Ein gefühlvoller, nobler Prinz, eine zauberhafte Odile, eine verführerische Odette und viele anmutig flatternde Schwäne. Die Aufführung des Balletts „Schwanensee“ in der Choreografie von Rudolf Nurejew am 25. Februar war ein bewegendes Erlebnis. Dirigent Paul Connelly zelebriert mit dem Staatsopernorchester Peter. I. Tschaikowskis Musik als emotionales Schaumbad, festlich, aufwühlend, elegisch und wehmütig. Musik, die man sehen kann.

Feiert das Leben! Auch im Angesicht des Todes! Alain Platel brachte mit seiner Compagnie „Les Ballets C de la B“ zur Musik von Fabrizio Cassol nach Mozarts Requiem das Stück „Requiem pour L.“ nach St. Pölten. Afrikanische Musik und Lebensfreude vor einem Film, der eine Sterbende zeigt. Welch eine Herausforderung für den Umgang mit dem Tod!

Der Choreograf und Tänzer Georg Blaschke und der Medienkünstler Jan Machacek arbeiten seit einigen Jahren gemeinsam an der Präsentation und Darstellung des menschlichen Körpers und seiner Reproduktion. Das neue Werk, „Bodies and Accidents“ ist von den Körperbildern des britischen Malers Francis Bacon (1909–1992) inspiriert und eine „künstlerische Reaktion“ auf Bacons Werk. Die Uraufführung ist im brut / Semper Depot (Atelierhaus der Akademie der Bildenden Künste) mit Begeisterung aufgenommen worden.

Nicht Musik, sondern Geräusche bilden im neuen Stück von Chris Haring / Liquid Loft den Klangraum, in dem sich acht ausgezeichnete Tänzer*innen wie Automaten bewegen. Mit „Models of Reality“, am 21. Februar im Tanzquartier uraufgeführt, setzt Haring die Reihe „Foreign Tongues“ fort, bemüht nicht nur die Sprache der Dinge, wie Knirschen, Knarren, Quietschen, sondern auch Wortfetzen und ein wenig Musik, komponiert und kompiliert von Andreas Berger. Bestechend sind nicht nur die Ausführenden, sondern auch der Raum aus Licht, den Thomas Jelinek gebaut hat. Dennoch lässt mich die Vorstellung ratlos zurück, erschließt sich mir nicht wirklich.

Ein begeistertes Publikum hat sich am 19. Februar für eine gelungene Aufführung, es war insgesamt die 239. in der ganz der Musik von Peter I. Tschaikowski vertrauenden Choreografie von Rudolf Nurejew, nicht bei den beiden Solisten, Nina Poláková und Denys Cherevychko­, sondern auch beim Corps de ballet und dem Dirigenten Paul Connelly lautstark bedankt. Poláková und Cherevychko haben wunderbar miteinander harmoniert, auch wenn beide erst im 3. Akt so richtig in Schwung gekommen sind.

Thomas Sautner versteht zu erzählen und verwandelt im neuen Roman, „Großmutters Haus“, das Banale ins Märchenhafte, Steine in Dichtung. Die Handlung ist einfach: Die Studentin Malina erhält von ihrer Großmutter unerwartet ein Paket mit erstaunlichem Inhalt. Sofort beschließt sie, die von der Familie totgeschwiegene Großmutter in ihrem Haus im Waldviertel aufzusuchen. Diese Großmutter stammt nicht aus dem Bilderbuch, sie ist eine wahrhaft unwürdige Greisin.

Großer Applaus für die Nikisha Fogo, die erst im Herbst 2018, nach der Premiere des Balletts „Sylvia“, in dem sie die Titelrolle kreiert hat, zur Ersten Solotänzerin ernannt worden ist, und am 19. Februar, in der 6. Vorstellung von „Coppélia“ in der Volksoper die Rolle der Swanilda getanzt hat. Ihr Partner war Richard Szabó.

Sie sind erschöpft, nahezu erstarrt, traumatisiert, wovon weiß man nicht genau. Drei Menschen, eine Frau und zwei Männer, treiben im Meer dahin, klammern sich an ein aus Treibgut gebildetes schwankendes Schiff. Versuchen, sich aufzurichten, fallen wieder um, bleiben wie paralysiert liegen, wissen nicht, dass sie zu dritt sind. Allmähich aber kommen sie zu sich, registrieren einander, nehmen Kontakt auf, nicht durch Sprache, aber durch Berührungen, die immer inniger werden.

Als Jubiläumsfestival geht heuer imagetanz im extralozierten brut über die Bühne. Seit 30 Jahren gibt es das Festival für neue Positionen aus Choreografie und Performance. Das Festivalzentrum ist diesmal – das brut-Stammhaus ist immer noch eine Baustelle – im Atelier Augarten. Uraufführungen finden auch im Studio brut und im Dschungel statt.

Mit ihrem Puppen- & Objekttheater präsentieren Karin Bayerle und Peter Ketturkat diesmal einen Zirkus, in dem ein kleiner Clown nach oben, am besten auf den Mond, klettern will. Die poetische Produktion ist für Zuschauer*innen ab 4 geeignet, die Uraufführung ist am 15. Februar im Dschungel gefeiert worden.

