Die Mischung aus Heiß und Kalt muss nicht lau sein, Kontraste und Konturen können durchaus spürbar bleiben. Andrea Gunnlaugsdóttir, Tänzerin aus Reykjavik, und Laia Fabre, bildende Künstlerin, Choreografin und Performerin aus Barcelona, zeigen im auf den Petersplatz (Werk X – Eldorado) ausgelagerten brut ihr Duo „And all in between“. Eine beeindruckende, streng choreografierte Performance zweier Bühnenpersönlichkeiten im White Cube.

Die Tänzerin und Choreografin Anna Possarnig hat sich intensiv mit dem 1922 uraufgeführten Tanzstück „Triadisches Ballett“ von Oskar Schlemmer und dem Ehepaar Albert Burger und Elsa Hötzel beschäftigt und mit den Tänzerinnen Paula Dominici und Maria Shurkal eine Paraphrase auf das berühmte Tanztheater geschaffen. Eine exakte, verständliche und fein getanzte Performance, die vom Publikum im Ateliertheater begeistert aufgenommen worden ist.

Mit Denys Cherevychko in der Titelrolle und Nina Poláková als Solveig feierte „Peer Gynt“, das bilderreiche Ballett von Edward Clug, eine zweite Premiere. In der dichten Vorstellung war kein Husten und Räuspern zu hören, auch den vor allem bei den Ensemblenummern fälligen Zwischenapplaus wagte das angespannte Publikum nicht, so konzentriert folgte es den Protagonist*innen von Station zu Station auf Peers Reise rund um die Welt.

Mehrfach lesbar ist auch in diesem Jahr das Motto des Osterfestivals Tirol, das traditionell das Ende der Fastenzeit markiert. Zwei Wochen lang wird in Hall i. T. und in Innsbruck getanzt, gegeigt und gesungen, diskutiert, rezitiert und meditiert. Unterschiedliche Medien helfen dem Publikum, zu hören und zu sehen, zu genießen und auch über den Sinn des Lebens nachzudenken. Im Zentrum des Osterfestivals stehen wie jedes Jahr Alte und Neue Musik, Tanz und Performance.

Dynamisch, rhythmisch, akrobatisch, wild und zärtlich begeistert das Ballet Revolución immer wieder sein Publikum. Fünf Tage im März 2018 gastieren die perfekt ausgebildeten Tänzer*innen wieder im Museumsquartier. Die Energie bekommen die springlebendigen Tanzstars von der Live-Band, die mit aktuellen Nummern aus der internationalen Hitparade auch das Publikum elektrisiert.

Mit seinem, für das Ballettensemble des Nationaltheaters Maribor geschaffenen, Stück nach Henrik Ibsens Versdrama „Peer Gynt“ begeistert der Choreograf und Regisseur Edward Clug auch das Wiener Publikum. Dieses, Clugs erstes abendfüllendes Tanztheaterstück, ist ein großartiger Bilderbogen, der den norwegischen Helden auf seiner Jagd nach dem Glück und der Reise zu sich selbst zeigt. Jakob Feyferlik ist als Peer während des gesamten Abends auf der Bühne, um ein ganzes Leben zu durchtanzen. Ihm gebührt die Palme.

Mit seinem ersten abendfüllenden Werk, 2015 für das Ballettensemble des Nationaltheaters Maribor geschaffen, feiert Choreograf Edward Clug auch seine persönliche Premiere in Wien. Zum ersten Mal arbeitet er mit dem Wiener Staatsballett.

Der unmittelbaren Vergangenheit, also das 20. Jahrhundert, vor allem die Zeit der nationalsozialistischen Seuche, gilt ein Hauptinteresse des deutschen Juristen und Schriftstellers Bernhard Schlink. Schon in seinen Kriminalromanen rund um den Detektiv Selb dient die Handlung im Hintergrund auch der Vergangenheitsbewältigung. Sein jüngster Roman, „Olga“, beginnt schon im 19. Jahrhundert, wenn Olga zur Welt kommt. Mit ihr durchmisst der Autor Holter die Polter das gesamte vergangene Jahrhundert der deutschen Bundesrepublik, vor allem, um die deutsche Großmannssucht anzukreiden.

