Zwischen Realität und Fantasie, zwischen Gegenwart und Vergangenheit rotiert der dritte Spielfilm der französischen Regisseurin Julie Bertuccelli. Das Drehbuch ist nach dem Roman der amerikanischen Autorin Lynda Rutledge, „Faith Bass Darling’s last Garage Sale“, entstanden. Die „letzte Verrücktheit der Claire Darling“ („La Dernière Folie de Claire Darling“, französischer Originaltitel) ist ein Flohmarkt im Garten des Wohnhauses von Claire Darling (Catherine Deneuve), die eines Morgens mit dem Bewusstsein erwacht, am Abend tot zu sein und deshalb all ihre Schätze verscherbeln will. Deshalb veranstaltet sie den „Flohmarkt von Madame Claire“.

Das wichtigste und größte Buch der wortgewandtesten Wörter“ ist der etwas holprige Titel für ein Theaterstück, das keineswegs holprig daherkommt. Alexandra Ava Koch hat den klugen Text geschrieben, Caroline Wiltschek und Ruth Erharter haben die Bühne aufwändig und geschmackvoll ausgestattet. Ein Stück über Sprache, Wörter und Begriffe, die bei den Empfänger*innen oft anders ankommen als sie gesendet worden sind.
Die Premiere im Dschungel am 25. April ist mit enthusiastischem Applaus bedankt worden.

Mit Performances, Showings und Workshop erinnert Gisela Elisa Heredia / tanz.coop an den Welttanztag, der weltweit am 29. April gefeiert wird. Zum elften Mal wird in Wien ein spezieller TanzTag veranstaltet, an dem junge TänzerInnen und Choreografinnen ihre Kreationen öffentlich zeigen. Der TanzTag 19, am 24. Mai im WUK, will auch heuer wieder dem zeitgenössischen Tanz in all seinen Facetten einen Platz geben und auch den Raum für den Austausch neuer Ideen, Unterstützung und Vernetzung öffnen.

Mit einem fulminanten Tanzstück der französischen Tänzerin und Choreografin Maud le Pladec erreicht das Osterfestival Tirol 2019 sein Finale. "Tewenty-seven perspectives" zur bearbeiteten Musik von Franz Schubert ist das erste Tanzstück, das Maud le Pladec als neue Direktorin des Centre chorégraphique national d’Orleans geschaffen hat. Nachdem das Ballett mit 10 Tänzer*innen nahezu in ganz Frankreich mit Erfolg gezeigt worden ist, begeistert die Premiere im deutschsprachigen Raum am 21. April in Innsbruck auch die Gäste des Osterfestival Tirol in der Innsbrucker Dogana.

Mit seinem Schauspiel „Edmond“ hat Alexis Michalik, nicht nur Autor, auch Schauspieler und Regisseur, 2016 die Franzosen begeistert, nach langem Ringen um die Finanzierung hat er die Komödie nun mit exzellenten Darstellern verfilmt. Alles dreht sich um Edmond Rostand und die schwierige Geburt seines Versdramas „Cyrano de Bergerac“, des bis in die Gegenwart meistgespielten französischen Theaterstücks. Im Film wird das Leben des Dichters zur Literatur.

Faszinierend und bewegend. Julian Schnabels Porträt des Malers Vincent van Gogh (1853–1890) ist keine Biografie. „Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit“ sind intensive, impressionistische Szenen, Gedanken und Emotionen des Malers während der letzten Phase seines Lebens. Verkörpert wird dieser Künstler im Schaffensrausch von Willem Dafoe. Der Oscar für den besten Darsteller war dem 64jährigen sicher. Den Pinsel des Künstlers hat Bennoît Delhomme mit der Kamera geführt.

Die „Symphonie dramatique Roméo et Juliette“, uraufgeführt 1839, für Orchester, zwei Chöre und Solostimmen hat Hector Berlioz für den Konzertsaal geschrieben. Der Choreograf Davide Bombana macht mit dem Wiener Staatsballett die Musik sichtbar, fügt dem originellen, hochdramatischen Werk eine neue Dimension hinzu. In der 13. Aufführung des für Wien geschaffenen Balletts haben Elena Bottaro und Andrés Garcia Torres das von William Shakespeare zum Mythos erhobene Liebespaar interpretiert. Mit langanhaltendem Jubel sind die Tänzer*innen, die Sängerin und die beiden Sänger und der Dirigent Gerrit Prießnitz bedankt worden.

Ein Fest nicht nur für Ballettfans. Die letzte Ballettpremiere an der Staatsoper in der Ära Legris, die im Juni 2020 ihren Abschluss findet, zeigt die frühen Werke dreier Choreografen, die dem klassischen Ballett ihren Tribut zollen, indem sie dessen Grenzen gesprengt haben. Was einst als „Anmaßung und Zumutung“ kritisiert worden ist, wird heute als Klassiker des neoklassischen Tanzes gefeiert. Schon die Generalprobe wurde mit tosendem Applaus bedankt.

Für einen Abend dürfen die aktuell schwierigen Zeiten für das Ballett, die den Medien, nicht nur jenen am Boulevard, leicht verdauliches Futter bieten, auch wenn sie sonst dem Tanz kaum Platz bieten, vergessen, wenn auch nicht verdrängt, werden. Géraud Wielick in "Solo" von Hans van Manen zur Musik von J. S. BachDas Wiener Staatsballett zeigt seine Stärken in „Artifact Suite“ (1984 / 2004) von William Forsythe, „Trois Gnosiennes“ (1982) und „Solo“ (1997) von Hans van Manen und zum Abschluss mit „Psalmensymmphonie“ (1978) von Jiří Kylián. Premiere ist am 14. April.

Nicht die Leistungen der Tänzer*innen werden in der öffentlichen Empörung honoriert, sondern das Fehlverhalten einzelner Lehrer oder Lehrerinnen wird genüsslich ausgebreitet und nach immer neuen Zeug*innen gesucht, die das „es ohnehin schon immer gewusst haben“. Warum haben sie nichts dagegen unternommen? Untersuchungen einzuleiten, Maßnahmen zu ergreifen, Ordnung zu schaffen, ist sicher notwendig, unsinnige Forderungen, wie die Trennung des BRG Boerhaavegasse von der Ballettakademie, oder das Verbot von Bühnenauftritten der Studierenden, zu stellen und das unerfreuliche Thema am Kochen zu halten, sicher nicht. Nicht nur die Ersten Solotänzer des Wiener Staatsballetts Davide Dato und Jakob Feyferlik, die Erste Solotänzerin Natasha Mair und Solotänzerin Rebecca Horner haben die Ballettakademie in Wien absolviert, auch Halbsolistinnen und viele Tänzer*innen im Corps haben ihre Ausbildung an der Ballettakademie gemacht. Dass Ballett Körper und Geist über jedes Maß beansprucht, ist keine Neuigkeit. Maria Yakovleva, Jakob Feyferlik in "Trois Gnossiennes" von Hans van Manen. Musik von Erik Satie.Dennoch macht der Tanz alle jene, die für ihn brennen, glücklich.