Die belgische Künstlerin zaubert mit „Mystery Magnet“ eine bunte, rätselhafte Show auf die Bühne. Am 15. Februar war das aufwändige Werk, das 2012 in Brüssel uraufgeführt und seitdem mehr als hundert Mal in aller Welt gezeigt worden ist, im Tanzquartier zu sehen. Eine Arbeit, die alle Grenzen sprengt, sich nicht einordnen lässt und genau deshalb begeistert.

Mit 45 Produktionen mit 430 Künstler*innen aus 19 Ländern, davon 10 Uraufführungen, füllt der neue Intendant der Wiener Festwochen Christophe Slagmuylder die neun Festwochen von 11.Mai bis 16. Juni. Er hat es leicht und schwer zugleich gehabt. Leicht, weil es nach Thomas Kierhofer-Zin, der nach nur zwei Spielzeiten das Intendanten-Handtuch geworfen hat, keine große Kunst ist, ein sinnvolles Programm zu präsentieren. Schwer aber, weil Slagmuylder nur ein knappes Jahr gehabt hat, um seine Visionen zu verwirklichen. Bei der Programmvorstellung im Studio Molière  am 14. Februar wirkte er dennoch frisch und ausgeschlafen.

Siruan Darbandi und Kajetan Uranitsch, zwei Drittel der Kompanie Freispiel, packen ihre „Siebensachen“ und zeigen Kindern ab 7, dass die Dinge die Sprache ersetzen und Gefühle wecken können. Dass Objekte nicht immer sind, was sie scheinen, ist sowieso klar. Die Uraufführung des neuen Stückes von Freispiel hat die Kinder der Premiere in Dschungel am 12. Februar zu fröhlichem Gelächter verführt.

Inspiriert von der Lebensgeschichte des weltbekannten Tänzers Carlos Acosta, hat die1968 in Spanien geborene Schauspielerin und Regisseurin Icíar Bollaín einen mitreißenden Film über die außergewöhnliche Karriere des Tänzers und seine Heimat Kuba gedreht. Den erwachsenen Tänzer spielt Carlos Acosta selbst, das Kinderich von „Yuli“ wird von dem damals zehnjährigen Edilson Manuel Olbera Nuñez verkörpert, ein Bub zum Abbusseln. Dagegen fällt KeyvinMartínez, der den jugendlichen Carlos spielt, deutlich ab.

Die multimediale Schweizer Produktion „Accalia“ ist ein faszinierendes Duett von Analog mit Digital. Analog ist Elda Gallo, die Tänzerin, digital ihr Partner, ein Computerprogramm. Das Schweizer Team Philip Whitfield, Martin Fuchs und Sebastian Zuber ist mit Elda Gallo an drei Tagen im Dschungel Wien zu Gast. 21. bis 23. Februar, m Rahmen des Schweiz-Schwerpunktes im Dschungel.

Olga Esina und Jakob Feyferlik haben am 11. Februar die Vorstellungsserie in dieser Saison des Balletts „Schwanensee“,  Choreografie von Rudolf Nurejew, eröffnet. Am Ende der Vorstellung wird Jakob Feyferlik auf offener Bühne von Ballettchef Manuel Legris zum Ersten Solisten ernannt. Das Publikum gerät in Euphorie, pfeift und johlt, als wäre es in einem Popkonzert. Der junge Tänzer, der siebente Erste Solist im Wiener Staatsballett, verbeugt sich strahlend, weiß, dass der Applaus auch seiner Partnerin Olga Esina gilt.

Wo die wilden Kerle wohnen“ / „Where The Wild Things Are“, das Kultbuch für Vierjährige von Maurice Sendak (1928–2012), hat es dem Choreografen Bert Gstettner angetan. Nach „Wild*Things“ (Dschungel 2015) greift er das Thema des Kinderklassikers mit „Wilde*Welten“ wieder auf und zeigt neuerlich ein Tanztheater im Dschungel Wien. Aus der Hauptfigur, Max, ist eine Maxie geworden, die mit einem Ensemble von weiteren sechs Kindern tanzt, turnt und singt und von der Sehnsucht nach Freiheit, Freundschaft und Geborgenheit, aber auch von Angst und Schrecken und Machtfantasien erzählt.

Nach den Aufführungen in Mexiko, Polen, Portugal und Litauen zeigt Hygin Delimat / Body Architects sein Tanzstück „Slowstepper – On the Edge of Survival” am 7. und 8. März auch in Wien, im Brick 5. Der Titel des Solos ist Programm, die Überlebensfrage beantwortet der Körper. Langsam oder schnell, tapfer mit Kraft oder schlapp ohne, nahe am Aufgeben.

Im Rahmen des Schwerpunktes „Material World“ des Tanzquartier Wien gastierte Anfang Februar – nach einer Lecture der österreichischen Choreografin und Tanztheoretikerin Martina Ruhsam (Justus-Liebig-Universität Gießen) über „Moving Matter(s)“ und die Beziehung „nicht humaner Körper in zeitgenössischen Choreografien“ – die in Salzburg und Wien lebende Choreografin und Tänzerin Lisa Hinterreithner mit ihrer neuen Arbeit „and and“.

