Autor Stefan Slupetzky. © Kurt Pinter /Rowohlt

Autor Stefan Slupetzky. © Kurt Pinter /Rowohlt

Vier Fälle hat Leopold Wallisch, genannt der Lemming, gelöst, bis er den Detektiv an den Nagel gehängt und sich mit Frau und Kind zurückgezogen hat und Nachtwächter im Tiergarten ist. Jetzt aber, nach zehn ruhigen Jahren, ist er wieder zurückgekehrt und hat gleich den bereits aus dem vierten Teil der Lemming-Serie, „Lemmings Zorn“, bekannten Bezirksinspektor Polivka mitgenommen. Zu zweit gelingt es ihnen, eine mörderische, geldgierige Familie auszurotten. Stefan Slupetzky ist mit der „Rückkehr des Lemming“ wieder eine wunderbare Wiener Kriminalgeschichte gelungen, die vor Wortwitz und skurrilen Ideen sprüht. Die zwei detektivischen Käuze und ein kurioses flügellahmes Vogelpaar spielen ihre Rollen perfekt.

Mit einer Straßenbahnfahrt beginnt das Drama. Foto:  Kurt RasmussenEs beginnt ganz harmlos: Der Straßenbahnfahrer Theo verliebt sich in eine „Unscheinbare“, die gar nicht so unscheinbar ist, aber nahezu täglich an der selben Station in seine Garnitur einsteigt. Noch bevor er sie ansprechen kann, sieht er, wie sie in ein Taxi gezerrt wird. Er meint eine Entführung beobachtet zu haben und weiß sich mit seiner Vermutung an niemanden anderen zu wenden als an seine Tante Klara, die Tierärztin. Nicht per Zufall ist der Mann von Klara und Vater ihres Sohnes Benjamin unser aller geliebter Leo Wallisch, der Lemming. Nicht sehr lange ziert er sich, bis er den Bitten des Neffen nachgibt und sich des Verbleibs der schönen Unscheinbaren annimmt. Leider findet er die Dame nicht gleich, dafür aber die Leiche eines dicken Reise-Journalisten, der alle seine Geschichten von zu Hause am Computer erlebt und schreibt. Keine Leiche ohne Auftritt der Polizei und damit von Bezirksinspektor Polivka. Der ist inzwischen Chefinspektor geworden, jedoch grantig geblieben.Ein Dodo, gemalt von Roelant Savery (1576–1639), anonymous_artwork__facsimile_of_1626. © lizenzfrei

Bald kommen exotische Vögel, berühmt, jedoch ausgestorben, auf die Bühne: die Dodos. Die lebten einst auf Mauritius glücklich und zufrieden, ohne Feinde. Bis die Spanier kamen, die stahlen ihnen zuerst die Eier und später ihr Leben. Die Dodos konnten nicht fliegen, so waren sie für die gierigen Kolonisatoren leichte Beute.

Apropos „Eier“, mit einem Papagei und einem aufs köstlichste variierten Eier-Scherz beginnt das zweite Kapitel, damit wir nach dem romantischen Einstieg und den schmachtenden Blicken, die der Straßenbahner Theo seiner angebeteten Unbekannten zuwirft, nicht glauben, eine Liebessschmonzette lesen zu müssen. Theo, der Neffe, verschwindet bald aus der Geschichte, weil er im Krankenhaus liegt. Roelant Savery: Landschaft mit Vögeln (1628).  Der Dodo  steht rechts unten. © lizenzfreiDoch er überlebt den Mordversuch und meldet sich zu guter Letzt mit einem Brief, den er an Tante Clara und Onkel Leopold samt Grüßen an Polivka, „den alten Grantscherben“, schreibt, während die wieder gefundene und nach einem überaus gefährlichen Showdown vom Lemming und Polivka befreite, im Moment nackte Unscheinbare mit Namen Sophie, neben ihm liegt. Im Garten des Anwesens im Niemandswald, wie das einsame Waldgebiet im südsteirischen Hügelland seit Jahrhunderten genannt wird, flötet die Vogelfamilie ihr süßes „Doodoo, doodoo“.Buchcover © Rowolt Verlag

Wie der Lemming und Polivka bis in die Steiermark und den Verbrechern auf die Spur kommen und auch den Dodo (Didus ineptus oder Raphus cucullatus, auch Dronte genannt)) finden, und wie und warum die Dodos überhaupt von Mauritius in den Niemandswald gekommen sind, das muss die Leserin selbst erforschen. Eine Zeitreise ins 17. Jahrhundert und die gefährliche Fahrt über die Meere wird ihr nicht erspart bleiben, doch sie wird dabei großes Vergnügen haben, manche Überraschung erleben und auch etwas lernen – die Kunst des Schüttelreimens.

Stefan Slupetzky: „Der Lemming kehrt zurück“, rororo tb, 2017. 256 S. € 10,30. Auch als E-Book erhältlich.