Also feiern wir diesen eindrucksvollen Tanzabend, applaudieren wir der Energie und Perfektion des Wiener Staatsballetts und halten wir dem Ballett trotz aller Irrungen und Wirrungen die Treue.

Die drei Nachfolger des Begründers des New York City Balletts, mit dem der aus Georgien stammende Amerikaner George Balanchine seine bahnbrechenden auf Basis der russischen Klassik entwickelten neuen Ballette aufführte, sind ungefähr gleich alt, Forsythe, *1949, und Kylián, *1947, haben im Stuttgarter Ballett unter John Cranko getanzt. Auch John Neumeier, *1939, hat in der Stuttgarter Compagnie getanzt, gelernt und choreografiert. Er würde das Quartett der Neoklassiker vervollständigen. Van Manen, *1932, hat dort gewirkt, wo er geboren ist, in den Niederlanden. Dort wirkt er noch immer als Choreograf für das Niederländische Nationalballett. Als Tänzer war er an der Gründung des Nederlands Dans Theater (NDT) beteiligt, dessen künstlerischer Leiter er von 1961 bis 1970 war. Vom NDT aus begannen seine Choreografien ihre Reise um die Welt. 
Auch im Wiener Repertoire finden sich Stücke von Hans van Manen. Zuletzt, im Oktober 2016, gezeigt: "Adagio Hammerklavier" gemeinsam mit Jiří Kylians "Bella Figura".  Ausschnitt aus "Adagio Hammerklavier" von Hans van Manenen.
Ab 1975 hat Kylian die Compagnie mehr als 20 Jahre lang geführt und mit mehr als 50 Choreografien beschenkt. Obwohl die an einem Abend erstmals vom Wiener Staatsballett getanzten Choreografien zwischen 1984 („Artifact“) und 1997 („Solo“) entstanden sind, hat keines auch nur einen Hauch von Patina angesetzt. Sie sind heute genauso gültig, genauso aufregend wie bei der Uraufführung. Und beglückend ob der Pärzision der Tänzer*innen und der Ästhetik der Choreografie.
Das Wiener Staatsballett darf wieder einmal zeigen, auf welch hohem Niveau getanzt wird. Auch Manuel Legris war als Trainer und Ballettmeister streng und unerbittlich. Das Gros der Tänzerinnen und Tänzer ist ihm dankbar.

PS: Die Premiere von "Forsythe | van Manen | Kylián" am 14. April ist tatsächlich die letzte der Ära Legris an der Staatsoper. In der kommenden Saison gibt es lediglich zwei Premieren ("la Piaf" von Mauro Bigonzetti und einen Abend mit Choreografien von den Tänzern Eno Peçi, Boris Nebyla und Martin Winter, "Appassionata" genannt zur Musik von Bach und Vivaldi.

Forsythe | van Manen | Kylián. Vier neoklassische Ballette an einem Abend.
Mitwirkende: Nikisha Fogo, Jakob Feyferlik; Nina Poláková, Roman Lazik; Oxana Kiyanenko (Forsythe „Artifact Suite“, Musik von J. S. Bach und Eva Crossman-Hecht). Maria Yakovleva, Jakob Feyferlik („Trois Gnosiennes“, Musik von Erik Satie); Denys Cherevychko, Richard Szabó, Géraud Wielick („Solo“, Musik von J. S. Bach). Ketevan Papava, Roman Lazik; Nikisha Fogo, Denys Cherevychko, Kiyoka Hashimoto; Nina Poláková, James Stephens; Nina Tonoli, Navrin Turnbull; Rikako Shibamoto, Leonardo Basilio; Anita Manolova, Marian Furnica; Gala Jovanovic, Tristan Ridel („Psalmensymphonie“, Musik von Igor Strawinsky).
Premiere 14. April 2019, Wiener Staatsballett in der Staatsoper.
Weitere Vorstellungen in wechselnder Besetzung: 17., 20. 27. 30. April 2019. 26., 28., 30. September 2019.
Fotos von Asley Taylor. © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

Ein vielschichtiger Film, der alle Grenzen jeglichen Genres sprengt. Ein Märchen, ein Fantasy-Film, ein Plädoyer für das Fremde und gegen die Angst vor dem Anderen, ein Horrorfilm, eine Romanze mit einem Hauch Krimi, und auch die Natur spielt eine wesentliche Rolle. „Grenze“ heißt er nicht nur, weil die Hauptperson, Tina, eine Zollbeamtin ist, die eine besondere Gabe hat, sie kann Angst und Scham, Wut und Gemeinheit an den Menschen riechen. Deshalb entgeht ihr kein Krimineller, der von der Fähre aus Dänemark nach Schweden kommt.

Katrine Engberg ist in ihrem Heimatland Dänemark schon mit ihrem ersten Kriminalroman, „Krokodilwächer“, taxfrei zur Krimi-queen erhoben worden. Allerdings konnte ich diese Krönung nicht unterschreiben. Zweimal habe ich probiert, das Erstlingswerk zu lesen, doch bis zum Ende habe ich nicht durchgehalten. Jetzt ist auch der Nachfolger übersetzt, und „Blutmond“ zeigt, dass Engberg, geboren 1975 in Kopenhagen, lernfähig ist. Zwar langweilt auch dieser zweite Band mit unnötigen Details wie die Erwähnung, dass die Handbremse angezogen und ein Brot belegt wird, aber er bietet auch Spannung und mit der Welt der Haute Couture und des Kapitals ein schillerndes Ambiente.

Zum vierten Mal findet in Wien der internationale Wettbewerb im Rahmen von Vibe (Vienna Ballet Experience) statt. Mehr als 500 Teilnehmer*innen haben sich angemeldet, um ihr Können zu zeigen und sich in Workshops darauf vorzubereiten und dazuzulernen. Nach der harten Arbeit vom 13. bis 18. April kommt das Vergnügen für die Tänzer*innen und auch das Publikum: Am 18. April findet abends die Abschlussgala im Theater Akzent statt.