Schön war’s wieder, das Schweben und Zappeln, Drehen und Springen in Stiefeln und Spitzenschuhen. Maria Yakovleva wird in der 4. Vorstellung am 6. Februar für ihr Debüt als Swanilda im Ballett „Coppélia“, rekonstruiert und choreografiert von Pierre Lacotte, mit Rosen überschüttetet. Denys Cherevychko zeigt wieder, dass ihm der Franz auf den Tanzkörper geschrieben ist.

Amitava Kumar, 1963 im indischen Ara geboren, lebt heute in Poughkeepsie, New York, und lehrt Englisch am Vassar College. Im Anglo-Amerikanischen Sprachraum ist der erfolgreiche Autor durch Kurzgeschichten, Essays, wissenschaftliche Publikationen und Sachbücher, aber auch durch seine journalistische Tätigkeit bekannt und geehrt. Jetzt ist erstmals eine seiner Veröffentlichungen, sein zweiter Roman, ins Deutsche übersetzt. „Am Beispiel der Affen“ sind die aus eigenen Erfahrungen geschöpften Erinnerungen eines fiktiven indischen Linguisten, der seine Studienjahre in den USA verbracht hat. 

Tanzen, tanzen, tanzen, täglich acht Stunden, ein Jahr lang, vom 27. Jänner 2018 bis 26. Jänner 2019. 13 Tänzer*innen bewegen sich abwechselnd in einem kleinen Lokal in der Wiener Neustiftgasse. Freier Eintritt, Publikum jederzeit willkommen, darf raus und wieder rein, einmal, mehrmals, ganz nach Belieben. Zwei Tage nach dem festlichen Finale im Zimmer für ein Jahr wird im Tanzquartier, Veranstalter des Megaprojekts, eine erste Bilanz besprochen. Beteiligte aus dem Zentrum, also die Künstler*innen, und vom Rand, Zuschauerinnen und Zuschauer, tauschen ihre Erfahrungen aus, stellen Fragen und bekommen Antworten. „Reflexions“ dient dem Rückblick und Erfahrungsaustausch.

Nicht zu glauben! Der Ballettclub der Wiener Staatsoper & Volksoper, gegründet 1999 als Ballettclub Wiener Staatsoper, ist schon 20 Jahre alt. Das muss gefeiert werden und ist auch in feierlicher, fröhlicher bis ausgelassener Form am 31. Jänner im Palais Metternich (Italienische Botschaft) gefeiert worden.

Faszinierend ist das Solo „Pip“, das die Tänzerin Emmy Steiner, Gewinnerin des TRY OUT!/artists-in-residence-Wettbewerbs 2018, gemeinsam mit dem Dschungel-Team entwickelt hat. Nur mit ihrem Körper und der ausdrucksstarken Mimik bringt sie ein Universum an Bewegungen auf die Bühne. Die Premiere im Dschungel Wien am 1. Februar bestaunten nicht nur die Zuschauer*innen ab 5.

Und die Kapelle spielt bis zum Schluss. Im Festspielhaus St. Pölten war „Grand Finale“, die jüngste Choreografie des Choreografen Hofesh Shechter zu erleben. In düsterem, nebligem Ambiente beschreibt die Arbeit den Zustand der Welt mit all ihren Konflikten, Kriegen und Dramen in kraftvollen Bildern. Und gibt am Ende trotzdem Mut.

Teilen, teilhaben, mitteilen oder teilen mit, wer könnte da dagegen sein? Jedenfalls nicht die Kompanie Freispiel, die ihr Erfolgsstück mit dem wundersam doppeldeutigen Titel „Ein Stück teilen“, zurzeit im Dschungel, dem Theaterhaus für junges Publikum, zeigt. Was die drei jungen Männer allerdings teilen und mitteilen, ist nicht nur ein Stück, es ist Gesellschaftskritik und Philosophie, Freundschaft und Konkurrenz, Abstraktes und sehr Konkretes und auch, dass nicht alles teilbar ist. Bei aller Liebe und Toleranz!

Zum ersten Mal zu Gast im Festspielhaus St. Pölten: das Alonzo King LINES Ballet. Die Compagnie aus San Francisco des afroamerikanischen Choreografen zeigt die beiden Ballette „Biophony“ und „Sand“, beide Stücke beschäftigen sich mit der Natur und dem Menschen. In „Sand“, uraufgeführt 2016, dient der Sand als Metapher für menschliche Beziehungen; in „Biophony“, Kings jüngster Schöpfung, bewegt sich das Ensemble inmitten der Klänge des Erdballs.

Die Mehrfachaufgabenperformance (Multitasking, ein Begriff aus der Computertechnik) hat der Video- und Performancekünstler Jan Machacek zu einer lockeren audiovisuellen Stunde zusammengefasst. Um die einzelnen Videokunststücke zusammenzuhalten und dem Stücktitel (plump übersetzt: Mehrfachaufgaben-Tagebücher) gerecht zu werden, erzählt er dazwischen live von allerlei Pannen bei fiktiven Auftritten. Begleitet wird er vom bekannten Multiinstrumentalisten Oliver Stotz. Abwechslungsreich und überaus erstaunlich.

