuschen, Liedern, Textprojektionen und drei weitere Tänzerinnen, die für kurze Zeit die im steten Dunkel gehaltene „Tanz“-Fläche mitgestalten, von all dem, was die Künstlerin „je getroffen, gesehen, gehört, gefühlt“ hat.
Auch die eigene Stimme erzählt viel davon, Johnson-Smalls Körper navigiert sich zwischen bereits Erfahrenem und im Moment Erlebtem (und vor allem Gefühltem) durch ihre eigene Performance, später auch durch das Publikum – einmal direkt durch die Sitzreihen hindurch, am Ende auf der Bühne durch einen Teil der Zuschauer*innen, die der Einladung, sich auf Plastikpölstern und mit Tiermasken im Raum niederzulassen, gefolgt sind.Jamila Johnson-Small tanzt mit Kopieren ihres Selbst.  © Katarzyna Perlak / Carlos Jimenez

Johnson-Small bezeichnet ihren Körper als „ein Orakel, eine Trance, eine rhythmische Schnittstelle, eine Atmosphäre“, eine Landschaft aus gestern und jetzt, Stimmen und Stille, Dunkelheit (vielleicht das zentralste Moment an diesem Abend) und mattem bis gleißendem Licht, durch die sich die Tänzerin navigiert. Verletzlich und ernsthaft, konzentriert und sinnlich, nachdenklich und präsent zwischen Raum, Licht, Objekten und Menschen bewegt sich die Performerin über knappe 90 Minuten durch das so geschaffene eigene Universum dieses „Nicht-länger-irgendwo“-Seins und schafft so eine Situation zwischen offener Kommunikation und persönlicher Suchbewegung.
Der Anfang liegt im Dunkel, die Tänzerin in einem Pastikgehäuse. © Ayka Lux In einem Interview mit the fifth sense bezeichnet Johnson-Small ihre erste Soloarbeit als eine Art „rhythmisches Interface“, eine Landschaft, der es gelingt, den eigenen Zustand im Moment festzuhalten, ohne diesen durch einen vorgegebenen Bewegungsablauf im Sinne einer klassischen Choreografie festzuschreiben.

Ein fragiles Unterfangen, das mit Zuständen und Zwischenräumen, S(t)imulation und Beeinflussung arbeitet, in denen sich, so die Choreografin, „die Erfahrungen des Lebens entfalten. Vielleicht könnte man sagen, dass Tanzen etwas ist, mit dem ich versuche, mich selbst zu extrahieren.“ I ride in colour and soft focus, no longer anywhere ist ein eindrücklicher Versuch, sich unaufhörlich neu aufzusuchen.

Jamilla Johnson-Small: i ride in colour and soft focus, no longer anywhere, ÖEA, [8:tension] Young Choreographers' Series, 9. August 2018, Kasino am Schwarzenbergplatz, Impulstanz Festival.

 „Oh Magic“ nennt der österreichische Choreograf, Musiker und Tänzer Simon Mayer seine im Mai 2017 in Brüssel uraufgeführte Performance, die im ausverkauften Volkstheater im Rahmen von ImPulsTanz 2018 zu sehen war. Wer die Magie bereits im Titel seines Stückes beschwört, formuliert damit nicht nur einen hohen Anspruch an sich selbst, sondern vermag damit auch gehörig Erwartungen zu wecken.

In der bei der diesjährigen Ausgabe des Festivals ImPulsTanz im Rahmen der Reihe [8:tension] präsentierten österreichische Erstaufführung von „Mining Stories“ steht nicht nur die Performerin Silke Huysmans auf der Bühne. Mit ihr, die gemeinsam mit Hannes Dereere die 2016 uraufgeführte dokumentarische Performance entwickelt hat, „stehen“, sprechen und „tanzen“ auch eine ganze Reihe von Menschen, von denen wir zwar nichts sehen als braune Projektionsflächen aus dünnem Holz, auf denen ihre Texte projiziert werden, die dennoch ganz wesentlicher Teil dieses berührenden und intelligenten Theateressays sind.

Battleground“ nennt die 1960 geborene, mit der Compagnie La La La Human Steps und durch ihre Zusammenarbeit mit David Bowie berühmt gewordene franko-kanadische Choreografin und Tänzerin Louise Lecavalier ihre jüngste Performance. Zu sehen war an drei Abenden die Performances – 2016 in Düsseldorf uraufgeführt – im Rahmen von ImPulsTanz 2018 im Odeon. Gemeinsam mit ihrem Tanzpartner Robert Abubo und zur großartigen elektronischen und E-Gitarren-Musik von Antoine Berthiaume bringt Louise Lecavalier die wichtigste Schlacht eines jeden Menschen auf die Bühne, nämlich die inneren Dämonen zu erkennen, anzuerkennen und letztlich Frieden mit ihnen zu schließen.

Die gut besuchte Rote Bar im Volkstheater war Schauplatz einer Konzert-Performance der cowbirds im Rahmen von ImPulsTanz 2018.“Cowbird“, das sind vier Wiener Choreografinnen, Performerinnen und Sängerinnen, die mit diesem Abend auch den Verkaufsstart ihres ersten Albums „polyphonic tracks“ mit traditionellen mehrstimmigen Gesängen meist aus Korsika und auch aus Sizilien, gewürzt mit Field Recordings von verschiedenen Orten in Österreich, gefeiert haben.