Die beiden Körperkünstler, der Portugiese Raúl Maia und der Belgier Thomas Steyaert, zeigen ihr drittes Ballet. Diesmal sind sie Paul Ace und Sunny Lovin, die sich wortlos nur mit dem Körper ausrücken. Es ist keine Sprache, die sie verwenden, mit wiederholten Gesten und leicht erklärbar, sondern ihre eigene Art mit dem Körper zu kommunizieren. Oder auch nicht zu kommunizieren, doch das ist, wie wir wissen, auch eine Art der Kommunikation. Jedenfalls verblüfft auch in diesem dritten „Ballet of…“ die präzise Choreografie und die nur Tänzern (Tänzerinnen) eigene Beherrschung des Körpers, bis in die letzte Faser der großen Zehe.

Das „Triadische Ballett“, Anfang des 20. Jahrhunderts vom Tänzer Albert Burger und der Tänzerin Elsa Hötzel begründet und gemeinsam mit dem Maler und Tänzer Oskar Schlemmer weiter entwickelt, ist der Ausgangspunkt für die genreübergreifende Produktion des Ensembles Studio Fugu „Bauhaus tanzt“. Drei Tänzerinnen bedienen sich der Ideenwelt des Bauhauses in Weimar, um zur Musik von John Cage Raumwirkung zu erzeugen und zu erfahren. Das in mehreren Etappen immer weiter entwickelte Stück ist als Auftragsarbeit der IGNM-O.Ö./Linz im Frühjahr 2017 entstanden und wird Ende Jänner 2018 wieder in Wien gezeigt.

Wenn Performer*innen den festen Boden der Bühne verlieren und versuchen, übers Wasser zu gehen und durch dieses hindurch zu tauchen, ist eine nasse, doch für die Zuschauer*innen am Trockendock auch prickelnde Performance zu erwarten. Oleg Soulimenko und ein Team aus Performer*Innen und Wasserratten tummelten sich im und um das Schwimmbecken des mehr als 100 Jahre alten Jörgerbades im Wiener 17. Bezirk, einer temporären Außenstelle von brut. Formvollendet, dunkel und geheimnisvoll gestaltet sich die magische Show in der dampfend warmen Halle, voll der wässerigen Rätsel und flüssigen Überraschungen.

Im Rahmen von „Huggy Bears“, dem Programm des Kollektivs „Superamas“ zur Unterstützung junger KünstlerInnen, zeigten die 2017 ausgewählten Performance ArtistInnen ihre fertigen Arbeiten. Malinka Fankha hat ein Solo mit dem kryptischen Titel „Sauna“ entwickelt; die rauflustigen Buben Matan Levkovich und Yali Rivlin wälzten sich unter dem Motto „War and Love“ im Ring. Überragt wurden beide Darbietungen von der feinen, durchdachten Arbeit von Maiko Sakurai und Cat Jimenez. „di stance“ zeigt schon im vielversprechenden und mehrfach deutbaren Titel, dass der Kuschelbär die beiden jungen Künstlerinnen zurecht beraten und gefördert hat.

Die erfolgreiche Inszenierung von Sergej Prokofjews Ballett „Cendrillon“ ist ab 18. Jänner wieder in der Volksoper zu sehen. 2016 hat das Ballett in der Choreografie von Thierry Malandain mit Mila Schmidt in der Titelrolle Premiere gehabt. Auch die erste Vorstellung der Wiederaufnahme wird sie tanzen, wie auch die übrigen Rollen der Premierenbesetzung gleichen. Dirigent ist Guido Mancusi.