Für eine Weile scheint der dreiteilige Abend mit zwei einprägsamen, immer wieder gerngesehenen Choreografien, und einem neuen Werk abgetanzt. Zehn Mal ist er zu sehen und auch zu genießen gewesen. George Balanchines „Symphonie in C“ zur gleichnamigen Symphonie des 17jährigen Georges Bizet, kann ebenso beglücken wie Edward Liangs großartiges Werk „Murmuration.“ Daniel Proietto, der in Argentinien geborene Tänzer und Choreograf mit der romantischen Seele, lässt das Publikum etwas ratlos und die Tänzerinnen samt Tänzer Eno Peçi mit recht spärlichem Applaus zurück. Doch der Misserfolg des mit soviel Ambitionen für Wien geschaffenen Balletts „Blanc“ liegt nicht an ihnen. Auf keinen Fall an der „Sylphide“ Ketevan Papava, die die Rolle kreiert und jetzt damit auch ihr Karenzjahr beendet hat.

Die 17jährige Victoria ist schwanger. Ihre Mutter wirft sie hinaus. Ihre Lehrerin Maggie hilft ihr, auf der Farm der McPhersons, zweier wortkarger Brüder, unterzukommen. Allmählich gewöhnen sich die beiden alten Männer an das junge Mädchen und freuen sich auf das Baby. Kent Haruf erzählt lapidar, und doch vibriert dieser Roman von Gefühlen. Einsamkeit und Liebe, Gewalt und Güte werden in Handlungen, Gesten und in den alltäglichen Verrichtungen spürbar. Haruf braucht in "Lied der Weite" kein Pathos, um Atmosphäre zu schaffen genügt die angenehme Klarheit, mit der er seine Sätze niederschreibt. Ein Meister, der im deutschen Sprachraum viel zu spät entdeckt worden ist. Kent Haruf ist 2014 im 70. Lebensjahr verstorben. Jetzt ist ein zweiter Roman auf Deutsch erschienen.

Zufrieden kann ich die Pressekonferenz der Wiener Festwochen (FEST- wird in Versalien geschrieben) am 15. Februar samt Programmheft und Unterlagen verlassen. Es hat sich wieder alles zusammengeschüttelt: Das Programmbuch ist lesbar und geordnet, das Programm verspricht vielfältigen Genuss und tiefes Nachdenken.

Seit nahezu 20 Jahren bietet das Festival imagetanz Neues aus Choreografie, Tanz und Performance. Der Tanz, der richtige freie Tanz, hat zwar an Platz, vermutlich auch an Interesse, verloren, doch hat sich im Gegenzug die körperorientierte Vorstellung, die nicht unbedingt bewegt sein muss, auf Deutsch Performance, breitgemacht. Dieses Jahr fahren Künstler*innen im Gesundheitszug. Das Publikum fährt mit. Nicht nur, weil es sich mit dem brut-Ensemble auf Wanderschaft begeben muss. Noch ist die Renovierung des Theaters nicht abgeschlossen, doch mit Engagement und guten Ideen haben Chefin Kira Kirsch und ihr Team neue Auftrittsorte gefunden. So spielt sich imagetanz nicht am Karlsplatz ab, sondern am Petersplatz, in der Brunnenpassage, im Studio Matsune im 10. Bezirk oder im Château Rouge auf der Schönbrunnerstraße.

Aus Alt mach Neu! Bert Gstettner mit dem Ensemble seines Tanz*Hotel ist das großartig gelungen. Nach der Uraufführung im Dschungel 2013 hat er das Tanztheater mit Live Musik und sechs springlebendigen Kinder keineswegs in der Mottenkiste abgellegt. Aufgefrischt und mit einer neuen Generation von Volksschulkindern und der Tänzerin Karin Steinbrugger knödelt es als nahezu neues Stück über die Dschungel-Bühne. Statt weitausholender Lobeshymnen sei gemeldet, dass alle bisher vorgesehenen Vorstellungen bereits ausverkauft sind. Fragen kostet aber nichts, der feuchtkalte Winter provoziert Restkarten.

Ein Sachbuch von besonderer Anmut. Geht es doch um die „Geste in Komposition und Aufführung“. So der Untertitel der Sammlung von vielfältigen Essays über die Sprache des Körpers, nicht nur speziell in der Musik, sondern auch allgemein. Die Herausgeberinnen, Irene Suchy und Susanne Kogler, sind selbst kompetente Musikwissenschaftlerinnen und haben den Band als Ergebnis eines künstlerisch-wissenschaftlichen Projekts „Vom Entdecken der Hände – Gesten, Posen und Gebärden“ mit KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen gestaltet.

Saskia Hölbling spannt ihre Netze zwischen den Säulen des Semper Depots. Vier Tänzer_innen sollen sich darin verfangen, einander begegnen oder auch behindern. „corps suspendus“ nennt sie ihr neues Stück mit Musik von Wolfgang Mitterer. Anna Hain, Leonie Wahl, Ardan Hussain und Jan Jakubal klettern, kämpfen, ruhen im Netzwerk. Gudrun Lenk-Wane hat die Netze als Bühnenbild entworfen.