Babylon (Slang)" ist eine weitere Aufführung in der Serie “Foreign Tongues” von Christ Haring und seiner Company Liquid Loft. Die Serie beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von sprechendem und bewegtem Körper. Nach der eindrucksvollen Performance „Church of Ignorance“ in der säkularisierten Dominikanerkirche von Krems während des Donaufestivals `18 ist „Babylon (Slang)“ im Museumsquartier / Hofstallungen (mumok) im Rahmen des ImPulsTanz Festivals 2018 zu sehen.

In drei Akten zeigen François Chaignaud und Nino Laisné das phänomenale Tanzkonzert „Romances inciertos, un autre Orlando“. Diese „ungewissen Romanzen“, samt dem „anderen Orlando“ beruhen einerseits auf dem literarischen Orlando, einer von Virginia Woolf geschaffenen androgynen Figur, die immer wieder verschwindet und hundert Jahre später wie neu geboren, mit anderem Geschlecht, wieder auftaucht und andererseits auf spanischen Liedern aus drei Jahrhunderten. Ein beziehungsvoller Abend im Volkstheater, in dessen Mittelpunkt der sich der wandelnde Körper Chaignauds bewegt, präsentiert beim ImPulsTanz Festival 2018.

Der Himmel hängt voller Nadeln. Jan Fabre, bildender Künstler, Theatermacher, Autor, Choreograf, ließ sich für dieses fulminante Solo, grandios getanzt vom Matteo Sedda, bereits Teil von Fabres 24-Stunden-Performance „Mount Olympus“, von der Geschichte der Dorkas inspirieren, die selbst gefertigte Kleidung an die Armen verteilte. Nach ihrem Tod wurde sie für ihre Wohltätigkeit und Großzügigkeit vom Apostel Petrus von den Toten auferweckt und zur ersten weiblichen Jüngerin von Jesus Christus. Aus diesem Stoff webten Fabre und Sedda ein hochenergetisches, ekstatisches Solo, das diese, aber nicht nur diese Geschichte in einer knappen Stunde im Rahmen von ImPulsTanz 2018 auf die Bühne des Odeon bringt.

Durch die Finsternis ins Licht! So könnte man die innere Dramaturgie dieser Kombination aus insgesamt fünf Solos und Duetten mit Auszügen aus abendfüllenden Arbeiten der US-amerikanischen, in Berlin lebenden Choreografin und Performerin Meg Stuart beschreiben. Präsentiert im Rahmen von ImPulsTanz 2018 im Odeon von TänzerInnen und MusikerInnen ihrer Brüsseler Company „Damaged Goods“, geben die Stücke aus den Jahren 1995 bis 2016 einen (wirklich nur kleinen) Einblick in das umfangreiche Schaffen der für ihre hochenergetischen, dichten Arbeiten weltweit bekannten Künstlerin.

Mark Tompkins bei ImPulsTanz 2018 im Casino am Schwarzenbergplatz gezeigte Real-Time-Solo „Stayin Alive“ ist auch eine Hommage an seine Mutter, ihr hat er seine neue Kreation gewidmet. Doch sehr bald lässt er die verstorbene Mutter in Frieden ruhen und widmet sich seinen Erinnerungen, Enttäuschungen, Verlusten und dem immer akut werdenden Problem des Alterns. Eine Performance in der es Mark Tompkins das Publikum fesselt, weil es ihm gelingt, jede und jeden auf sich selbst zurückzuwerfen.

Winona Ryder und Keanu Reeves begeistern mit Charme und Witz in einer unterhaltsamen Komödie von Victor Levin, der auch das Drehbuch geschrieben hat. Natürlich geht es um die Liebe, die zwischen dem zufällig zusammentreffenden Paar anfangs sogar nicht auftauchen will. Doch ein Wochenende in Zweisamkeit bricht das stolzeste Herz.

Erfrischend! Das ist in diesen Hochsommertagen '18 das höchste Lob, das ich zu vergeben habe. Akemi Takeyas performatives Konzert „Tapped / Untapped“ bietet die volle Würze eines überraschenden Konzerts. Takeya lässt ihre Stimme orgeln, träumen und flüstern, belgeitet sich selbst am Klavier, wenn sie, immer wieder den Blick ins Publikum werfend, im ebenerdig gelegenen Ausstellungsraum des mumok loslegt. Die Uraufführung der wie immer lampenfiebrigen Performerin und des angenehm ruhigen Sounddesigners und Kompositeurs der elektronischen Begleitmusik am Computer, Sebastian Bauer  fand am 1. August 2018 im Rahmen von ImPulsTanz statt.

Mit „many“, dessen Titel auch im Programm noch ein Arbeitstitel ist und dessen Preview eben im Rahmen von ImPulsTanz 2018 im Schauspielhaus Wien zur Uraufführung gekommen ist, setzt der Wiener Choreograf Willi Dorner seine mit dem Duett „one“ begonnene Auseinandersetzung zum Themenkomplex des Fort-, Weiter- und Überschreibens von Körpern fort. „one“ beschäftigte sich mit den Einwortgedichten des 2010 verstorbenen österreichischen Künstlers Heinz Gappmayr, vor allem mit der Frage nach der „nicht sichtbaren, der gedachten Welt“, die sich durch Worte, Zeichen, bei Gappmayr vor allem auch Zahlen vermittelt und in der Begegnung mit den Performer*innen, ihrer „Präsenz und Bewegung“, ihrem „Schreiben, Zeigen und Handeln mit dem Material Sprache und dem Körper“ zu in der choreografisch-medialen Begegnung oft überraschenden Gedankenbildern, Erläuterungen und Behauptungen führt. „many“ fragt nun im konsequent nächsten Schritt nach Bedeutung und Funktion des Körpers „in den Bilderfluten unserer digitalisierten Welt“.