Einfach köstlich, herzerwärmend und selbstironisch. Eine perfekte Performance mit richtigem Timing und witzigem Text. Elisabeth Löffler zeigt mit ihrem Solo „Fix me if you can“, dass sie ein Publikum in Bann ziehen kann. Es ist eine intime, aber keineswegs rührselige Geschichte, die Löffler im brut / Café 7Stern Wohnzimmer erzählt, singt, tanzt. Frans Poelstra hat sorgsam Regie geführt, Yosi Wanunu Textarbeit und Dramaturgie geleistet.

Ein Ereignis! Die dritte Klasse des vierjährigen Lehrgangs Schauspiel an der MuK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien) hat am 4.4. im Dschungel Wien eine ernsthafte Komödie aufgeführt, die sich sehen lassen kann und gesehen werden soll. In der Regie von Susi Stach und Karin Koller spielen neun Student*innen quasi sich selbst, junge Menschen auf der Suche nach ihren Stärken und Schwächen. Komisch, fesselnd in einer gut abgeschmeckten Mischung: „Das Ereignis“.

In der Regie von Claudia Bossard bringt das Kosmos Theater derzeit die österreichische Erstaufführung des 2017 in Köln uraufgeführten Stückes Sprengkörperballade der 1984 in Wien geborenen Dramatikerin Magdalena Schrefel. Mehr Poem als Ballade ist dieses Stück, das sich unterschiedlichen Konstellationen von Beziehungen in Form von Geschichten widmet, die man wohl gemeinsam erlebt haben mag, aber immer so ganz anders erzählt, als es die andere/n tun würde/n.

Der Tänzer und Choreograf Jan Jakubal bringt ein abstraktes Thema physisch-konkret auf die Bühne. Mit der Puppenspielerin Niina Lindroos, Musik, Licht und Videoanimation hat die düstere rätselhafte Performance „Hanuman Addiction Cycle“ am 3. April im Off Theater Premiere gehabt.

Mit Esther Balfe, Darren Ellis und Doris Uhlich hat die Abschlussklasse Tanz im MuK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien) drei unterschiedliche Choreografien erarbeitet, die an zwei Abenden unter dem zusammenfassenden Titel "Articulation" die Bandbreite des Studiums und das hohe Niveau der Student*innen gezeigt haben. Am 2. April, dem Tag nach der Premiere, haben die sechs Studentinnen und zwei Studenten die Bachelorprüfung bereits bestanden, sie konnten als Profis auftreten.

Mit „Church of Ignorance” setzt Liquid Loft / Chris Haring das Projekt „Foreign Tongues“ fort. Der erste Teil (Wiener Version) fand im Februar 2017 im Tanzquartier statt. Im August kommt im Rahmen von ImPulsTanz ein weiteres Forschungsergebnis zur Aufführung: „Babylon (Slang)“. Ausgangspunkt für die verschiedenen Aufführungen sind Sprachaufnahmen, die im Rahmen von persönlichen Interviews in verschiedenen Regionen Europas entstanden sind. Ziel ist eine Verschmelzung von vokaler und physischer Kommunikation mit Sound und Licht. Im Rahmen des Donaufestivals ist eine atemberaubend intensive und perfekte Performance in der seit langem profanen Dominikanerkirche in Krems gelungen.

Mit ihrer ersten gemeinsamen Arbeit „I don’t remember this body“ untersuchen der Tänzer und Choreograf Georg Blaschke und der Videokünstler Jan Machacek das Verhältnis von Körper, Raum und Bewegung und deren technischer, medialer, projizierter (Re-)Produktion.

Der Esel tanzt wieder. Nicht auf dem Eis, sondern auf der weiß ausgekleideten Bühne im WUK. Oder in meinem Kopf. Choreograf Nikolaus Adler hat sein Tanzstück „Balthazar“, inspiriert von Robert Bressons († 1999) Film „Au hasard Balthazar“, überarbeitet und ein Gesamtkunstwerk aus Licht, Ton und Tanz, wirklichem Tanz, ausdrucksstark und präzise, gezeigt. Natürlich ohne Esel, der ist der Titelgeber und auch Metapher für das menschliche Leben, von der Geburt bis zum Tod. Den stirbt Balthazar im Film inmitten einer Schafherde. Gelassen und mit Würde.

Mit „Strafe“ ist die Trilogie aus der Anwaltspraxis des Strafverteidigers und Autors Ferdinand von Schirach vollständig. Mit „Verbrechen“ hat der im doppelten Sinn ausgezeichnete Autor seine lakonischen Berichte aus dem Strafgericht begonnen,  mit „Schuld“ fortgesetzt. Nun ist der letzte Band, „Strafe“, erschienen. Die Reihenfolge der Titel der drei Bände ist nicht zufällig, sie entspricht der Prüfungsreihenfolge einer Anklage bei Gericht. Schirach hält es als Berichterstatter mit Hanna Ahrendt und erzählt von der Banalität des Bösen, lakonisch, minimalistisch, kommentarlos. Einem Band ist ein Zitat von Aristoteles vorgesetzt: „Die Dinge sind, wie sie sind.“

Eine Geschichte voll doppelter Böden und geheimen Laden inmitten eines Spiegelkabinetts. Emily Fridlunds Roman „Eine Geschichte der Wölfe“, gesponnen von der 14jähringen Linda, ist ein überaus gelungenes Debüt. Die Wölfe und die beispielgebende soziale Dynamik im Rudel dienen als Metapher für ein stets wechselndes Machtgefüge. Linda ist über dreißig, wenn sie sich an ihre Teenagerjahre, an die  Eltern, den Lehrer Mr. Grierson und vor allem an die Gardners, Patra, Leo und deren Sohn, den sonderbaren, kleinen Paul, erinnert. Doch wie genau, wie richtig und wahr sind Erinnerungen? Und so weiß man nie, was wirklich geschehen ist. Herrlich, in diesem Irrgarten umherzuwandern.

Ein Sommernachtstraum“ zu Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, in der Choreografie von Jorma Elo, ist ein Erfolgsstück. Nicht wirklich ein Ballett, eher gefälliges Tanztheater im romantischen Bühnenbild von Sandra Woodal,l die auch die Kostüme in einer Art griechischen Stil entworfen hat. Dass solch leichte Kost Begeisterungsstürme hervorruft, ist verständlich. Schon 18 Mal stand Elos Choreografie auf dem Spielplan, 2010 war Premiere in der Staatsoper, nach sechs Vorstellungen übersiedelte das Staatsopernballett 2013 in die Volksoper, wo nun die 19. Vorstellung bejubelt worden ist.