Mit neun Jahren wird Ninetto Giacalcone aus der kleinen szilianischen Stadt San Cono nach Mailand geschickt, um Geld zu verdienen. In San Cono wandern alle Jungen aus, die Stadt ist zu arm, Arbeit gibt es kaum. Nineto ist spindeldürr, deshalb wird er in der Schule „Pelleossa“  / "Haut und Knochen" gerufen. Der Spitzname bleibt ihm.

Nach ihrer Liebe zu Gioachino Rossini hatten die Wiener in der Mitte des 19. Jahrhunderts den jungen Giuseppe Verdi entdeckt. „Nabucco“ dirigierte er 1843 sogar selbst im Kärntnertortheater, doch „Va pensiero“ wurde hier gar kein Hit wie in Italien. Dieses und einiges mehr erfuhr man bei einer Veranstaltung der Wiener Staatsoper in der Studiobühne Walfischgasse, wo Dramaturg Andreas Lang über „Verdi und Wien“ erzählte.

Wo anfangen, wo enden, um diesen wunderbaren Neumeier-Abend mit „Les Pavillon d’Armide“ und „Le Sacre“ zu beschreiben. Mit den großartigen, ausdrucksstarken Solist_innen (Roman Lazik, Mihail Sosnovschi, Nina Poláková oder Rebecca Horner), oder mit John Neumeier selbst, der aus dem staubbedeckten Ballet d’Action zur Musik Nikolai Tscherepnins über die hocherotische Geschichte der zauberhaften Armida deren Porträt lebendig wird und einen Jüngling verführt, ein bestrickendes Ballett zwischen Traum und Wirklichkeit geschaffen hat? Oder mit dem Dirigenten, Michael Boder, der das Staatsopernorchester zu Höchstleistungen angetrieben hat, im „Pavillon“, ganz dem Diktat der Tänzer_innen gehorchend und in „Le Sacre“ den Tänzer_innen sein eigenes Tempo aufzwingend? Zusammengefasst: Dieser Premierenabend war ein Erlebnis, an dessen fulminanten Finale (Horner) ich, verzaubert und erschöpft, in den frenetischen Jubel des Publikums eingestimmt habe.

Nach der vom Publikum gefeierten Premiere von John Neumeiers Le Pavillon d’Armide | Le Sacre an der Wiener Staatsoper am  19. Februar 2017 hat Ballettdirektor Manuel Legris Rebecca Horner zur Solotänzerin des Wiener Staatsballetts ernannt. Die aus Wien stammende Tänzerin wurde als Solistin in Le Sacre bejubelt – sie wird auch in den weiteren Vorstellungen des zweiteiligen Abends  in Le Sacre tanzen.  

Ein selten auftretendes Naturphänomen ist der Ausgangspunkt dieses 3. Teil von Peter Mays Trilogie rund um den Ex-Polizisten Finlay (Fin) MacLeod. Der hat seinen Job in Edinburgh und kehrt auf seine Heimatinsel Lewis (größte Insel der Äußeren Hebriden, am nordwestlichen Ende Europas) zurück. Dort begegnet er seiner Kindheit und seiner ersten Liebe und kann es auch nicht lassen, Detektiv zu sein. Dunkel, dramatisch und überaus romantisch.

Inmitten der unendlichen Schneelandschaft ein Krater. Darinnen sitzt Josef Hader, ist splitterfasernackt und schaut ziemlich betropetzt in die weiße Welt. Eine vielversprechende Einleitung des Regiedebuts von Josef Hader, der auch das Drehbuch geschrieben hat und die Hauptrolle spielt. Intelligent, mit pointierten Dialogen und einer lebensnahen Handlung ist „Wilde Maus“ eine Komödie mit ernsthaftem Hintergrund, die im Gegensatz zu den im Vorjahr in die Höhe gelobten sogenannten Komödien nicht nur an Unterhaltungswert übertrifft. Ganz ohne falsche Zähne.

Mit verkleideten Kupferkannen, kleinen Puppen und jeder Menge Teebeuteln holt der Objektkünstler Peter Ketturkat sein Publikum in eine andere Welt. In die Welt der lebendigen Dinge, des Märchens und der Fantasie. „Waaserkesselpaukenpeifensinfonie“ nennt er sein neuestes Stück für Kinder, das im Dschungel vorgestellt worden ist.

„Loss“ nennt Oleg Soulimenko sein neues Stück, das er mit dem bildenden Künstler Alfredo Barsuglia und der Tänzerin Jasmin Hoffer konzipiert hat und auch mit ihnen ab 16. Februar 2017 im brut zeigen wird. Die Tanzkörper stecken in einer Plastikhülle, als Menschen nicht erkennbar und tanzen doch. Ihre Bewgungen sind unter der Haut, da nur für die Augen der Zuschauer nicht sichtbar.

Immer von Neuem sucht der Regisseur und Choreograf Laurent Chétouane nach der völligen Freiheit des Tanzes, nach einer Technik ohne Zwänge und vorgegebene Muster. Nun meint er dies im Chaos gefunden zu haben. Sein neues Stück, „Khaos“, bringt drei Tänzer_innen und drei Musiker auf die Bühne, die Unberechenbarkeit, Instabilität und Verwirrung zur Regel machen.

