Kaum zu glauben! Schon 25 Jahre ist der Pianist Igor Zapravdin als Ballettkorrepetitor und musikalischer Begleiter an der Wiener Staatsoper beschäftigt. Das muss gefeiert werden. Kirill Kourlaev, noch immer im Gedächtnis aller Ballettfans als Erster Solotänzer des Wiener Staatsballetts, frönt dabei seiner neuen Leidenschaft und organisiert das Fest mit Ballettgrößen aus aller Welt im Wiener Volkstheater am 29. Oktober 2017.

Alles wird besser. Nachdem in der ersten Vorstellung die zahlreichen Debütant*innnen – etwa 99,9 % aller Mitwirkenden – ohne eine einzige Probe auf der Bühne ihre Wege, mitunter auch die Partner, haben finden müssen, haben die Solist*innen nach mehreren Auftritten ihre Balance wieder gefunden, das Ensemble hat sich konsolidiert. Der Höhepunkt des 2. Aktes, die gegeneinander bewegten Arabesques von 26 Wilis, wird mit spontanem Applaus bedacht. Am Ende zeigte sich das Publikum mit den Solist*innen und dem Corps recht zufrieden. Dass Masayu Kimoto seinen ersten Auftritt als Herzog Albrecht gehabt hat, wurde kaum registriert.
Im Grunde ein gutes Zeichen.

Mit einem Zitat aus dem berühmten Roman von Jeremias Gotthelf „Die schwarze Spinne“ beginnt Christoph Poschenrieder sein neues Werk, „Kind ohne Namen“. Wie Gotthelf erzählt auch Poschenrieder von verdrängter Kollektivschuld, von den Fremden, die von den Alteingesessenen nicht akzeptiert werden, vom verführerischen Teufel in Menschengestalt und den verschwimmenden Grenzen zwischen Gut und Böse. Gekonnt paraphrasiert er die Elemente aus Gotthelfs romantisch-moralischem Meisterwerk, erschienen 1842.

Ernst Stricker verstrickt sich. Der Bibliothekar hört das Telefon in einer Zelle läuten und hebt ohne Nachzudenken ab. Eine ihm fremde Frau redet ihn mit seinem Vornamen an und bittet ihn, sie umgehend zu besuchen. Wer A sagt, muss auch den Besuch wagen. Und damit beginnt eine wundersame Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückführt und auch auf die Gletscher des Jungfrauengebiets in der Schweiz. Autor Franz Hohler ist Schweizer, lebt in Zürich ,und wenn er nicht auf die Berge kraxelt, schreibt er. Zum Beispiel einen Roman voller Geheimnisse und Überraschungen: „Das Päckchen“.

Vier Fälle hat Leopold Wallisch, genannt der Lemming, gelöst, bis er den Detektiv an den Nagel gehängt und sich mit Frau und Kind zurückgezogen hat und Nachtwächter im Tiergarten ist. Jetzt aber, nach zehn ruhigen Jahren, ist er wieder zurückgekehrt und hat gleich den bereits aus dem vierten Teil der Lemming-Serie, „Lemmings Zorn“, bekannten Bezirksinspektor Polivka mitgenommen. Zu zweit gelingt es ihnen, eine mörderische, geldgierige Familie auszurotten. Stefan Slupetzky ist mit der „Rückkehr des Lemming“ wieder eine wunderbare Wiener Kriminalgeschichte gelungen, die vor Wortwitz und skurrilen Ideen sprüht. Die zwei detektivischen Käuze und ein kurioses flügellahmes Vogelpaar spielen ihre Rollen perfekt.

So geht es auch: Weniger Debüts, eine erfahrene Erste Solistin, die ihren debütierenden Partner sorgsam leitet und ein Corps de Ballet, harmonisch, sicher auf der Spitze, energisch im Bauerndress, anmutig im weiß wallenden Tutu. Diese zweite Vorstellung in der „Giselle“–Serie 2017 / 18 sollte die erste sein, denn vor allem Liudmila Konovalova, auch die beiden Solo-Wilis, Rikako Shibamoto und Elena Bottaro zeigten mühelos, wie schön und aufregend dieses romantische Ballett sein kann. Mit seinem Rollendebüt als Herzog Albrecht fügte sich Robert Gabdullin nahtlos ein. Flinke Beinarbeit und saubere Sprünge bescherten ihm im 2. Akt verdienten Applaus.

So viele Sternchen neben dem Namen der Tänzerinnen und Tänzer habe ich noch nie auf dem Programmzettel gesehen. Sternchen, das bedeutet: Sie oder er tanzt diese Rolle zum ersten Mal. Schwierig und aufregend! Nicht nur für Nina Poláková in der Titelrolle, auch für Denys Cherevychko als Herzog Albrecht, das entzückende Bauernpaar Natascha Mair und Dumitru Taran. Auch Bauernmädchen und -burschen, Winzerinnen und Winzer und nahezu alle im finsteren Wald tanzenden Wilis haben ihre persönliche Premiere. Der Applaus tröpfelt anfangs recht zäh, steigert sich aber am Ende zu begeisterter Zustimmung für die Tänzer*innen und auch den Dirigenten Valery Ovsyanikov.

Mit einem doppelten Premierenabend eröffnete der Dschungel, das Theaterhaus für junges Publikum, die neue Saison 2017/18. Etwas großzügig ausgedrückt, kann gesagt werden, dass die beiden Compagnien – schallundrauch agency und Theater foXXfire! – den Breitengrad des Dschungel abdecken. Der Längengrad wird im Lauf der Saison vermessen. „Gott und die Welt“ nennen schallundrauch die neue Performance mit Tanz, Theater und Livemusik; „Groove!“ ist der Titel des auf den Rhythmus fixierten Tanztheaters von foXXfire! Das Premierenpublikum, mehrheitlich aus der angepeilten Zielgruppe längst herausgewachsen, zeigte sich von beiden Uraufführungen begeistert.

Klaus Cäsar Zehrer hat sich des angeblich „intelligentesten Menschen aller Zeiten“ angenommen und aus seinem interessanten Leben einen Roman über William Sidis, vollgepackt mit historischen Fakten, geschrieben. Man benötigt eine gute Portion Durchhaltevermögen – die Sidis nicht hatte –, um sich bis zu seinem Tod mit 46 Jahren durchzukämpfen. Doch hat Zehrer nicht nur das Leben des Wunderkindes erforscht, sondern gibt auch einen Einblick in den Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA bis zum 2. Weltkrieg.

Der Publikumserfolg seiner Verfilmung von Marlen Haushofers 1963 erstmals erschienenen Roman „Die Wand“ lässt Regisseur Julian Pölsler nach einer zweiten Literaturvorlage greifen. Auch die bekannte Erzählung „Wir töten Stella von Haushofer, erstmals erschienen 1958, wird bebildert und landet auf der Kinoleinwand. Wie fünf Jahre zuvor spielt Martina Gedeck die Hauptrolle, wieder eine Icherzählerin. Sie scheitert am öden Leben als Hausfrau und Mutter im goldenen Käfig, wagt nicht, auszubrechen, flüchtet sich in Gefühlskälte und Teilnahmslosigkeit.

Die diesjährige Ausgabe von Salam Orient, dem Festival für Musik und Kunst aus dem orientalischen Kulturraum, findet heuer mit einigen Neuerungen von 17. bis 31. Oktober 2017 in Wien statt. Festival-Gründer und Intendant Norbert Ehrlich hat nach 15 erfolgreichen Jahren das Festival mit diesem Jahr an zwei Kolleginnen übergeben. Die beiden neuen Verantwortlichen, Katrin Pröll und Martina Laab, sind seit vielen Jahren als Veranstalterinnen mit Schwerpunkt auf Weltmusik im In- und Ausland tätig. Inhaltlich werden sie bei Salam Orient weiterhin ein hochkarätiges Programm klassisch-traditioneller als auch aktueller Musik, Kunst und Kultur aus dem Orient präsentieren. Dem Erscheinungsbild des Festivals haben sie mit neuem Design und neuer Website einen frischen Anstrich verliehen.

Was tun, wenn man erfährt, dass man ein behindertes Kind erwartet? Ausgehend von dieser Frage entwickelt Thomas Fürhapter seinen filmischen Essay: “Die dritte Option”. Er  setzt Einzelschicksale im Zeitalter von Pränataldiagnostik und Biopolitik in einen gesellschaftspolitischen Zusammenhang. Hochaktuell, aber keine leichte Kost, auch wenn man nicht betroffen ist.

Richard O’Briens "Rocky Horror Show" war von Anfang an mit nichts zu vergleichen: Schon kurze Zeit nach ihrer Uraufführung 1973 am Royal Court Theatre in London wurde sie zum weltweiten Phänomen. Mehr als 20 Millionen Menschen haben das schräge Märchen für Erwachsene schon erlebt. Auf ihrer Europatournee macht die legendäre Show, frisch gewaschen und onduliert, auch wieder in Wien Station.

Das Volkskundemuseum im Gartenpalais Schönborn ist nicht nur ein Hort alter Schätze, sondern auch der bereits gut eingeführte Ort für einen originellen, kulinarischen Vormittag. Performance-Brunch-REAL entrollt sich in Haus und Hof in der Laudongasse und bietet Bewegtes und Verzehrbares für die ganze Familie.

Corinne Eckenstein, künstlerische Leiterin und Direktorin des Dschungel – Theaterhaus für junges Publikum, kann gemeinsam mit der kaufmännischen Direktorin Alexandra Hutter von einer erfolgreichen ersten Saison unter ihrer Leitung berichten. Im Pressetreffen gab sie vor der Eröffnung der neuen Saison am 21. September 2017 eine Vorschau auf ausgewählte Theater- und Tanzstücke, Kooperationen und das umfangreiche Vermittlungsprogramm.

Bert Gstettner / Tanz*Hotel ist zum American Dance Guild Performance Festival nach New York eingeladen. Er wird gemeinsam mit Matthias Mollner  einen Auszug aus seiner Choreografie MEDUSA*ODE zeigen. Das ADG Festival 2017, welches im Ailey Citigroup Theater, im Herzen von Manhattan stattfindet, steht für die große Bandbreite an zeitgenössischem Tanzschaffen.

Nach ihrem Romandebüt – "Das Fell der Tante Meri", ein Familienroman, der zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den 1980er-Jahren spielt ­– geht Theodora Bauer in ihrem zweiten Roman noch einmal 20 Jahre zurück und erzählt von drei jungen burgenländischen Auswanderern, die in Chicago ihr Glück suchen, es aber nicht finden.

Fünf amerikanische Teenager werden eingeladen, an einem interessanten Forschungsunternehmen in Europa teilzunehmen. Stolz und neugierig und ein wenig aufgeregt fliegen sie mit dem Privatflugzeug der Gastgeber samt dem leitenden Archäologen nach Paris. Dort soll es einen unterirdischen Palast aus der Zeit der französischen Revolution geben, der eben entdeckt worden ist und überprüft werden soll. Der junge Autor Stefan Bachmann entwickelt in seinem dritten Fantasy-Roman, „Palast der Finsternis“, einen wahren Albtraum, einen Tauchgang in eine verspiegelte Welt voller Fallen und unheimlicher Figuren.

Die diesjährige Viennale ist dem so unerwartet in diesem Sommer in Rom verstorbenen langjährigen Direktor der Viennale, Hans Hurch, gewidmet. 20 Jahre hat Hurch die Viennale geleitet und geprägt und auch die diesjährige noch entscheidend mitgestaltet. So wird auch 2017 noch „eine Viennale von Hans Hurch“ sein, verspricht der interimistische Leiter Franz Schwartz beim ersten Pressetreffen im Volksgarten, nachdem er auch das hervorragende Team gelobt hat.

Sieben Inseln können bereist werden, um mancherlei Schätze zu entdecken. Die Gelegenheit bietet das Theatermuseum nahe der Staatsoper mit der Ausstellung „Der magische Raum: Bühne – Bild – Modell“. Gezeigt werden auf diesen Inseln Kostbarkeiten aus dem reichen hauseigenen Bestand, mit nahezu 1.000 Objekten, eine der größten und bedeutendsten Spezialsammlungen ihrer Art. Bühnenbildmodelle und Dioramen werden zwar immer wieder gemeinsam mit anderen Objekten ausgestellt, doch selten galt ihnen allein das Augenmerk.

Nicht abschrecken lassen von diesem dem Absatzerfolg nachjagenden Titel. Lyle Bowman, der genannte Vater, ist zwar ein alter Mann, 83 genau, doch er steigt nicht aus dem Fenster, sondern fällt vor den Bus. Und ist mausetot. Wie das passieren konnte, erklärt sich gleich im ersten Kapitel der Geschichte über die letzten Bowmans. „The Last of the Bowmans“ ist der Originaltitel des Romans von J. Paul Henderson, der schon in seinem ersten Roman, „Letzter Bus nach Coffeeville“, durch seinen skurrilen Humor begeistert hat.

Im Dschungel wird ohne Müdigkeit getanzt, auch wenn dort, wo der Tanz ein Heim haben sollte, Türen und Fenster geschlossen sind. Im Dschungel sind sie jedoch offen und es wird nicht nur zum Aufftakt der Saision getanzt, sondern bis übers Neue Jahr hinaus. Für Klein und Größer. Groovig ist der Beginn der neuen Saison 2017/18, in der dem Zielpublikum des Dschungel, Kinder und Jugendliche, empfohlen wird: „Tanz dir die Welt“. Für Intendantin Corinne Eckenstein ein Aufruf, der Mut zur Kreativität, Mut zur Fantasie, aber auch Mut zum Irrtum enthält.

Amsterdam im Goldenen Zeitalter. Das Tulpenfieber grassiert, in den Kaschemmen blüht der Handel mit Blüten und Zwiebeln, auch wenn diese noch in der Erde ruhen. Das Fieber des Begehrens erfasst auch den Maler Jan van Loos, doch er giert nach Sophie, der jungen Ehefrau des wohlhabenden Kaufmanns Cornelis Sandvoort. Regisseur Justin Chadwick dreht eine Romantik- Schnulze nach dem Bestseller „Tulip Fever“ von Deborah Moggach. Das Drehbuch für „Tulpenfieber“ hat Tom Stoppard geschrieben.

Zum zweiten Mal finden in Klagenfurt die Tanzwochen, ausgerichtet vom TANZAMT KLAGENFURT in Kooperation mit dem „klagenfurter ensemble“, statt. Eingeladen sind nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder, für die inmitten der acht sehenswerten Produktionen auch Spielerisches für ganz Kleine zu finden ist. Die Tanzwochen mit dem ungewöhnlichen Namen „Pelzverkehr“ finden im  Klagenfurter *theaterHALLE 11 vom 21. September bis 7. Oktober 2017 statt.

Ich seh, ich seh, was du nicht siehst! An dieses Kinderspiel erinnert mich Oleg Soulimenkos Inszenierung von LOSS in einem leeren Raum des Untergeschoßes im Leopold Museum. Mit raschelnden Plastikschläuchen ziehen sich Soulimenko, Alfredo Barsuglia und Jasmin Hoffer eine zweite Haut über, verschwinden und werden zu nicht identifizierbaren Figuren. Der Titel „LOSS“ verweist auf Unsicherheit, das Stück ist rätselhaft, komisch, ein wenig unheimlich, witzig auch. Die sich anbietenden Assoziationen sind mannigfaltig, die Impressionen und Empfindungen durchaus individuell.

Dada Masilo und die Dance Factory aus Johannesburg zeigen nach der eigenwilligen und großartigen Interpretation von „Schwanensee“ / „Swan Lake“ Masilos neueste Choreografie: „Giselle“ beruht auf dem gleichnamigen romantischen Ballett nach einem Libretto von Théophile Gautier. Die Uraufführung der ersten Fassung in der Choreografie von Jean Coralli und Jules Perrot fand 1941 in Paris statt. Heute wird in Wien und von anderen bedeutenden Compagnien eine „Giselle“ getanzt, die auf der Petersburger Fassung Marius Petipas von 1887 beruht. Dada Masilo zeigte ihre Fassung der Geschichte von der zweifach verratenen Giselle und den tanzenden Rachegeistern im ausverkauften Volkstheater. Die Choreografin, im Westen bereits in den Kultstatus erhoben, darf sich der Zustimmung des Publikums sicher sein.

Mit Ikonen der Populärkultur und den von ihnen oder über sie verbreiteten Phrasen setzt sich das Duo Marta Navaridas & Alex Deutinger wortreich auseinander. „Pontifex“ heißt die neue fast heilige Show, die dem regierenden Papst Franciscus auf den Mund schaut. Das international erfolgreiche Duo zeigt seine satirische Text-Analyse mit reichlich Show-Elementen und der Musikerin Adina F. Camhy im Casino am Schwarzenbergplatz.

Mit ihrer Version des Ballettmärchens „Schwanensee“ hat die Tänzerin und Choreografin Dada Masilo aus Südafrika auch das europäische Publikum im Sturm erobert. Die Tänzerinnen und Tänzer der Dance Factory zeigen mit Grazie und Humor, dass Schwäne keine Spitzenschuhe brauchen und sich klassisches Ballett nahtlos mit afrikanischem Tanz verbinden lässt. Die Aufführung im Volkstheater war ein voller Erfolg.

Im Sommer 1875 verbrachte Kaiserin Elisabeth, die sich Sisi rufen ließ, zwei Monate in der Normandie. Verbürgt sind auch der Badeunfall, bei dem sie in einen Strudel geriet, aus dem sie ein Bürger von Beauport gerettet hat. Nicht verbürgt sind die Verwicklungen, die sich daraus ergeben haben und Österreich im 21. Jahrhundert fast in den Abgrund finanzieller Nöte getrieben haben. Schuld daran ist ein aufrechter Beamter, dem Recht und Ordnung wichtiger sind als sein Leben und die eben erst aufgeflammte Liebe. Mehr als ein Unterhaltungsroman. Eher eine treffende Satire auf den Beamtenstaat Österreich samt seiner Freundes-Vereine.

Auch im ImPulsTanz Festival darf getanzt werden. Welche Erlösung! Anne Teresa De Keersmaeker kommt ohne Wortschwall und Kasperlszenen aus und Christian Rizzo ebenfalls. Mit „ad noctum“, in Anlehnung an sein beim Festival von Avignon 2013 gezeigten Stück „Nach einer wahren Geschichte“, belebt er auf wunderbare Weise fließenden, leisen Tanz zu hämmerndem Beat in finsterer Nacht. Die magische Stunde im Museumsquartier endet im hellen Licht. Es dauert einige Minuten, bis die Verzauberung gelöst ist und die Begeisterung des Publikums hochbrandet.

Nachdem die Tänzerin und Choreografin Akemi Takeya ihr Zitronenuniversum, den Lemonismus, in vielen Vorstellungen allerhand Ismen der europäischen Kunstgeschichte gegenübergestellt hat, hat sie mit der Uraufführung von Lemonism x Dadaism (Lemonism Vol. 2) im Odeon gezeigt, dass sie keineswegs nur Zitronen im Kopf hat, dass sie neben Tanzen auch denken, viel denken, Theater spielen, singen, brüllen, jaulen, Klavier spielen und ihr Publikum begeistern kann. Um ehrlich zu sein: einen Teil davon. Die andere Hälfte knabberte mit offenem Mund an den vielen ungelösten Fragen und war ebenso verwirrt, wie die Performerin am Ende der Vorstellung in ihrem eigenen Netz, aus dessen Fäden sie sich scheinbar nur mit Mühe befreien konnte. DADA ist DADA ist DADA ist DADA und total gaga.

Der alte Maler und das Modell. Ein paar Stunden nur soll die Porträtsitzung dauern, dann wäre der junge Mann wieder entlassen. Doch der Künstler zerstört immer wieder, was er zu Papier gebracht hat und die Sitzungen dehnen sich ins Unendliche. Regisseur Stanley Tucci hat nach der Romanbiografie von James Lord „A Giacometti Portrait“ einen Film über den Schweizer bildenden Künstler Alberto Giacometti und sein Modell, James Lord, gedreht. Allein die Darstellung Giacomettis durch Geoffrey Rush rechtfertigt den Kinobesuch.

Andrea Camilleri ist im deutschsprachigen Raum vor allem durch den von ihm erdachten und längst auch zu TV-Ehren gelangten Commissario Montalbano aus dem sizilianischen Nest Vigata bekannt geworden. In seiner Heimat Italien wird der Sizilianer für seinen Sprachwitz und auch als Autor von Drehbüchern und feinsinnigen Romanen geschätzt. Obwohl es im jüngsten um die verschwundene Ehefrau eines renommierten Dichters geht, ist „Berühr mich nicht“ kein Krimi, eher das Porträt einer Frau auf dem Weg zu sich selbst.

Wenn es bei den Salzburger Festspielen 2017 einen Regenten gibt, dann ist es der südafrikanische Künstler William Kentridge. Durch die Salzburger Innenstadt zu spazieren und dem gut proportionierten, freundlichen Herrn nicht zu begegnen, ist fast unmöglich. Zumindest auf das „Wozzek“–Plakat stößt man allerorten. Die Oper von Alban Berg wird von Kentridge inszeniert. Zwischen den Proben hat er sich der Ausstellung seines Œvres im Museum der Moderne auf dem Mönchsberg und im angeschlossenen Rupertinum am Max-Reinhardt-Platz gewidmet. Er weiß, wie die Videowände und Lautsprecher aufgestellt werden müssen, wo die Zeichnungen und Druckgrafiken hängen und die Filme präsentiert werden sollen. „Thick Time“ bietet einen eindrucksvollen Blick auf das umfangreiche, magische, aufrüttelnde und auch humorvolle Werk des heute 62jährigen.