Hiraeth – I carry someone else’s memory” nennt die Choreografin Nadja Puttner ihr Tanztheaterstück, gezeigt im Off-Theater. Es geht also um die Erinnerungen von anderen, die sie sammelt. Puttner fragt (sich), ob wir nicht nur die Gene unserer Vorfahren geerbt haben, sondern auch deren Geschichte, Erlebnisse und Bewusstseinszustände. Fritz von Friedl führt Regie.

Peter Paul Rubens (1577 – 1640) war seinerzeit ein Star – und ist es bis heute. Sein Name steht für die Malerei einer ganzen Epoche, die Zeit des Barock. Zurecht gilt Rubens als Inbegriff barocker Malerei. Nur noch kurze Zeit ist die unter dem Aspekt „Kraft der Verwandlung“ bestens kuratierte und durch zahlreichen Leihgaben einmalige Schau im Kunsthistorische Museum Wien zu besuchen. Danach wird sie im Frankfurter Städel Museum gezeigt, in dessen Kooperation mit dem KHM die umfassende Schau zusammengestellt worden ist.

Mit der Suche nach Antworten auf die Frage „Wie kann man zusammenarbeiten“ beschäftigen sich Theoretiker_innen und Praktiker_innen aus Kunst, Architektur und Wissenschaft als Teil des internationalen, interkulturellen Projekts „A Future Archeology“, das 2011 von Silke Bake, Ismail Fayed, Adham Hafez und Peter Stamer initiiert worden ist. Die Treffen der „Gemeinschaft auf Probe“ fanden und finden an verschiedenen Orten mit unterschiedlichen Vorgaben statt. Das Symposium „How to Collaborate“, das im Oktober 2014 in Berlin (ICR – „Interweaving Performance Cultures“ an der Freien Universität) stattgefunden hat, war, dem Veranstaltungsort entsprechend, den Fragen nach dem Gemeinsamen und dem gemeinsamen Arbeiten in der darstellenden Kunst gewidmet. Gesprächsprotokolle, Essays und Bilder sind jetzt in der Publikation „How to Collaborate?“ zusammengefasst.

Einen genussreichen Abend bescherte nicht nur Nina Tonoli, die als Lise ihr Debüt feiern durfte. Auch Jakob Feyferlik als Colas und Dumitru Taran als munterer Alain und ein aufgekratzter Andrey Kaydanovskiy als gelenkige Witwe Simone versetzten das Publik mit flinken Füßen, hervorragendem Port de Bras und eindrucksvollem Spiel in beste Laune. Die Bravorufe durften sich auch das Ensemble und der Dirigent Simon Hewett mit dem Staatsopernorchester ins Stammbuch schreiben.

Nach dem erfolgreichen Auftritt im Rahmen der Eröffnung der Special Olympics Pre Games in Schladming im Jänner 2016, wurde die Ich bin O.K- Dance Company damit beauftragt auch die Eröffnungszeremonie sowie das Abschlussevent der Special Olympics World Winter Games 2017, die in Graz, Schladming und in der Ramsau ausgetragen werden, mitzugestalten. Die Eröffnungsperformance wird in Kooperation mit TänzerInnen des Staatsopernballetts erarbeitet und aufgeführt.

Ein animierendes, optimistisches Motto hat die künstlerische Leiterin des renommierten Osterfestivals Tirol, Hanna Crepaz, für 2017 ausgesucht: „auf.bruch“, das bedeutet, die Veränderungen, die nur allzu deutlich sind, gemeinsam zu bewältigen. Vom 31.März bis 16. April macht das Festival, es ist das 29., Innsbruck und Hall i.T. zu Orten des internationalen kulturellen und geistigen Austausches. Alte und Neue Musik, Filme, Gespräche und natürlich auch Tanz und Performance werden auf unterschiedliche Weise dem Motto gerecht.