Man Ray! Und schon steigt das Bild der Frau mit den Violinschlüsseln am Rücken vor dem geistigen Auge auf. Über Emmanuel Radnitzky, oder einfach Man Ray, den amerikanischen Fotografen, weiß ich doch alles. Hatte ich geglaubt. Die abwechslungsreich und anregend inszenierte Ausstellung im BA Kunstforum belehrt mich eines Besseren.

Afrika scheint an den Wiener Bühnen gerade zu boomen: Das Theater Drachengasse bringt am 7. Mai als Eigenproduktion die Uraufführung von Malibu Diaries dokumentarisch-historischem Rundumschlag „Abendstimmung Afrika Digitalprint“, am Volx/Margareten ist seit einigen Wochen schon die österreichische Erstaufführung von Milo Raus 2015 uraufgeführter Textcollage „Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs“ zu sehen, eine Kooperation mit Max Reinhardt Seminar und Filmcasino. Und soeben hatte, am Max Reinhardt Seminar, Ingrid Lausunds 2009 uraufgeführte schrill-böse Komödie „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ ihre Premiere. Regie führt bei dieser Vordiplom-Inszenierung die junge Wiener Nachwuchsregisseurin Anna Marboe.

Der Choreograf Nikolaus Adler mag sich von seinem erfolgreichen Tanzstück „Balthazar“ nicht trennen. Nach der Uraufführung vor zwei Jahren im Hamakom Theater, hat „Balthazar“ neuerlich Premiere, diesmal im WUK. Auch wenn der Anstoß zur Choreografie eine Filmszene ist, muss man den Film keineswegs gesehen haben, um Adlers Choreografie zu verstehen. Obwohl –, um das Verstehen, um komplizierte Gedankengänge oder verquere Philsophie geht es Nikolaus Adler ohnehin nicht. Es geht um getanzte Bilder und um Emotionen. Die Bilder entstehen auf der Bühne, die Gefühle in den Zuschauer*innen.

Tief in die alpenländische Sagenwelt taucht makemake produktionen mit Theater, Tanz, Gesang und Objektkunst ein und erzählt im Dschungel für Kinder ab 9 und Erwachsene von den „Wilden Frauen“, den Saligen, die, meist unsichtbar, scheu und eigenwillig, nach ihren eigenen Regeln gelebt haben. Wieder einmal zeigt das Kollektiv makemake, wie vielfältig, interessant und auch amüsant Theater sein kann.

Der gemischte Abend, quer durch 40 Jahre Ballett, bringt mit Choreografien von George Balanchine, John Neumeier und Jerome Robbins reichlich Abwechslung. Die erste Hälfte ist Balanchine gewidmet: „Stravinsky Violin Concerto“ ist 1972 entstanden und zeigt zwei unterschiedlich agierende Paare, umgeben von acht Damen und acht Herren im stetigen Fluss der Musik. Als Kontrast ist „Thema und Variationen“ zur Musik von Peter Tschaikowsky zu erleben. Nikisha Fogo reißt in ihrem Debüt als Solistin des 1947 uraufgeführten Werks zu Beifallsstürmen hin. John Neumeiers „Bach Suite III“ (1981), reiner Tanz für zwei Solopaare und sechs Tänzer*innen, sowie Jerome Robbins fröhliche Charade „The Concert – or, The Perils of Everybody“, mit Irina Tsymbal und Eno Peçi (Wiener Premierenbesetzung 2011, Uraufführung in New York 1956) runden den Abend ab.

Der auch in Österreich bestens bekannt Tänzer, Choreograf und künstlerischer Leiter seiner ProART Company, gastierte an zwei Abenden im Off-Theater und zeigte ein Solo und gemeinsam mit seinem Kollegen Lukáš Leopold ein Duo. „Oneness“, das Duo, ist eine Choreografie über den Moment und seine Flüchtigkeit. Mit „Blatný“ erinnert Dvořák an den tschechischen Lyriker Ivan Blatný (1919–1990).

Was macht den Menschen aus? Ist es seine, ihre DNA? Die Einflüsse durch Familie, Gesellschaft, Umwelt, Kunst, Musik? Körper, Räume, Licht? Wie erzählt sich dieses „eine“ Leben, das von 23 Chromosomen-Paaren und einem DNA-Code vorgegeben scheint und doch in jeder Sekunde seines Gelebtwerdens etwas gänzlich Neues, Unerwartetes, Ereignishaftes schreibt, „auto-bio-graphy“: das eigene Leben schreiben.

Manuel Legris ist es zu verdanken, dass das klassische Ballett „Raymonda“, in der Choreografie von Rudolf Nurejew nach Marius Petipa, 17 Jahre nach der letzten Wiener Aufführung neueinstudiert worden ist, und eine neue Generation im Publikum begeistert. In den beiden letzten Vorstellungen der 15teiligenSerie (von Dezember 2016 bis April 2018) ist die erste Solotänzerin Maria Yakovleva als Raymonda eingesetzt, Denys Cherevychko tanzt den Ritter Jean de Brienne. Rollendebüts sind Elena Bottaro und Adele Fiocchi als Freundinnen Raymondas sowie Trevor Hayden und Arne Vandervelde als sie umturtelnde Troubadoure anvertraut. Überdies: Sveva Gragiulo im Grand Pas classique hongrois und Marian Furnica im Sarazenen-Duo. Sie alle mitsamt dem Dirigenten Kevin Rhodes wurden heftigst beklatscht.

Veza Fernández, in Wien lebende Choreografin und Performerin, hat mit elf Künstlerinnen eine suggestive Stunde über Schwesterlichkeit, Freundschaft und Liebe geschaffen. Kira Kirsch und ihr Team, aus ihrem Stammhaus dem brut temporär auswaggoniert, haben im Casino Baumgarten das richtige Ambiente gefunden. „Wenn Auge Mund wird“ ist poetisch und zärtlich, rasant und schrill.

Konzerte mit Musik von Joseph Haydn bis Igor Strawinsky, Kammermusik, Jazz und mehr, Workshops und natürlich auch Tanz und Ballett bilden das reizvolle Programm der kommenden Saison, 2018 / 19, im Festspielhaus St. Pölten. Was den Tanz betrifft, so ist das Festspielhaus St. Pölten ein Gastspiel- und Koproduktionshaus, das gibt der künstlerischen Leiterin, Brigitte Fürle, die Möglichkeit, große Compagnien aus aller Welt in die Niederösterreichische Landeshauptstadt zu locken.Sie tanzen auch für Wienerinnen und Wiener –  St. Pölten liegt ganz nah.