Nach ihrem Romandebüt – "Das Fell der Tante Meri", ein Familienroman, der zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den 1980er-Jahren spielt ­– geht Theodora Bauer in ihrem zweiten Roman noch einmal 20 Jahre zurück und erzählt von drei jungen burgenländischen Auswanderern, die in Chicago ihr Glück suchen, es aber nicht finden.

Fünf amerikanische Teenager werden eingeladen, an einem interessanten Forschungsunternehmen in Europa teilzunehmen. Stolz und neugierig und ein wenig aufgeregt fliegen sie mit dem Privatflugzeug der Gastgeber samt dem leitenden Archäologen nach Paris. Dort soll es einen unterirdischen Palast aus der Zeit der französischen Revolution geben, der eben entdeckt worden ist und überprüft werden soll. Der junge Autor Stefan Bachmann entwickelt in seinem dritten Fantasy-Roman, „Palast der Finsternis“, einen wahren Albtraum, einen Tauchgang in eine verspiegelte Welt voller Fallen und unheimlicher Figuren.

Die diesjährige Viennale ist dem so unerwartet in diesem Sommer in Rom verstorbenen langjährigen Direktor der Viennale, Hans Hurch, gewidmet. 20 Jahre hat Hurch die Viennale geleitet und geprägt und auch die diesjährige noch entscheidend mitgestaltet. So wird auch 2017 noch „eine Viennale von Hans Hurch“ sein, verspricht der interimistische Leiter Franz Schwartz beim ersten Pressetreffen im Volksgarten, nachdem er auch das hervorragende Team gelobt hat.

Sieben Inseln können bereist werden, um mancherlei Schätze zu entdecken. Die Gelegenheit bietet das Theatermuseum nahe der Staatsoper mit der Ausstellung „Der magische Raum: Bühne – Bild – Modell“. Gezeigt werden auf diesen Inseln Kostbarkeiten aus dem reichen hauseigenen Bestand, mit nahezu 1.000 Objekten, eine der größten und bedeutendsten Spezialsammlungen ihrer Art. Bühnenbildmodelle und Dioramen werden zwar immer wieder gemeinsam mit anderen Objekten ausgestellt, doch selten galt ihnen allein das Augenmerk.

Nicht abschrecken lassen von diesem dem Absatzerfolg nachjagenden Titel. Lyle Bowman, der genannte Vater, ist zwar ein alter Mann, 83 genau, doch er steigt nicht aus dem Fenster, sondern fällt vor den Bus. Und ist mausetot. Wie das passieren konnte, erklärt sich gleich im ersten Kapitel der Geschichte über die letzten Bowmans. „The Last of the Bowmans“ ist der Originaltitel des Romans von J. Paul Henderson, der schon in seinem ersten Roman, „Letzter Bus nach Coffeeville“, durch seinen skurrilen Humor begeistert hat.

Im Dschungel wird ohne Müdigkeit getanzt, auch wenn dort, wo der Tanz ein Heim haben sollte, Türen und Fenster geschlossen sind. Im Dschungel sind sie jedoch offen und es wird nicht nur zum Aufftakt der Saision getanzt, sondern bis übers Neue Jahr hinaus. Für Klein und Größer. Groovig ist der Beginn der neuen Saison 2017/18, in der dem Zielpublikum des Dschungel, Kinder und Jugendliche, empfohlen wird: „Tanz dir die Welt“. Für Intendantin Corinne Eckenstein ein Aufruf, der Mut zur Kreativität, Mut zur Fantasie, aber auch Mut zum Irrtum enthält.

Amsterdam im Goldenen Zeitalter. Das Tulpenfieber grassiert, in den Kaschemmen blüht der Handel mit Blüten und Zwiebeln, auch wenn diese noch in der Erde ruhen. Das Fieber des Begehrens erfasst auch den Maler Jan van Loos, doch er giert nach Sophie, der jungen Ehefrau des wohlhabenden Kaufmanns Cornelis Sandvoort. Regisseur Justin Chadwick dreht eine Romantik- Schnulze nach dem Bestseller „Tulip Fever“ von Deborah Moggach. Das Drehbuch für „Tulpenfieber“ hat Tom Stoppard geschrieben.

Zum zweiten Mal finden in Klagenfurt die Tanzwochen, ausgerichtet vom TANZAMT KLAGENFURT in Kooperation mit dem „klagenfurter ensemble“, statt. Eingeladen sind nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder, für die inmitten der acht sehenswerten Produktionen auch Spielerisches für ganz Kleine zu finden ist. Die Tanzwochen mit dem ungewöhnlichen Namen „Pelzverkehr“ finden im  Klagenfurter *theaterHALLE 11 vom 21. September bis 7. Oktober 2017 statt.

Ich seh, ich seh, was du nicht siehst! An dieses Kinderspiel erinnert mich Oleg Soulimenkos Inszenierung von LOSS in einem leeren Raum des Untergeschoßes im Leopold Museum. Mit raschelnden Plastikschläuchen ziehen sich Soulimenko, Alfredo Barsuglia und Jasmin Hoffer eine zweite Haut über, verschwinden und werden zu nicht identifizierbaren Figuren. Der Titel „LOSS“ verweist auf Unsicherheit, das Stück ist rätselhaft, komisch, ein wenig unheimlich, witzig auch. Die sich anbietenden Assoziationen sind mannigfaltig, die Impressionen und Empfindungen durchaus individuell.