Als anmutiges Aschenbrödel, Elfe unter Elfen, debütierte Dominika Kovacs-Galavics an der Volksoper in Thierry Malandains Choreografie von Sergej Prokofiews märchenhafter Ballettmusik „Cendrillon“. Die männlichen Solisten der Premiere haben ihre Rollen getauscht: Gleb Shilov ist der Prinz, den die Stiefschwestern samt ihrer Mutter vergeblich umwerben. André Garcia Torres tanzt die drei anderen männlichen Solorollen. Gespannt folgt das dem Alter nach gut durchmischte Publikum das Geschehen, benötigt keine Pause und bestätigt mit einem Applausgewitter, die Qualität dieser Aufführung in der Volksoper.

Unsicherheit, Nervosität und Angst vor dem Ungewissen – vor dem, was passieren könnte. Gefühle, die in im neuesten Tanzstück von Alain Platel, das vom Tanzquartier Wien ins Volkstheater eingeladen war, die Atmosphäre prägen. Der belgische Choreograf und Regisseur schafft gemeinsam mit Steven Prengels (Komposition), Berlinde De Bruyckere (Bühnenbild) und der neun-köpfigen Compagnie Les Ballets C de la B in „nicht schlafen“ eine Stimmung, die sowohl in der Musik als auch in der Choreografie vorherrscht, diese Elemente verbindet und zugleich ins Hier und Jetzt holt.

Der Philosoph Noam Chomsky wundert sich. „Warum ist unser Wissen von der Welt so armselig, während wir doch so viel Information erlangen können?“ Auf ihn beruft sich der Tänzer und Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui, der im Festspielhaus St. Pölten mit seiner Company Eastman das erst vor wenigen Monaten uraufgeführte Stück „Fractus V“ gezeigt hat. Fünf Tänzer und fünf Musiker erzählen vom Öffnen des Gehirns, vom Stoppen des ständigen Gedankenstroms und davon, dass es immer wieder Brüche (fractus= gebrochen) geben muss, damit man sich neu orientieren kann.

In der 75. Aufführung des Balletts „La Fille mal gardée“ von Frederick Ashton debütierte der Erste Solotänzer Davide Dato als Colas, der von Lise, dem schlecht gehüteten Mädchen (Natascha Mair), geliebten Burschen. Mit ihm haben Masayu Kimoto als gelenkiger, köstlicher Alain, Roman Lazik als hinreißende Witwe Simon und Marian Furnica als junger Hahn samt seinen Hennen getanzt. Julia Tcaciuc und drei neue Hühner (Abigail Baker, Marie Breuilles, Carolina Sangalli) flattern hinter dem Chef des Hühnerhofes. Auch Freundinnen und Dorfbewohner_innen haben Debütrollen getanzt. Auffallend auch diesmal: Rikako Shibamoto im blau karierten Dirndl.

Der Schweizer Autor Martin Suter weiß wie Leserinnen zufriedenzustellen sind. Flüssig erzählte Geschichten, mit ein wenig Spannung, ein wenig mehr Gefühl und einem angedeuteten ernsthaften Hintergrund, den gerade aktuellen Trend widerspiegelnd. Diesmal also Gentechnik, vor allem die Veränderung der DNA (Genom Editing) – Segen und Fluch zugleich. Ein Thema das sich bestens für Krimis, SF und bewegende Romane eignet. Suter ist nicht der ersten, der die CRISPR/cas-Methode als Ausgangspunkt einer zu Herzen gehende Geschichte nimmt. Ist doch die Hauptperson ein winziger rosa Elefant.

Plötzlich und unerwartet. Kaum für jemanden passen diese Worte besser als für den Bassbarition Gerd Grochowski, der am 15. Jänner 2017 mit gerade mal 60 Jahren in Wiesbaden verstorben ist. Noch am Vortag war er als Wotan in Richard Wagners „Walküre“ auf der Bühne des Hessischen Staatstheaters in Wiesbaden gestanden.
Dort ist die Trauer natürlich besonders groß.