Gemeinsam mit dem Tänzer und Choreografen Salva Sanchis hat die belgische Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker 2005 das Meisterwerk des 1967 verstorbenen amerikanischen Saxophonisten John Coltrane, „A Love Supreme“, durch Tanz dekoriert. Ein Quartett macht Musik, ein anderes zeigt sie mit dem Körper. Dieses knapp einstündige Ballett, im Entstehungsjahr auch im ImPulsTanz Festival gezeigt, haben De Keersmaeker und Sanchis neu überarbeitet. Es tanzen nicht mehr zwei Paare, sondern vier Männer – voll Energie und Virtuosität, jeder für sich und alle gemeinsam. Die Aufführung im Volkstheater wurde mit Begeisterung quittiert. Ob der Jubel der Musik oder der Choreographie gilt, ist nicht festzustellen. Ganz sicher jedoch gilt er den vier Tänzern.

Die argentinische Tänzerin und Choreografin Cecilia Bengolea ist immer für eine Überraschung gut. Sie liebt den Spitzentanz, fremde Tanzformen und eine Mischung von allem mit allem und hat auch nichts gegen pure Unterhaltung. Das war bei „Dub Love“ so und bei „Twerk“. Beide Stücke, 2014 und 2013 im ImPulsTanz Festival gezeigt, hat sie gemeinsam mit dem französischen Tänzer François Chaignaud erarbeitet. Auch ihr 2016 erstmals gezeigtes Stück „DFS“ ist im Dialog mit Chaignaud entstanden. Wer sich nicht mit Beckmessers Kreide vor die Schultafel setzt, sondern unverkrampft das zwanglose stilistisch kaum einzuordnende Geschehen auf der Bühne genießt, erlebt einen unterhaltsamen Abend mit sieben exzellenten Tänzer_innen.

Krieg ist schrecklich, unerträglich, tödlich. Das macht schon die Eingangsmusik klar, der Kriegslärm kann durch Ohrstöpsel gedämpft werden. Es ist eben nicht Krieg, sondern eine Vorführung. Zwar nennen sie Amanda Piña & Daniel Zimmermann „War (Ein Kriegstanz)“ und erzählen auch vom Krieg, vom Ersten und vom Zweiten Weltkrieg und vom heutigen globalen Weltkrieg, doch nicht Kriegsberichte sind das Ziel der Performance im Volkstheater, sondern die Tänze und Gesänge, mit welchen die Künstler_innen und die Bewohner_innen Polynesiens davon erzählen. Ein getanztes Manifest gegen die Zerteilung von Kunst in zeitgenössische versus traditionelle.

Eine Grätsche über nahezu 100 Jahre wagt die Tänzerin / Choreografin Akemi Takeya mit ihrer „Lemonismus“-Serie. In ihren Performances verbindet sie die kunsthistorischen europäischen „Ismen“ mit ihrem eigenen „Zitronismus“, dem Lemonismus. Mit lebendiger Bühnenpräsenz, der Schönheit der Bewegungen und ruhiger Selbstsicherheit gelingt es Takeya im Leopold Museum,  ihr Publikum zu erreichen und eine Atmosphäre zu schaffen, in deren Mittelpunkt der Körper agiert. Auch ohne ihren Gedankengängen im Detail folgen zu können, ist das Publikum begeistert.

Der spanische Tänzer und Choreograf, Absolvent des 1. Jahrgangs von P.A.R.T.S und langjähriger Co-Choreograf von Anne Teresa de Keersmaeker, interessiert sich besonders für die Beziehung von Tanz und Musik. Darum geht es auch in seinem jüngsten, in Brüssel uraufgeführten, feinen Tanzstück „Radical Light“. Zu experimenteller Elektronik und Minimal Techno Duos Discodesafinado geben sich eine Tänzerin und vier Tänzer, der Choreograf mittendrin, dem pulsierenden Rhythmus und dem sanft schwingenden Mikrosound hin. Das Publikum im Akademietheater war begeistert.

Dennis Lehane, den amerikanischen Autor tiefschwarzer Kriminalromane, kann man immer wieder lesen. So macht es richtig Freude, dass ein früher Thriller aus der Kenzie / Gennaro Reihe neu übersetzt und wieder aufgelegt worden ist. Es ist eine abgründige Geschichte, in der Rache nur eines der Motive ist. Im Zentrum des Romans aber steht das Böse, die pure Mordlust, die Freude daran, anderen Schmerzen zuzufügen. Nicht nur Geschichtenbücher, auch Geschichtsbücher könnten davon berichten.

41 Grafiken von Alfred Kubin sind zurzeit im Leopold Museum zu sehen. An sich schon eine Sensation – die letzten großen Kubin-Ausstellungen gedachten seiner 50 Jahre nach seinem Tod 1959. Doch wirklich außergewöhnlich wird diese Revue durch den Autor Radek Knapp. Er hat die Tuschzeichnungen ausgewählt und erzählt eine Geschichte dazu. Bild für Bild, Kapitel für Kapitel, schlicht, melancholisch, märchenhaft.

Friedrich Dönhoff, der sich mit Biografien, vor allem mit der seiner Großtante Marion Gräfin Dönhoff, einen Namen gemacht hat, findet auch Freude und Geschmack am Schreiben von Kriminalromanen. So ist sein sympathischer Hamburger Ermittler, Sebastian Fink, bereits zum vierten Mal unterwegs, um eine Serie von Morden in seiner Heimatstadt aufzuklären, die scheinbar in keinem Zusammenhang stehen.

Die Tanzpädagoginnen und Choreografinnen Barbara Ebner und Daniela-Katrin Strobl haben es sich mit ihren Produktionen zur Aufgabe gemacht, unterschiedliche und auch neue Zielgruppen anzusprechen, um diese mit Tanz in Berührung zu bringen. Unter dem Vereinsnamen Choreía (χορεία / Tanz) haben sie im Vorjahr mit Erfolg das generationsübergreifende Tanzstück „Hin und weg“ gezeigt und waren in diesem Jahr mit „amor hereos“ im Theater Brett präsent. Entstanden ist das Tanztheater-Stück im Austausch mit Mädchen- und Frauenzentren im Rahmen der fiveseasons Frühlingsresidenz.

Das abendfüllende Ballett„Nijinsky“ hat John Neumeier dem legendären polnisch-russischen Tänzer und Choreografen Vaslaw Nijinsky gewidmet. Bei den 43. Ballett-Tagen in Hamburg stand es zum 135. Mal seit der Premiere im Programmkalender. Ein aufwühlender, ein wenig chaotischer, doch überaus dramatischer Abend. Allerdings – die erwarteten Hochrufe bleiben aus, die Aufnahme durch das deutlich minimierte Publikum – G20 sei’s geklagt! – ist geteilt. Sogar ein einzelnes Buh ist zu hören. Zu verwirrend, zu schwul, zu historisch ungenau ist als Begründung für die ungewöhnliche Zurückhaltung der Applausspenderinnen zu hören. Einig sind sich jedoch die treuen Neumeier-Fans, dass auf höchstem Niveau hervorragend getanzt und gespielt worden ist.

Zwei Welten, einander fremd, oben die Menschen, unten die Wasserwesen, der Dichter dazwischen. Er gehört zu den einen nicht und nicht zu den anderen. Das Ballett „Die kleine Meerjungfrau“ hat John Neumeier zu des Märchenerzählers Hans Christian Andersen 200. Geburtstag mit dem Königlich Dänischen Ballett geschaffen und 2005 in Kopenhagen uraufgeführt. Zwei Jahre später hat auch das Hamburg Ballett das zauberhafte Tanz-Theaterstück ins Repertoire aufgenommen. Auch bei den Balletttagen 2017 erzählt und betrachtet der Dichter die Nixen und Matrosen, die smarten Offiziere und die Kreuzfahrtgäste samt dem Prinzen mit der  Prinzessin.  Zur Musik von Lera Auerbach tanzen sie die gar traurige Geschichte von der einseitigen Liebe der kleinen Meerjungfrau und ihrem heroischen Verzicht.

Mit seiner neuesten Kreation, „Anna Karenina – Inspiriert von Leo Tolstoi", eröffnete John Neumeier die 43. Hamburger Ballett-Tage. Auch in der Folgevorstellung zeigt sich das Publikum hingerissen, holt den Choreografen immer wieder vor den Vorhang. Strahlend genießt er die mit Bravorufen demonstrierte Liebe. Mit nicht enden wollenden Ovationen werden auch Anna Laudere (Titelrolle) und Edvin Revazov (Wronski) bedacht. Und auch sämtliche anderen Darsteller_innen werden lautstark gefeiert.

Die von Ballettchef Manuel Legris eingeführte alljährliche, Rudolf Nurejew gewidmete, Gala ist seit sieben Jahren immer wieder ein Großereignis zum Abschluss der Saison. Ein Rückblick auf die Arbeit der Compagnie, ein Defilée der Solistinnen, Solisten und des gesamten Corps, aufgeputzt durch Gäste. Diese erfreuen das Publikum und machen die Kolleginnen in Wien sicher: Sie brauchen den Vergleich nicht zu scheuen. Manuel Legris hat die Wiener Compagnie in harter Arbeit an die Spitze trainiert.

Urlaubslektüre par excellence, vor allem wenn gerade eine Toscana-Reise auf dem Fahrplan steht. Marco Malvaldi hat es faustdick hinter den Ohren, versteht es, lockere Unterhaltung mit Neugier zu paaren und lässt diesmal sogar historische Persönlichkeiten auftreten. Der Mord im neuen Roman,  „Ein Königliches Theater“, spielt sich um 1900 im Teatro Verdi in Pisa ab, als der König der Premiere von Puccinis Oper „Tosca“ beizuwohnen wünschte. Die Anarchisten waren dagegen.

Vier Vorlesungen in vergleichender Literaturwissenschaft formen sich zu einem großartigen Buch, werden zum Roman über Kunst und das Leben, über die Zeit, den Tod und die Liebe. Die britische Autorin und Komparatistikprofessorin Ali Smith, hat dieses Kunststück zustande gebracht. 2012 hat sie ihre Überlegungen und die Geschichte als vierteilige Vorlesung in Oxford einem staunenden Publikum zu Gehör gebracht. Eine Vorlesung, wie sie noch niemals gehalten und gehört worden ist. Eine Geschichte der Literatur, eine Geschichte, die sich an eine Tote wendet, die die Erzählerin besucht und ihre Arbeit begleitet, geheimnisvoll, zauberhaft und zugleich ein Gedankenstrom, der unaufhörlich in sanften Wellen fließt. „Artful“ nennt Smith das gedruckte Epos, was nicht nur kunstvoll sondern auch raffiniert bedeutet.

Am 17. Juli 2017 schließt die Akademie der Bildenden Künste am Schillerplatz  ihre weltberühmte Gemäldegalerie, um die Übersiedlung der Bilder auf den Lobkowitzplatz vorzubereiten. Während einer notwendigen Sanierung erhält die Sammlung Aufenthaltsrecht im Theatermuseum. In einigen Sälen der Beletage finden die Werke eine Übergangsheimat.  Führungen und Sonderprogramme wird es auch im Asyl geben. Überdies wird es Gelegenheit geben, das Theaterstück "Hieronymus Bosch" von Jerôme Junod, uraufgeführt 2016 im Schauspielhaus Salzburg, zu sehen.

Mit einer kurzweiligen, witzigen und überhaupt nicht  politisch korrekten Trend ruhenden Produktion aus Belgien eröffnete Szene Bunte Wähne im Dschungel das Tanzfestival für junges Publikum. fabuleus & Ballett Dommage inszenieren ein perfektes Körper- und Sprachspiel im Stil eines Wandertheaters, eine Hommage an Dada und Charly Chaplin. Beste Unterhaltung für Klein (ab 4) und Groß (bis 99). Ein Theatererlebnis der seltenen Art.

An zwölf Tagen / Abenden treffen einander internationale und österreichische Choreograf_innen, Peformer_innen und Musiker_innen in Salzburg, um ihre neuesten Kreationen zu zeigen. Die Sommerszene Salzburg lockt mit großen Namen, wie Louise Lecavalier, die das Festival eröffnet, Meg Stuart, Navarides & Deutinger oder Michikazu Matsune. Präsent sind die Künstler_innen nicht nur auf der Theaterbühne, sondern auch im öffentlichen Raum, etwa auf dem Kommunalfriedhof, wo das Salzburger Netzwerk für Theater- und Kunstprojekte, ohnetitel, sich gemeinsam mit dem Publikum dem Erinnern hingibt.

Mit dem gelungenen Debüt des Solotänzers Masayu Kimoto als Prinz Siegfried hat die Serie von Rudolf Nurejews Ballettchoreografie zu „Schwanensee“, Musik Peter Tschaikowsky, ihren Abschluss gefunden. Kimoto, erst kürzlich Vater geworden und sichtlich gereift, hat in der Ersten Solotänzerin Maria Yakovleva eine großartige Partnerin gefunden und eroberte mit seiner Darbietung die Gunst des Publikums. Ebenso wie Yakovleva wurde auch Dirigent Alexander Ingram gefeiert. Immer von neuem rief ihn das Publikum vor den Vorhang, dieser, wie alle neun „Schwanensee“-Vorstellungen der Saison, ausverkauften Vorstellung.

Vor mehr als 2000 Jahren hat der römische Dichter Ovid sein „Buch der Verwandlungen“, die „Metamorphosen“, geschrieben. In Versen berichtet er von der Entstehung der Welt und wählt römische und griechische Sagen als Metaphern für den stetigen Wandel des Kosmos, der Tierwelt und der Menschen. Im Dschungel erzählen Studierende an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) tanzend einige Geschichten daraus als unterhaltsame und brandaktuelle Gleichnisse. Das junge Publikum, Buben und Mädchen ab 11, lauscht gespannt und applaudiert begeistert.

Mit den beiden Stücken „Le Sacre du printemps“ und „Henri Michaux: Mouvements“ brachte die Compagnie Marie Chouinard das Festspielhaus St. Pölten zum Vibrieren. Ist Chouinards Choreografie zu Igor Strawinskys Ballett-Klassiker, uraufgeführt 1993 in Ottawa, bereits selbst zum Klassiker geworden, so ist der explosive Tanz zu den Gedichten und Zeichnungen des französisch-belgischen Poeten Henri Michaux (1899–1984) noch nicht so bekannt. In dem schmalen Band „Mouvements“ erzählt Michaux nicht vom bewegten Körper, sondern spricht von inneren Bewegungen, von Zweifel und Verzweiflung, von unmöglichen Wünschen, von im Nacken sitzenden Begierden und kopflosen Bewegungen, „denn was nützt der Kopf, wenn man überwältigt ist?“

Ballettdirektor Manuel Legris nutzt die Serie der „Schwanensee“-Abende nicht nur, um Gäste einzuladen, sondern auch, um jungen Tänzern die Möglichkeit zu geben, sich als Prinz Siegfried zu zeigen. Zu wenig Probenzeit ist meist der Preis, den sie dafür zahlen müssen. Die exzellente Erste Solistin Liudmila Konovalova hatte, wie so oft, die Aufgabe, den Debütanten zu führen. Sie macht das mit Einfühlungsvermögen und Rücksicht und ist dennoch eine zarte, ängstliche Odette, eine hinreißende, brillante Odile.

Ballettdirektor Manuel Legris liebt seine gesamte Truppe und fordert sie auch entsprechend. Das ist gut so. Immerhin tanzt das Wiener Staatsballett unter seiner Führung inmitten der europäischen Spitzenensembles. Die Solist_innen reisen als Gäste von Rom bis Moskau, und nicht wenige von ihnen sind für den renommierten Prix Benois de la Danse nominiert. Zuletzt der Erste Solotänzer Davide Dato. Gerne lässt Legris jungen und ganz jungen Tänzer_innen in vorderster Reihe tanzen, vertraut ihnen so schwierige Partien, wie die des Prinzen Siegfried in Rudolf Nurejews Choreografie „Schwanensee“, an.

Der Film “Born To Be Blue” von Robert Budreau ist eine Hommage an den US-amerikanischen Jazztrompeter und Sänger Chet Baker. Mehr als seine Trompete, später war es das Flügelhorn, liebte er das Heroin. . Ethan Hawke spielt eine Figur, die Chet Baker, der „Erfinder des West-Coast-Swing" sein könnte, als sympathischen, mitleiderregenden, auch kindischen und unsicheren Star, der seine Karriere selbst verspielt. Der reale Musiker, Chesney Henry Baker, ist 1988 nach einem Fenstersturz in Amsterdam gestorben.

Mit den Kreationen dreier Staatsballett-Tänzer zur Musik von Igor Strawinsky hat die Volksoper die Ballettsaison beendet. Zsolt Török begeisterte als Ivan in „Der Feuervogel“ von Andrej Kaydanovskiy; die junge Corps-Tänzerin Katharina Miffek erhielt den verdienten Applaus für ihre Interpretation der Frau des Lehrers in „Petruschka“ von Eno Peçi. In der Premiere und den meisten Folgeveranstaltungen hat Nina Tonoli diese Rolle getanzt. Nach wie vor entzückt das Mittelstück des Abends, „Movements to Strawinsky“ von András Lukács, das Publikum. Es bedankt sich mit überwältigendem Applaus.

Im angenehmen Ambiente des Hotels The Harmonie Vienna überreichte Sonja Wimmer, Hoteldirektorin und auch Mitglied des Ballettclubs Wiener Staatsoper & Volksoper, den Förderpreis des Ballettclubs 2017 an die Tänzerin Mila Schmidt. Zahlreiche Tänzer und Tänzerinnen des Wiener Staatsballett feierten mit der Preisträgerin.

Wenn Gäste in „Schwanensee“ (Choreografie Rudolf Nurejew) tanzen, dann platzt das Stehparterre, im Parkett und auf den Rängen bleibt kein Sitzplatz frei. Das ist gut so, auch wenn Solistinnen und Gruppentänzerinnen (samt -tänzern) den Gefeierten durchaus ebenbürtig sind. Am Pfingstsonntag also, Vadim Muntagirov mit Marianela Nuñez, beide in Wien bereits keine Unbekannten mehr. Gemeinsam mit dem Dirigenten Alexander Ingram, einfühlsam und temporeich, ernteten sie eifrigen Applaus samt Bravorufen.

Eine feinsinnige Komödie, die weniger vom dünnen Handlungsfaden als vom Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen lebt. Catherine Deneuve ist Béatrice, eine exzentrische Frau, die sich vom Leben geholt hat, was es zu holen gab. Doch dieses ist fast am Ende angelangt, ein Tumor ist diagnostiziert worden. Béatrice fürchtet sich vor dem Sterben und ist einsam. Da erinnert sie sich an die Tochter ihres einstigen Lebensgefährten, Claire, gespielt von Catherine Frot, und versucht Kontakt zu ihr aufzunehmen. Claire gefällt das gar nicht.

Mit Nina Poláková als Odette / Odile versuchte der junge Solotänzer Jakob Feyferlik zum ersten Mal die Rolle des Prinzen Siegfried in Rudolf Nurejews Choreografie des Balletts „Schwanensee“ zur Musik von Peter Tschaikowsky zu interpretieren. Feyferlik ist ein Sunnyboy und die Gunst des Publikums samt freudigem Applaus ist ihm sicher. Poláková, Erste Solotänzerin, hat sich als Odette wie als Odile längst bestens bewährt und durfte gemeinsam mit dem einfühlsamen Dirigenten Alexander Ingram die Bravorufe für sich buchen.

Mit dem „unaussprechlichsten Titel des Jahres“ startet das Festival Szene Bunte Wähne seine Präsenz im Dschungel Wien. Katrien Valckenaers und Maxim Storms aus Belgien zeigen eine absurde humorvolle Show, die sie selbst „ein glückliches Chaos“ nennen. „Klutserkrakkekilililokatastrof“ ist für Kinder ab 6 ein erholsames Vergnügen und keineswegs eine Moralanstalt. Neben den Veranstaltungen des Tanzfestivals Szene Bunte Wähne hat der Dschungel noch einiges andere an Tanz, Theater und Workshops zu bieten.

Die unbewohnten Farallon-Inseln, nahe San Francisco, spielen die Hauptrolle in Abby Genis wunderbarem Debüt-Roman, Thriller und Naturbuch zugleich. Eine kleine Gruppe von Biolog_innen lebt auf der Hauptinsel, beobachtet Vögel und Fische, Wale und Seelöwen. Eine junge Fotografin entert die Insel und muss sich in das Team einfügen. Nicht alle Inselgäste sind über den Zuwachs in ihrer gemeinsamen Hütte erfreut.

Mit Maria Yakovleva als Odette / Odile hat Robert Gabdullin sein Debüt als Prinz Siegfried in Rudolf Nurejews Choreografie „Schwanensee“ gegeben. Dieser neue Prinz tanzt sauber, wirkt aber ziemlich steif. Den strahlenden Glanz erhielt der Abend durch Maria Yakovleva, mit vollem Köpereinsatz, differenzierter Mimik und einer frappierenden Wandlungsfähigkeit. Tatsächlich, auch am 29. Mai 2017 tanzte in der Staatsoper dieselbe Erste Solistin Odette im weißen und Odile im schwarzen Tütü. Mehrmals wurde sie am Abend vom hingerissenen Publikum vor den Vorhang gerufen. Mit ihr bejubelt wurde auch der Dirigent, Alexander Ingram, der genau weiß, dass Ballett auf der Bühne stattfindet und nicht im Orchestergraben.

Eine Repertoirevorstellung, wie sie sein soll: konzentriert, schmeichelnd, aufwühlend und begeisternd. „Schwanensee“ zum 229. Mal in der Choreografie von Rudolf Nurejew. Zurecht wurden Ensemble, Orchester samt den Protagonist_innen – Nina Poláková: Odette / Odile, Vladimir Shishov: Prinz Siegfried, Andrey Kaydanovskiy: Zauberer Rotbart und Paul Connelly: Dirigent – mit lautstarkem Applaus aus dem Parkett  und Bravorufen vom Stehplatz bedankt.