Dada Masilo und die Dance Factory aus Johannesburg zeigen nach der eigenwilligen und großartigen Interpretation von „Schwanensee“ / „Swan Lake“ Masilos neueste Choreografie: „Giselle“ beruht auf dem gleichnamigen romantischen Ballett nach einem Libretto von Théophile Gautier. Die Uraufführung der ersten Fassung in der Choreografie von Jean Coralli und Jules Perrot fand 1941 in Paris statt. Heute wird in Wien und von anderen bedeutenden Compagnien eine „Giselle“ getanzt, die auf der Petersburger Fassung Marius Petipas von 1887 beruht. Dada Masilo zeigte ihre Fassung der Geschichte von der zweifach verratenen Giselle und den tanzenden Rachegeistern im ausverkauften Volkstheater. Die Choreografin, im Westen bereits in den Kultstatus erhoben, darf sich der Zustimmung des Publikums sicher sein.

Mit Ikonen der Populärkultur und den von ihnen oder über sie verbreiteten Phrasen setzt sich das Duo Marta Navaridas & Alex Deutinger wortreich auseinander. „Pontifex“ heißt die neue fast heilige Show, die dem regierenden Papst Franciscus auf den Mund schaut. Das international erfolgreiche Duo zeigt seine satirische Text-Analyse mit reichlich Show-Elementen und der Musikerin Adina F. Camhy im Casino am Schwarzenbergplatz.

Mit ihrer Version des Ballettmärchens „Schwanensee“ hat die Tänzerin und Choreografin Dada Masilo aus Südafrika auch das europäische Publikum im Sturm erobert. Die Tänzerinnen und Tänzer der Dance Factory zeigen mit Grazie und Humor, dass Schwäne keine Spitzenschuhe brauchen und sich klassisches Ballett nahtlos mit afrikanischem Tanz verbinden lässt. Die Aufführung im Volkstheater war ein voller Erfolg.

Im Sommer 1875 verbrachte Kaiserin Elisabeth, die sich Sisi rufen ließ, zwei Monate in der Normandie. Verbürgt sind auch der Badeunfall, bei dem sie in einen Strudel geriet, aus dem sie ein Bürger von Beauport gerettet hat. Nicht verbürgt sind die Verwicklungen, die sich daraus ergeben haben und Österreich im 21. Jahrhundert fast in den Abgrund finanzieller Nöte getrieben haben. Schuld daran ist ein aufrechter Beamter, dem Recht und Ordnung wichtiger sind als sein Leben und die eben erst aufgeflammte Liebe. Mehr als ein Unterhaltungsroman. Eher eine treffende Satire auf den Beamtenstaat Österreich samt seiner Freundes-Vereine.

Auch im ImPulsTanz Festival darf getanzt werden. Welche Erlösung! Anne Teresa De Keersmaeker kommt ohne Wortschwall und Kasperlszenen aus und Christian Rizzo ebenfalls. Mit „ad noctum“, in Anlehnung an sein beim Festival von Avignon 2013 gezeigten Stück „Nach einer wahren Geschichte“, belebt er auf wunderbare Weise fließenden, leisen Tanz zu hämmerndem Beat in finsterer Nacht. Die magische Stunde im Museumsquartier endet im hellen Licht. Es dauert einige Minuten, bis die Verzauberung gelöst ist und die Begeisterung des Publikums hochbrandet.

Nachdem die Tänzerin und Choreografin Akemi Takeya ihr Zitronenuniversum, den Lemonismus, in vielen Vorstellungen allerhand Ismen der europäischen Kunstgeschichte gegenübergestellt hat, hat sie mit der Uraufführung von Lemonism x Dadaism (Lemonism Vol. 2) im Odeon gezeigt, dass sie keineswegs nur Zitronen im Kopf hat, dass sie neben Tanzen auch denken, viel denken, Theater spielen, singen, brüllen, jaulen, Klavier spielen und ihr Publikum begeistern kann. Um ehrlich zu sein: einen Teil davon. Die andere Hälfte knabberte mit offenem Mund an den vielen ungelösten Fragen und war ebenso verwirrt, wie die Performerin am Ende der Vorstellung in ihrem eigenen Netz, aus dessen Fäden sie sich scheinbar nur mit Mühe befreien konnte. DADA ist DADA ist DADA ist DADA und total gaga.

Der alte Maler und das Modell. Ein paar Stunden nur soll die Porträtsitzung dauern, dann wäre der junge Mann wieder entlassen. Doch der Künstler zerstört immer wieder, was er zu Papier gebracht hat und die Sitzungen dehnen sich ins Unendliche. Regisseur Stanley Tucci hat nach der Romanbiografie von James Lord „A Giacometti Portrait“ einen Film über den Schweizer bildenden Künstler Alberto Giacometti und sein Modell, James Lord, gedreht. Allein die Darstellung Giacomettis durch Geoffrey Rush rechtfertigt den Kinobesuch.

Die erste umfassende Biografie der großen schwedischen Malerin Helene Schjerfbeck. Barbara Beuys hat intensiv recherchiert, hat mit Zeitzeuginnen gesprochen, Briefe studiert und die Orte, an denen Helene Schjerfbeck gelebt und gearbeitet hat, besucht. Eine erstaunliche, spannende Geschichte über eine bedeutende Künstlerin und ihren Lebensraum, die außerhalb Skandinaviens noch zu wenig bekannt ist.

Aus einer eindrucksvollen Ausstellung des Salzburger Museums der Moderen im Rupertinum, die beiden Wiener Tänzerinnen Tilly Losch und Hedy Pfundmayr (1920 bis 1935 ) gewidmet war, ist ein Fotoband mit fachkundigen Textbeiträgen entstanden. Als „Beitrag zur Geschichte der Fotografie in Öterreich (Band 7)“ ist der Band im Photoinstitut Bonartes erhältlich.