Anlässlich des Musikfestivals "La folle Journée/ der tolle Tag" in Nantes, dessen Schluskonzert ARTE am 5. Februar überträgt, werden auch andere Tanz- und Musikfilme gezeigt. Erstmals in seiner Geschichte gestattet das Bolschoi-Theater in Moskau einen unzensierten Blick hinter die Kulissen. Als Kriminaldrama  entpuppt sich die Dokumentation „Bolschoi Babylon“, im Programm von Sonntag, 22. Jänner. Zubin Mehta undSir Simon Rattle stehen am Dirigentenpult, der Prima Ballerina Polina Semionova und der schwedische Choreograf Fredrik Rydmanstehen im Mittelpunkt weiterer Sendungen.

„Die schöne blaue Donau“ nennt Designer Karl Lagerfeld ein Diadem aus 394 klaren und saphirblauen Swarovski Kristallen und fünf Swarovski Kristallperlen, die bei der Eröffnung des Opernballs die Debütantinnen schmücken und im Licht funkeln werden. Lagerfeld berichtet von seiner „Vision der Krönung der Donau“ und erinnert mit dem saphirblauen Band an, wie der in Paris arbeitende Hamburger sagt, „Le beau Danube bleu“.

Körperverstand Tanztheater Wien ist eine neue Formation rund um die Tänzerin / Choreografin Steffi Jöris und die Autorin Anna-Luise Braune. Für das erste Stück wählten sie ihren Namen: „Körperverstand“ hat mit der Tänzerin Maartje Pasman und dem Tänzer Moritz Lembert im Dschungel Premiere gefeiert. Mit „Tanz, Theater, Musik“ will die junge Gruppe „Herz und Verstand berühren“. Ein kühnes Vorhaben.

Der Film von Chis Kraus (Journalist, Autor, Regisseur und Filmproduzent), „Die Blumen von gestern“, hat schon bevor er in den Kinos anläuft unheimlich viele Preise eingeheimst. Am Anfang stand der Thomas-Strittmatter-Drehbuchpreis von Baden-Württemberg, nach Preisen beim 29. Tokyo Filmfestival steht am vorläufigen Ende der Baden-Württembergischer Filmpreis in der Kategorie besten Spielfilm. Verständlich, die MFG Baden-Württemberg (Medien- und Filmgesellschaft) hat die Produktion mitgefördert. Eine Tragikomödie zum Thema Holocaust und seine Erben, soll es sein, weist aber auch Spuren eines Dramas, einer wenig überraschenden (recht kurzen) Liebesgeschichte, dazu gibt es auch das Psychogramm eines Besessenen und Traumatisierten zu ertragen.

Mit der sechsten Vorstellung hat die Serie des Ballets „Raymonda“ für diese Saison ihr Ende gefunden. Maria Yakovleva glänzte in der Titelrolle. Ein perfektes Debüt, brillant und jugendlich frisch, sicher auf der Spitze, delikat in den Solovariationen, eine Raymonda, an der ich mich nicht sattsehen kann. Als ebenbürtiger Partner hätte Mihail Sosnovschi den Abderachman tanzen sollen – Davide Dato musste als sarazenischer Fürst einspringen, Sosnovschi laboriert an einer Verletzung. Springfreudig wie Dato ist auch Denys Cherevychko, der den heldenhaften Ritter Jean de Brienne getanzt hat. Bewährt und immer ein Vergnügen das mitreißende Quartett der Freundinnen und Troubadoure: Natascha Mair, Nina Tonoli / Masayu Kimoto und Richard Szabó.

Nachdenken, planen, betteln, Team zusammenstellen, proben, Aufführungsort suchen, nochmal als Bittsteller an sämtliche Türen klopfen, verhandeln, Bühne aufstellen, noch mal proben, proben, proben – endlich Premiere! Zwei Mal noch, vielleicht fünf Mal, manchmal nur ein Mal. Das wars dann! Weg und aus. Das kostet Geld, auch Steuergeld, macht müde, laugt aus, führt an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Giovanni Jussi und Maria Spanring können ein Lied davon singen, viele Strophen lang.