Zum fünften Mal wurde der Ballettabend zur Musik von Igor Strawinsky, kreiert von drei Tänzern des Wiener Staatsballetts, vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen. In Eno Peçis „Petruschka“ und auch in Andrey Kaydanovskiys „Feuervogel“ waren einige Debüts zu bewundern. András Lukács ließ in „Movements to Strawinsky“ die bewährten sechs Paare tanzen. Ein Genuss, immer von Neuem.

Fast wäre Pernilla die Zimmerdecke auf den Kopf gefallen, doch stattdessen fällt ihr, die sich längst von der Bühne verabschiedet hat, die Liebe zu.
In dem Roman „Dieses altmodische Gefühl“ erzählt Bruno Pellandini von Pernilla und Ildefons, mit viel Gefühl, stilsicher und humorvoll. An zwei Abenden wird der Autor selbst aus seinem feinen Buch lesen.

Die Assoziation klappt sofort: Etwas Kleines kann auch groß sein, oder dazu gemacht werden, wie die Redewendung es ausdrückt. Das Kollektiv VRUM Performing Arts zeigt im Dschungel Kindern ab vier mit Tanz und Gesang, wie relativ Größenverhältnisse sind und dass es nicht nur auf Zentimeter, Kilo oder Liter ankommt. Eine energiegeladene, fröhliche Stunde, die die jungen Zuschauer_innen so richtig animiert hat.

Constanze zieht in den Krieg. Anstelle ihres Mannes, der zu schwach ist, Gewalt und Zerstörung zu ertragen. Als Mann verkleidet, unter dem erfundenen Namen Ash Thompson, erträgt sie alles, was der Krieg zu bieten hat, die Verwüstung des Landes, das Rauben, Vergewaltigen, Morden. Mit ein paar Äpfeln als Prvoviant zieht sie los und mischt sie sich unter jene, die den Tod vor Augen haben. Sie ist eine der Zähesten und Tapfersten und wird, nach einer alten Ballade, bald nur noch „Kavalier Ash“ genannt.

Mit lautem Jubel und Bravorufen aus der russischen Loge nach jeder Variation wurden die Gäste aus Moskau, Olga Smirnova und Semyon Chudin, die im Ballett „Schwanensee“ die Hauptrollen getanzt haben, bedankt. Als Paar haben die beiden Mitglieder des Bolschoi-Ballettensembles schon quer durch Europa getanzt. Eno Peçi erhielt für seine Darstellung des Zauberers Rotbart mit wildem Flügelschlag, einem Feuervogel gleich, einen Sonderapplaus.

Seit 2003 organisiert der private Ballettclub der Wiener Staatsoper und Volksoper auf Initiative der Präsidentin, Ingeborg Tichy-Luger, ein Labor, in dem sich Tänzer und Tänzerinnen des Wiener Staatsballetts als Choreograf_innen erproben können. An zwei Abenden werden dem Publikum die Ergebnisse vorgestellt. Die Veranstaltung „Junge Choroegrafen ’17“, bei der 12 Tänzer_innen, manche bereits erfahren, die meisten aber blutige Neulinge, ihre Kreationen gezeigt haben, hat 2017 Anfang Mai im Theater Akzent stattgefunden. Das Publikum, darunter Sponsoren und hohe Diplomaten, zeigte sich nach nahezu drei Stunden mit Solos, Pas de deux und Gruppenstücken recht begeistert.

Mit teilweise neuer Besetzung sorgt die Folgevorstellung des dreifachen Ballettabends, choreografiert von den Tänzern Eno Peçi, András Lukács, Andrey Kaydanovskiy, für heftigen Beifall. Das Premierenfieber ist abgeklungen, die Schonzeit beendet, der Blick wird genauer. Auch wenn manche Tänzer_innen ihren ersten Auftritt für Strawinsky haben, ist der Abend nun Repertoire, doch keinesweges Routine, sondern frisch und aufregend, regiert vom Komponisten Igor Strawinsky.  Dirigent David Levi hat das richtige Tempo gefunden, und das Volksopernorchester folgt ihm mit Engagement und schönen Soloeinlagen.

Ein Mann zwischen zwei Frauen. Die eine, Clara, ist die Gegenwart, er aber interessiert sich mehr für die andere, Rebecca, eine Liebe aus der Vergangenheit. Bei einem Ausflug nach Long Island, ins kleine Dorf Montauk, wo er und Rebecca einst ein paar glückliche Tage erlebt haben, will er die Liebe wiederbeleben. Doch einmal Versäumtes lässt sich nicht mehr nachholen. Ein schöner Film von Volker Schlöndorff, der dem Autor Max Frisch gewidmet ist.

Bestens gelaunt, glücklich und auch stolz auf seine Compagnie, präsentierte Ballettdirektor Manuel Legris seine nächste Saison. „Das Repertoire wächst, die Compagnie wird immer besser“, und, wie die kaufmännische Direktorin, Simone Wohinz, hinzufügt, „die Auslastung stimmt auch.“ Tourneen nach China (mit Nurejews „Schwanensee“) und Japan (mit Legris’„Le Corsaire“) sind geplant, und wie sehr das Wiener Staatsballett an den großen Opernhäusern geschätzt wird, beweisen auch die zahlreichen Gastspiele, zu denen die Tänzer_innen, Solo oder im Pas de deux, eingeladen werden. Keine Gala ohne Gäste aus Wien. Das alles nährt die Hoffnung, dass uns Manuel Legris noch lange erhalten bleibt.

Der Zusatztitel der autobiografischen Brandrede des katholischen Priesters Krzystof Charamsa fasst den Inhalt zusammen: „Ein homosexueller Priester gegen die Heuchelei der katholischen Kirche.“ Charamsa ist in der Hierarchie des Vatikans ganz oben gestanden. Er war Mitglied der gestrengen Glaubenskongregation, der Nachfolgerin der Inquisition. Nach seinem öffentlichen Geständnis, er sei homosexuell wurde er von allen Ämtern ausgeschlossen. Den schwierigen Schritt beschreibt er in dem Bekenntnisbuch und prangert zugleich die Homophobie samt der Realitätsverweigerung im Vatikan an.

Seit nahezu dreißig Jahren leitet der israelische Choreograph Ohad Naharin die Batsheva Dance Company in Tel Aviv. Der Filmregisseur Tomer Heymann hat Naharin über viele Jahre begleitet und aus hunderten Stunden Drehmaterial einen preisgekrönten Film über Naharin und seine Compagnie geschaffen. ARTE tv sendet das Filmporträt am 28. Mai um 22.55 Uhr.

Einen Kriminalroman darf man Kanae Minatos Roman nur insofern nennen, als tatsächlich ein Mord im Zentrum der „Geständnisse“ steht. Doch es tritt kein ermittelnder Kommissar auf, denn die Mutter des Opfers wehrt sich nicht gegen das Ergebnis des Polizeieinsatzes: Tod durch Ertrinken, ein bedauerlicher Unfall. Sie nimmt die Rache selbst in die Hand. Das Opfer war vier Jahre alt, die Täter sind Teenager, noch keine 15.

Feuervogel“ ist der verlockende Titel eines Tanzabends des Wiener Staatsballetts in der Volksoper. Drei Tänzer befassen sich als Choreografen mit der Musik Igor Strawinskys. Andre Kaydanovskiy sieht den „Feuervogel“, der dem Abend den Titel gibt, als personifizierte Allegorie von Gier und Begierde. Eno Peçi macht die Kasperlfigur „Petruschka“ zum hilflosen Lehrer. András Lukács baut mit sechs Paaren eine Hymne an den Tanz und die Schönheit. Geschichte erzählt er keine, die entsteht mit Hilfe von Strawinsky und den Mitwirkenden im Kopf des Publikums. Dieses belohnte Choreografen und Tänzer_innen temperamentvoll mit einer Premiere angemessenem Applaus.

Wer bist du, wer bin ich? Passen wir zusammen? Können wir uns verständigen? Gisela Elisa Heredia und ihre Compagnie tanz.coop behandeln ein brisantes Thema –  Fremdsein, Ablehnung und Annäherung –  mit Schwung und Humor. Drei Tänzerinnen und ein Tänzer sind mit ungeahnter Energie auf der Bühne des KosmosTheaters, um als „Perfect Stranger“ das vornehmlich junge Publikum zu unterhalten. Ernsthaft nachgedacht wird später.

Den Bewegungen von Tänzerinnen und Performern auf der Bühne zuzusehen, ist eine Sache. Eine andere, eine gesündere und auch beglückendere, ist es, sich selbst zu bewegen. Bei 250 Workshops, die einen wesentlichen Teil des international bekannten ImPulsTanzfestivals bilden, finden Väter, Mütter, Teens und Twens, Enkelkinder und deren Großeltern, Profis und Laien und natürlich auch Bewegungswillige, die es wegen einer Behinderung nicht so leicht im Alltag haben, ihre spezielle bewegte und bewegende Runde.  Die Angebote bekannter und frisch engagierter Meister_innen könnten auch Happyshop oder Vergnügungsladen heißen, denn diese Arbeit bietet bei aller Härte und Ernsthaftigkeit echten Genuss und erhöht die Lebensfreude.

Ioanna Avraam hat zum ersten Mal die Titelrolle getanzt und fast scheint es als wäre die russische Tänzerin, der Boris Eifman sein Ballett „Giselle Rouge“ gewidmet hat, wiedererstanden. Die wenigen Bilder, die von Olga Spessivtseva erhalten sind, werden lebendig, wenn Avraam mit allen Fasern ihres biegsamen Körpers Lebensstationen der sensiblen Tänzerin darstellt. An ihrer Seite debütierten Mihail Sosnovschi als für die Ballerina entflammter Kommissar und Andrey Teterin als eleganter Lehrer. Roman Lazik beeindruckt als Bühnenpartner in Paris. Eine Aufführung, die einhellige und lautstarke Begeisterung fand, nicht nur für die großartigen Leistungen auf der Bühne sondern auch im Orchestergraben.

Theorie und Praxis führten die Wiener Staatsoper und die Europäische Musiktheater Akademie in einem besonderen Symposium zusammen. Was denken führende Wissenschaftler der Richard Wagner-Forschung über dessen Gesangskompositionen, und wie gehen Top-Wagner-Sänger mit den Herausforderungen um? Im Teesalon der Staatsoper gab es höchst Interessantes darüber zu erfahren.

Das Besondere im Banalen zu finden, stellte sich der Regisseur Pavel Cuzuioc als Aufgabe. Dazu hat er sich in die Opernhäuser von Wien, Mailand und Odessa begeben. Nicht, um im Zuschauerraum zu sitzen und eine Aufführung zu genießen, oder hinter der Bühne die Geheimnisse eines Opernabends zu erforschen, sondern dort zu verweilen, wo die Besucher_innen möglichst wenig Zeit verbringen wollen: an der Garderobe.

Wenn die Realität die Fantasie überholt, dann ist es vorbei mit den wohligen Schauern bei der Lektüre eines Kriminalromans. Ausgangspunkt im neuen Roman der norwegischen Autorin Anne Holt ist eine Bombenexplosion mitten in Oslo. 29 Menschen sterben. Wenig später explodiert eine zweite Bombe, neue Opfer sind zu beklagen. So könnte es sein. Oder ist es so? Am 7. April rast ein Verrückter mit einem Lastwagen in die Fußgängerzone von Stockholm und tötet dabei vier Menschen. Er zeigt sich befriedigt, „Ungläubige“ getötet zu haben. Die Fiktion ist längst zur Realität geworden.

Der letzte Roman des amerikanischen Autors Kent Haruf ist ein Glücksfall für die Leserin. Der ein bisschen mystische Titel – „Unsere Seelen bei Nacht / Our Souls at Night“ – lässt ahnen, dass ein ganz besonderer Roman zu lesen sein wird. Das Licht auf dem Nachtkasterl ist gedämpft, der Straßenlärm schweigt, Addie und Louis liegen Hand in Hand nebeneinander im Bett, plaudern ein wenig und schlafen dann ein. Noch vor dem Frühstück ist Louis wieder bei sich zu Hause. Bis Addie meint, er soll seinen Pyjama doch bei ihr lassen und dann frühstückt er auch mit ihr.

In den letzten beiden Vorstellungen von John Crankos emotionalem Ballett „Onegin“ nach Alexander Puschkin tanzt Nina Poláková eine beeindruckende Tatjana. Roman Lazik ist der „Onegin“ schlechthin, vom ersten Auftritt an unerträglich (gut). Alice Firenze ist eine verschmitzte Olga und Masayu Kimoto ihr jähzorniger Bräutigam Lenski. Alexis Foraboscot zeigt, einfühlsam und kräftig, einen fürstlichen General.

Da hängt sie, die Kuh, schneeweiß und mächtig vor dem schweren Samtvorhang der Dresdener Semperoper, und ich frage mich, ob sie da wohl auch den ganzen Abend hängen bleiben wird? Den Kakteen („Cacti“) lässt der Choreograf Alexander Ekman die Kühe („Cow“) folgen. Bertram Grund hat sie in Dresden gesehen – erstaunt und hingerissen.

Im Winter muss Meret ihren Rucksack schultern und eine Wanderung nach Norden antreten. Muss, weil Sam das so will. Der hat sich in ihrem Haus eingenistet, behauptet, nur das Beste für sie zu wollen und schickt sie fort. Wehe sie kommt zu früh zurück, dann muss sie von vorn anfangen. Die österreichische Autorin Elfriede Kern erzählt im Roman "Das Nesselhemd" von Macht und Ohnmacht, Abhängigkeit und Unterdrückung. Auf eigenartige Weise.

Nach ihrem erfolgreichen Tanzstück “Smokey, hugs and Capuccino” über Sehnsucht und Liebe im Tangorhythmus befasst sich die Choreografin Gisela Elisa Heredia mit ihrem Kollektiv tanz.coop nun im KosmosTheater mit dem Fremdsein, dem Heimatgefühl und allen damit verbundenen Klischees . „Perfect Stranger“ ist eine Reise durch die Kulturen und versucht die Frage zu beantworten, was uns Heimat in den Körper einschreibt.

Drei Tänzerinnen und neun Tänzer des Wiener Staatsballetts sind der Einladung des Ballettclubs gefolgt, ihre Kreativität als Choreograf_innen zu zeigen. Manche dürfen schon als alte Hasen bezeichnet werden, andere versuchen ihr Talent zum ersten Mal zu beweisen. Sie erarbeiten mit ihren Kolleg_innen aus der Compagnie vor allem Pas de deux, proben aber auch mit Gruppen bis zu sechs Tänzern.

Tapfer hat sich Ballettdirektor Manuel Legris durch den deutschen Text gekämpft, bis zum Ende – wie üblich mit der Nurejew-Gala 2018 – von Premieren und Repertoire auf Deutsch berichtet. Dafür gebührt dem Franzosen Lob und Ehre. Die erste Premiere der neuen Saison ist am 31. Oktober ein dreiteiliger Abend mit Werken der britischen Choreografen Kenneth MacMillan, Frederick Ashton und Wayne McGregor.  Am 21. Jänner 2018 folgt die „Peer Gynt“, ein Handlungsballett des rumänischen in Maribor wirkenden  Choreografen Edward Clug. In die Volksoper lockt das Staatsballett im Dezember 2017 mit der  Uraufführung von Davide Bombanas Ballett "Roméo et Juiet".

Im Theater an der Wien zeigt das Norwegische Nationalballett eine getanzte Version von Henrik Ibsens Drama: „Gespenster“. „Ein Familiendrama“ nennt Ibsen das 1881 uraufgeführte Stück im Untertitel. Die osloer Gesellschaft war empört über die Dekonstruktion der Familie Alving. Der Vater, Kapitän Alving, ist nach einem zügellosen Leben längst tot, doch die Schatten der Verganenheit leben. Schweigen und Vertuschen führen schließlich zum Einbruch der gutbürgerlichen Fassade. Zu lange ist geschwiegen worden,  Lügen und Geheimnisse müssen aufgedeckt werden.

Vibe, auf Deutsch: Stimmung oder Atmosphäre und eine gute solche wird herrschen, wenn junge Tänzerinnen und Tänzer aus aller Welt in Wien am Wettbewerb 2017 teilnehmen werden. Vibe ist die passende Abkürzung für die Plattform Vienna International Ballet Experience, die heuer allen offen steht, die sich auf der Bühne präsentieren wollen: Profis und Amateurinnen, Kinder und Erwachsen, Tänzer_innen mit und ohne physische oder geistige Behinderung oder Asylstatus. Der Abschluss der inklusiven Veranstaltung wird mit einer Gala im Volkstheater gefeiert.

Zwei Jahre nach der Premiere ist an der Wiener Volksoper Boris Eifmans Ballett „Giselle Rouge“ in teilweise neuer Besetzung wiederaufgenommen worden. Nina Poláková wurde für ihr Debüt in der Titelrolle vom Publikum gebührend gefeiert. Begeistert zeigten sich die Besucher_innen auch von Vladimir Shishovs Interpretation des gewalttätigen Kommissars.

Zum zweiten Mal hat der Choreograf und Tänzer Jefta van Dinther mit dem kleinen Ensemble des Cullberg Ballets aus Stockholm eine Performance einstudiert. Nach „Plateau Effect“ (2013) hat nun auch „Protagonist“ im Tanzquartier Station gemacht. Ein magischer Abend, der durch das flüssige Bewegungsrepertoire und das perfekte Zusammenspiel von Bühne, Licht, Musik und tanzenden Körpern in Bann zieht.

Der Autor und Dokumentarfilmer Peter Stephan Jungk ist der Großneffe der bekannten Fotografin Edith Suschitzky (1908–1973). Doch Edith, verheiratete Tudor-Hart, hat nicht nur fotografiert sondern auch spioniert. Der Familie blieb ihr zweites Leben weitgehend verborgen. Jungk forschte und recherchierte, um das geheime Leben der Edith Tudor-Hart (geborene Suschitzky) zu beleuchten. Was er in mühevoller Arbeit herausgefunden hat, war bereits im Buch „Auf Ediths Spuren (S. Fischer, 2015) nachzulesen. Nun ist auch ein Film daraus entstanden. Die Geschichte eines Familiengeheimnisses, spannend, aufklärend, abwechslungsreich – ein Stück Zeitgeschichte, aufbereitet wie ein Roman und doch ganz real.

Finale von imagetanz im brut: Dewey Dell feierten die Österreich-Premiere ihrer neuesten Produktion Mit Sleep Technique zeigt das italienische Kollektiv seine Vorliebe für Düsteres und bringt eine durchdringende Horrorshow mit großartiger Musik und einer klaren Dramaturgie auf die Bühne.

50 Jahre ist John Crankos großartiges Handlungsballett nach Alexander Puschkins Versroman „Eugen Onegin“ bereits alt und noch keine Runzeln sind zu sehen. Crankos „Onegin“, die romantische Geschichte von verschmähter Liebe ist unsterblich, ob gereimt oder getanzt. In der 43. Wiener Aufführung entzückt Solotänzerin Nikisha Fogo als leichtsinnige Olga. Eine Rolle, die bei der späten Wiener Premiere, 2006, von Maria Yakovleva getanzt worden ist. Jetzt begeistert die Erste Solistin als Tatjana. Roman Lazik hat sich als Onegin längst bewährt, Die Figur des Dichters Lenski gestaltet Davide Dato auf seine unnachahmliche Weise. Nicht nur vom Stehplatz auch aus den Reihen des Abonnementpublikums erschallten die Bravorufe.

Auf den Leopoldsberg steigen, auf die Stadt hinunter schauen. Ein Erlebnis. Gesäumt von frischem Grün liegt so vor uns, die Donau glänzt im Hintergrund, die neuen Hochbauten markieren die Bezirke. Wien muss man von oben betrachten, um die Stadt, die zwar eine Großstadt, aber zum Glück noch immer nicht wirklich groß ist, zu erfassen. Im Wien Museum gibt es jetzt alte und neue Ansichten dieses schon seit der Jungsteinzeit besiedelten Oppidums zu betrachten.

Dieses Jahr ist zwar noch nicht einmal zu einem Viertel voll, doch ich wage schon zu sagen, dass dieser wundersame Roman von Dominic Smith mein Lieblingsbuch 2017 sein wird. Die Verflechtung von zwei Frauenleben, das Verschwimmen von Zeit und Raum verzaubert mich, ist so kunstvoll wie poetisch konstruiert, so genial gemalt wie schön gerahmt. Eine spannende Geschichte in deren Mittelpunkt zwei Frauen stehen, getrennt durch drei Jahrhunderte, verbunden durch die Kunst der Malerei. "Das letzte Bild der Sara de Vos" ist ein Meisterwerk, das zeigt, wie aufregend es ist, über Bilder und ihre Entstehung nachzudenken.

Huggy Bears, eine Initiative des erfolgreichen Kollektivs Superamas, geht bereits in ihr 2. Jahr. Das ist schön! Weniger schön ist, dass diese Eigeninitiative – die Unterstützung für Künstler_innen, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen – von der Stadt Wien gekillt worden ist. Zum letzten Mal also erhalten drei von einer Jury ausgewählte freie Gruppen taxfreie Unterstützung bei der Entwicklung ihres Bühnenprogramms. Zum letzten Mal haben die von einer Jury ausgewählten Künstler_innen Gelegenheit gehabt, ihre Projekte im Rahmen des brut-Festivals imagetanz vorzustellen.

Malina, ein sonderbares Mädchen, lebt mit ihrer Familie an der österreichisch-tschechischen Grenze. Noch trennt der Eiserne Vorhang die beiden Länder. Der Vater ist vielleicht Zollbeamter oder auch Schmuggler, so genau erfährt man das nicht. Dem Waldviertler Autor, Thomas Sautner, geht es auch nicht um eine plausible Geschichte, sondern um seine Idee, dass wir uns im Denken, Fühlen und Handeln in viel zu engen Grenzen bewegen. Sautner lässt Malina diese Grenzen überschreiten.

Im Rahmen der losen Reihe „Künstlergespräche“ lud Staatsoperndirektor Dominique Meyer die beliebte Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager in die Agrana Studiobühne Walfischgasse ein. In einem launigen Gespräch über den ersten eigenen Fernseher, einen Ferienjob als Plattenverkäuferin und ihren Lieblingsdirigenten, gab sie dem Opernchef auch ein besonderes Versprechen.