Ein Mann in den besten Jahren, zu Hause in einem Schweizer Dorf, denkt über das Leben nach, seines und das allgemeine, also kurz über die Welt und sogar über Gott. Alles in allem kommt er, gelassen und weise zu dem Schluss: „Das Leben ist gut.“ So nennt Alex Capus auch die zusammengefassten Gedanken, Betrachtungen und Träume des Autors Max, der die Altglasentsorgung zu seinem Hobby gemacht hat. Ein Genuss für alle Anbeterinnen des feschen Schweizer Normannen.

Ein Mörder geht um, niemand kennt ihn, doch er kennt sie alle, hat er doch seine Jugend in dem schweigenden Dorf verbracht. Die Leserinnen kennen ihn auch, denn er erzählt seine Geschichte selbst und auch wenn uns noch so graut, wir verstehen den „nackten Mann, der brennt“, innen drinnen und bald auch außen mit Haut und Haar.

Das Festival Impulstanz 2016 verabschiedet sich mit einer großartigen Produktion der belgischen Theaterzauberer. In bunten, seidenen Boxermänteln, bestickt mit ihren Namen am Rücken, ziehen sie in den Zuschauerraum ein. Grace Ellen Barkey, Gründerin der Needcompany zusammen mit Mastermind Jan Lauwers, sagt leise: „Hello, I‘m Grace“. Sie springt auf die Bühne, ergänzt ihren Nachnamen, und daraus entspinnt sich ein höchst kunstfertiges Stakkato von Rufen „Grace Ellen Barkey“, den auch die anderen Spieler skandieren.

Am letzten Vorstellungsabend des ImPulsTanz Festivals 2016 sagte der mehrfach talentierte Künstler Michikazu Matsune „Good bye“, nicht mit eigenen Worten sondern mit fremden Abschiedsbriefen. Ein von heiterer Komik zu erschütternder Tragik pendelndes perfektes Kammerspiel. Der Applaus signalisiert Begeisterung, Matsune hat nicht die Absicht ihn unnötig auszudehnen, verneigt sich, verschwindet. Seine Fans pfeifen und kreischen nicht – wie angenehm.

Mit einer Leica ist Peter Reichert, Grafiker und Fotograf, durch Wien spaziert und hat auf den Auslöser gedrückt. Ein Bildband der anderen Art ist entstanden: Mit Bildern, wie sie nur der fremde Blick entdeckt, in Schwarzweiß. Linde Prelog hat dazu ebenso ausgefallene und anregende Texte gemacht.

Philipp Blom ist vor allem als international tätiger Journalist und Autor kulturhistorischer Werke bekannt. Als solcher hat er auch zahlreiche Preise abgeräumt, auch als Moderator der Ö1-Nachmittagssendung „Von Tag zu Tag“ ist er mitunter zu hören. Mit seinem jüngsten Roman kann ich mich nicht anfreunden. Ein Mann um die Lebensmitte schreibt seinem Sohn einen endlosen Brief, in dem er von seinem bisherigen Leben erzählt. Übergag: Der Sohn darf diese Bekenntnisse erst lesen, wenn er so alt ist wie der Autor zum Zeitpunkt des Schreibens.

In einer dramatisierten Dokumentation erzählt Richard Curson Smith von der aufregenden Flucht des Tänzers und Choreografen Rudolf Nurejew aus den Fängen des KGB. ARTE zeigt am 31. August eine gekürzte Fassung des BBC-Doku-Dramas. Rudolf Nurejew war der erste Künstler überhaupt, der sich (1961) in den Westen abgesetzt hat.

Die kanadische Choreografin Marie Chouinard und ihre Compagnie nehmen den 500. Todestag des niederländischen Malers Hieronymus Bosch zum Anlass, sein Triptychon „Der Garten der Lüste“ lebendig werden zu lassen. Die Aufführung, nur wenige Tage nach der Uraufführung beim Theaterfestival Boulevard’s Hertogenbosch in Boschs Geburtsstadt wurde die Aufführung im Volkstheater in der letzten Woche des ImPulsTanz Festivals heftig bejubelt.

Die kanadische Choreografin Marie Chouinard und ihre Compagnie nehmen den 500. Todestag des niederländischen Malers Hieronymus Bosch zum Anlass, sein Triptychon „Der Garten der Lüste“ lebendig werden zu lassen. Die Aufführung, nur wenige Tage nach der Uraufführung beim Theaterfestival Boulevard’s Hertogenbosch in Boschs Geburtsstadt wurde die Aufführung im Volkstheater in der letzten Woche des ImPulsTanz Festivals heftig bejubelt.

Liquid Loft / Chris Haring zeigt mit „Candy’s Camouflage“ den dritten Teil der Imploding Portraits Inevitable als einen der Höhepunkte von ImPulsTanz im Akademietheater. Teil III der Serie Imploding Portraits Inevitable erhielt wie auch die vorangegangenen Performances ungeteilte Zustimmung.

Dynamisch, rasant, ohne störende Worte und ziemlich lang wirbelte Wim Vandekeybus‘ Kult-Compagnie Ultima Vez kreuz und quer über die Bühne des Volkstheaters. Die TänzerInnen wurden live begleitet vom flämischen Musiker Mauro Pawlowski und Band, die schon einmal ordentlich aufrockten, laut und mitreißend. Frenetischer Jubel für die ImPulsTanz-Stammgäste, die mit maximalem Einsatz und großem Können beeindruckten.