Wissenschaft, so spannend erzählt wie ein Roman. Biografie, so lebendig wie eine Abenteuergeschichte. Die Amerikanerin interessiert sich besonders für den Sternenhimmel und versteht es, über alles, was da damit zu tun hat, Forschung und Entdeckung, so leicht verständlich und flüssig zu berichten, als wär‘s eine Liebesgeschichte. Na ja, eigentlich ist es das auch immer, die Geschichte der Liebe zu den leuchtenden Objekten am Himmel, die einst den Schiffen den Weg wiesen und heute immer noch das Interesse der Astronomen und auch der Laien erwecken. Die einen bewundern sie, die anderen erforschen sie.

Mit seiner bisher dritten Produktion, „HABENICHTSE!“, bleibt der 2014 von der Schauspielerin und Regisseurin Veronika Glatzner gegründete „Verein für vorübergehende Kunst“, Tempora, seinem Gründungskonzept treu: „Theaterprojekte in strukturell vernachlässigte Stadtteile zu bringen“. Hatte man sich zwischen 2014 und 2016 bei „on DIS PLAY“ zwischen Hernals und Neubau mit der Selbstvermarktung des Menschen im digitalen Zeitalter beschäftigt – schon hier, wie auch nun bei „HABENICHTSE!“ führt Steffen Jäger Regie –, führte die zweite Produktion, K.s Frauen, von der Straße in eine in die Jahre gekommene, abgewohnte großbürgerliche Altbauwohnung in der Inneren Stadt.

Allerorten wird heuer das Jubiläum von Marius Petipa, gern als Vater des klassischen Tanzes bezeichnet, gefeiert. Die Ballettakademie der Wiener Staatsoper tut es mit einer großen Gala an zwei Abenden im Museumsquartier. Nahezu alle Schüler_innen aller Altersstufen zeigten vor Publikum ihre Liebe zum Tanz. Die Begeisterung war abzusehen, waren es doch vornehmlich Verwandte, Bekannte und Freundinnen der Studierenden, die zur Bewunderung der Tanzbegeisterten Kinder und Teenager gekommen sind. Wenn aber die Kinder im Publikum nicht lediglich aus Geschwisterliebe anwesend waren, so können Ballettdirektor Manuel Legris und die Direktorin der Ballettakademie, Simone Noja-Nebyla, auf reichlich Nachwuchs hoffen.

Rudolf Nurejews Choreografie nach Marius Petipa des Balletts „Raymonda“ hat sich zum Publikumshit entwickelt. Auch die 13. Aufführung seit der Neueinstudierung 2016, die 53. insgesamt seit der Premiere im Jänner 1985, war ausverkauft und wurde begeistert aufgenommen. Vor allem Masayu Kimoto als Ritter Jean de Brienne und Eno Peçials sarazenischer Fürst Abderachman, beide hatten ihr Rollendebüt am 2. April 2018, wurden mit Jubel gefeiert.

Romantische Musik und unaufhörlicher Tanz, 70 Minuten lang, kennzeichnet Anne Teresa de Keersmaekers Stück „Rain”, das als Krönung das Osterfestival Tirol 2018 beendet hat. Die Komposition von Steve Reich, „Music für 18 Musicians“, ist faszinierende Minimalmusic, ein stetiger Fluss, der die reflektierende Bewegung herausfordert. 10 Tänzer_innen erobern die Bühne und fesseln zur hypnotischen Musik in wechselnden Kostümen das Publikum, tanzen ohne zu ermüden in einem ovalen Lichtfeld. Erst der tobende Applaus weckt aus Traum und Trance.

In beeindruckender Dramatik nähert sich das 30. Osterfestival Tirol seinem Ende am Ostersonntag 2018. Am Karfreitag hat das feinstimmige Collegium Vocale Gent unter Philippe Herreweghe mit der Johannespassion von J. S. Bach das große Drama vom Tod des Jesus aus Nazareth gestaltet. Bewegend und aufwühlend. Am Karsamstag erzählt Silvia Calderoni in einer Produktion der italienischen Theatercompagnie Motus im Solostück „MDLSX“ von der Ambivalenz der Geschlechtsidentität, von Konformität und Normalität, vomAnderssein, das Menschen zu Monstren stempelt. Die Bühnenpräsenz der Calderoni, ihre Spielwut und Authentizität lassen die jegliches theatralische Genre sprengende Performance zu einem fesselnden Erlebnis werden.

Feuervogel“ ist der verlockende Titel eines Tanzabends des Wiener Staatsballetts in der Volksoper. Drei Tänzer befassen sich als Choreografen mit der Musik Igor Strawinskys. Andre Kaydanovskiy sieht den „Feuervogel“, der dem Abend den Titel gibt, als personifizierte Allegorie von Gier und Begierde. Eno Peçi macht die Kasperlfigur „Petruschka“ zum hilflosen Lehrer. András Lukács baut mit sechs Paaren eine Hymne an den Tanz und die Schönheit. Geschichte erzählt er keine, die entsteht mit Hilfe von Strawinsky und den Mitwirkenden im Kopf des Publikums. Dieses belohnte Choreografen und Tänzer_innen temperamentvoll mit einer Premiere angemessenem Applaus.

Wer bist du, wer bin ich? Passen wir zusammen? Können wir uns verständigen? Gisela Elisa Heredia und ihre Compagnie tanz.coop behandeln ein brisantes Thema –  Fremdsein, Ablehnung und Annäherung –  mit Schwung und Humor. Drei Tänzerinnen und ein Tänzer sind mit ungeahnter Energie auf der Bühne des KosmosTheaters, um als „Perfect Stranger“ das vornehmlich junge Publikum zu unterhalten. Ernsthaft nachgedacht wird später.

Den Bewegungen von Tänzerinnen und Performern auf der Bühne zuzusehen, ist eine Sache. Eine andere, eine gesündere und auch beglückendere, ist es, sich selbst zu bewegen. Bei 250 Workshops, die einen wesentlichen Teil des international bekannten ImPulsTanzfestivals bilden, finden Väter, Mütter, Teens und Twens, Enkelkinder und deren Großeltern, Profis und Laien und natürlich auch Bewegungswillige, die es wegen einer Behinderung nicht so leicht im Alltag haben, ihre spezielle bewegte und bewegende Runde.  Die Angebote bekannter und frisch engagierter Meister_innen könnten auch Happyshop oder Vergnügungsladen heißen, denn diese Arbeit bietet bei aller Härte und Ernsthaftigkeit echten Genuss und erhöht die Lebensfreude.