Im dritten Teil des Projekts „Endangered Human Movements“ („Gefährdete menschliche Bewegungen“) erforscht das Team von Nadaproductions (Amanda Piña / Daniel Zimmermann) amerindische Mythologie, Ikonografie, magische und rituelle Kunst. Linda Samaraweerová und Amanda Piña zeigen das Forschungsergebnis in dem fantastischen Duett „The Forest of Mirrors“ im Tanzquartier.

Schon seit einer Weile beschäftigt sich der Tänzer und Choreograf Georg Blaschke mit dem Zusammenspiel von Körper- und Videobildern im Raum. In seinem neuen Stück „I don’t remember this body“ / „Ich erinnere mich nicht an diese Körper“, arbeitet er mit dem Videokünstler Jan Machacek zusammen, der mit seinen bewegten Bildern den bewegten Körper verfremdet und den stabilen Raum in Bewegung versetzt.

Eno Peçi ist übernimmt in der letzten Vorstellung von „Le Pavillon d’Armide“ die Rolle des Arztes / Diaghilews. Neben Rebecca Horner tanzen Nikisha Fogo und Francesco Costa sowie Zsolt Török in John Neumeiers „Le Sacre“. Wie in den anderen vier Vorstellung dieser für Wien neuen Choreografie von John Neumeier hängt schon seit Tagen das Schild „Ausverkauft“ am Kassenschalter, der Stehplatz ist dichtgedrängt und das gesamte Publikum zeigt sich höchst enthusiasmiert. Die Tänzer_innen bedankten sich glücklich für die Bravorufe.

Ein kleines Dorf, umgrenzt von einem Zaun. Drei Freunde machen sich auf, um zu erkunden, was hinter dem Zaun liegt. Die Ich bin O. K. Dance Company zeigt eine inklusive Tanztheaterproduktion, an der mehr als 100 Tänzer_innen mit und ohne Behinderung teilnehmen werden. Premiere ist am 7. April im Theater Akzent.

Choreograf Eifman widmet sein aufwühlendes Ballett „Giselle Rouge“ der berühmten russischen Ballerina Olga Spessivzeva. Deren Lebensgeschichte gleicht einem Filmdrehbuch. Und wie im Film, "Black Swan", endete ihre Karriere in einer psychiatrischen Anstalt. Das Wiener Staatsballett tanzt die Wiederaufnahme in der Volksoper. Nina Poláková und Ioanna Avraam sind abwechselnd in der Titelrolle zu sehen.

Die einen wollen Riesen sein und hängen sich Bärte um, die anderen schrumpfen zu Zwergen, weil sie sich nach ihrer Kindheit sehne. „Riesen*Zwerge“ nennt Bert Gstettner (Tanz*Hotel) seine neueste Produktion. Am 22. März haben die Riesen und Zwerge – drei Erwachsene und fünf Jugendliche aus Gstettners „Junior*Company – mit Tanz und Spiel, gereimt und ungereimt, gesungen und gesprochen, im Dschungel Premiere.

Opern des 18. Jahrhunderts klingen ganz anders, wenn sie auf historischen Instrumenten gespielt werden. Das wissen wir dank der Originalklang-Bewegung der letzten Jahrzehnte. Doch wie wurden sie eigentlich dargestellt? Choreograph, Regisseur und Intendant des „Teatro Barocco“, Bernd R. Bienert im Gespräch über den Schauspielstil zu Mozarts Zeit und heute.
Wir sind es heute gewohnt, jahrhundertalte Opern in sogenannten modernen Inszenierungen zu sehen. Die meisten Regisseure meinen, man müsse diese alten Stoffe für ein heutiges Publikum übersetzen.

Regisseur Bernd R. Bienert ist Spezialist für historisch informierte Schauspielpraxis im Musiktheater des 18. Jahrhunderts. Die längst etablierte Originalklangbewegung ergänzt er um eine historisierende, gestische Spielweise der Sänger-Darsteller, so wie sie damals gewesen sein könnte. Mit kleinem Orchester unter der feinsinnigen Leitung von David Aronson am Hammerklavier und einem wunderbaren Ensemble gelang dem Teatro Barocco im Schlosstheater Laxenburg, W.A. Mozarts „Cosi fan tutte“ zum Theatererlebnis werden zu lassen, das alles andere als akademisch-rekonstruierend herüber kommt.

Mårten Spångberg zeigt mit The Internet eine außergewöhnliche Performance mit, wenn man will, einem hoch komplexen theoretischen Konzept gehüllt in jede Menge Popmusik, –requisiten und –referenzen. Und zugleich einen Abend, den man genießen und lieben kann. Dennoch hallt im Hinterkopf die Frage nach, ob man vieles davon, vor allem in Betracht auf die Ästhetik und das Bewegungsvokabular, nicht schon 2016 in seinem Stück La Substance, but in English bei ImPulsTanz gesehen hat? "The Internet" war im brut, im Rahmen von imagetanz zu sehen.

Eine zweite Premiere des Neumeier-Abends mit den beiden Choreografien „Le Pavillon d’Armide“ und „Le Sacre“ konnte das danach nahezu euphorische Publikum in der Staatsoper genießen. Nahezu alle Rollen waren neu besetzt. Lediglich die unvergleichliche Rebecca Horner (Solotänzerin des Wiener Staatsballetts) drehte einsam ihre Runde wie schon in der Premiere von „Le Sacre“. Im „Pavillon“ hat Roman Lazik als Platzhalter seine Darstellung in der Rolle des nervösen Arztes und des beleidigten Liebhabers Diaghilev sichtbar intensiviert. Jakob Feyferlik als „Der Mann (Waslaw Nijinsky)“ und Ioanna Avraam als dessen Frau Romola, beeindrucken sowohl technisch wie auch darstellerisch durch  Souveränität und Tiefe.

Noch bis zum 14. Mai ist im Fotomuseum WestLicht die eindrucksvolle Überblicksausstellung der fotografischen Arbeit des Schweiz Künstlers und Wahlwieners Alfons Schilling zu sehen. Schillings Werk ist nirgends einzuordnen, mit seiner rebellischen Neugier sprengte er die Grenzen aller Gattungen und Strömungen. Als Student an der Akademie für angewandte Kunst gehörte er Ende der Fünfzigerjahre mit Günter Brus zu den Wegbereitern des Wiener Aktionismus, ging jedoch dann eigene Wege.

Die südafrikanische Autorin Yewande Omotoso erzählt in ihrem Roman „Die Frau nebenan“ von zwei alte Frauen in Johannesburg, die einander nicht leiden können. Auch wenn ihre Häuser neben einander stehen, stehen sie selbst nicht auf derselben gesellschaftlichen Stufe. Die weiße Innenarchitektin Marion Agostino verachtet die dunkelhäutige Nachbarin Hortensia James, eine überaus erfolgreiche gut betuchte Textil-Designerin. Hortensia, Witwe wie Marion, sieht keinen Grund, sich an die eingebildete Tussi anzubiedern, lieber sticht sie mit ihrer spitzen Zunge gezielt zu.

Die Wiener Symphoniker setzten ein verfrüht österliches Zeichen und spielten unter der Leitung von Philip Jordan die frühere der beiden vollständig erhaltenen Passionen von Johann Sebastian Bach, die Johannespassion. Dabei wurden sie von der Wiener Singakademie und einem hochkarätigen Solistenensemble unterstützt. Um sich dem Originalklang anzunähern, wurde zudem eine kleine Gruppe von Musikern mit Barockinstrumenten eingesetzt, was noch vor zwanzig Jahren für ein klassisches Sinfonieorchester undenkbar gewesen wäre. Bei aller „Political Correctness“ in Sachen historisch informierter Aufführungspraxis bleibt die Sinnhaftigkeit dieses Experiments doch zweifelhaft.

Dem Gedanken des Gesamtkunstwerkes verpflichtet, beschäftigten sich zahlreiche Entwerfer und Handwerker der Wiener Werkstätte (WW) auch mit der künstlerischen Gestaltung von Büchern. Das MAK widmet diesem Aspekt erstmals eine eigene Ausstellung und zeigt unter dem Titel Bucheinbände der Wiener Werkstätte einen Überblick über die facettenreichen Einbandentwürfe. Circa 70 Bücher aus den Privatsammlungen von Ernst Ploil, Gastkurator der Ausstellung, und Richard Grubman werden um 40 originale Entwurfszeichnungen, rund 500 Lederstempel und ausgewählte Bucheinbände aus der MAK-Sammlung ergänzt.

Crankos „Onegin“ kann man nicht oft genug sehen. Aktuell erfreute Eno Peçi als "L'homme blasé, der schon allein durch seine weit ausgreifenden Arme die ständig abwehrende Distanz zur Umwelt ausdrückt. Oder Natascha Mair als Olga. Ein süßes Mädel, sogar wienerisch im Ausdruck. Denys Cherevychko als Lenski, ist ein „Prince charming“, der alle Schwierigkeiten weglächelt, bis ihn der nahende Tod zu Boden drückt. Um die Spannung zu erhöhen: Das Allerneueste zuletzt: Maria Yakovleva, Erste Solotänzerin als Tatjana. Rührend, beeindruckend, hinreißend; ein Feuerwerk an Emotionen entzündend im finalen Pas de deux zwischen Tatjana und Onegin. Ein weiterer Stern im reichen Repertoire von Solo- und Titelrollen Yakovlevas.

Saskia Hölbling spannt ihre Netze zwischen den Säulen des Semper Depots. Vier Tänzer_innen sollen sich darin verfangen, einander begegnen oder auch behindern. „corps suspendus“ nennt sie ihr neues Stück mit Musik von Wolfgang Mitterer. Anna Hain, Leonie Wahl, Ardan Hussain und Jan Jakubal klettern, kämpfen, ruhen im Netzwerk. Gudrun Lenk-Wane hat die Netze als Bühnenbild entworfen.

Mit neun Jahren wird Ninetto Giacalcone aus der kleinen szilianischen Stadt San Cono nach Mailand geschickt, um Geld zu verdienen. In San Cono wandern alle Jungen aus, die Stadt ist zu arm, Arbeit gibt es kaum. Nineto ist spindeldürr, deshalb wird er in der Schule „Pelleossa“  / "Haut und Knochen" gerufen. Der Spitzname bleibt ihm.

Nach ihrer Liebe zu Gioachino Rossini hatten die Wiener in der Mitte des 19. Jahrhunderts den jungen Giuseppe Verdi entdeckt. „Nabucco“ dirigierte er 1843 sogar selbst im Kärntnertortheater, doch „Va pensiero“ wurde hier gar kein Hit wie in Italien. Dieses und einiges mehr erfuhr man bei einer Veranstaltung der Wiener Staatsoper in der Studiobühne Walfischgasse, wo Dramaturg Andreas Lang über „Verdi und Wien“ erzählte.

Wo anfangen, wo enden, um diesen wunderbaren Neumeier-Abend mit „Les Pavillon d’Armide“ und „Le Sacre“ zu beschreiben. Mit den großartigen, ausdrucksstarken Solist_innen (Roman Lazik, Mihail Sosnovschi, Nina Poláková oder Rebecca Horner), oder mit John Neumeier selbst, der aus dem staubbedeckten Ballet d’Action zur Musik Nikolai Tscherepnins über die hocherotische Geschichte der zauberhaften Armida deren Porträt lebendig wird und einen Jüngling verführt, ein bestrickendes Ballett zwischen Traum und Wirklichkeit geschaffen hat? Oder mit dem Dirigenten, Michael Boder, der das Staatsopernorchester zu Höchstleistungen angetrieben hat, im „Pavillon“, ganz dem Diktat der Tänzer_innen gehorchend und in „Le Sacre“ den Tänzer_innen sein eigenes Tempo aufzwingend? Zusammengefasst: Dieser Premierenabend war ein Erlebnis, an dessen fulminanten Finale (Horner) ich, verzaubert und erschöpft, in den frenetischen Jubel des Publikums eingestimmt habe.

Nach der vom Publikum gefeierten Premiere von John Neumeiers Le Pavillon d’Armide | Le Sacre an der Wiener Staatsoper am  19. Februar 2017 hat Ballettdirektor Manuel Legris Rebecca Horner zur Solotänzerin des Wiener Staatsballetts ernannt. Die aus Wien stammende Tänzerin wurde als Solistin in Le Sacre bejubelt – sie wird auch in den weiteren Vorstellungen des zweiteiligen Abends  in Le Sacre tanzen.  

Ein selten auftretendes Naturphänomen ist der Ausgangspunkt dieses 3. Teil von Peter Mays Trilogie rund um den Ex-Polizisten Finlay (Fin) MacLeod. Der hat seinen Job in Edinburgh und kehrt auf seine Heimatinsel Lewis (größte Insel der Äußeren Hebriden, am nordwestlichen Ende Europas) zurück. Dort begegnet er seiner Kindheit und seiner ersten Liebe und kann es auch nicht lassen, Detektiv zu sein. Dunkel, dramatisch und überaus romantisch.

Inmitten der unendlichen Schneelandschaft ein Krater. Darinnen sitzt Josef Hader, ist splitterfasernackt und schaut ziemlich betropetzt in die weiße Welt. Eine vielversprechende Einleitung des Regiedebuts von Josef Hader, der auch das Drehbuch geschrieben hat und die Hauptrolle spielt. Intelligent, mit pointierten Dialogen und einer lebensnahen Handlung ist „Wilde Maus“ eine Komödie mit ernsthaftem Hintergrund, die im Gegensatz zu den im Vorjahr in die Höhe gelobten sogenannten Komödien nicht nur an Unterhaltungswert übertrifft. Ganz ohne falsche Zähne.

Mit verkleideten Kupferkannen, kleinen Puppen und jeder Menge Teebeuteln holt der Objektkünstler Peter Ketturkat sein Publikum in eine andere Welt. In die Welt der lebendigen Dinge, des Märchens und der Fantasie. „Waaserkesselpaukenpeifensinfonie“ nennt er sein neuestes Stück für Kinder, das im Dschungel vorgestellt worden ist.

„Loss“ nennt Oleg Soulimenko sein neues Stück, das er mit dem bildenden Künstler Alfredo Barsuglia und der Tänzerin Jasmin Hoffer konzipiert hat und auch mit ihnen ab 16. Februar 2017 im brut zeigen wird. Die Tanzkörper stecken in einer Plastikhülle, als Menschen nicht erkennbar und tanzen doch. Ihre Bewgungen sind unter der Haut, da nur für die Augen der Zuschauer nicht sichtbar.

Immer von Neuem sucht der Regisseur und Choreograf Laurent Chétouane nach der völligen Freiheit des Tanzes, nach einer Technik ohne Zwänge und vorgegebene Muster. Nun meint er dies im Chaos gefunden zu haben. Sein neues Stück, „Khaos“, bringt drei Tänzer_innen und drei Musiker auf die Bühne, die Unberechenbarkeit, Instabilität und Verwirrung zur Regel machen.

Hyperrealistisch, expressiv, in drastischen Bildern erzählt die Linzer Tanzchefin Mei Hong Lin von Gewalt und Tod, Abschied und Trauer. Ausgangspunkt ist das Massaker und der anschließende 40 Jahre lang quälende „Weißen Terror“ in Taiwan. Als Symbol für das Leiden der Urbevölkerung dient eine Erzählung der taiwanesischen Autorin Li Ang, in der die Traumatisierung eines ganzen Volkes als Hintergrund der Handlung dient. Im Zentrum steht eine Frau, die ihren toten Mann und den verlorenen Sohn betrauert.

Mit einem breit gefächerten Programm verabschiedet sich der Tanzkurator Jacopo Lanteri vom brut. Er geht zurück nach Berlin. Neuer Tanzkurator wird ab April der Schweizer Flori Gugger, zuletzt Dramaturg beim steirischen herbst in Graz, sein. Zuvor aber blickt Lanteri auf das Tanzerbe zurück und lädt Künstler_innen, die imagetanz geprägt haben, ein, dieses weiterzugeben oder neu bearbeiten zu lasen.

Um Irrtümern vorzubeugen: Der deutsche Film von Robert Thalheim ist eine Komödie und pure Fiktion. Mit irgendwelchen politischen Aktualitäten hat er nichts zu tun und ist auch völlig Unernst. Obwohl, die „Kundschafter des Friedens“ gab es tatsächlich. In der DDR die euphemistische Bezeichnung für Spione. Von vier solchen alten Haudegen, die der Vergangenheit nachtrauern, handelt der Film.

Eine glanzvolle Inszenierung seiner Rekonstruktion des Balletts „Raymonda“ von Marius Petipa brachte Sergej Vikharev auf die Bühne der Mailänder Scala. Mit den Gaststars Olesia Novikova und Fridemann Vogel, dem Principal Dancer der Mailänder Oper Mick Zeni samt einer riesigen Schar von Darsteller_innen ist die prächtig ausgestattete Aufführung in der „Scala“ auch aufgezeichnet worden. Bei Arthaus Musik ist sie als DVD erschienen.

Das 25jährige Jubiläum hing man diskreterweise nicht an die große Glocke. Doch bekam das Publikum heuer nicht nur wunderbare Alte Musik in höchster Könnerschaft vorgetragen. Als Geburtstagspräsent gab es auch noch ein wenig Kubafeeling, Tanzeinlagen und Samuel Beckett-Texte und natürlich auch das beliebte Essenskonzert.

Mit der Suche nach Antworten auf die Frage „Wie kann man zusammenarbeiten“ beschäftigen sich Theoretiker_innen und Praktiker_innen aus Kunst, Architektur und Wissenschaft als Teil des internationalen, interkulturellen Projekts „A Future Archeology“, das 2011 von Silke Bake, Ismail Fayed, Adham Hafez und Peter Stamer initiiert worden ist. Die Treffen der „Gemeinschaft auf Probe“ fanden und finden an verschiedenen Orten mit unterschiedlichen Vorgaben statt. Das Symposium „How to Collaborate“, das im Oktober 2014 in Berlin (ICR – „Interweaving Performance Cultures“ an der Freien Universität) stattgefunden hat, war, dem Veranstaltungsort entsprechend, den Fragen nach dem Gemeinsamen und dem gemeinsamen Arbeiten in der darstellenden Kunst gewidmet. Gesprächsprotokolle, Essays und Bilder sind jetzt in der Publikation „How to Collaborate?“ zusammengefasst.

Einen genussreichen Abend bescherte nicht nur Nina Tonoli, die als Lise ihr Debüt feiern durfte. Auch Jakob Feyferlik als Colas und Dumitru Taran als munterer Alain und ein aufgekratzter Andrey Kaydanovskiy als gelenkige Witwe Simone versetzten das Publik mit flinken Füßen, hervorragendem Port de Bras und eindrucksvollem Spiel in beste Laune. Die Bravorufe durften sich auch das Ensemble und der Dirigent Simon Hewett mit dem Staatsopernorchester ins Stammbuch schreiben.

Nach dem erfolgreichen Auftritt im Rahmen der Eröffnung der Special Olympics Pre Games in Schladming im Jänner 2016, wurde die Ich bin O.K- Dance Company damit beauftragt auch die Eröffnungszeremonie sowie das Abschlussevent der Special Olympics World Winter Games 2017, die in Graz, Schladming und in der Ramsau ausgetragen werden, mitzugestalten. Die Eröffnungsperformance wird in Kooperation mit TänzerInnen des Staatsopernballetts erarbeitet und aufgeführt.

Ein animierendes, optimistisches Motto hat die künstlerische Leiterin des renommierten Osterfestivals Tirol, Hanna Crepaz, für 2017 ausgesucht: „auf.bruch“, das bedeutet, die Veränderungen, die nur allzu deutlich sind, gemeinsam zu bewältigen. Vom 31.März bis 16. April macht das Festival, es ist das 29., Innsbruck und Hall i.T. zu Orten des internationalen kulturellen und geistigen Austausches. Alte und Neue Musik, Filme, Gespräche und natürlich auch Tanz und Performance werden auf unterschiedliche Weise dem Motto gerecht.

Als anmutiges Aschenbrödel, Elfe unter Elfen, debütierte Dominika Kovacs-Galavics an der Volksoper in Thierry Malandains Choreografie von Sergej Prokofiews märchenhafter Ballettmusik „Cendrillon“. Die männlichen Solisten der Premiere haben ihre Rollen getauscht: Gleb Shilov ist der Prinz, den die Stiefschwestern samt ihrer Mutter vergeblich umwerben. André Garcia Torres tanzt die drei anderen männlichen Solorollen. Gespannt folgt das dem Alter nach gut durchmischte Publikum das Geschehen, benötigt keine Pause und bestätigt mit einem Applausgewitter, die Qualität dieser Aufführung in der Volksoper.

Unsicherheit, Nervosität und Angst vor dem Ungewissen – vor dem, was passieren könnte. Gefühle, die in im neuesten Tanzstück von Alain Platel, das vom Tanzquartier Wien ins Volkstheater eingeladen war, die Atmosphäre prägen. Der belgische Choreograf und Regisseur schafft gemeinsam mit Steven Prengels (Komposition), Berlinde De Bruyckere (Bühnenbild) und der neun-köpfigen Compagnie Les Ballets C de la B in „nicht schlafen“ eine Stimmung, die sowohl in der Musik als auch in der Choreografie vorherrscht, diese Elemente verbindet und zugleich ins Hier und Jetzt holt.

Der Philosoph Noam Chomsky wundert sich. „Warum ist unser Wissen von der Welt so armselig, während wir doch so viel Information erlangen können?“ Auf ihn beruft sich der Tänzer und Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui, der im Festspielhaus St. Pölten mit seiner Company Eastman das erst vor wenigen Monaten uraufgeführte Stück „Fractus V“ gezeigt hat. Fünf Tänzer und fünf Musiker erzählen vom Öffnen des Gehirns, vom Stoppen des ständigen Gedankenstroms und davon, dass es immer wieder Brüche (fractus= gebrochen) geben muss, damit man sich neu orientieren kann.