Die Hoffnung ist nicht getrogen worden – Abderachman rauscht herein, wirft den Mantel ab und das gesamte Schloss erwacht zum Leben. Mihail Sosnovschi ist endlich der Furcht und Schrecken verbreitende Chef des feindlichen Sarazenen Heeres, verliebt ihn Raymonda, die den heidnischen Fürsten samt den angebotenen Geschmeiden entsetzt zurückweist. Sosnovschi gibt diesem wilden Kerl, der später die unwillige Raymonda mit Gewalt verschleppen will, endlich Kraft und Saft. Und dem gesamten Abend beflügelnden Schwung. Ihm und dem Dirigenten, Kevin Rhodes, der Sarazenen Tanz sichtlich Freude hat, gilt auch der Jubel des Publikums.

Kaum zu glauben, aber das beliebte Festival der Alten Musik gibt es seit einem Viertel Jahrhundert! Wie jedes Jahr ist das Programm spannend und verspricht beste Stimmung, wenn neben Stars wie Europa Galante, The Amsterdam Baroque Orchestra & Choir, Evangelina Mascardi oder La fonte musica auch junge Wilde dabei sind, wie die Norweger Barokksolistene und die Kubaner Conjunto de Música Antigua Ars Longa.

Die Reformation tanzt. Acht Tänzer und ein Orchester gemeinsam auf der Bühne: Das Bundesjugendballett und das Bundesjugendorchester nähern sich im Januar tänzerisch und musikalisch Martin Luther an – und zeigen in Hamburg, wie die Reformation bis heute junge Künstler inspiriert. „Gipfeltreffen - Reformation“ nennt sich das Projekt, an dem auch der Choreograf und Tänzer im Wiener Staatsballett, Andrey Kaydanovskiy, teilnimmt.

Ein Kommentar.
Ja, ja, so sind’s die Wienerinnen und die Wiener, tanzen auf der Straße und backen Torten, sind immer verliebt und fahren mit der Kutsche. Walzen den ganzen lieben Tag und die halbe Nacht und klopfen im 3/4 Takt auf Leder und Eisen. Blondgelockte Mädchen spielen Cello und selbst der Straßenarbeiter lächelt glücklich, schaufelt fröhlich den Sand im Takt. Wien poliert die güldenen Ringlein und lebt glücklich in der Vergangenheit. Zukunft? Die gibt es nicht. Weil’s wahr is!

"Onegin", das wunderbare Ballett von John Cranko, steht ab Anfang Februar sechs Mal auf dem Spielplan. Cranko hält sich mit seiner Choreografie von Puschkins Versroman "Eugen Onegin" so ziemlich an das Libretto für Peter Tschaikowskis gleichnamige Oper. Getanzt wird ebenfalls zu Musik von Tschaikowski, jedoch können Opernfreundinnen nicht mit trällern. Karl-Heinz Stolze hat ein Mosaik aus verschiedenen Kompositionen zusammengestelt.

Die Medusa, das vor 200 Jahren gesunkene Schiff und die Gorgo mit den Schlangenhaaren, lassen Bert Gstettner nicht los. Im vergangenen Herbst hat das erste Ergebnis der als work in progress konzipierten Multimedia-Performance in der riesigen Halle der Ankerbrotfabrik beeindruckt. Aus „Medusa*Expedit“ ist nun „Medusa*Ode“ geworden und diese wird im magischen Ambiente des Odeon Theaters aufgeführt.

Die Choreografin Doris Uhlich bewegt im Tanzquartier acht Tänzer_innen im unaufhörlichen Rhythmus elektronisch hämmernder Geräusche als wären sie Marionetten. „Boom Bodies“, die an ihr Limit gehen, rennen, purzeln und rutschen. Aller Respekt gebürt den acht Performer_innen.