Hyperrealistisch, expressiv, in drastischen Bildern erzählt die Linzer Tanzchefin Mei Hong Lin von Gewalt und Tod, Abschied und Trauer. Ausgangspunkt ist das Massaker und der anschließende 40 Jahre lang quälende „Weißen Terror“ in Taiwan. Als Symbol für das Leiden der Urbevölkerung dient eine Erzählung der taiwanesischen Autorin Li Ang, in der die Traumatisierung eines ganzen Volkes als Hintergrund der Handlung dient. Im Zentrum steht eine Frau, die ihren toten Mann und den verlorenen Sohn betrauert.

Mit einem breit gefächerten Programm verabschiedet sich der Tanzkurator Jacopo Lanteri vom brut. Er geht zurück nach Berlin. Neuer Tanzkurator wird ab April der Schweizer Flori Gugger, zuletzt Dramaturg beim steirischen herbst in Graz, sein. Zuvor aber blickt Lanteri auf das Tanzerbe zurück und lädt Künstler_innen, die imagetanz geprägt haben, ein, dieses weiterzugeben oder neu bearbeiten zu lasen.

Um Irrtümern vorzubeugen: Der deutsche Film von Robert Thalheim ist eine Komödie und pure Fiktion. Mit irgendwelchen politischen Aktualitäten hat er nichts zu tun und ist auch völlig Unernst. Obwohl, die „Kundschafter des Friedens“ gab es tatsächlich. In der DDR die euphemistische Bezeichnung für Spione. Von vier solchen alten Haudegen, die der Vergangenheit nachtrauern, handelt der Film.

Eine glanzvolle Inszenierung seiner Rekonstruktion des Balletts „Raymonda“ von Marius Petipa brachte Sergej Vikharev auf die Bühne der Mailänder Scala. Mit den Gaststars Olesia Novikova und Fridemann Vogel, dem Principal Dancer der Mailänder Oper Mick Zeni samt einer riesigen Schar von Darsteller_innen ist die prächtig ausgestattete Aufführung in der „Scala“ auch aufgezeichnet worden. Bei Arthaus Musik ist sie als DVD erschienen.

Das 25jährige Jubiläum hing man diskreterweise nicht an die große Glocke. Doch bekam das Publikum heuer nicht nur wunderbare Alte Musik in höchster Könnerschaft vorgetragen. Als Geburtstagspräsent gab es auch noch ein wenig Kubafeeling, Tanzeinlagen und Samuel Beckett-Texte und natürlich auch das beliebte Essenskonzert.

Als „Tanzoper“ hat die Linzer Ballettchefin Mei Hong Lin Christoph Willibald Glucks „Orfeo ed Euridice“ inszeniert. Daniel Linton-France dirigierte die Premiere im Musiktheater Volksgarten; der Extrachor singt und agiert mit dem Tanzensemble des Landestheaters. Knappe anderthalb Stunden dauert die abgeschlankte Version.

Superamas gönnt dem Publikum einen ersten Blick in den Arbeitsprozess für ein neues Stück, in dem sich die Compagnie mit Gewalt, Krieg und Terror beschäftigen wird. Für zwei Abende im Tanzquartier hat Superamas Ergebnisse ihrer Recherchearbeit, Fundstücke aus Musik- und Filmarchiven und selbst produzierte Szenen gezeigt, um einen Eindruck ihrer Assoziationen, Gedanken und Emotionen zu vermitteln.

Mit acht Körpern, zwei Tänzerinnen, zwei Tänzern, vier weiß gekleideten kopflosen Puppen, zeigt Saskia Hölbling im Odeon das Untergehen des Individuums in der Masse. Ausbruch ist kaum noch möglich, die Menge fängt den Einzelnen immer wieder ein. Mit einer fremden, neuen Körpersprache zaubert die Choreografin schöne, eindrucksvolle Bilder. Körper im Nahkampf.

Die ehemalige Solotänzerin und Probenleiterin des Wiener Staatsballetts, Trägerin des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst, Marialuise Jaska ist überraschend, nach kurzer schwerer Erkrankung in Mistelbach verstorben. 1969 wurde die damals 15jährige Ballerina in das Wiener Staatsopernballett aufgenommen, ihre Karriere hat sie als Erste Solotänzerin beendet. Bis 1998 gehörte sie, zuletzt als Probenleiterin, dem Ballettensemble der Wiener Staatsoper an.

Spannender und dichter kann man sich Wolfgang Amadeus Mozarts Opera buffa „Le Nozze di Figaro“ gar nicht wünschen. Bernd R. Bienert inszenierte das Werk für sein Teatro Barocco in größtmöglicher Annäherung an eine historische Aufführungspraxis, mit berückender Musikalität und Gestik. Sogar der Ort ist Geschichte: Das ehemalige kaiserliche Hoftheater in Schloss Laxenburg, wo Mozarts Meisterwerk kurz nach der Uraufführung in Wien 1786 gespielt wurde.

Seit zwanzig Jahren bereichert das Festival „Osterklang“ im Theater an der Wien nun schon die Osterzeit. Immer wird etwas Besonderes geboten, und heuer sind musikalische Schätze wie die Oper (Dramma per musica) „Agrippina“ von G. F. Händel, J. S. Bachs h-Moll Messe, das Oratorium „Il primo omicidio“ von Alessandro Scarlatti oder “Das große Abend- und Morgenlob“, die „Ganznächtliche Vigil“ für Chor a capella op.37 (1915) von Sergei Rachmaninow an unterschiedlichen Spielorten zu genießen.