In der 75. Aufführung des Balletts „La Fille mal gardée“ von Frederick Ashton debütierte der Erste Solotänzer Davide Dato als Colas, der von Lise, dem schlecht gehüteten Mädchen (Natascha Mair), geliebten Burschen. Mit ihm haben Masayu Kimoto als gelenkiger, köstlicher Alain, Roman Lazik als hinreißende Witwe Simon und Marian Furnica als junger Hahn samt seinen Hennen getanzt. Julia Tcaciuc und drei neue Hühner (Abigail Baker, Marie Breuilles, Carolina Sangalli) flattern hinter dem Chef des Hühnerhofes. Auch Freundinnen und Dorfbewohner_innen haben Debütrollen getanzt. Auffallend auch diesmal: Rikako Shibamoto im blau karierten Dirndl.

Der Schweizer Autor Martin Suter weiß wie Leserinnen zufriedenzustellen sind. Flüssig erzählte Geschichten, mit ein wenig Spannung, ein wenig mehr Gefühl und einem angedeuteten ernsthaften Hintergrund, den gerade aktuellen Trend widerspiegelnd. Diesmal also Gentechnik, vor allem die Veränderung der DNA (Genom Editing) – Segen und Fluch zugleich. Ein Thema das sich bestens für Krimis, SF und bewegende Romane eignet. Suter ist nicht der ersten, der die CRISPR/cas-Methode als Ausgangspunkt einer zu Herzen gehende Geschichte nimmt. Ist doch die Hauptperson ein winziger rosa Elefant.

Plötzlich und unerwartet. Kaum für jemanden passen diese Worte besser als für den Bassbarition Gerd Grochowski, der am 15. Jänner 2017 mit gerade mal 60 Jahren in Wiesbaden verstorben ist. Noch am Vortag war er als Wotan in Richard Wagners „Walküre“ auf der Bühne des Hessischen Staatstheaters in Wiesbaden gestanden.
Dort ist die Trauer natürlich besonders groß.

Anlässlich des Musikfestivals "La folle Journée/ der tolle Tag" in Nantes, dessen Schluskonzert ARTE am 5. Februar überträgt, werden auch andere Tanz- und Musikfilme gezeigt. Erstmals in seiner Geschichte gestattet das Bolschoi-Theater in Moskau einen unzensierten Blick hinter die Kulissen. Als Kriminaldrama  entpuppt sich die Dokumentation „Bolschoi Babylon“, im Programm von Sonntag, 22. Jänner. Zubin Mehta undSir Simon Rattle stehen am Dirigentenpult, der Prima Ballerina Polina Semionova und der schwedische Choreograf Fredrik Rydmanstehen im Mittelpunkt weiterer Sendungen.

„Die schöne blaue Donau“ nennt Designer Karl Lagerfeld ein Diadem aus 394 klaren und saphirblauen Swarovski Kristallen und fünf Swarovski Kristallperlen, die bei der Eröffnung des Opernballs die Debütantinnen schmücken und im Licht funkeln werden. Lagerfeld berichtet von seiner „Vision der Krönung der Donau“ und erinnert mit dem saphirblauen Band an, wie der in Paris arbeitende Hamburger sagt, „Le beau Danube bleu“.

Körperverstand Tanztheater Wien ist eine neue Formation rund um die Tänzerin / Choreografin Steffi Jöris und die Autorin Anna-Luise Braune. Für das erste Stück wählten sie ihren Namen: „Körperverstand“ hat mit der Tänzerin Maartje Pasman und dem Tänzer Moritz Lembert im Dschungel Premiere gefeiert. Mit „Tanz, Theater, Musik“ will die junge Gruppe „Herz und Verstand berühren“. Ein kühnes Vorhaben.

Der Film von Chis Kraus (Journalist, Autor, Regisseur und Filmproduzent), „Die Blumen von gestern“, hat schon bevor er in den Kinos anläuft unheimlich viele Preise eingeheimst. Am Anfang stand der Thomas-Strittmatter-Drehbuchpreis von Baden-Württemberg, nach Preisen beim 29. Tokyo Filmfestival steht am vorläufigen Ende der Baden-Württembergischer Filmpreis in der Kategorie besten Spielfilm. Verständlich, die MFG Baden-Württemberg (Medien- und Filmgesellschaft) hat die Produktion mitgefördert. Eine Tragikomödie zum Thema Holocaust und seine Erben, soll es sein, weist aber auch Spuren eines Dramas, einer wenig überraschenden (recht kurzen) Liebesgeschichte, dazu gibt es auch das Psychogramm eines Besessenen und Traumatisierten zu ertragen.

Mit der sechsten Vorstellung hat die Serie des Ballets „Raymonda“ für diese Saison ihr Ende gefunden. Maria Yakovleva glänzte in der Titelrolle. Ein perfektes Debüt, brillant und jugendlich frisch, sicher auf der Spitze, delikat in den Solovariationen, eine Raymonda, an der ich mich nicht sattsehen kann. Als ebenbürtiger Partner hätte Mihail Sosnovschi den Abderachman tanzen sollen – Davide Dato musste als sarazenischer Fürst einspringen, Sosnovschi laboriert an einer Verletzung. Springfreudig wie Dato ist auch Denys Cherevychko, der den heldenhaften Ritter Jean de Brienne getanzt hat. Bewährt und immer ein Vergnügen das mitreißende Quartett der Freundinnen und Troubadoure: Natascha Mair, Nina Tonoli / Masayu Kimoto und Richard Szabó.

Nachdenken, planen, betteln, Team zusammenstellen, proben, Aufführungsort suchen, nochmal als Bittsteller an sämtliche Türen klopfen, verhandeln, Bühne aufstellen, noch mal proben, proben, proben – endlich Premiere! Zwei Mal noch, vielleicht fünf Mal, manchmal nur ein Mal. Das wars dann! Weg und aus. Das kostet Geld, auch Steuergeld, macht müde, laugt aus, führt an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Giovanni Jussi und Maria Spanring können ein Lied davon singen, viele Strophen lang.

Die Hoffnung ist nicht getrogen worden – Abderachman rauscht herein, wirft den Mantel ab und das gesamte Schloss erwacht zum Leben. Mihail Sosnovschi ist endlich der Furcht und Schrecken verbreitende Chef des feindlichen Sarazenen Heeres, verliebt ihn Raymonda, die den heidnischen Fürsten samt den angebotenen Geschmeiden entsetzt zurückweist. Sosnovschi gibt diesem wilden Kerl, der später die unwillige Raymonda mit Gewalt verschleppen will, endlich Kraft und Saft. Und dem gesamten Abend beflügelnden Schwung. Ihm und dem Dirigenten, Kevin Rhodes, der Sarazenen Tanz sichtlich Freude hat, gilt auch der Jubel des Publikums.

Kaum zu glauben, aber das beliebte Festival der Alten Musik gibt es seit einem Viertel Jahrhundert! Wie jedes Jahr ist das Programm spannend und verspricht beste Stimmung, wenn neben Stars wie Europa Galante, The Amsterdam Baroque Orchestra & Choir, Evangelina Mascardi oder La fonte musica auch junge Wilde dabei sind, wie die Norweger Barokksolistene und die Kubaner Conjunto de Música Antigua Ars Longa.

Die Reformation tanzt. Acht Tänzer und ein Orchester gemeinsam auf der Bühne: Das Bundesjugendballett und das Bundesjugendorchester nähern sich im Januar tänzerisch und musikalisch Martin Luther an – und zeigen in Hamburg, wie die Reformation bis heute junge Künstler inspiriert. „Gipfeltreffen - Reformation“ nennt sich das Projekt, an dem auch der Choreograf und Tänzer im Wiener Staatsballett, Andrey Kaydanovskiy, teilnimmt.

Ein Kommentar.
Ja, ja, so sind’s die Wienerinnen und die Wiener, tanzen auf der Straße und backen Torten, sind immer verliebt und fahren mit der Kutsche. Walzen den ganzen lieben Tag und die halbe Nacht und klopfen im 3/4 Takt auf Leder und Eisen. Blondgelockte Mädchen spielen Cello und selbst der Straßenarbeiter lächelt glücklich, schaufelt fröhlich den Sand im Takt. Wien poliert die güldenen Ringlein und lebt glücklich in der Vergangenheit. Zukunft? Die gibt es nicht. Weil’s wahr is!

Schwierig, anstrengend, eine Herausforderung “, das war der Tenor als Tänzerinnen und Tänzer nach der Generalprobe zum Ballet „Raymonda“, von Rudolf Nurejew nach Marius Petipa choreografiert, befragt wurden. Manuel Legris hat es mit dem Ensemble neu einstudiert und achtet streng darauf, das im Sinne des Choreografen auch nicht der kleinste Schnörkel ausgelassen wird. Die Technik sitzt, die im Internet angekündigte Dramatik fehlt. Hätte sich Nurejew doch an Tante Jolesch gehalten! Doch die kann er als Russe nicht kennen.

Nach einer Pause von mehr als 15 Jahren holt Ballettdirektor Manuel Legris Rudolf Nurejews Adaption des letzten Balletts von Marius Petipa, „Raymonda“, Musik Alexander Glasunow, aus der Mottenkiste. Fast eine Premiere. Ein schwieriger, anstrengender Abend für die Tänzer_innen, in dessen Mittelpunkt die Titelfigur steht. Nina Poláková ist nahezu drei Stunden in allen drei Akten auf der Bühne und beeindruckt durch ihre makellose Technik. Mit ihr müssen die beiden jungen Solotänzerinnen, Nina Tonoli und Natascha Mair, als Freundinnen Raymondas gleichziehen, sind sie doch ebenso gefordert. Dass dem Publikum drei Stunden reiner Tanz zu viel ist, kann man den erschöpft nach dem II. Akt Fliehenden nicht verdenken. Auch wenn das eine grobe Unhöflichkeit den Künstler_innen gegenüber ist.

Mit nur vier Darsteller_innen hat Richard Schmetterer Carl Collodis Geschichte vom Hampelmann, der lernt erwachsen zu werden, für Volksschulkinder inszeniert. Auf der märchenhaften Bühne von Hannes Röbisch werden die Abenteuer des naiven Buben, der mangels eines Herzens Gut und Böse nicht unterscheiden kann, von den jungen Zuschauer_innen im Dschungel gespannt verfolgt und am Ende so freudig wie heftig beklatscht.

Ein nahezu vergessenes Kapitel privater Theaterbegeisterung ist zurzeit im Theatermuseum in Wien zu bestaunen: Das Papiertheater. Der gestrenge Politiker Klemens Wenzel Lothar von Metternich hatte die Bürger durch Zensur und Spitzeltum quasi in die Wohnzimmer verbannt. Doch das Theater wollten die Wienerinnen nicht missen. Sie machten es sich zu Hause. Aus Papier. Ein Guckkasten auf dem Wohnzimmertisch mit Vorhängen, gemalten Kulissen und kleinen Figuren, die die Szenen belebten, war in nahezu jedem bürgerlichen Haushalt des 19. Jahrhunderts zu finden. Im Theatermuseum hat Kuratorin Karin Neuwirth aus den Beständen und Leihgaben eine niedliche, teilweise interaktive Ausstellung zusammengestellt.

Auch fast 60 Jahre nach der Uraufführung im Winter Garden New York City ist die „West Side Story“ noch so frisch und unverbraucht wie damals. Mit der Originalchoreografie von Jerome Robbins (neu einstudiert von Joey McKneely) und einem praktikablen Bühnenbild von Paul Gallis macht die Produktion auf der Europatournee 2016/17 auch in Wien Station. Dirigent ist der Musical-Spezialist Donald Chan. Nach der Premiere am 14. Dezember 2016 wurden die Künstler_innen mit begeistertem Jubel belohnt.

Jakob Feyferlik, tanzt nach seinem rasanten Aufstieg zum Solotänzer, die Hauptrolle, Jean de Brienne, in der Wiederaufnahme von Rudolf Nurejews „Raymonda“. Seine Partnerin bei den ersten Vorstellungen des zur Zeit der Kreuzritter in Ungarn spielenden Ballettklassikers  zur Musik von Alexander Glasunow wird Nina Poláková in der Titelrolle sein. Premiere 22.12. 2016.

Die Saison neigt sich dem Ende zu und auch erfolgreiche, hochgelobte Aufführungen verschwinden vom Spielplan. Müssen verschwinden, um Neuem Platz zu machen. Schnell zu handeln, ist das Gebot. Etwa um die zauberhafte Produktion des Serapions Ensembles im Odeon, „… am Abend der Avantgarde“ zu sehen. Dreimal, am 29., 30., und 31. Dezember gibt es noch Gelegenheit dazu. Auch nach einer langen Aufführungsserie sind die letzten Vorstellungen von am Ende begeisterten Zuschauerinnen gut besucht.

Mit einer chinesisch ausgeschmückten Version des Ballettklassikers „Der Nussknacker“ erfreute eine Truppe des chinesischen Nationalballetts das Publikum im Festspielhaus St. Pölten. Das eigene Orchester, der in Peking beheimateten Compagnie, war nicht mitgekommen, doch ist Peter Tschaikowskys Musik vom „Symphonieorchester des Chinesischen Nationalballetts“ längst vorsorglich konserviert worden. Tourneen steht nichts im Weg. Garniert mit fröhlichen Einlagen und kleinen Geschichten konnte der fernöstliche, sogar funktionstüchtige Nussknacker das Publikum begeistern.

Die Designerin Stéphanie Di Giusto hat in dieses Jahr in Cannes, in der Kategorie „Ein gewisser Blick“, ihren ersten Spielfilm gezeigt. „Die Tänzerin“ nimmt Leben und Wirken der zu ihrer Zeit weltberühmten Amerikanerin Loīe Fuller als Vorbild für einen üppig dekorierten Film über eine starke Frau, die unbeirrbar ihren Weg geht. Als Künstlerin will sie auf der Bühne der Pariser Oper und nicht nur auf dieser tanzen.

Die Tänzerin und Choreografin Silke Grabinger ist von Neugierde, Forscherdrang und Experimentierlust beseelt. Mit ihrer Company SILK Fluegge probiert sie immer wieder neue Formen der Bühnenpräsenz aus. Im Linzer Central zeigte sie die Uraufführung von „Disappear“, einer Performance „Zum Verschwinden in der Welt des Anderen“. Viel Text und sparsame Bewegungen von Tänzerin und Tänzer zeichnen die Vorstellung im Linzer Central aus. Wohingegen das Publikum mit Applaus nicht gespart hat.

Erster Solotänzer Davide Dato – ein junger italienischer Tänzer, der den Großteil seiner Ausbildung an der Ballettschule der Wiener Staatsoper absolviert hat! Rasch erkannte man sein künstlerisches Talent, schon vor seiner Abschlussprüfung kam er solistisch zum Einsatz. 2009 an die Wiener Staatsoper engagiert, führt die Karriere steil nach oben und Ballettdirektor Manuel Legris ernannte ihn im Juni 2016 zum Ersten Solotänzer.

Andrea Wulf hat eine mitreißende Biografie über einen der originellsten Naturforscher und Meisterdenker der Menschheitsgeschichte geschrieben. Ihre Lebensbeschreibung ist eine Einladung in den reichen Kosmos Alexander von Humboldts.“ Dieser Begründung der Jury des Bayerischen Buchpreises (überreicht am 5. Dezember 2016 im Berliner Kronprinzenpalais) ist kaum etwas hinzuzufügen. Eventuell noch die Liste der Preise, die Wulf für ihre Beschreibung der „Abenteuer des vergessenen Helden der Wissenschaft“ im englischsprachigen Raum bereits erhalten hat. Etwa den Royal Society Science Book Prize 2015. 

Historische Stoffe sind die Spezialität der Regisseurin Marie Noëlle. Nach „Die Frau des Anarchisten“ und „Ludwig II“ hat die französische Filmemacherin nun die frühen Jahren der zweifachen Nobelpreisträgerin Marie Curie verfilmt. Detailgetreu und in authentischer Ausstattung ist ein stimmungsvoller Film entstanden, der auch die schwachen Seiten der erfolgreichen Physikerin zeigt.

Nach dem Kinderbuch „Der Bär, der nicht da war“ von Oren Lavie, illustriert von Wolf Erlbruch, übersetzt von Harry Rowohlt, hat das Kollektiv Makemake eine zauberhafte Vorstellung für Vorschulkinder gestaltet. Figurenspiel, Schattentheater, Performance, Tanz, Zeichnung, Projektionen, Musik und Theater verschmelzen zur Welt des naiven Bären, der bis schön zählen kann, von hinter sich kommt, dort nicht mehr ist und sehr, sehr nett, glücklich und sehr hübsch ist. Er geht durch den Wald und sucht sich selbst.

Die Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin Evelyn Téri ist in der ungarischen Botschaft in Wien mit dem Ritterkreuz des Ungarischen Verdienstordens ausgezeichnet worden. Krönung der Feier war der rasante Pas de deux von Mihail Sosnovschi, den der Solotänzer des Wiener Staatsballetts und ehemaliger Schüler von Téry mit seiner Kollegin, der zauberhaften Halbsolistin Eszter Ledán, zur Polka „Éljen a Magyar“ von Johann Strauss aufs Parkett des Palais in der Bankgasse gelegt hat.

Drei Tänzerinnen, ein Tänzer, 7000 durchsichtige Wasserflaschen liefern sich in der Aula der Akademie der Bildenden Künste ein Gefecht. Die Flaschen, zu unterschiedlich großen Quadern gebündelt, verstellen die Wege, behindern die Bewegungen, irritieren die Sicht. Die Tänzer_innen verschieben sie, ordnen sie neu, versuchen sich im Labyrinth ihren Platz zu erobern. Auch in der dritten bestens besuchten Vorstellung von „conseQUENCE“, war der Applaus in der Aula der Akademie der Bildenden Künste begeisternd.

Man weiß ja nie, vielleicht schwitzen wir auch in der Adventzeit draußen, weil sich das Klima verschoben hat. Laut ist es sowieso, von der "stillsten Zeit" zu plappern, ist schon längst ein schlechter Witz geworden. Auf jeden Fall wird drinnen geschwitzt, wenn ImPulsTanz sein Gegengift über das längst etwas miefig gewordene biedermeierliche Fest streut und Künstlerinnen und Künstler eingeladen hat, mit dem Publikumso richtig fröhlich zu sein.

Nur fünf Tage gastiert ein amerikanisches Ensemble mit dem berühmten Musical "West Side Story" von Leonard Bernstein in der Originalchoreografie von Jerome Robbins in der Wiener Stadthalle. Wenige Jahre nach der Weltpremiere am Broadway 1957, eroberte die mit zehn Oscars ausgezeichnete Verfilmung alle Kontinente. Vom 14. bis 18. Dezember ist die tragische Liebesgeschichte von Maria und Tony in Wien zu sehen.

In seinem jüngsten Stück mischt der in Frankreich aufgewachsene spanischstämmige Choreograf José Montalvo wie gewohnt, sämtliche Genres und Stile des Tanzes und der Musik und lässt das Geschehen auf der Bühne in die subtilen Videobilder im Hintergrund übergehen. „Y Olé!“, das sagt schon der auch für nicht Spanischsprechende fröhlich klingende Titel, ist ein beschwingter zweiteiliger Abend, der mit Igor Strawinskys berühmt-berüchtigter Musik „Le Sacre du Printemps“ beginnt und mit dem Ende am verschneiten Strand das Publikum im Festspielhaus St. Pölten zu Jubelschreien und Beifallsstürmen hinreißt.

Thoss | Wheeldon | Robbins“ nennt sich der dreiteilige Abend aus dem Repertoire schlicht nach den Choreografen der drei unterschiedlichen Stücke. Aufwühlend, Stephan Thoss mit der Geschichte um „Blaubart’s Geheimnis“, goldig Christopher Wheeldons Blick ins Paradies verliebter Narren („Fool’s Paradise“), fröhlich und bunt, Jerome Robbins’ Tanz durch die „Vier Jahreszeiten“ („The Four Seasons“). Mihail Sosnovschi gibt sein Rollendebüt als liebeshungriger Blaubart, sein Alter Ego ist, ebenfalls zum ersten Mal in dieser Rolle, Francesco Costa.

Vive l’Armée“ nennt Superamas ihre Auseinandersetzung mit Krieg, Terrorismus und den Folgen. Die neueste Produktion ist nach gründlicher Recherche undöffentlichen Einblicken in den Arbeitsprozess  entstanden. Eine aufwühlende auch niederdrückende Performance, die im Tanzquartier ganz harmlos und unterhaltsam mit einer Modeschau beginnt, aber bald Angst und Zittern hervorruft. Erst nachdem sich die in grellen Farben gemalten Schreckens-Visionen wieder verflüchtigt haben, kann der verdiente Applaus gespendet werden.

Mit einer abwechslungsreichen Szenencollage aus Theater, Gesang, Musik und Bewegung unterhält sich und das jugendliche Publikum die schallundrauch agency im Dschungel mit Gedanken über die Sucht. Ein Thema, wrüber die Zuschauerinnen sicherlich viel zu diskutieren haben. Unterhalten haben sich die Heranwachsenden in der gesehenen Vorstellung sicht- und hörbar.

Mit einer unterhaltsamen Mischung aus Tanz, Akrobat, ein wenig Text regt Silke Grabinger mit ihrer jungen Companie Silk Fluegge zum Nachdenken über das Helfen, über Helfende, Hilfsbedürftige, Hilfeverweigerer und das Helfersyndrom an. „Rescue“ beginnt im Dschungel mit theatralischen Version der einprägsamen Szenen aus der amerikanischen Serie „Bay Watch“. Die Aufmerksamkeit der Jugendlichen, für die „Rescue“ konzipiert ist, ist dem Stück sofort sicher.