Bernd R. Bienert, dem Gründer und Intendanten des Teatro Barocco, ist es gelungen Wolfgang Amadé Mozarts Oper „Le Nozze di Figaro“ an seinen Ursprungsort zurückzuführen. 230 Jahre nach der Uraufführung im (alten) Burgtheater lässt Bienert Figaro im ehemaligen kaiserlichen Hoftheater in Schloss Laxenburg heiraten. Auch ein originaler Aufführungsort, denn gleich nach der keineswegs umjubelten Premiere übersiedelte die Aufführung nach Laxenburg.

Im Rahmen des EU-geförderten Projekts SWICH – Sharing a World of Inclusion, Creativity and Heritage – ist im Jänner und Februar 2016 die Künstlerin Rajkamal Kahlon im Weltmuseum Wien zu Gast.

Im Jahr 1898 verlässt um der Liebe willen ihre gutbürgerliche Familie und zieht mit ihrem frisch angetrauten Mann an die wilde Küste Kaliforniens. Gemächlich, in einfachen Sätzen erzählt die Amerikanerin Christina Schwarz vom Leben am Rand der Welt und dem Geheimnis, das die dort ansässige Familie Crawley bewahrt.

Unter dem Schirm von Dance Ability wird auf der Bühne experimentiert. Dichter und Dichterin, Musiker und Musikerinnen, Tänzer und Tänzerinnen treten gemeinsam auf, erzählen tanzend, singend, rezitierend und spielend eine Geschichte. „Jattle, BAM + poetry“ ist jedes Mal wieder ganz neu und für Mitwirkenden ebenso vergnüglich wie für die Zuschauerinnen.

Eine „Apokalypse“ droht dem Festival der Alten Musik im Wiener Konzerthaus bestimmt nicht. Einmal mehr brachten großartige Ensembles spannende Werke vom Mittelalter bis Barock zur Aufführung und das Publikum zur Begeisterung. Highlights der vergangenen Woche waren die virtuosen I Turchini di Antonio Florio mit Sopranistin Francesca Lombardi Mazzuli und das charismatische Ensemble Micrologus mit Patrizia Bovi.

Aufgeregtes Gewusel im Studio des Dschungels. Dreijährige sind eingeladen, Raffaela Gras und Stefanie Sternig (Künstlerkollektiv „kunststoff“) dabei zuzusehen, wenn sie ausprobieren und demonstrieren, was verboten ist und was erlaubt. „Nein“ kommt öfter vor als „Ja“ und das ist überaus lustig und abwechslungsreich, denn sich über Verbote hinwegzusetzen, ist bekanntermaßen ein Vergnügen. Nicht nur für Kinder. "Messer Gabel Schere Licht" (Du darfst nicht) ist Pläsier für Klein und Groß. 

Der international bekannte Choreograf Erik Kaiel hat mit dem Tanzensemble des Dschungel (Steffi Jöris, Maartje Pasman, Rino Indiono) ein Trio einstudiert, das ohne Worte die griechische Sage von Ikarus, der zu nahe an die Sonne geflogen ist, sehr frei nacherzählt. Fliegen und Fliehen sind die Themen mit denen Kaiel spielt.

So fröhlich und festlich wie einen Kindergeburtstag haben die jungen Talente Natascha Mair und Jakob Feyferlik ihr Debüt im Ballett von Frederick Ashton „La Fille mal gardée“ gefeiert. Anfangs noch vorsichtig die Schritte setzend, konnten beide nach dem perfekt gelungenen „Fanny-Elßler-Pas de deux“ sichtlich entspannt, ihre Fähigkeiten voll entfalten.

In einer kalten Winternacht des Jahres 1918 besteigt der 14-jährige Moshé Feldenkrais in seiner umkämpften ukrainischen Heimatstadt einen Pferdekarren und wird von einem Schmuggler durch ein gefährliches Sumpfgebiet nach Polen gebracht. Seine weitere abenteuerliche Odyssee führt ihn auf die staubigen Baustellen Tel Avivs und mitten hinein in die Straßenkämpfe mit feindlichen Arabern, in das Radium-Institut des Ehepaars Joliot-Curie in Paris, das London des „Blitz“ und in die geheime Anti-U-Boot-Forschungsabteilung Churchills im Norden Schottlands.