Der amerikanische Tänzer und Choreograf Trajal Harrell nimmt das Solo des Buto-Meisters (1906–2010) Kazuo Ohno. „Admiring La Argentina“ (Choreografie von Tatusmi Hijikata), zum Vorwand für eine ziemlich rätselhafte, sehr komische Performance von 30 Minuten. Mit „The Return of La Argentina“ wollte er das Publikum des ImPulsTanz Festivals in der Eingangshalle des Leopold Museums „zu einer fiktionalen Archivierung“ dieses bald 50 Jahre alten Butoh-Tanz-Ereignisses einladen – steht im Programmheft. Was wir, das Publikum, da archivieren sollten, blieb mir verborgen.

Mika Kaurismäki, der ältere Bruder des Kultregisseurs Aki Kaurismäki, hat die rätselhafte schwedischen Königin Kristina und ihre Liebe zu Frauen in den Mittelpunkt seines großartig bebilderten Historienfilms gestellt. Großes Kinovergnügen samt Geschichtsunterricht. Doch nicht alles was Kaurismäki erzählt, muss auch geglaubt werden.

Tanztheater nach Butoh-Art zeigte der japanische Tänzer und Choreograf Ushio Amagatsu und sein siebenköpfiges Ensemble Sankai Juku im Volkstheater. „Meguid – Teeming Sea, Tranquil Land“ nennt er die sieben von elektronischer Musik (Takashi Kako und andere) untermalten Sequenzen, uraufgeführt im März 2015. Auf der staatlich unterstützen Welttournee 2016 machte Sunkai Juku auf Einladung ImPulsTanz auch in Wien Station. Auch die wiedererwachten Schlummernden und Gelangweilten applaudierten nach 80 Minuten begeistert.

Großmütter und deren Großmütter hatten sie einst, in mancher Bauernküche findet man sie noch heute: Wandschoner mit frommen Sprüchen. Der Künstler Daniel Spoerri hat sie auseinander geschnitten und neu zusammengesetzt. Dem Wieser-Verlag ist es zu danken, dass die „Fadenscheinigen Orakel“ nun auch in einem ansprechenden Bildband zu bewundern sind.


Die Autorin, Journalistin und Regisseurin Elisabeth Scharang ist offenbar von Verbrechern fasziniert. Nach ihrem Film „Franz Fuchs – Ein Patriot“, einer Semidokumentation über die Briefbombenattentate des Franz Fuchs Mitte der 1990er Jahre, hat sie sich nun mit dem Mörder Jack Unterweger beschäftigt. Johannes Krisch spielt den später für neun Frauenmorde neuerlich Angeklagten. Scharang hat viele Jahre an dem Film gearbeitet. Vielleicht ist er deshalb so langweilig. Weder kühle Dokumentation, noch Analyse und schon gar kein Vergnügen. Schließlich geht es um einen verurteilten Mörder.

Die Schauspielerin Stefanie Reinsperger ist im Rahmen der Kritikerumfrage der Zeitschrift Theater heute sowohl als beste Nachwuchsschauspielerin wie auch als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Zugleich wurde Regisseur Dusan David Pařízek für seine Inszenierung und das Bühnenbild von Wolfram Lotz’ „Die Lächerliche Finsternis“ (uraufgeführt im Akademietheater 2014) prämiert.

Der beliebte und mehrfach zu Filmehren gelangte Kommissar Tabor Süden hat ausgedient. Jetzt lässt Friedrich Ani Jakob Franck, einen Kriminalkommissar in Pension, ermitteln. Franck kommt mit dem Ruhestand nicht zurecht, geschieden ist er auch, einsam und ruhelos wird er heimgesucht von alten Fällen. Die Toten sitzen an seinem Tisch, er horcht ihnen zu und serviert Kekse.

Gene Kelly spannt den Schirm ab und tanzt im Regen, steppt zwischen den Tropfen und singt dazu. Genau: „Singin’ in the Rain.“ Ein Film, der nicht nur Großmütter bezaubert. Auch zwei schwedische Schulbuben ließen sich begeistern und beschlossen, es Kelly nachzutun. Sie wollten Tänzer werden. Einer, Alexander Gottfarb, hat durchgehalten, hat die harte Ausbildung an der schwedischen Ballettakademie überlebt, ist in Österreich dem freien Tanz begegnet, hat bei Esther Linley an der Bruckner-Universität in Linz studiert und ist bei Liz King im Burgenland (Cie.D. ID) als Artist in Residence aufgetreten. Nun will er mit der Company The Loose Collective das Alte Testament tanzen. Vielleicht auch singen. Wie viele Schweden hat er in der Jugend dem Chorsingen gefrönt.

Mit dem Bild des Schädels eines fossilen Krokodils signalisiert Viennale Direktor Hans Hurch einen der Schwerpunkte des heurigen Filmfestivals: Tiere. Dazu passt auch das Filmplakat mit der Schauspielerin Tippi Hedren. Der heuer 85jährigen, die vor allem durch die Filme „Die Vögel“ und „Marnie“ von Alfred Hitchcock bekannt geworden ist, zollt die Viennale ’15 Tribut.

Für Ivan Liška ist die aktuelle Saison 2015/16 die letzte als Ballettchef des bayerischen Staatsballetts. Ab 2016 /17 ist der russische Tänzer Igor Zelensky Chef des Bayerischen Staatsballetts. Zum Abschied schenkte der Förderverein „Ballettfreunde Hamburg e.V.“ dem großartigen Tänzer und Compagniechef Liška eine biografische Hommage, aufgezeichnet von der Journalistin Dagmar Ellen Fischer.

Das Festival ImPulsTanz ist mit den üblichen Erfolgsmeldungen beendet worden. Mehr als 96 Prozent Auslastung, 26.000 Zuschauer_innen, ein geteilter Prix Jardin d’Europe (an Elina Pirinen für „Personal Symphonic Moment“ und Ligia Lewis für „Sorrow Swag“) und an die 7.000 Workshop- und Researchbuchungen. Alles palletti?