Es heißt, das Publikum liebe die dreiteiligen Ballettabende, weil sie abwechslungsreich sind und für jeden Geschmack etwas dabei ist. So ist auch der Abend mit drei unterschiedllichen Choreografien (Stephan Thoss: „Blaubarts Geheimnis“, Christopher Wheeldon: „Fool’s Paradise“, Jerome Robbins: „The Four Seasons“) programmiert. Schwierig und anstrengend für die Tänzer_innen und das Publikum zu Beginn, erholsam und vergnüglich am Ende. Die Künstler_innen auf der Bühne und die Musiker_innen im Graben, geleitet von Alexander Ingram, erhielten den verdienten Applaus, die Publikumslieblinge, Davide Dato und Denys Cherevychko, für ihre Sprünge auch Bravorufe.

Ein schöner Roman übe die Tänzerin und Choreografin Bronislawa Nijinska, in dem Eva Stachniak aus der Sicht ihrer Hauptperson die Geschichte der Tänzer-Familie Nijinky erzählt. Eva Stachniak ist in 1952 Polen geboren und lebt seit 1981 in Kanada. Mit ihren beiden Russland-Romanen („Der Winterpalast“, „Die Zarin der Nacht“) hat sie zwei Bestseller gelandet. Auch der neue Roman nimmt seinen Ausgangspunkt in Russland und hat ebenfalls das Zeug zu begeistern. Stachniak kann erzählen und was nicht durch Zeugnisse belegt ist, erfindet sie gekonnt.

Erfolgreich ist im Tanzquartier das Festival „out of b/order“, bei dem Choreografie, Tanz und Performance aus dem erweiterten arabischen Raum, der MENA-Region, in den Mittelpunkt gerückt worden sind, zu Ende gegangen. Eine intimes Solo der iranischen Tänzerin Mitra Ziaee Kia in den Studios begeisterte ebenso wie die vier Tänzer, die in der Choreografie von Radhouane El Meddeb erzählten, wie es einmal war, als die Araber tanzen durften: „Au temps où les Arabes dansaient …“

Die Reise zum „Arbeitsplatz“ in der Siegfriedgasse in Wien-Floridsdorf ist weit. Dort begibt sich das Clever Team (Radek Hewelt & Filip Szatarski) in ein „Clever Dreamland“ und zeigt wovon Männer, richtige Männer, (immer noch) träumen. Wirr, gewalttätig, exaltiert und doch nicht bemerkenswert. Ein nostalgisches Cowboy-Film in Rätseln. Männertheater.

Gestorben ist sie 1963 als Elisabeth Petznek, Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Geboren ist sie 1883 als Erzherzogin Elisabeth Marie Henriette Stephanie Gisela von Österreich. Diese „letzte Prinzessin“, über die Martin Prinz einen Roman geschrieben hat, war Kronprinz Rudolfs einzige Tochter, Lieblingsenkelin des Kaisers. Durch eine Messalliance mit dem Windhund Otto Windisch-Graetz, die in einem schier endlosen Rosenkrieg der Kinder wegen endete, verzichtete sie auf alle Ansprüche. Prinz hingegen verzichtet auf eine stringente Dramaturgie seines Romans und gerät bei aller Liebe zur letzten Prinzessin leicht ins Schwafeln.

Walter Heun fühlt sich prächtig. Im Sommer 2017 geht nach acht Jahren seine Intendanz im Tanzquartier zu Ende. Zu bereuen habe er nichts, sagt er. Weder die Zeit als künstlerischer Leiter und Nachfolger von Sigrid Gareis, der ersten Intendantin des Tanzquartiers, noch dass er sich nicht um eine Verlängerung bemüht habe. „Das habe ich von Anfang an gewusst und meinen Mietvertrag in Wien bis 2017 limitiert. Dennoch wird er weiterhin in Wien bleiben.

Märchenhaft und komisch ist Thierry Malandains Choreografie zu Sergej Prokofjews Ballettmusik „Cendrilon“. Mit der Geschichte von Aschenputtel, der grausamen Stiefmutter und deren eitlen Töchtern erzählt der französische Choreograf von einem jungen Mädchen auf der Suche nach Anerkennung und Liebe und ihrem Kampf gegen die Einsamkeit. Wie er erklärt, ist sein Cendrillon, eine Tänzerin auf dem Weg nach oben. Wie in Versailles, dem Ort der Uraufführung durch Malandains Compagnie, dem Ballet Biarritz, war das Publikum lautstark begeistert.

Die Urban-Dance-Formation Hungry Sharks hat sich in den 5 Jahren seit der Gründung durch Valentin Alfery und der Produzentin Dusana Baltic zu einer international erfolgreichen Kompanie entwickelt. Mit kräftiger Unterstützung von CBB (Center for Choreography Bleiburg / Pliberk) hat Alfery mit acht Tänzer_innen die Choreografie „Hidden in plain sight“ entwickelt und im August in Bleiburg /Pliberk zum ersten Mal gezeigt. An zwei Abenden sind die hungry Sharks nun im brut aufgetreten.

Der dritte Teil von Ian Kalers Serie „o.T.“ bringt eine Überraschung: Kaler hat sich Locken wachsen lassen ist fröhlich, ja, im Duett mit dem Tänzer und Modedesigner Stéphane Peeps Moun ausgelassen, versucht sogar zu steppen. Nach „(emotionality of the jaw)“ und „(gateways to movement)“, widme sich Kaler als Choreograf und Tänzer der Zukunft, oder gar den Zukünften: „Incipient Futures“ nennt er diesen dritten Teil der „o. T.“-Reihe, in dem er wieder mit der phänomenalen Musikerin Jam Rostron (Planningtorock oder auch Aquarian Jugs) zusammenarbeitet. Eine Stunde voll Energie und hinreißender Musik in der Arena. Tanz, der keinerlei moralisch-gesellschaftlichen oder philosophisch-theoretischen Über- oder Unterbau verlangt.

Große Harmonie gab es auf der Bühne der Wiener Staatsoper, als der charismatische Tenor Roberto Alagna gemeinsam mit Neo-Ehefrau und Sopranistin Aleksandra Kurzak ein Konzert gab. Am Klavier begleitete Jeff Cohen die beiden, die sich von Mozart über Donizetti bis Puccini durch das Arien- und Duettrepertoire sangen. Viel Applaus für das Paar, dessen Zugpferd natürlich ganz klar Alagna ist.

Die 78jährige Erika Bode möchte ihre Firmenanteile dem Sohn Jochen entziehen und ihrem Neffen Philip Ullich anvertrauen. Noch bevor sie unterschreiben kann, ist sie tot. Doch während der Sohn die Polizei ruft, weil er Mord vermutet, sitzt Erika wieder am Konferenztisch und unterschreibt. Sie ist nicht die einzige Tote die wieder lebendig auftaucht. Virgil Widrichs Film „Die Nacht der 1000 Stunden“ ist ein Spiel mit der Zeit – die Vergangenheit kehrt mit den Ahnen zurück an den Familientisch.

Der Körper als Depot der Geschichte Eszter Salamon baut Monumente, die Choreografie und Tanz als Teil der historischen Entwicklung zeigen sollen. "Monumentum 0 - haunted by wars (1913-2013)" beschtigte sich mit Kriegstänzen von den Kriegen der vergangenen 100 Jahren betroffenenen indigenen Vökern. In einem düsteren, eindrucksvollen Szenarion bot die Choreografin einen Blick auf die unsichtbare Welt der Tanzgeschichte. Mit Tanzgeschichte ganz anderer Art, persönlich, intim, auch witzig kommt nun das Monument 0.1 auf die Bühne des Tanzquartier. "Valda & Gus" ist das Porträt zweier weltberühmter Tänzer, die nahezu ein ganzes Jahrhundert des Tanzes erlebt haben. Sie sind alt, können aber auf der Bühne immer noch faszinieren.

Mit seinem Programm „Artist at Resort“ (AAR) begleitet Bert Gstettner Tanz- Performance- und Choreografie-Schaffende bei der Ausarbeitung neuer Projekte und stellt ihnen auch die Ressourcen des Tanz*Hotel Ressorts zur Verfügung. Drei bis fünf Künstler_innen oder Gruppen werden pro Residenzzeitraum ausgewählt und nach intensiver Arbeit ihr Werk zu präsentieren.

Anfang Dezember wird der Textilkünstlerin Ursi Fürtler im Rahmen eines Festaktes das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik verliehen. Die Laudatio hält der Maler Leander Kaiser. Zahlreihe Künstler_innen sind geladen. Nur der Bundespräsident wird fehlen, weil Österreich zum Zeitpunkt der Verleihung noch keinen haben wird.

Zwei Tanzstücke fasst die Linzer Ballettchefin Mei Hong Lin unter dem Titel „Die kleine Meerjungfrau“ zusammen. Franz Schrekers für den Tanz geschriebene kurze Komposition „Geburtstag der Infantin“ wird mit Alexander von Zemlinskys symphonischer Dichtung „Die Seejungfrau“ kombiniert. Im Linzer Musiktheater am Volksgarten reagiert das Publikum hellauf begeistert.

Mit ihrer neuen Vorstellung, „everything is in everything“ zeigt die tanzende Choreografin Elizabeth Ward im brut was Ballett und Techno verbindet. Der Techno-Künstler AC/Boy (Marcos Rondon) versetzt sich zuerst selbst und allmählich auch die vier Tänzer_innen samt dem Publikum in eine Art Trance. Alle werden eins.

Der englische Autor Magnus Mills ist in seiner Heimat hochgeschätzt, diesseits des Ärmelkanals ist der 60järge kaum bekannt. Lediglich sein jüngster, der achte, Roman ist, übersetzt, im Buchhandel zu haben. Für den Rest muss man schon die Antiquariate bemühen. „Das Paradies möglicherweise“ ist eine metaphorische Geschichte über Besiedelung und Landnahme, Territorialkämpfe und das Leben miteinander. Eine eher langweilige Erzählung in einfachem Stil.

7000 blau schimmernde Plastikflaschen sind die bewegten Hauptdarsteller in der installativen Tanzperformance vono Gervasi. Hannah Timbrell, Anni Kaila, Katharina Illnar und Dominik Feistmantl treten in Beziehung zu den Objekte. Als Work in Progress wurde die Performance bereits an unterschiedlichen getestet. Die Premiere des neuen Tanzstückes "conseQuENCE" findet am 25.11. in der Aula der Akademie der bildenden Künste statt.

An zwei Wochenenden im November 2016 treffen Künstler_innen, Theoretiker_innen und Kulturschaffende aus unterschiedlichsten Geografien des erweiterten arabischen Raumes - der MENA Region - und Europas im Tanzquartier zusammen, um über das Trennende und das Verbindende zu diskutieren. „out of b/order“ ist das Motto des Festivals. Ein neues Territorium könnte gefunden werden, das es möglich macht, dass die Differenz zur Komplizin wird.

Der Vorhang geht auf und ich wähne mich im Mariinski Theater: Klassik pur, Spitzentanz in weißen Tütüs. Der Erste Teil des dreiteiligen Abends mit der Premiere von Edwaard Liangs viel getanzter Choreografie „Murmuration“ und der Uraufführung des neuen Balletts von Daniel Proietto, „Blanc“, zeigte das Beste gleich zu Beginn: George Balanchines Ballett „Sinfonie in C“ zu Georges Bizets Sinfonie in C-Dur. So schön, ja erlesen und fein habe ich Balanchine noch nie an der Staatsoper gesehen. Wieder ein Beweis für die exzellente Arbeit von Ballettdirektor Manuel Legris.

NadaLokal nimmt den Monat der Fotografie zum Anlass sein 7-jähriges Jubiläum in Form einer Fotoausstellung, eines täglichen Performance-Programms und der Veröffentlichung eines Katalogs von 2009 bis 2016 zu feiern. Zwischen 2. und 8. November 2016 wird ein Off-Space Performance Festival entstehen. Künstler_innen wie Daniel Aschwanden, Carla Bobadilla, Alix Einaudy Michikazu Matsune, Linda Samaraweerová, Oleg Soulimenko, Elisabeth Ward oder Veronika Zott (um nur einige zu nennen) stehen auf dem Programmzettel.

Mucksmäuschenstill lauschende Kinder, entzückte Eltern: Georg Friedrich Haas hat Mira Lobes berühmtes und heiß geliebtes Kinderbuch „Das kleine Ich bin Ich“ vertont. Darsteller_innen und die Musiker_innen des Klangforum Wien unter Bas Wiegers umsichtiger Leitung erzählen die Geschichte vom bunten Tier, das so gerne irgendwo dazugehören will, aber nicht genau weiß, ob es ein Frosch, ein Pferd oder ein Fisch ist. Am Ende wissen es auch die Kinder im Dschungel: „Das kleine Ich bin Ich!“.

„Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren …” unter diesem Motto von Pina Bausch steht die zweite Staffel der Dokumentationsreihe „Let’s dance!”, die sich in drei Teilen den Tanztraditionen der ganzen Welt widmet. „Let’s dance!” nähert sich dem Tanz über drei große Kategorien: dem Gruppentanz, dem Paartanz und dem Solotanz. Hautnah geht die Kamera an die Tänzer_innen heran und zeigt so, wie viel Sinnlichkeit und Freude, aber auch Disziplin, Angst und Zweifel mit dieser einzigartigen Kunst verbunden sind.

Im Rahmen des Festivals Salam Orient ist auch die palästinensische Tanzformation Diyar Dance Theatre mit jungen Tänzerinnen aus Bethelehm der Einladung gefolgt. Im Dschungel zeigte das aus sechs Jugendlichen zwischen 13 und 16 bestehende Ensemble, wie es ihnen in Bethlehem geht und wie ihnen zumute ist. Den Tänzer_innen steht eine breite Gefühlspalette und erstaunliche Ausdruckskraft zur Verfügung.

Mit dem Roman „Letzte Freunde“ hat Jane Gardam, Doyenne der britischen Literatur, ihre Trilogie über die Raj-Waisenkinder, die in den britischen Kolonien geboren wurden und später in England in die Schule gingen, beendet. Die Eltern hatten Leben und Arbeit weiterhin in Asien, die Kinder lebten bei Gasteltern und hatten meist schmerzhaftes Heimweh. Auch als Erwachsene, wenn sie längst in England lebten, blieben die Herzen in Asien.

Die MAK-Ausstellung „Firma Goldscheider. Wiener Keramik 1885–1938“ würdigt eine der bedeutendsten Wiener Keramikmanufakturen. 80 Exponate geben Einblick in die bunte Produktpalette, die die renommierte Keramikproduktion einer breiten Klientel äußerst erfolgreich anbot. Die ausgewählten Prunkstücke der figuralen Keramik aus der MAK-Sammlung Glas und Keramik verdeutlichen, weshalb der Name Goldscheider, der zeitweise sogar synonym für „Wiener Fayencen“ verwendet wurde, noch heute viele Sammlerherzen höherschlagen lässt.

Die Tänzerin und Choreogafin Doris Uhlich hat  mit dem Tänzer und Choreografen Michael Turinsky eine Performance erarbeitet, die das Publikum toben lässt. In „Ravemachine“ lässt sich Turinsky  von Rhythmus und Sound, teilweise aus den Geräuschen des Rollstuhls Turinskys gesampelt, hinreißen, tanzt sitzend und auf eigenen Beinen und zeigt seine höchst eigene Körpersprache. Choreografin Uhlich tanzt mit ihm im brut.

„Lavenir“, die Zukunft, nennt Mia Hansen-Løve ihren jüngsten Film. Eine langjährige Ehe geht in die Brüche, der Mann hat eine andere gefunden. Nathalie ist überrascht, weiß nicht wie es weitergehen soll, zumal er mit den ihr wichtigen Büchern ihr halbes Leben mitgenommen hat. Nicht was passiert, eigentlich passiert ohnehin nichts, sondern was diese Einbrüche von Trennung und Scheidung mit Nathalie machen, erzählt der Film.  Isabelle Huppert ist die Darstellerin der Philosophie-Professorin Nathalie; André Marcon spielt Heinz, den untreuen Ehemann, Roman Kolinka den einstigen Lieblingsschüler.

Paul Wenninger bewegt sich vom Tanz zum Objekt und ist einstweilen beim Film und der Pixilation-Technik gelandet. Was ist Choreografie? Diese Frage steht für den Tänzer, Choreografen und Filmemacher Paul Wenninger in den letzten Jahren im Vordergrund. Längst beschäftigt sich der 50jährige nicht mehr nur mit dem Bewegen vom tanzenden Körper zur Musik auf der Bühne. Auch starren, stummen Körpern, Objekten, gibt er eine Choreografie.

Gäste sind auf der Wiener Ballettbühne gern gesehen. Vom Publikum, weil es auf jeden Fall etwas zu jubeln hat. Welcher Gast wird nicht als Star angekündigt! Und auch für Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles, weil sie den Vergleich nicht zu scheuen brauchen und studieren können, wie es die anderen machen und sich anfeuern lassen. In der letzten Vorstellung dieser Saison von Manuel Legris‘ „Corsaire“ tanzte Vadim Muntagirov den Conrad und wurde zurecht gefeiert. Seine Partnerin als Mé, ebenbürtig, hinreißend und wie immer perfekt: Liudmila Konovalova.

In der Galerie Gerersdorfer sind bis zum 19. November 2016 neue Arbeiten der Malerine Hildegard Stöger zu sehen. Zur Eröffnung am 20. Oktober spricht in Anwesenheit der Künstlerin Leander Kaiser.  Nach dem Studium an der Akademie für angewandte Kunst und an der Akademie der bildenden Künste sowie Arbeits- und Studienaufenthalten in New York lebt die aus  Linz stammende Künstlerin, Jahrgang 1952,  in Wien. Seit 1985 stellt sie regelmässig in der Galerie Gerersdorfer aus.

Das hört man gern: Die Künstlerin Patti Smith liebt Wien und auch die Viennale. In diesem Jahr gibt sie nicht nur ein Konzert im Gartenbaukino, sondern zeigt auch 28 ihrer Fotografien im Metro Kinokulturhaus. Im Übrigen bietet das 54. Filmfestival, zwischen 21. Oktober und 2. November 2016, was wir gewohnt sind: Filme, Filme, Filme, kurz oder lang, erzählend oder dokumentierend, Tributes, Retrospektiven und einige Spezialprogramme. Das umfangreiche Rahmenprogramm mit Diskussionen, Lesungen und künstlerischen Interventionen gehört auch dazu, sowie das Festivalzentrum auf der Dominikanerbastei mit Party und Konzert bis zwei Uhr früh.

In einem Glaskasten liegt ein zuckender Fleischklumpen. Viel Platz ist nicht, 1,44 qm, 1,20 m hoch.Dass es eine Frau ist, die da splitternackt auf dem Boden liegt, ist durch das Video im Hintergrund zu erfahren. Schöne Bilder sind das, einmal war alles noch heil. Jetzt scheint alles aus, Dunkelheit, totale Leere. „Void“ nennt Leonie Wahl Ihre choreografische Erzählung. Gemeinsam mit dem bildenden Künstler Robert Fleischanderl hat sie eine „Dance & Visual Arts Performance“ konzipiert und im Off-Theater gezeigt. Eine beeindruckende und spannende Arbeit.

Das Wissen Macht ist, und auch Geld, das wissen wir schon lange. Dass Forschung und Wissenschaft auch als große Show daherkommen, erleuchtet uns den TV-Abend. Wir vergnügen uns mit den Science Busters und meinen gescheiter geworden zu sein. The Loose Collective betrachtet diese Entwicklung mit skeptischem Vergnügen und zeigt in einer unterhaltsamen Performance mit Text und Ton und Tanz, wie wissenschaftliche Fakten präsentiert und umgedeutet werden können. Eine Unterrichtsstunde mit Intelligenz, Witz und Ironie, in Musik, Gesang und Tanz eingewickelt. Eine fröhlich-rasante Show.

Der Orpheus-Mythos, erdacht und erzählt von Männern, gehört dem Mann. Eurydike, die durch einen Schlangenbiss getötete Gattin des Sängers Orpheus, bleibt im Hintergrund, passiv. Schließlich verpatzt der angeblich so sehr liebende Gatte ihre Rückkehr aus dem Reich das Hades. Eurydike bleibt unten. Elfriede Jelinek meint, das will sie auch. Sabine Mitterecker hat den Monolog, ein endlos kreisendes, auf- und abschwellendes Schimpfen und Jammern, in der riesigen Halle des F 23 großartig umgesetzt.

Schrecken der Nacht. Teufel und Schlangen, Spinnen und Drachen, Totenköpfe, schwarze Masken, drohende Schatten, Sintflut. Ein Albtraum. Man fährt hoch und weiß nicht wo man ist, hat die Kontrolle verloren, ist schwach. Beklemmung und Angst. Schweißausbruch. Für das kunsthistorische Museum hat der Keramikkünstler und Autor Edmund de Waal eine Wunder- und Schreckenskammer eingerichtet. Tod und Teufel beherrschen den dämmerigen Raum, aber auch so manches Zaubermittel, Furcht und Schrecken zu bannen.

Inspiriert durch Steve Paxton und seine Untersuchungen zu Variation und Improvisation, die der Tänzer und Choreograf in den 1980er Jahren zur Musik der „Goldbergvariationen“ von Johann Sebastian Bach gezeigt hat, hat der Tänzer und Choreograf Daniel Aschwanden die musikalische und inhaltliche Klammer der Bachschen „Clavier Übung“ übernommen, um ein Jahr lang im öffentlichen Raum aufzutreten. 24 Stunden dieser Performance Aschwandens werden im Oktober 2016 zu genau definierter Zeit und am festgelegten Ort, dem internationalen Busbahnhof neben der U3-Haltestelle Erdberg, gezeigt.