Eine große Portion Händel gab es am Eröffnungswochenende der „Resonanzen“. Das beliebte Festival Alter Musik setzt in diesem Jahr dramaturgisch auf die „Apokalypse“ und ließ mit dem Concerto Copenhagen wahre Meister ihres Faches Händels „Israel in Egypt“ aufspielen, kongenial unterstützt vom Nederlands Kamerkoor. Nicht ganz so glanzvoll, aber solide dann am Sonntag das tschechische Collegium 1704 mit Händel und Telemann.

Mit zwei Stücken, dem kurzen Vorspiel „Metric Dozen, und „Model“, im Sommer 2015 uraufgeführt, krönte der Choreograf Richard Siegal mit Tänzer_innen des Bayerischen Staatsballetts und aus Marseille seinen Aufenthalt als Artist in Residenz im Festspielhaus St. Pölten. „Metric Dozen“, 2014 zum ersten Mal gezeigt, wurde mit heftigem Johlen und Klatschen bedankt. „Model“ ließ das Publikum etwa ratlos zurück.

Nach der Gala von Jérôme Bel, der ersten überhaupt, bei der ich mich nicht gelangweilt habe, läuft das Programm der zweiten Saisonhälfte im Tanzquartier so richtig an. Publikumslieblinge wie Doris Uhlich oder Superamas wechseln mit Studioaufführungen und Langzeitprojekten, wie Claudia Bosses „Ideale Paradise“ ab. Die Redereihe beschäftigt sich mit der „Lust am Text“ und die erst im Herbst geöffnete Mediathek wird ständig erweitert und auch eifrig genutzt.

Philosophen bieten oft schlechtes Theater anstatt guter Philosophie, wenn sie im Fernsehen auftreten. Sie kauen an Brillenbügeln, blicken in ferne Höhen und geben dabei vor zu philosophieren. So denkt der Wiener Philosoph Robert Pfaller und sagt, dann lieber gleich echte Schmiere. Gemeinsam mit Katharina Lacina und Katharina Baumhakel lud er in den Rabenhof zur Premiere der Show „Die großen Knaller bei Robert Pfaller“. Stargast: Karl Marx.

Fast ein Kommentar.
Bequem sitzt das zur Berichterstattung geladene Publikum in den gepolsterten Sesseln. Das Textbuch, das ihm in die Hand gedrückt worden ist, kann nicht gelesen werden, der Raum ist abgedunkelt. Ist auch logisch: Wir sind im Kino, im schönen Blickle-Kino des 21er Hauses. Hell ist die Leinwand, auf der ein Zusammenschnitt aus demnächst zu sehenden Filmen abschnurrt. Instant-Kino.

Es gibt jede Menge begabter und auf die Bühne drängender, junger Ballerinas und Ballerinos – das ist die Erkenntnis des Abends „Junge Talente des Wiener Staatsopernballetts II“ vom 7. Jänner in der Volksoper. Wieder einmal präsentierte Ballettdirektor Manuel Legris dem Publikum, wie hoch das Niveau der Newcomer bereits ist, unterstützt von der bewährten musikalischen Leitung Wolfram-Maria Märtigs.

Ein Neujahrskonzert ganz nach meinem Geschmack. Ohne jegliche Künstlichkeit. Tanzeinlagen an neuen Orten, in der Freudenau und im Park von Schönbrunn, fröhlicher mit Engelsstimmen geträllerte Polkagesang (Wiener Sängerknaben) und Walzermusik, so leicht und schmelzend, wie schon lange nicht. Auch der Pausenfilm war erfreulich musikalisch, dezent und unterhaltsam.