Patrick Modiano erzählt in seinem jüngsten Roman von Jean Daragane, der, wie die Figuren Modianos so oft, auf der Suche nach der verlorenen Zeit ist. An die Kindheit erinnert er sich nur bruchstückhaft, doch neuerdings tauchen Namen und Personen aus seinem Gedächtnis auf, die er längst vergessen wähnte.

Das Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden steht zur Zeit im Zeichen der Auseinandersetzung mit der Tradition. Im Schloss Pillnitz, wo das 1876 gegründete Kunstgewerbemuseum (eine Entsprechung zum Wiener MAK, das 1863 als k.k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie gegründet worden ist) beheimatet ist, wird eine Hommage an die Tradition der Kunstblumenherstellung gezeigt: „Die Falsche Blume“ ist „Ein Desingmärchen von Hermann August Weizenegger“.

untitled [look, look, come closer]“ nennt die Choreografin Christine Gaigg ihren „Bühnenessay“, in dem sie im 21er Haus den Nachrichten, Reports und der Propaganda über Krieg und Terror in den (sozialen) Medien einen analogen Blick entgegensetzt. Mit minimalen Mitteln provoziert die Aufführung, verknüpft mit der Musik von Klaus Schedl (netzzeit), statt Voyeurismus und Zerstreuung echte Emotionen, Angst und Schrecken.

Das Genre der theorielastigen Performance dominiert dieses Jahr das ImpulsTanz Festival, das selbst sehr konzeptdominiert daher kommt. Da muss der Wiener Aktionismus wiederbelebt werden, damit Künstler_innen im Mumok auftreten können. Oder das kurz vor der Renovierung stehende Weltmuseum darf nicht einfach nur ein Spielort sein, nein, es muss gleich jedes Stück irgendeine inhaltliche Auseinandersetzung mit Bestand und Ausrichtung des Hauses bieten.

Die einen reden, klagen, kritisieren, zeigen auf. Die anderen tun.
Magda Chowaniec ist eine, die tut. Zum zweiten Mal hat sie mit jungen Flüchtlingen gearbeitet und mit ihnen eine beeindruckende Choreografie einstudiert. Mani Obeya und Liz King haben sie dabei unterstützt. „Songs of the Water / Tales of the Sea“ wird im Rahmen von ImPulsTanz im Weltmuseum gezeigt.

Attan bleibt bei uns“ nennt Magdalena Chowaniec, Choreografin, Tänzerin, Sängerin von Renommee, das Projekt mit jungen afghanischen Männern, die im Flüchtlingsheim der Diakonie im burgenländischen Rechnitz leben. Sie sind die „Rechnitz Crew“.  Chowaniec hat einen interessanten Ort für die Performance gewählt, den Pferdestall des kaiserlichen Hofes. Diese „Hofstallungen“ im Museumsquartier gehören jetzt dem MuMok.

Mit einer "Dornröschen"-Choreografie, "Der Liebe Schlaf", feiert Jörg Weinöhl am 16. Oktober nicht nur die Uraufführung seines neuen Balletts sondern auch seinen Einstand als neuer Ballettchef der Grazer Oper. Der bisherige Direktor, Darrel Toulon, verlässt zugleich mit Intendantin Elisabeth Sobotka nach 14 Jahren erfolgreicher Tätigkeit als Ballettchef und Choreograf, das Haus. Sobotkas Nachfolgerin ist die Schweizerin Nora Schmid, die bisher Chefdramaturgin an der Semperoper / Dresden war.

Der Tänzer Choy Ka Fai hat eine Forschungsreise durch die vielfältige choreografische Landschaft Asiens gemacht und ist mit einem Multimediaarchiv samt Performancezyklus zurück gekommen. Auf Einladung von ImPulsTanz hat er Teile des Archivs und auch drei Tänzer gebracht, die in kurzen Vorstellungen auf die Verschiedenartigkeit asiatischen Tanzes hingewiesen haben.

Einen Tanz für drei Cyborgs hat der Tänzer Sergiu Mates erfunden. Mit ihm tanzen Maria Walser und Luis Rodriguez tanzen eine Stunde lang alles, was sie an Bewegungen und Stilen bisher gelernt und in den Körper integriert haben. Bei  ImPulsTanz zeigten sie „Explicit Content“ im Schauspielhaus.

Florintena Holzinger und Vincent Riebeek träumen romantisch. In ihrem dreiteiligen Tanzstück „Schönheitsabend“ erinnern sie sich auf ihre spezielle Art an Episoden der Tanzgeschichte. Les Balletts Russes, die Tänzerin Anita Berber, die Wien zum Kochen gebracht hat und Vaslav Nijinsky, Symbol der Tanzkunst, bilden den Hintergrund für einen bewegten Abend im Kasino am Schwarzenbergplatz.

Mit dem „Facebook Theatre“ lädt der Performer Ivo Dimchev das Publikum im mumok ein mitzuwirken. Es soll über Facebook mit ihm kommunizieren, indem es Bemerkungen und Kommentare postet. Live integriert er die dann in seine Show. Das klappt nur bedingt, denn was da gepostet wird, ist nichtsonderlich inspirierend und auf die Technik kann man sich auch nicht verlassen.Sie hat ihre eigenen Marotten und will nicht immer, wie sie soll.