Ioanna Avraam hat zum ersten Mal die Titelrolle getanzt und fast scheint es als wäre die russische Tänzerin, der Boris Eifman sein Ballett „Giselle Rouge“ gewidmet hat, wiedererstanden. Die wenigen Bilder, die von Olga Spessivtseva erhalten sind, werden lebendig, wenn Avraam mit allen Fasern ihres biegsamen Körpers Lebensstationen der sensiblen Tänzerin darstellt. An ihrer Seite debütierten Mihail Sosnovschi als für die Ballerina entflammter Kommissar und Andrey Teterin als eleganter Lehrer. Roman Lazik beeindruckt als Bühnenpartner in Paris. Eine Aufführung, die einhellige und lautstarke Begeisterung fand, nicht nur für die großartigen Leistungen auf der Bühne sondern auch im Orchestergraben.

Theorie und Praxis führten die Wiener Staatsoper und die Europäische Musiktheater Akademie in einem besonderen Symposium zusammen. Was denken führende Wissenschaftler der Richard Wagner-Forschung über dessen Gesangskompositionen, und wie gehen Top-Wagner-Sänger mit den Herausforderungen um? Im Teesalon der Staatsoper gab es höchst Interessantes darüber zu erfahren.

Das Besondere im Banalen zu finden, stellte sich der Regisseur Pavel Cuzuioc als Aufgabe. Dazu hat er sich in die Opernhäuser von Wien, Mailand und Odessa begeben. Nicht, um im Zuschauerraum zu sitzen und eine Aufführung zu genießen, oder hinter der Bühne die Geheimnisse eines Opernabends zu erforschen, sondern dort zu verweilen, wo die Besucher_innen möglichst wenig Zeit verbringen wollen: an der Garderobe.

Wenn die Realität die Fantasie überholt, dann ist es vorbei mit den wohligen Schauern bei der Lektüre eines Kriminalromans. Ausgangspunkt im neuen Roman der norwegischen Autorin Anne Holt ist eine Bombenexplosion mitten in Oslo. 29 Menschen sterben. Wenig später explodiert eine zweite Bombe, neue Opfer sind zu beklagen. So könnte es sein. Oder ist es so? Am 7. April rast ein Verrückter mit einem Lastwagen in die Fußgängerzone von Stockholm und tötet dabei vier Menschen. Er zeigt sich befriedigt, „Ungläubige“ getötet zu haben. Die Fiktion ist längst zur Realität geworden.

Der letzte Roman des amerikanischen Autors Kent Haruf ist ein Glücksfall für die Leserin. Der ein bisschen mystische Titel – „Unsere Seelen bei Nacht / Our Souls at Night“ – lässt ahnen, dass ein ganz besonderer Roman zu lesen sein wird. Das Licht auf dem Nachtkasterl ist gedämpft, der Straßenlärm schweigt, Addie und Louis liegen Hand in Hand nebeneinander im Bett, plaudern ein wenig und schlafen dann ein. Noch vor dem Frühstück ist Louis wieder bei sich zu Hause. Bis Addie meint, er soll seinen Pyjama doch bei ihr lassen und dann frühstückt er auch mit ihr.

In den letzten beiden Vorstellungen von John Crankos emotionalem Ballett „Onegin“ nach Alexander Puschkin tanzt Nina Poláková eine beeindruckende Tatjana. Roman Lazik ist der „Onegin“ schlechthin, vom ersten Auftritt an unerträglich (gut). Alice Firenze ist eine verschmitzte Olga und Masayu Kimoto ihr jähzorniger Bräutigam Lenski. Alexis Foraboscot zeigt, einfühlsam und kräftig, einen fürstlichen General.

Da hängt sie, die Kuh, schneeweiß und mächtig vor dem schweren Samtvorhang der Dresdener Semperoper, und ich frage mich, ob sie da wohl auch den ganzen Abend hängen bleiben wird? Den Kakteen („Cacti“) lässt der Choreograf Alexander Ekman die Kühe („Cow“) folgen. Bertram Grund hat sie in Dresden gesehen – erstaunt und hingerissen.

Im Winter muss Meret ihren Rucksack schultern und eine Wanderung nach Norden antreten. Muss, weil Sam das so will. Der hat sich in ihrem Haus eingenistet, behauptet, nur das Beste für sie zu wollen und schickt sie fort. Wehe sie kommt zu früh zurück, dann muss sie von vorn anfangen. Die österreichische Autorin Elfriede Kern erzählt im Roman "Das Nesselhemd" von Macht und Ohnmacht, Abhängigkeit und Unterdrückung. Auf eigenartige Weise.

Nach ihrem erfolgreichen Tanzstück “Smokey, hugs and Capuccino” über Sehnsucht und Liebe im Tangorhythmus befasst sich die Choreografin Gisela Elisa Heredia mit ihrem Kollektiv tanz.coop nun im KosmosTheater mit dem Fremdsein, dem Heimatgefühl und allen damit verbundenen Klischees . „Perfect Stranger“ ist eine Reise durch die Kulturen und versucht die Frage zu beantworten, was uns Heimat in den Körper einschreibt.

Drei Tänzerinnen und neun Tänzer des Wiener Staatsballetts sind der Einladung des Ballettclubs gefolgt, ihre Kreativität als Choreograf_innen zu zeigen. Manche dürfen schon als alte Hasen bezeichnet werden, andere versuchen ihr Talent zum ersten Mal zu beweisen. Sie erarbeiten mit ihren Kolleg_innen aus der Compagnie vor allem Pas de deux, proben aber auch mit Gruppen bis zu sechs Tänzern.

Tapfer hat sich Ballettdirektor Manuel Legris durch den deutschen Text gekämpft, bis zum Ende – wie üblich mit der Nurejew-Gala 2018 – von Premieren und Repertoire auf Deutsch berichtet. Dafür gebührt dem Franzosen Lob und Ehre. Die erste Premiere der neuen Saison ist am 31. Oktober ein dreiteiliger Abend mit Werken der britischen Choreografen Kenneth MacMillan, Frederick Ashton und Wayne McGregor.  Am 21. Jänner 2018 folgt die „Peer Gynt“, ein Handlungsballett des rumänischen in Maribor wirkenden  Choreografen Edward Clug. In die Volksoper lockt das Staatsballett im Dezember 2017 mit der  Uraufführung von Davide Bombanas Ballett "Roméo et Juiet".

Im Theater an der Wien zeigt das Norwegische Nationalballett eine getanzte Version von Henrik Ibsens Drama: „Gespenster“. „Ein Familiendrama“ nennt Ibsen das 1881 uraufgeführte Stück im Untertitel. Die osloer Gesellschaft war empört über die Dekonstruktion der Familie Alving. Der Vater, Kapitän Alving, ist nach einem zügellosen Leben längst tot, doch die Schatten der Verganenheit leben. Schweigen und Vertuschen führen schließlich zum Einbruch der gutbürgerlichen Fassade. Zu lange ist geschwiegen worden,  Lügen und Geheimnisse müssen aufgedeckt werden.