„untitled (look, look, come closer“ behandelt mit den Mitteln von Performance, Musik und Text, die Themen die durch die Medien längst weit weg gerückt sind und nur noch als virtuelle Show erlebt werden: Krieg und Terror, Gewalt und Willkür. Christine Gaigg hat  mit sechs Performer_innen ist ein „Bühnenessay“ (Gaigg) geschaffen, der, obwohl kühl und sachlich dargeboten, in einer knappen Stunde Beklemmung und Schrecken und  auslöst. Nach der Uraufführung im 21er Haus im Rahmen des  ImPulsTanz Festivals 2015 , wird die Performance nun im Atelierhaus der bildenden Künste, dem ehemaligen Semperdepot, wieder gezeigt.

Die Salzburger Tänzerin / Choreografin macht auf ihrer internationalen Tournee auch Station in Wien. Im Raum 33 der Company Gervasi zeigt sie zwei ihrer jüngsten Produktionen: „Das Chamäleon aus 1001 Nacht“, uraufgeführt 2015 und „Bluff“, eine aktuelle Produktion. Helene Weinzierl /cieLaroque ist nur am 28. Und 29. Oktober im Raum 33 zu sehen.

Die vorletzte Vorstellung dieser Saison des dreiteiligen Ballettabends mit Werken von Hans Van Manen, jiři Kylián hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Enttäuschend diesmal der Beginn: „Adagio Hammerklavier“ für drei Paare von Hans Van Manen. Trost und Freude spenden hingegen zum Abschluss des Abends die wunderbaren, „schönen Figuren“ in Jiří Kyliáns Ballett „Bella Figura“. Nicht zu leugnen ist der Publikumserfolg von Alexander Ekmans „Cacti“. Alle drei Stücke wurden brav mit freundlichem Applaus bedankt.

Mit dem Pilotprojekt „Calibrate“ für frisch graduierte Tänzer- und Performer_innen soll im Tanzquartier ein Übergang vom Studenten- ins Berufsleben geschaffen werden. Kennenlernen, Austauschen, gemeinsam Arbeiten mit Choroegraf_innen steht im Vordergrund. Am Ende steht ein Abend, an dem die Beteiligten eine in der Gruppe erarbeitete Choreografie zeigen. Alix Eynaudi, Ian Kaler, Paul Wenninger haben mit den Absolvent_innen von IDA / Linz, MUK / Wien und SEAD / Salzburg gearbeitet und sie auf ihr Debüt im Tanzquartier vor Publikum vorbereitet.

Inmitten einer Bombenbesetzung tanzt der Halbsolist Alexandru Tcacenco, geboren in Chisinau / Moldawien, den Sklavenhändler Lanquedem im Ballett "Le Corsaire". Er schlägt sich wacker. Elektrisierend, wie bereits gewohnt, Denys Cherevychko (Conrad); Nina Poláková (Médora), Nina Tonoli (Gulnare). Keineswegs im Abseits: Masayu Kimoto und Ioanna Avraam (das Liebespaar Birbanto / Zulméa). Ein Erlebnis, nicht nur für den überquellenden Stehplatz, eine Enttäuschung für jene, die mit dem Zettel „Suche Karte“ vor der Oper ihr Glück nicht finden konnten.

Wie die Sonne und der Mond, die Erde und die Lebewesen darauf entstanden sind, das wird zur Einführung erzählt und später sinnlich erfahrbar gemacht. „Genesis Park“, von der formlosen Formatierung Makemake erdacht, eingerichtet und hergezeigt, ist ein Megaunternehmen, aufregend, anregend, umwerfend, mit Tanz und Poesie, ständigen Geräuschen, die meist die gesprochenen Wörter übertönen, voll Überraschungen und neuen Erfahrungen. „Genesis Park“ im F 23, das ist Wow!

Zwei Frauen erinnern sich. Zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können. Die eine, Katia Mann, Muse, Sekretärin, Ehefrau eines großen Dichters, die andere, eine Wiener Filmschauspielerin, die in den 1940er Jahren Hollywood-Karriere gemacht hat, sechs Mal verheiratet war und bald in der Versenkung verschwand. Der Dramatiker Helmut Korherr hat den beiden Damen je einen Mnolog gewidmet. Erika Deutinger ist Katia Mann, Christian Spatzek Hedy Lamarr, geboren als Hedy Kiesler. Ein ebenso unterhaltsamer wie eindrucksvoller Abend im KiP – Kunst im (Café) Prückel.

Mit „Mary“ vollendet Aris Fioretos sein griechisches Triptychon. Es ist die Geschichte einer jungen Architekturstudentin, die gerade erfahren hat, dass sie schwanger ist und am selben Tag während eines Studentenaufstandes verhaftet wird. Griechenland i1973, m letzten Jahr der Militärregierung. Mary landet im Gefängnis, eine Anklage gibt es nicht. Sie erzählt selbst von ihrem Jahr der kaum vorstellbaren Qualen und ihrem mit Bedacht gefassten Entschluss, um nicht zum Tier, zur Ratte, zu werden.

Orpheus will seine verstorbene Eurydike aus dem Reich des Hades zurückholen. Will sie auch mit ihm gehen?  Elfriede Jelinek  lässt in "Schatten (Eurydike sagt)" die Betroffene selbst reden. Ihr ist das Schattenreich lieber als die grelle Welt. Sabine Mitterecker inszeniert den Text als Drei-Personen-Stück.

Die Blase ist geplatzt. Die Rezession hat auch das kleine Dorf in Irland erreicht. Die örtliche Baufirma, die das gesamte Dorf ernährt hat, ist pleite, der korrupte Jungchef hat sich abgesetzt. Die Abgaben an die Behörden hat er behalten, die Löhne ist er schuldig geblieben. Aus 21 Stimmen formt Donal Ryan das differenziertes Portrait einer Gemeinschaft zwischen Wut und Angst.

Im dunklen Saal leuchten nur die Gesichter der jungen Darsteller_innen, angestrahlt von ihren Handy-Displays. Noch wird gekichert und geschwätzt im Saal, auf der Bühne ist es still. Sanft schaukeln die Mädchen und Buben auf den Strickleitern. Dann brandet auf der Bühne Lachen auf, das lässt die Schülerinnen und Schüler, manche kennen die Mitspieler_innen aus der Schule, verstummen. Jetzt hat die Bühne die ganze Aufmerksamkeit und das bleibt so, 70 Minuten lang, wenn sechs Mädchen und Buben das spielen und tanzen, was sie bewegt. „Running Wild“ eröffnet die neue Saison im Dschungel mit Corinne Eckenstein als Direktorin.

Der dreiteilige Abend mit Werken von Hans van Manen, Jiří Kylián und dem jungen Choreografen Alexander Ekman ist nach der Premiere in der vergangenen Saison wieder auf dem Spielplan des Wiener Staatsballetts. Aufgefrischt und mit einigen Neubesetzungen. Zwei unsterbliche Werke der Neoklassik rahmen die Choreografie eines Meteors am Tanzhimmel ein. Also ein Abend, der jedem Geschmack etwas bietet, kühle Körpergeometrie, betörende Erotik und frohes Hüpfen in der Mitte. Das Publikum liebt die mehrteiligen Abende, sagen die Auslastungszahlen.

Das von Aline Kristin Mohl und Regina Picker eingeführte und bestens gepflegte Format des Performance Brunch hat wieder mal im Wiener Volkskundemuseum stattgefunden und weil sämtliche Schwellen eingeebnet sind, kommen Interessierte jeglichen Alters, um mit allen Sinnen zu genießen. Seit 1917 befindet sich das Museum mit seiner reichen Sammlung im Gartenpalais Schönborn und das – Haus und Garten – macht die kulinarisch unterstützten Vorführungen besonders delikat.

Ein Blick in die Zukunft. Als Höhepunkt des Ausstellungssommers 2017 zeigt das Museum der Moderne Salzburg eine Werkschau des international gefeierten Künstlers William Kentridge. Die Ausstellung wird sich über beide Häuser, Mönchsberg und Rupertinum, erstrecken und in einer eigenen Sektion erstmals die Theater- und Opernarbeit von Kentridge berücksichtigen

Schön öfter hat Yosi Wanunu, künstlerischer Leiter der von ihm mitbegründeten Formation toxic dreams, gezeigt, dass er ein Verehrer des Kinos in seinen Anfängen ist. Diesmal lässt er die in den 1930er Jahren in den USA überaus populäre Screwball-Komödie wieder aufleben. Wie in dem Hollywood Genre geht es um die Unvereinbarkeit von Gegensätzen. „Thomas B. or Not“ im brut, ist eine Komödie über das Theater. Avantgarde oder Mainstream, Off-Theater oder städtische Bühne! Sie und Er können sich auch in zwei Stunden nicht einigen. Was dem Publikum großes Vergnügen bereitet und es sich, wie jedes Premierenpublikum, hell begeistert und quietschend bedankt.

Mit einem gut gemischten Abend eröffnete das Ensemble unter Sasha Waltz die Tanzsaison im Festspielhaus St. Pölten. „Sacre“ nennt die Choreografin den dreiteiligen Abend, der mit Debussy beginnt und nach Berlioz samt Pause Waltzs Interpretation von Igor Strawinskys unsterblicher, hundertjähriger Ballettmusik „Le sacre du printemps“ zeigt. Schon in der Einführung hat Intendantin Brigitte Fürle dem Auditorium klar gemacht, wer Sasha Waltz ist, „in Deutschland die Größte“. Da weiß man was man bekommt. Dementsprechend enthusiastisch ist der Applaus.

Die Entstehung der Welt, von Tier und Mensch in zweieinhalb Stunden. Ein Experiment. Makemake will die großen Rätsel der Menschheit lösen, erforschen ob die Katastrophen der Erdgeschichte vielleicht Wunder sind, die Sackgassen und Irrwege entdecken, die auf dem Weg liegen. Die abenteuerliche Reise durch die Evolutionsgeschichte endet nach munterer Belehrung und unvermuteten Entdeckungen im Genesis-Park, im neuen Spielort F 23. Mit dem Urknall wird gestartet, wenn die Reise durch die Evolution beginnt. Makemake führen durch die Entwicklung der Welt und landen im erlebnisreichen Genesis Park.

Alles perfekt im bis auf den letzten Platz gefüllten Haus. Nina Poláková debütiert glanzvoll als Médora; Natascha Mair tanzt ebenso glänzend zum ersten Mal die Gulnare. Denys Cherevychko ist der wilde, verliebte Korsar schlechthin und Ioanna Avraam entzückt mit Partner Masayu Kimoto (Birbanto) als Zulméa.

In ihrem neuen Roman, „Das Wasser unserer Träume“, erzählt Maria Bodrožić von einem namenlosen Mann, der mit einem Locked-in-Syndrom im Bett liegt. Er kann sich an nichts erinnern, hat sich quasi selbst verloren, weiß weder wo er ist, noch wer er ist. Niemand in seiner Umgebung bemerkt, dass er in seinem Körper lebt, denkt, fühlt und träumt, nur nach außen dringt nichts.

Die gelungene Inszenierung der Stubenoper des bayerischen Kabarettisten Georg Ringsgwandl durch Dora Schneider mit Linde Prelog als so verwirrter wie bewusster Altbäuerin hat im Herbst des Vorjahres im KosmosTheater das Publikum so begeistert, dass sie weder aufgenommen wird. Was urkomisch mit Spiel und Gesang und gut gesetzten Pointen beginnt, endet in bedrückender Realität. Schonungslos kritisiert Ringsgwandl die Gesellschaft in Stadt und Land.

Tänzerinnen, Derwische, Vortragende, Poeten und natürlich Musikanten treten auch heuer wieder beim alljährlichen Festival der Kulturen „Salam.Orient“ auf. Die Künstler_innen kommen aus dem Irak und Iran, aus Palästina und der Türkei, manche sind auch in Österreich beheimatet. Sie treten an verschiedenen Spielorten auf, machen Musiktheater für Kinder im Haus der Musik oder lesen aus ihrem Roman über das schwierige Leben im Gazastreifen in der Hauptbücherei.

Die Volksoper eröffnet die Ballettsaison 2016/17 mit der beim Publikum überaus beliebten Choreografie „Die Schneekönigin“ von Michael Corder. Am 24. September wird die Erste Solotänzerin Ketevan Papava zur Musik von Sergej Prokofjew die Titelrolle zum ersten Mal tanzen. In den Rollen des jungen Liebespaares, das von der eisigen Königin getrennt wird, sind Solotänzerin Alice Firenze mit dem mehrfach preisgekrönten Ersten Solotänzer Davide Dato zu genießen.

23 Romane hat die Amerikanerin Jodi Picoult bereits geschrieben. Alle sind erfolgreich und für nahezu alle verwendet sie das gleiche Rezept: Fakten und Fantasie werden zu einer spannenden leicht zu lesenden Geschichte gemischt. In dem jüngst übersetzten, „Die Spuren meiner Mutter / Leaving Time“ erzählen die Personen der Handlung selbst. Nur die Elefanten, die eine zentrale Rolle in dem Roman spielen, können nicht sprechen. Über sie berichtett Alice, die Mutter der 13jährigen Jenna, die auf der Suche nach ihr ist. Niemand weiß, ob Alice nicht schon lange tot ist.

Mit einem fulminant getanzten „Corsaire“ in der Choreografie von Manuel Legris hat das Wiener Staatsballett die neue Saison eröffnet. Solotänzerin Nina Tonoli brilliert als Gulnare im ersten Akt, die Erste Solotänzerin Maria Yakovleva im zweiten als Médora, alle beide im „lebendigen Garten“ des dritten. Robert Gabdullin, Conrad, der Korsar, hat in der Sommerpause einiges an Temperament gewonnen. Der Applaus im ausverkauften Haus war heftig.

Veronika Glatzner hat Franz Kafkas unvollendeten Roman „Der Prozess“ gelesen und ließ sich inspirieren. Zu einem Theaterabend über und mit den Frauen, die, nicht nur Franz K., die Hauptfigur, umschwärmen. In ihrer ersten Regiearbeit, zeigt die viel gelobte Schauspielerin auch in der Teamführung Talent. Präzise wird das vierköpfige weibliche Ensemble, ,Ks Frauen“, geführt, perfekt wird die Bühne genützt, die gar keine ist sondern eine leestehende Wohnung, aufs Feinste wird das Publikum unterhalten und mitunter auch einbezogen. Vierte Wand gibt es keine und die geht auch nicht ab.

Seit zehn Jahren gibt es das Off-Theater, ein Spielort in der Wiener Kirchengasse. Anlass genug um es den Großen gleich zu tun und eine Pressekonferenz zu Saisonbeginn zu veranstalten. Permanent angesiedelt im Off-Theater sind das bernhard ensemble und die Märchenbühne Apfelbaum. Für die Märchenbühne und Gastspiele steht die Off.Open.Box zur Verfügung; Eigen- und Koproduktionen werden in der Off.White.Box gezeigt.

Maria Yakovleva, Erste Solotänzerin des Wiener Staatsballetts, erhielt Anfang September 2016 auf der italienischen Insel Capri für ihre Darstellung der Médora in Manuel Legris’ Choreografie „Le Corsaire“ den Premio Capri Danza. Zugleich hat auch der Erste Solotänzer Davide Dato für seine Interpretation des Basil in „Don Quixote“ (Choreografie: Rudolf Nurejew) den Capri Tanzpreis erhalten.

Mit einer schwarzen Komödie eröffnet das brut die Saison 2016/17. Mit Wiener Performancegruppe in der Regie von Yosi Wanunu will sich einen Jux machen – über alles und alle. „Thomas B or Not“ schnurrt in der bekannter und beliebten Manier der giftigen Träume ab. Auch die renommierten Gruppen Rimini Protokoll und Showcase Beat Le Mot und einige mehr haben sich für die beiden Eröffnungswochen angesagt.

Im Volkskundemuseum findet zum sechsten Mal ein Performance Brunch Real statt. „Flausn Real“ ist die Klammer, die geistige und körperliche Nahrung zusammenhält. Zeitgenössische, performative Kunst und Essen und Trinken für die ganze Familie. Aline Kristine Mohl und Regina Picker haben das Format 2014 entwickelt und seitdem perfektioniert. In Kooperation mit dem Volkskundemuseum werden nicht nur die Räume sondern, wenn es das Wetter erlaubt, auch der Hof. In den Pausen kann man durch den Garten wandern.

Was den Tanz betrifft, so ist Kärnten keineswegs ein grünender Garten, eher eine ziemlich trockene Wüste. Weder in Spitzenschuhen noch ganz und gar ohne Schuhe, weder im bunter Hülle noch im Nacktkostüm: In Kärnten haben es Tanz und Performance (samt allen Ausübenden) eher schwer. Das soll sich jetzt ändern. Die 1. Tanzwochen Klagenfurt wollen die Kunst des bewegten Körpers einem großen Publikum nahe bringen. Das klug gewählte Programm dieser 1. Tanztage wird vom 20. September bis 1. Oktober in Klagenfurt gezeigt.

Dschungel, das Theaterhaus für junges Publikum im Museumsquartier, beginnt die Saison 2016/17 unter neuer Leitung. Corinne Eckenstein hat den 12 Jahre als künstlerischen Leiter amtierenden Stephan Rabl abgelöst und die künstlerische Leitung übernommen. Die kaufmännische Leitung obliegt Alexandra Hutter. Am 23. September wird der neue, wilde Dschungel mit zwei Produktionen feierlich eröffnet.

Zum 38. Mal finden in Mistelbach im Weinviertel die internationalen Puppentheatertage statt. „Magische Orte“ lautet das Motto für Erwachsene und Kinder. Vom 21. bis 26. Oktober gastieren 16 Theatergruppen aus 12 Ländern. Dänemark und Kroatien sind ebenso zu Gast wie Frankreich und Italien oder Malaysia und Neuseeland. An sechs Festivaltagen werden in Mistelbach und Umgebung 24 ausgewählte Inszenierungen für unterschiedliche Altersgruppen, vom Krabbelkind bis zur Großmama, gezeigt.

Der Schriftsteller und Dramatiker Bruno Pellandini, geboren 1966 in St. Gallen, lebt seit mehr als 20 Jahren in Wien. Mit seinem jüngsten Roman hat er den Echtheitstest bestanden: Pellandini ist längst ein Wiener mit Charme und Witz und guter Ortskenntnis. Die romantische Geschichte zwischen Pernilla und Ildefons ist köstlich wie das Nougatkonfekt, dessen Namen der männliche Protagonisten trägt: Ildefonso.

Die erste umfassende Biografie der großen schwedischen Malerin Helene Schjerfbeck. Barbara Beuys hat intensiv recherchiert, hat mit Zeitzeuginnen gesprochen, Briefe studiert und die Orte, an denen Helene Schjerfbeck gelebt und gearbeitet hat, besucht. Eine erstaunliche, spannende Geschichte über eine bedeutende Künstlerin und ihren Lebensraum, die außerhalb Skandinaviens noch zu wenig bekannt ist.

Aus einer eindrucksvollen Ausstellung des Salzburger Museums der Moderen im Rupertinum, die beiden Wiener Tänzerinnen Tilly Losch und Hedy Pfundmayr (1920 bis 1935 ) gewidmet war, ist ein Fotoband mit fachkundigen Textbeiträgen entstanden. Als „Beitrag zur Geschichte der Fotografie in Öterreich (Band 7)“ ist der Band im Photoinstitut Bonartes erhältlich.

Ein Mann in den besten Jahren, zu Hause in einem Schweizer Dorf, denkt über das Leben nach, seines und das allgemeine, also kurz über die Welt und sogar über Gott. Alles in allem kommt er, gelassen und weise zu dem Schluss: „Das Leben ist gut.“ So nennt Alex Capus auch die zusammengefassten Gedanken, Betrachtungen und Träume des Autors Max, der die Altglasentsorgung zu seinem Hobby gemacht hat. Ein Genuss für alle Anbeterinnen des feschen Schweizer Normannen.

Ein Mörder geht um, niemand kennt ihn, doch er kennt sie alle, hat er doch seine Jugend in dem schweigenden Dorf verbracht. Die Leserinnen kennen ihn auch, denn er erzählt seine Geschichte selbst und auch wenn uns noch so graut, wir verstehen den „nackten Mann, der brennt“, innen drinnen und bald auch außen mit Haut und Haar.

Das Festival Impulstanz 2016 verabschiedet sich mit einer großartigen Produktion der belgischen Theaterzauberer. In bunten, seidenen Boxermänteln, bestickt mit ihren Namen am Rücken, ziehen sie in den Zuschauerraum ein. Grace Ellen Barkey, Gründerin der Needcompany zusammen mit Mastermind Jan Lauwers, sagt leise: „Hello, I‘m Grace“. Sie springt auf die Bühne, ergänzt ihren Nachnamen, und daraus entspinnt sich ein höchst kunstfertiges Stakkato von Rufen „Grace Ellen Barkey“, den auch die anderen Spieler skandieren.

Am letzten Vorstellungsabend des ImPulsTanz Festivals 2016 sagte der mehrfach talentierte Künstler Michikazu Matsune „Good bye“, nicht mit eigenen Worten sondern mit fremden Abschiedsbriefen. Ein von heiterer Komik zu erschütternder Tragik pendelndes perfektes Kammerspiel. Der Applaus signalisiert Begeisterung, Matsune hat nicht die Absicht ihn unnötig auszudehnen, verneigt sich, verschwindet. Seine Fans pfeifen und kreischen nicht – wie angenehm.

Mit einer Leica ist Peter Reichert, Grafiker und Fotograf, durch Wien spaziert und hat auf den Auslöser gedrückt. Ein Bildband der anderen Art ist entstanden: Mit Bildern, wie sie nur der fremde Blick entdeckt, in Schwarzweiß. Linde Prelog hat dazu ebenso ausgefallene und anregende Texte gemacht.

Philipp Blom ist vor allem als international tätiger Journalist und Autor kulturhistorischer Werke bekannt. Als solcher hat er auch zahlreiche Preise abgeräumt, auch als Moderator der Ö1-Nachmittagssendung „Von Tag zu Tag“ ist er mitunter zu hören. Mit seinem jüngsten Roman kann ich mich nicht anfreunden. Ein Mann um die Lebensmitte schreibt seinem Sohn einen endlosen Brief, in dem er von seinem bisherigen Leben erzählt. Übergag: Der Sohn darf diese Bekenntnisse erst lesen, wenn er so alt ist wie der Autor zum Zeitpunkt des Schreibens.