Englisch klingt es halt besser, das Allerweltsmotto „Zurück in die Zukunft“. Eine abgedroschene Hülle, die aber alles und jedes zu stülpen ist. Sei’s drum. Auch heuer wird beim steirischen herbst getanzt und vorgeführt, gelacht, vielleicht auch geweint und eben auch die Vergangenheit neu betrachtet, („damit die Zukunft gelingen kann“, steht im Text der Intendantin Veronica Kaup-Hasler). Den Reigen eröffnet Mette Ingvartsen mit einer Uraufführung.

Tritte, Schläge, Kopfstöße, Kollisionen, übereinander Rollen und Wälzen. Schließlich am Boden liegend Schmerzen mimen, eine Show, den Fußballern abgeschaut. Vier Männer versuchen einander in Bewegung zu halten oder zu stoppen: Contact Gonzo. Etwas härter aber im Grunde doch nicht viel mehr als eine Rauferei im Pausenhof, gezeigt im Rahmen von ImPulsTanz im Weltmuseum.

Ein Kommentar anstelle einer Rezension.
Denn zu „my shapes, your words, their grey“, der Performance von Philipp Gehmacher im 21er Haus ist alles gesagt. ImPulsTanz kündigt den Auftritt keck als Uraufführung an. Das stimmt im Grund, doch eigentlich auch wieder nicht. Die Performance / Ausstellung beschäftigt Gehmacher schon seit gut zwei Jahren und wurde in Variationen bereits mehrmals gezeigt. Im 21 Haus war nun, im Rahmen von ImPulsTanz, eine neue durch den Raum bedingte, Variante zu sehen.

Als Workshopleiter  ist der klassisch ausgebildete Performer Simon Mayer bei ImPulsTanz  kein Unbekannter. Jetzt darf er (endlich) auch auf die Bühne. Im Odeon  zeigt er seine brillantes  Solo „SunBengSitting“.  Eine präzise gearbeitete, energiegeladene Tanzdarbietung, die Elemente des klassischen Tanzes mit Volkstanzelementen, Brauchtum und Machoverhalten nahtlos verbindet und zeigt, dass Stadt und Land nicht gar so weit voneinander entfernt sind, wie es manchmal scheint.

Die in Österreich lebende japanische Tänzerin / Choreografin hat ihr feines Solo „Little Stories About S.O.S.“ in eine Gruppen Version verarbeitet. Drei Tänzer und eine Tänzerin zeigen „Sings Of Solidarity“ und andere Deutungen von S.O.S, des Kürzels für den Internationalen Notruf, das bei Licht besehen nichts bedeutet, nur eine Buchstabenfolge ist. Der Idee der kleinen als 30-Sekunden-Ritual vorgetragenen Geschichten, im Kasino am Schwarazenbergplatz gezeigt, hat das nicht gut getan.

Eine „Performance-Ausstellung“ nennt Akemi Takeya ihr neues Solo, uraugeführt im Schauspielhaus. Wie der Titel andeutet, zeigt sie „kleine Geschichten“, die auf symbolische und teilweise ironische Weise einen Notfall zeigen. Takeya ist allein auf der als Laufsteg ausgelegten Bühne, mit Konzentration und Esprit hält sie das Publikum gespannt.

Festivaldirektor Hans Hurch © Alexi PelekanosIn seiner gestrigen Sitzung hat das Kuratorium der Viennale einstimmig die Verlängerung des bis 2016 laufenden Vertrags von Viennale-Direktor Hans Hurch um weitere zwei Jahre beschlossen.

Mit „Future Memory“ frönt Rani Nair ihren ganz persönlichen Erinnerungen an die indisch-schwedische Tänzerin Lilavati Häger. Ihr hat der deutsche Choreograf Kurt Jooss seine letzte Choreografie, „Dixit Dominus“, geschenkt. Häger hat dieses Solo Nair, auch sie hat indische Wurzeln und lebt in Schweden, als Erbe überlassen. Im Weltmuseum zeigte die Tänzerin, in engem Kontakt mit dem Publikum, wie sie mit dem Geschenk umgeht.

War der Sex früher besser? Für Christine Gaigg schon. Da gab es etwa noch ein männliches Begehren, da stimmte das Verhalten der Männer gegenüber den Frauen noch. Es gab ein geiles Liebesleben und nicht etwas Geiles zu kaufen vom Elektrohändler Saturn. Wie und warum sich Sexualität in den letzten dreißig Jahren gewandelt hat, reflektiert die Choreographin und Theaterwissenschaftlerin in ihrem Stück „Maybe the way you made love twenty years ago ist the answer?“ an einem Abend im Odeon.

Die indische Tänzerin und Choreografin Padmini Chettur zaubert lebendige Reliefs an die Wände zweier Räume des Weltmuseums. Eine dreistündige Arbeit, bezaubernd schön und aufregend radikal, die die Zeit schrumpfen und den Geist fliegen lässt. Mit „Wall Dancing“ –  vier Tänzerinnen und ein Tänzer – hebt sie die Regeln zwischen Performer_innen und Zuschauer_innen auf und fesselt das Publikum durch Ruhe und Konsequenz.

Vor mehr als 30 Jahren passierte Sensationelles auf der kleinen Bühne des heute „brut“ genannten Theaters im Künstlerhaus (später „dietheater“): Eine unbekannte Compagnie, das Tanztheater Wien, zeigte seine erste Produktion. Hinreißend, neu, Tanz ganz anderer Art. Mit dem Abend „Back to the Future“ läßt Gründungsmitglied, Tänzerin und Choreografin Liz King gemensam mit Mitgliedern ihrer ehemaligen Formationi im Akademietheater Motive aus den damals gefeierten Stücken wieder aufleben. Eine Erinnerungsarbeit.