Vibe, auf Deutsch: Stimmung oder Atmosphäre und eine gute solche wird herrschen, wenn junge Tänzerinnen und Tänzer aus aller Welt in Wien am Wettbewerb 2017 teilnehmen werden. Vibe ist die passende Abkürzung für die Plattform Vienna International Ballet Experience, die heuer allen offen steht, die sich auf der Bühne präsentieren wollen: Profis und Amateurinnen, Kinder und Erwachsen, Tänzer_innen mit und ohne physische oder geistige Behinderung oder Asylstatus. Der Abschluss der inklusiven Veranstaltung wird mit einer Gala im Volkstheater gefeiert.

Zwei Jahre nach der Premiere ist an der Wiener Volksoper Boris Eifmans Ballett „Giselle Rouge“ in teilweise neuer Besetzung wiederaufgenommen worden. Nina Poláková wurde für ihr Debüt in der Titelrolle vom Publikum gebührend gefeiert. Begeistert zeigten sich die Besucher_innen auch von Vladimir Shishovs Interpretation des gewalttätigen Kommissars.

Seit vielen Monaten beschäftigen sich die Mitglieder des KünstlerInnen-Kollektivs Superamas mit Krieg, Terror und Gewalt. Ausgangspunkt ist der Erste Weltkrieg. Im brut zeigte die Superamas einmalig die Performance "Why?" als weiteres Ergebnis der aufwändigen Recherchearbeit.

Inspiriert von der Schlussszene in Robert Bressons „Au hasard Balthazar“ hat Nikolaus Adler mit seinen Tänzer_innen einen Abend choreografiert, der nicht nur vom Tod (eines Esels) erzählt sondern vor allem vom Leben und von der Natur. Die Erinnerungen an den Film bleiben wach, der Tanz wechselt zwischen konkreter Erzählung und abstrakten Bewegungssequenzen. Ein Abend perfekten Tanzes der breiten Raum für eigene Gefühle lässt. Eine eindrucksvolle Uraufführung im Hamakom Theater.

Schnell vergangen, sind nicht nur für Markus Hinterhäuser die drei Jahre seiner Intendanz der Wiener Festwochen, auch dem Publikum dürfte die  Zeit viel zu schnell abgelaufen sein, so vielfältig , reich an Energie und  Engagemen waren die Programme. Am 13. Mai werden die letzten Hinterhäuser-Festwochen mit moderner Blasmusik auf dem Rathausplatz eröffnet. Die Tageskassen öffnen am Samstag, 30. April 2016.

Eine Nachricht, die viele Fans traurig stimmen wird: Der Erste Solotänzer des Wiener Staatsballetts Kirill Kourlaev hat beschlossen, seine Karriere zu beenden und mit Ende dieser Saison die Compagnie zu verlassen. Nach 16 Spielzeiten will er sich nun seinen Aktivitäten im Bildungsbereich widmen. Ballettdirektor Manuel Legris bedauert Kourlaevs Entschluss, zollt ihm aber Respekt, Dank und Anerkennung.

Der Esel ist tot. Der Film zu Ende. Der Tanz beginnt. Wie der tragische Held in Robert Bressons berühmten Film „Au hasard Balthazar“ heißt auch das Tanzstück von Nikolaus Adler: „Balthazar“.
Von dessen Leben und Sterben geht der Choreograf Nikolaus Adler aus, wenn er mit drei Tänzerinnen und zwei Tänzern den Tanzabend „Balthazar“ probt. Auch wenn der Esel Balthazar die Hauptperson ist, wird er unsichtbar bleiben: „Jeder ist der Esel“, sagt Adler. Inspiriert vom Kinofilm zeigt Nikolaus Adler ein ganzes Leben in 70 Minuten.

Im passenden Aufführungsort, auf der Bühne des Metro-Kinos, zeigt Yosi Wanunu mit seinem Ensemble „Toxic Dreams“ den Stoff, aus dem die Träume gemacht sind: das Kino. Allerdings nicht das heutige „kapitalistische“ Kino, sondern dessen Anfänge. Als realer Stoff dient dem Träumer Wanunu das Leben und Wirken eines anderen Träumers, des Filmpioniers Georges Méliès. Eine Multimedia-Performance in der auf höchst unterhaltsame Weise die Medien miteinander verschmelzen, die Realität der Magie weicht.

Jubel und Hochrufe in Wien und St. Petersburg. Während Manuel Legris und Maria Yakovleva beim „Dance Open Festival“ in St. Petersburg gefeiert wurden, tobte das Publikum in Wien, um sich bei Rebecca Horner, Denys Cherevychko, Eno Peçi und Kirill Kourlaev und dem gesamten Ensemble für einen großartigen John Neumeier-Abend – „Verklungene Feste“, „Josephs Legende“ – lautstark zu bedanken

Entzückend und zugleich beklemmend– eine merkwürdige Kombination von Adjektiven, aber so lässt sich die Performance „Liebesbriefe an Adolf Hitler“ der Gruppe transit im dunklen Ranftlzimmer des Wiener Künstlerhauses am besten beschreiben. Vier Künstlerinnen brachten dem Publikum recht eindringlich authentische Dokumente nahe, die allesamt aus der Feder verliebter Nationalsozialistinnen stammen.

Die schottische Autorin Ali Smith versteht es immer von neuem, ihre Leserinnen zu beglücken. Tatsächlich! Auch mit ihrem jüngsten Roman gelingt ihr das, auch wenn sowohl der Titel wie der Klappentext etwas verwirrend sind. Zwei Leben beschreibt Smith, die, obwohl 500 Jahre auseinander liegend, mit einander verwoben sind. So ist es möglich dass der italienische Maler Francesco del Cossa († 1477) beobachtet wie die 16jährige Georgia nach dem Tod der Mutter wieder ins Leben zurückfindet. 

Der Titel sagt es schon: Lady Diana, die bei einem Autounfall ums Leben gekommene Princess of Wales, als „Königin der Herzen“ verehrt, ist Ausgangspunkt und Folie für Marta Navaridas und Alex Deutinger, um über Oben und Unten, Volk und seine Herrscher, über Privates und Öffentliches nachzudenken. Weil sie dies perfekt und auf höchst originelle Weise tun, wurden sie im Tanzquartier herzlichst bedankt.