Der in Deutschland lebende französische Regisseur und Choreograf Laurent Chétouane setzt Kleists Text über den Verlust der Anmut in Bewegung. Heinrichv on Kleits Essay "über das Marionettentheater" dient ihm als choreografische Parittur für sein Stück "Considering / Accumulation", das er mit einem Duo aus Tänzerin und Ttänzer, einem Pianisten und einer Stimme aus dem Off auch im Tanzquartier gezeigt hat.

Mit einer gelungenen Mischung aus Live-Video, Film, Theater und Comic unterhält das Team von TWOF2 + dascollectiv im Dschungel junges Publikum ab 13 aufs allerbeste. Giovanni Jussi, Schauspieler mit Multitalenten, ist die Comicfigur Jean-Luck, die dem papierenen Gefängnis entkommen will. Beste Unterhaltung mit Anspruch.

Eine interessante Kombination gab es im Festspielhaus in St. Pölten zu sehen und zu hören. Das Tonkünstlerorchester spielte die selten an einem Abend gemeinsam zu hörenden drei römischen Tondichtungen von Ottorino Respighi visuell untermalt und umrahmt von einer Videoprojektion von La Fura dels Baus. Dadurch entstand zeitweise eine ungeheuer dichte visuell-akustische Kulisse, die einen in ihren Bann zog und umhüllte.

Aus welchen Bewegungseinheiten setzt sich der traditionelle nordindische Tanzstil „Kathak“ zusammen und wie gehen zeitgenössische Tänzer damit um? Gibt es eine Brücke zwischen traditionellem und zeitgenössischem Tanz? Frage, die vom Kathak-Tänzer Vikram Iyengar in einer Choreografie von Preethi Athreya, Tänzerin und Choreografin aus der Metropole Madras am Golf von Bengalen, beantwortet werden. Der präzisen, bündigen Performance im 21er Haus, "Acrross not Over", fehlt eine Einführung, um wirklich zu verstehen, was zu sehen ist. Sie würde den Eindruck vertiefen.

An drei Abenden zeigt Ian Kaler zwei Teile seiner als Tetralogie angelegten choreografischen Reihe „o.T.“ plus der kondensierten Zusammenschau der zwei Teile: „synopsies“. Auch durch die bestimmende Mitwirkung des Tänzers / Choreografen Philipp Gehmacher, des/der Musiker_in Jam Rostron (Planningtorock) und des Lichtkünstlers Jan Maertens war der 2. Teil, „gateways to Movement“ spannend und eindrucksvoll.

Li Xuelian, eine junge Bäuerin, tappt in ihre eigene Falle. Weil sie ein zweites Kind erwartet, was wegen der chinesischen Ein-Kind-Politik, ihrem Mann den Job kosten könnte, will sie sich scheiden lassen. Pro Forma nur. Dann hätte jeder ein Kind, noch Ehemann Qin Yuhe den Sohn und Li Xuelian das erwartete Mädchen.

Das renommierte Osterfestival Tirol in Hall i. T. und Innsbruck lädt 2016 unter dem Motto „Liebe“ ein. Vom 11. Bis 27. März finden ausgesuchte Konzerte und Tanzveranstaltungen statt, die entspannen, vielleicht auch verstören, auf jeden Fall bereichern und zum Nachdenken anregen. Maria Crepaz, die Gründerin und Managerin des Festivals und Tochter Hannah, die künstlerische Leiterin, haben ein exquisites Programm zusammengestellt.

„Dance, if you want to enter my country!“, nennt der Choreograf und Performer Michikazu Matsune einen Abend, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Begleitet wird die imponierende Vorstellung von einer Gruppenausstellung unter dem Titel „Towards the other side oft he world“, obwohl die Welt rund ist, hat sie zwei Seiten. Matsune erzählt, sinniert und erinnert tanzend an die Alvin Ailey Dance Company.

Madonna oder Mutter oder gar Mätresse? Beim Figurentheaterfestival im Kosmos Theater nehmen international bekannte Künstlerinnen die tradierten und mythologisierten starren Frauenbilder unter die Lupe. An drei Abenden präsentiert die Figurenspielerin und Initiatorin und künstlerische Leiterin des Festivals, Cordula Nosek, in dessen vierter Ausgabe an drei Abenden fünf Künstlerinnen, die umstrittene Frauenfiguren der klassischen Weltliteratur kritisch und unkonventionell interpretieren.

Wie zeitlos John Crankos Ballett „Onegin“ (nach Puschkin) ist, zeigt in der Wiener Staatsoper jede neue Besetzung. Mit prickelnde Lebendigkeit reißen Natascha Mair und Davide Dato (Rollendebüt als Olga / Lenski) auch das Corps mit. Ketevan Papava ist als Tatjana weniger naiv als selbstbewusst und überaus erotisch. Vladimir Shishov ein düsterer, gefühlskalter Onegin. Beide Paare ernteten verdienten Applaus.