Mit vier Tänzerinnen und einem Tänzer zeigt Gisela Elisa Heredia in ihrer neuen Choreografie mit der Sehnsucht nach Nähe und dem Verlangen nach Distanz auseinander. Als Metapher dafür wählte sie, aus Argentinien stammende Choreografin den Tango. „Smokey Hugs and Tango“, als Titel etwas unglücklich gewählt, zeigt das homogene Ensemble im KosmosTheater ein flott und präzise getanztes Stück, das beim Publikum die eigenen Gefühle und am Ende begeisterten Applaus aktiviert.

When the mountain changed its clothing“, eine Produktion der Ruhrtriennale 2012, wird am 16. April 2016 mit dem renommierten Golden Mask Award als „best foreign production presented in Russia 2015“ ausgezeichnet. Die Verleihung findet im Rahmen des Golden Mask Festivals, dem wichtigsten Theaterfestival Russlands, statt.

Das Musiktheaterwerk von Heiner Goebbels, Künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale von 2012 – 2014, feierte bei der Ruhrtriennale 2012 Weltpremiere. Im Zentrum der Produktion steht das international bekannte Vocal Theatre Carmina Slovenica. Die 40 Mädchen des Chores im Alter von 10-20 Jahren lassen uns mit Versen, Gesängen und Szenen an Geschichten und Fragen zum Abschied von ihrer Kindheit teilhaben und schaffen dabei poetische und spannungsgeladene Bilder – nach Texten von J.J. Roussau, Gertrude Stein, Alain Robbe-Grillet u. a.

Seit der umjubelten Uraufführung 2012 in der Jahrhunderthalle Bochum ist die Produktion im Rahmen der Tourtriennale auf internationalen Bühnen und bei Festivals weltweit zu Gast – darunter das Golden Mask Festival in Moskau (Russland 2015), das Melbourne Festival (Australien 2014), das Holland Festival (Niederlande 2013) oder das Festival d'Automne (Frankreich 2012).

Mitunter liegt das Festspielhaus St. Pölten in Spanien, dann nämlich wenn in der kommenden Saison im Flamenco-Rhythmus getanzt wird. ¡Flamenco! wird mit mehreren Vorstellungen einen Schwerpunkt im reichen Tanzprogramm bilden. Aber auch Sasha Waltz, Sidi Larbi Cherkaoui, Grupo Corpo aus Brasilien oder der aus Samoa stammende Tänzer / Choreograf mit seiner Companie MAU sind mit neuen Stücken nach St. Pölten eingeladen.

Schlicht und prosaisch „7“ nennt Martin Schläpfer, Chef des Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg , seine 2013 geschaffene Choreografie zur 7. Symphonie e-Moll von Gustav Mahler. Das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, dirigiert von Wen-Pin Chien, Kapellmeister der Deutschen Oper am Rhein, begleitete die Compagnie bei ihrem Gastspiel im Festspielhaus St. Pölten. Die Musik Mahlers, durch ungewöhnliche Instrumente wie Mandoline, Gitarre und Kuhglocken ergänzt, teils romantisch, teils tragisch mit rauschenden Klängen an der Grenze der Tonalität, bleibt trotz der Bemühungen des Choreografen und der Qualität der Tänzer_innen vom Rhein die Hauptdarstellerin an diesem Abend.

Tanz im Museum ist nichts Neues, dass aber ein Museum dem Tanz eine Ausstellung widmet kommt nicht alle Tage vor. Im Museum der Moderne Salzburg hat sich Direktorin Sabine Breitwieser eines außergewöhnlichen Projekts angenommen. Ausgehend von den Derra de Moroda Dance Archives, die sich seit dem Tod der Sammlerin (1978) an der Universität Salzburg befinden, werden in der klar gegliederten Ausstellung Fäden zwischen dem (Tanz)Archivmaterial, heutiger Performance und aktueller bildender Kunst gewebt. „Kunst –Musik – Tanz“ im MdM ist ein, rund um die gesammelten Erinnerungen aus den 1920er / 30er Jahre gestaltete, höchst lebendige, dynamische Schau, die einen Dialog eröffnet und neue Sichtweisen auf verborgene Zusammenhänge ermöglicht.

Wenn das Ende des Studienjahres naht, zeigen die Studierenden und Lehrenden des Studienganges Zeitgenössischer und Klassischer Tanz an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK), was sie gelernt und gelehrt haben. Zugleich ist diese Performance für den vierten Jahrgang die praktische Abschlussarbeit. Diesen Teil ihres Bachelor-Studiums haben alle Tänzerinnen und der einzige Tänzer erreicht. Sie wurden nach der Performance im Werk X entsprechend gefeiert.

Knapp bevor Ballettchef Manuel Legris nach Japan gereist ist, um über ein Gastspiel des Wiener Staatsopernballetts zu verhandeln, hat er im Rahmen der Vorstellung des Opernprogramms der kommenden Saison, auch kurz angerissen, was er an Ballettvorstellungen geplant hat. Zwei Premieren werden das Repertoire erweitern: Anfang November ist ein dreiteiliger Abend angesetzt, der nach den Choreografen prosaisch „Balanchine |Liang | Proietto“ benannt ist; zwei Werke von John Neumeier („Le Pavillon d_Armide“, „Le Sacre“) haben im Februar 2017 Premiere.

Open Air, im Live Stream, auf Arte TV und natürlich auf der Bühne wird der Korsar nach der fulminanten Premiere zum letzten Mal in dieser Saison tanzen. In der Premierenbesetzung ist die Aufführung von mehreren Kameras aufgezeichnet worden. Mag sein, dass es diese stummen aber sehr aufmerksamen Zuschauerinnen waren, die die Tänzer_innen angepornt und die Vorstellung am 31. März so besonders gemacht haben.

AH / Ha ist eine Performance über das Lachen. Um das  Lächerliche geht es dabei der Choreografin und Tänzerin Lisbeth Gruwez  keineswegs. Im Gegenteil sie erzeugt mit ihrem Stück über das Lachen auch Horror und Angst, schenkt aber mit HA HA das AHA-Erlebnis, dass Lachen zusammenschweißt. Allein zu lachen ist halb so lustig. Die flämische Künstlerin  tritt mit ihrer Gruppe "Voetvolk" im Tanzquartier auf.

„Seelen“ nennt der renommierte französische Choreograf Olivier Dubois, sein neuestes Stück. Sechs Tänzer aus verschiedenen afrikanischen Ländern ziehen Spuren im Sand. Spuren der Seelen, eingeprägt, wieder gelöscht, ein Logbuch des Schicksals, ein Archiv der Schicksale. Eine Reise vom Leben zum Tod, der das Leben erst so richtig bestätigt. Ein von Trommelwirbel akzentuierter Abend, meditativ und fesselnd.