Nina Poláková und Roman Lazik waren die umjubelten Stars des ersten Abends einer sechs Vorstellungen umfassenden Serie des Ballettklassikers von John Cranko „Onegin“. Nach einer verpatzten Uraufführung 1965 präsentierte Cranko 1967 eine Neufassung und eroberte damit die Ballettwelt. Seit zehn Jahren ziert „Onegin“ auch das Repertoire des Wiener Staatsballetts.

Lang hat er es nicht ausgehalten, der aus Amerika, wo er Erster Solist am New York City Ballet war, gerufene Direktor des Paris Opernballetts. Nach nur zweieinhalb Jahren hat Benjamin Millepied, 40, das Handtuch geworfen. Neue Ballettchefin ist ab September 2016 die erst im Vorjahr verabschiedete "Ètoile" Aurelie Dupont.

Mit einer Neuadaption seines ursprünglich für das Berliner Grips-Theater geschrieben Stückes punktet Autor und Regisseur Volker Schmidt beim jungen Publikum im Dschungel. Hauptdarstellerin Nancy Mensah-Offei gibt dem Stück Leben und Spannung.

Der Tänzer und Choreograf Raúl Maia führt sein Publikum in einen imaginären Raum aus Bewegung, Text, Musik und Licht. Auf der im Tanzquartier-Studio aufgebauten schrägen Bühne entsteht eine intensive, eindrucksvolle Performance, die sich jeglicher vorgegebenen Deutung entzieht. Abstrakt und konkret, magisch und poetisch, düster auch und beklemmend.

In ihrem neuen Programm beschäftigen sich die fröhlichen Rabtaldirndln aus der Steiermark mit der Landflucht, den Begriffen Stadt und Land und suchen nach der Heimat. „Du gingst fort“ ist ein ebenso unterhaltsamer wie klug aufgebauter Abend, der nicht nur in brut-Chef Thomas Frank sanfte Herzstiche ausgelöst hat. Wer wird schon gern darauf hingewiesen, dass er als Landei durch die Großstadt wackelt.

Diesmal stimmt der Gemeinplatz vom Letzten, das das Beste ist. In seinem letzten Intendanz-Jahr kann Thomas Frank für 2014 das beste Ergebnis vorlegen. Mit einer Bilanz von mehr als 90 Prozent Auslastung übergibt der das schuldenfreie Haus seiner Nachfolgerin Kira Kirsch. Noch einmal aber kann Frank ein spannendes und auch geheimnisvolles Programm für das Festival imagetanz anpreisen. „Unheimliche Körper“ werden für drei Wochen das brut sondern auch andere , vor allem öffentliche, Räume unsicher machen.

Einer der bedeutendsten Filmregisseure des 20. Jahrhunderts hat als Fotograf begonnen. Nicht nur die Umwelt, auch Stanley Kubrick († 1999) hat seine erste Karriere nahezu vergessen. Im Bank Austria Kunstforum wird nun mit einer beeindruckenden Schau daran erinnert. Auch die Albertina zeigt eine Zusammenschau von Fotografie und Film. Im Mittelpunkt steht Michelangelo Antonio.

Wien, wie es ein betagtes Mobiltelefon mit eingebauter Kamera, eines der ersten auf dem Markt, sieht. Die Filmemacherin Kitty Kino benützt es. Bei Tag – eher frustrierend, in der Nacht aber – eine Überraschung. Der Verleger Lois Lammerhuber, selbst preisgekrönter Fotograf, sieht die Bilder, ist begeistert, jagte die Kino bei Nacht auf die Piste, auf dass sie ihm 100 Fotos für einen seiner legendären Bildbände liefere. In limitierte Auflage, von der Jungfotografin handsigniert, ist der prächtige Band nun zu haben.

Die Nachmittagsvorstellung des Balletts „Der Nussknacker“ in der Choreografie Rudolf Nurejews rettet die Ehre der ersten Darbietung dieser Saison des beliebten Weihnachtsstücks. Der Zufall der Umbesetzung hat es ergeben, dass die Hauptrollen von den selben SolistInnen getanzt wurden, wie diese nicht so wirklich gelungene Eröffnungsvorstellung: Robert Gabdullin und Kyoka Hashimoto.

Für Rebecca Horner, Mitglied des Wiener Staatsballetts, sind Zufälle immer Glücksfälle. Der letzte katapultierte sie als Potiphars Weib mitten unter die Ersten Solisten der Staatsoper.

Ein Reigen in neuer Besetzung

Zum elften Mal hat das Wiener Staatsballett „Ein Reigen“ von Antony McDonald und Ashley Page in der Volksoper getanzt. Neubesetzungen haben dafür gesorgt, dass sich in der nun rund und kompakt gefügten Aufführung keine Routine einschleichen kann. Das gebannte Publikum reagierte mit Begeisterung.

Wie man ein Kinderbuch über alles was grad noch ein Glück ist auf die Bühne bringt, wie man mit Tanz und Pantomime, Theater und Musik eine lustige Geschichte erzählt und zugleich ein wenig philosophiert, zeigt Bert Gstettner (Tanz*Hotel) mit „Herr Jemineh hat Glück“ im Dschungel Wien. Das gleichnamige Buch stammt vom erfolgreichen Autor Heinz Janisch, der auch schon dem Tanztheater Homunculus (Choreografie Karin Steinbrugger) so manche Vorlage geliefert hat.