In einer dramatisierten Dokumentation erzählt Richard Curson Smith von der aufregenden Flucht des Tänzers und Choreografen Rudolf Nurejew aus den Fängen des KGB. ARTE zeigt am 31. August eine gekürzte Fassung des BBC-Doku-Dramas. Rudolf Nurejew war der erste Künstler überhaupt, der sich (1961) in den Westen abgesetzt hat.

Die kanadische Choreografin Marie Chouinard und ihre Compagnie nehmen den 500. Todestag des niederländischen Malers Hieronymus Bosch zum Anlass, sein Triptychon „Der Garten der Lüste“ lebendig werden zu lassen. Die Aufführung, nur wenige Tage nach der Uraufführung beim Theaterfestival Boulevard’s Hertogenbosch in Boschs Geburtsstadt wurde die Aufführung im Volkstheater in der letzten Woche des ImPulsTanz Festivals heftig bejubelt.

Die kanadische Choreografin Marie Chouinard und ihre Compagnie nehmen den 500. Todestag des niederländischen Malers Hieronymus Bosch zum Anlass, sein Triptychon „Der Garten der Lüste“ lebendig werden zu lassen. Die Aufführung, nur wenige Tage nach der Uraufführung beim Theaterfestival Boulevard’s Hertogenbosch in Boschs Geburtsstadt wurde die Aufführung im Volkstheater in der letzten Woche des ImPulsTanz Festivals heftig bejubelt.

Liquid Loft / Chris Haring zeigt mit „Candy’s Camouflage“ den dritten Teil der Imploding Portraits Inevitable als einen der Höhepunkte von ImPulsTanz im Akademietheater. Teil III der Serie Imploding Portraits Inevitable erhielt wie auch die vorangegangenen Performances ungeteilte Zustimmung.

Dynamisch, rasant, ohne störende Worte und ziemlich lang wirbelte Wim Vandekeybus‘ Kult-Compagnie Ultima Vez kreuz und quer über die Bühne des Volkstheaters. Die TänzerInnen wurden live begleitet vom flämischen Musiker Mauro Pawlowski und Band, die schon einmal ordentlich aufrockten, laut und mitreißend. Frenetischer Jubel für die ImPulsTanz-Stammgäste, die mit maximalem Einsatz und großem Können beeindruckten.

Der amerikanische Tänzer und Choreograf Trajal Harrell nimmt das Solo des Buto-Meisters (1906–2010) Kazuo Ohno. „Admiring La Argentina“ (Choreografie von Tatusmi Hijikata), zum Vorwand für eine ziemlich rätselhafte, sehr komische Performance von 30 Minuten. Mit „The Return of La Argentina“ wollte er das Publikum des ImPulsTanz Festivals in der Eingangshalle des Leopold Museums „zu einer fiktionalen Archivierung“ dieses bald 50 Jahre alten Butoh-Tanz-Ereignisses einladen – steht im Programmheft. Was wir, das Publikum, da archivieren sollten, blieb mir verborgen.

Mika Kaurismäki, der ältere Bruder des Kultregisseurs Aki Kaurismäki, hat die rätselhafte schwedischen Königin Kristina und ihre Liebe zu Frauen in den Mittelpunkt seines großartig bebilderten Historienfilms gestellt. Großes Kinovergnügen samt Geschichtsunterricht. Doch nicht alles was Kaurismäki erzählt, muss auch geglaubt werden.

Tanztheater nach Butoh-Art zeigte der japanische Tänzer und Choreograf Ushio Amagatsu und sein siebenköpfiges Ensemble Sankai Juku im Volkstheater. „Meguid – Teeming Sea, Tranquil Land“ nennt er die sieben von elektronischer Musik (Takashi Kako und andere) untermalten Sequenzen, uraufgeführt im März 2015. Auf der staatlich unterstützen Welttournee 2016 machte Sunkai Juku auf Einladung ImPulsTanz auch in Wien Station. Auch die wiedererwachten Schlummernden und Gelangweilten applaudierten nach 80 Minuten begeistert.

Der preisgekrönte spanische Regisseur Carlos Saura (84) lädt zu einer musikalischen Reise quer durch die Argentinische Folklore ein. Wirbelnde Röcke, hypnotisierende Rhythmen, betörende Melodien machen diese Dokumentation zu einem im ganzen Körper spürbaren Erlebnis. Mitreißend, faszinierend und überaus erotisierend. Auch wenn es im Gesang oft um Armut, Verlust und Tod geht, im Tanz geht es immer um die Liebe.

Sina Saberi, 28, gebürtig aus Teheran, Teilnehmer des DancWEB Scholarship Pogramms für zeitgenössischen Tanz und Performance, hat mit Barbara Freitag über die Situation des Tanzes im Iran und seine spezielle Biographie gesprochen. Das danceWEB Scholarship Programme bietet alljährlich mehr als 60 Tänzer_innen und Nachwuchschoreograf_ innen aus rund 40 Ländern ein Stipendium für alle Workshops, Researchprojekte und Performances im Rahmen von ImPulsTanz, sowie ein zusätzliches Mentoring durch einen Artistic Coach. 2016 betreut der Tänzer, Choreograf und bildende Künstler Tino Sehgal die 31 Teilnehmer_innen aus 31 Ländern.

Frank Willens, vielfach talentierter Bühnenkünstler und Peter Stamer, Performer und Regisseur, bringen einen Text von Friedrich Nietzsche zum Tanzen. Vom ImPulsTanz Festival eingeladen, wird das Solo „On Truth and Lie in an Extra-Moral Sense“ im mumok gezeigt. Willens verzichtet auf den Applaus, entschwindet, während das Publikum noch die Bilder der Ausstellung „Painting 02“ betrachtet, auf die Willens zum Abschluss hingewiesen hat.

Die Lieblingskinder der Wiener Tanz- und Performanceszene brachten in erweiterter Runde ihre neue Show „Body + Freedom“ im Rahmen von ImPulsTanz zur Uraufführung. Jedenfalls an diesem Abend im Odeon ohne penetrierende Riesendildos, dafür mit Publikumsbeteiligung, Arsch-Lasershow, rosa Luftballons und blutrünstigem Driller-Killer.

Mit zwei Performances geht das ImPulsTanz Festival in die Oper. Ein ganzer Opernabend im Akademietheater, ein Fragment als perfekte Performance aus Geste und Gesang im mumok. Jule Flierl nimmt für ihre „Operation Orpheus“ Christoph Willibald Glucks barocke Oper „Orfeo e Euridice“ als Basis ihrer Variation; Ivo Dimchev zeigt mit „Operville“ seine Vorstellung von Oper heute – oder morgen. Flierls nur halb so langes Solos, schlägt Dimchevs wenig aufregende Show à trois, durch Klugheit des Gedankens, Intensität der Gesten, Schönheit des Gesangs.

Großer Jubel im Volkstheater, wo Samantha van Wissen und Boštjan den Pas de deux „Verklärte Nacht“ von Anne Teresa De Keersmaeker tanzen. Romantik in kaltem Licht: Musik Arnold Schönberg nach einem Gedicht von Richard Dehmel. Die Produktion von Rosas (De Keersmaekers Ensemble) fällt im Grund genommen aus dem Rahmen des ImPulsTanz Festivals, das gerne dem Anti-Tanz frönt. „Verklärte Nacht“ ist reiner Tanz, schwebend, fließend, narrativ, expressiv, emotional und erotisch. Hinreißend.

Im Dunklen präsentiert der großartige Tänzer aus Brasilien, Thiago Granato, sein erstes Solo in der Serie [8:tension] im Rahmen des ImPulsTanz Festivals im Schauspielhaus. Durch die Zusammenarbeit mit Jefta van Dinther, Mathilde Monnier oder Xavier Le Roy hat er bereits Bekanntheit erlangt. Seine im Dunklen horteten Schätze wurden begeistert empfangen.

Simon Mayer hat mit seinem Team eine besondere Version für Sehbehinderte des Erfolgsstückes „Sons of Sissy“ erarbeitet. Im Rahmen von ImPulsTanz hat er mit Patric Redl, Matteo Haitzmann und Manuel Wagner das Spezialangebot von „Sons of Sissy“ (für Sehbehinderte und Sehende) im Odeon gezeigt. Wie immer und überall konnte das Quartett auch diesmal das Publikum begeistern.

Der Performer und Choreograf Michikazu Matsune zeigt im Rahmen des ImPulsTanz Festivals im Leopold Museum „Matratzen Stücke“. Das kann man so oder so lesen, als Stücke von oder auch über Matratzen. Jedenfalls beschäftigt sich Matsune mit dem, was so auf Matratzen geschieht: schlafen, träumen, lieben, sterben.. Zwei Performerinnen und zwei Performer sind keineswegs einschläfernd und auch das Publikum hat wenig Gelegenheit zu träumen.

Der spanische Tänzer Israel Galván versetzt mit der genialen Kreation „Fla.Co.Men“ das Publikum in Wallung und lässt die Mauern jedes Theaters erzittern. Im Rahmen von ImPulsTanz zeigt er das Solo im Volkstheater. Atemlose Stille während der fulminanten Darbietung und tosender Applaus an deren fröhlichem Ende. Das Titel-Anagramm ist leicht zu entschlüsseln: Galván ist Flamenco, Flamenco auf der Bühne, das ist Galván.

Der Direktor des Hamburg Balletts hat das romantische Ballett „Giselle“ zur Musik von Adolph Adam neu geschaffen indem er traditionelle Teile (Jean Coralli, Jules Perrot und Marius Petipa) mit neuen Ideen gemischt hat. Bei den 42. Ballett-Tagen hat er das Publikum mit der gelungen Mischung aus seiner eigenen und traditioneller Tanzsprache im luftig-leichten Bühnenbild und ebensolchen Kostümen von Yannis Kokkos zu frenetischem Beifall hingerissen. Alina Cojocaru tanzt als Gast die Titelrolle, ihr Partner ist der junge Ukrainer Alexandr Trusch.

Die „Choreografische Phantasien über Eleonora Duse“, uraufgeführt im Dezember 2015, bildeten einen der Höhepunkt der 42. Hamburger Ballett-Tage in der Staatsoper. Anders als bei der Premiere, als die Publikumsreaktionen recht unterschiedlich waren, wurde „Duse“ im Juli begeistert aufgenommen. Alessandra Ferri, für die Neumeier das Ballett kreiert hat, ist, wenn auch ohne Worte, die große Tragödin, ist die Duse.

Seit mehr als 40 Jahren erfreut John Neumeier mit seinem Hamburg Ballett das Publikum, vornehmlich Hamburgerinnen, mit den sommerlichen Ballett-Tagen. Eine feine Gelegenheit Schätze aus dem Repertoire zu zeigen, das Neumeier pflegt und immer wieder auffrischt, Neues zu präsentieren und Gäste und mitunter auch Gastcompagnien einzuladen.

Das Tanz-Festival widmete sein diesjähriges Opening der französischen Choreographin Maguy Marin mit ihrem Stück „BiT“. Mit wummernden Technobeats und in ständiger Bewegung begeisterte und verstörte die Compagnie das Publikum im Wiener Volkstheater gleichermaßen. ImPulsTanz erwies mit der Programmierung dieses Stückes am 14. Juli auch dem französischen Nationalfeiertag seine Reverenz, nicht ahnend, wie schrecklich dieser gleichzeitig in Nizza ausfallen würde.

Stefan Slupetzky, gleichermaßen Autor wie Musiker, hat durch seine lebensnahen, ganz und gar wienerischen Kriminalromane und deren Hauptperson, den Lemming, die große Masse der Leserinnen und auch Preise erobert. In seiner Werkliste stehen auch Kinderbücher, ebenfalls mehrfach prämiert, und Theaterstücke. Neuerdings ist auch ein Generationenroman zu lesen, basierend auf des Autors eigener Familiengeschichte.

Vladimir Vertlib, geboren in Russland und als Fünfjähriger mit seiner Familie aus Leningrad emigriert, schafft es immer wieder mit seinen satirischen Romanen aktuelle Themen auf unterhaltsame Weise anzusprechen. Hauptperson im jüngsten Roman ist die Titelfigur, Lucia Binar, eine 83jährige Lehrerin, die sich nicht alles gefallen lassen will.

Mit dem hochenergetischen Stück "Boom Bodies" der gefeierten Choreographin Doris Uhlich ging die diesjährige Sommerszene Salzburg (21. Juni bis 2. Juli 2016) ins Finale: 14 nationale und internationale Tanz- und Theaterproduktionen, darunter neun Österreich-Premieren, machten die Stadt zur Weltbühne. Die rund 6.000 Besucherinnen und Besucher zeigten sich begeistert, vor allem von der umjubelten Eröffnungspremiere Gala von Jérôme Bel, die 20 Salzburgerinnen und Salzburger zu einem Tanzfest der Individualität auf die Bühne brachte.

Klar, auch die Mitglieder des Wiener Staatsballetts müssen sich erholen, länger schlafen, mehr essen, Sonne und Wasser genießen. Doch wenn Terpsichore, die Muse des Tanzes, ihre Netze auswirft und mit einem Auftritt lockt, dann wird der Urlaubskoffer ausgepackt und die Stars aus Wien reisen zu einer Gala oder einem Festival. In aller Welt sind die Tänzerinnen und Tänzer der Wiener Compagnie begehrt.

Eine düstere Vulkanlandschaft. Schwarze Lava beginnt in Strömen zu fließen. Ein See aus der schwarzen Masse breitet sich aus. Horrorfilm-Musik dröhnt aus den Boxen und geht unter die Haut. Vereinzelt treten Körper aus der eindrucksvollen Naturgewalt hervor – sich windend und rekelnd. Köpfe und Gesichter bleiben verborgen und abgewandt. Hier zeigt sich kein Mensch. Monster und Dämonen erobern die Bühne. Islands Naturgewalt der Choreografie, Erna Ómarsdóttir, schafft mit „Black Marrow“ bei der Sommerszene Salzburg gemeinsam mit Damien Jalet einen Abend der Gegensätze.

Keine Oper, sondern ein zauberhaft tragisches Intermezzo ist „Piramo e Tisbe“ von Johann Adolf Hasse. Bernd R. Bienert inszenierte es mit seinem ganz besonderen Ensemble im hochbarocken Bibliothekssaal von Stift Altenburg, wie immer auf den Spuren der barocken Aufführungspraxis. Ein besonderes Erlebnis für Liebhaber Alter Musik, das man noch bis 30. Juli genießen kann.

Nach der Gala. Kaum war der letzte Vorhang gefallen, der Jubel verklungen, empfingen Tänzerinnen und Tänzer des  Wiener Staatsballetts von Direktor Manuel Legris reiche Belohnung. Junge Halbsolistinnen wurden zu Solotänzerinnen erhoben, aus Corpsmitglidern  wurden Halbsolisten und -solistnnen. Nicht nur die Betroffenen zeigten stsrahlend ihre Freude für den Lohn der Anstrengung, auch Kolleginnen und Kollegen klatschten von Herzen und neidlos Beifall. Den Grand Jeté allerdings durfte Jakob Feiyferlik, Schüler von Eelyn Tery an der Ballettschule der Wiener Staatsoper, machen. Nach seiner imponierenden Gestallten der Rolle König Ludwig XVI. In Patrick de Banas Ballett "Marie Antoinette" , war er reif für den Solotänzer. Die Stufe des Halbsolisten hat er mühelos übersprungen.

So wie die Nurejew-Gala zum Abschluss der Ballettsaison ist auch die Hochstimmung des Publikums bereits Tradition. Das Glanzlicht des abwechslungsreichen vierstündigen Abends setzte der Direktor selbst. Manuel Legris begeisterte mit seiner Partnerin Isabelle Guérin, wie schon im Vorjahr, das Wiener Publikum. Gekrönt aber wurde dieser Gala von einer üppigen Reihe von Avancements.

Zum 4. Mal hat in Linz das integrative Festival „sicht:wechsel“ stattgefunden. Menschen mit und ohne Beeinträchtigung beteiligten sich an Workshops, Gesprächsrunden und Präsentationen unterschiedlicher künstlerischer Sparten. Einer der Höhepunkte war die Performance der schottischen Künstlerin Claire Cunningham. Ihr Solo „Give me a reason to live“ tanzt sie auf Krücken.

Ein Ereignis am Ende der Wiederaufnahme von Patrick De Banas zweiaktigem Ballett „Marie Antoinette“ in der aktuellen Neufassung. Maria Yakovleva debütierte in der Titelrolle und gab dem Abend unerwartete Intensität und Tiefe. Ein Debüt feierten, zurecht, auch Kiyoka Hashimoto, wie Yakovleva Erste Solotänzerin, als Schatten, Géraud Wielick als Das Schicksal . Auch zwei Corps-Tänzerinnen reüssieren in Solorollen. Oxana Kiyanenko tanzte zum ersten Mal Madame Elisabeth, die Schwester Ludwig XVI.,  Erika Kovoácevá debütierte als  Maria Theresia.

Natascha Mair und Nina Tonoli haben ihre bisherige Karriere als Zwillinge erlebt. Dabei hatten sie sich vor ihrem Engagement ans Wiener Staatsballett gar nicht gekannt. Tanzt Mair virtuos und bravourös, so verkörpert Tonoli Grazie und Eleganz.

Mit seiner neuen Produktion „every-one“ für acht TänzerInnen ist Choreograf Willi Dorner Gast der Sommerszene Salzburg. Wie schon die erfolgreiche Performance „bodies in urban spaces“, bewegt sich auch „every-one“ im städtischen Raum. Dorner zieht mit dem Stück eine Parallele zwischen den 1920er-Jahren und heute, Beide Epochen sind von unterschiedlichen aber gleich gravierenden Entwicklungen und Umwälzungen geprägt.

Das Schönste kommt, wenn die Performance der drei Darsteller_innen der schallundrauch agency zu Ende ist. Dann dürfen die Babys die gepolsterte Bühne erobern und so tun als wäre es ihr Zuhause. Performance darf man die die 30 Minuten in der kleinen gepolsterten Arena im Studio des Dschungel-Kindertheaterhauses gar nicht nennen. Es ist eine bekrabbelbare Installation mit bunten Sitz- und Spielelementen, in der gesungen, erzählt und vorsichtig getanzt wird. Die Eltern sitzen glücklich am Rand, während sich die Windelkinder die Aktion kaum beachten. Sie spielen ihr eigenes Theater.

Das Verhältnis der Maler im ausgehenden 19. Jahrhundert zur eben erfundenen Fotografie thematisiert eine Ausstellung in der Orangerie des Unteren Belvederes. Hans Makart und Gustav Klimt im Untertitel dienen als Zugpferde, doch in Wien lebten nicht nur die Fürsten, sondern auch jede Menge Höflinge, die von dem neuen Medium sehr schnell fasziniert waren. Erst später wurde die Fotografie von den Malern als Konkurrentin empfunden.

Der menschliche Körper, nackt oder bekleidet, steht im Mittelpunkt von Dimitris Papaioannous Dialog mit Michalis Theophanous: „Primal Matter“. IZum Abschluss der Wiener Festwochen zeigten die beiden Performer das expressive und auch witzige Werk im Museumsquartier. Das Publikum zeigte sich beeindruckt und dankte mit lebhaften Applaus und Pfiffen, als wärs ein Popkonzert gewesen.

Zum 33. Mal dreht sich in Wien vier Wochen lang so ziemlich alles um den Tanz und die Performance. 53 Künstler_innen und Compagnien zeigen 65 Produktionen, sehr oft an mehreren Abenden. Stolz kann ImPulsTanz-Chef Karl Regensburger melden, dass 14 dieser Tanz-Performances Uraufführungen sind. Gehüpft, gesprungen, gespielt, gesungen und auch geplaudert wird nahezu in der ganzen Stadt, in Theaterhäusern, Museen, Galerien, Studios und der Burgtheater Probebühne.

Ein Visionär und Utopist, ein Universalkünstler und Vorausdenker war der 1890 in Czernowitz / Österreich-Ungarn geborene Architekt Friedrich Kiesler. Nach drei, Teilaspekte in Kieslers Werk beleuchtenden Ausstellungen in Wien (Museum des 20. Jahrhunderts, 1988; Historisches Museum der Stadt Wien/ Wien Museum, 1997; Theatermuseum, 2013), zeigt nun das MAK eine alle Aspekte in Kieslers vielfältigre Arbeit und sein grenzüberschreitendes Denken zusammenfassende Ausstellung mit demauch den Menschen Kiesler berücksichtigenden Titel „Lebenswelten“

Lullaby – Augen zu“ beruht, so sagt der Autor des Stückes, der Regisseur, Choreograf und Tänzer Jan Jakubal, auf E. T. A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ (veröffentlicht als „Nachtstück“, 1816) und ist ein Tanztheater mit drei Performerinnen, 2 Performern und einer Videoinstallation, das im Dschungel seine Premiere gehabt hat. Das Publikum applaudierte nach 50 Minuten pflichtschuldig aber ratlos. Ich auch.

Als Choreograf ist der Russe Boris Eifman auch in Wien schon lange bekannt. Mit seinem eigenen Ballettensemble aus St. Petersburg war er nun zum ersten Mal hier und zeigte sein bildgewaltiges und technisch komplexes Tanzstück „Rodin“ im Burgtheater. Nicht nur die russische Community war begeistert.

Bereits bevor der neue Roman von Benedict Wells erschienen ist, war er auf der Shortlist des European Union Prize for Literature 2016 gereiht. Zurecht „Vom Ende der Einsamkeit“ ist eindrucksvolle europäische Literatur, tiefgehend und unterhaltsam zugleich. Der junge Autor im Porträt.

Abseits vom breiten Strom des Festspielzirkus hat sich im Burgenland ein besonderes Festival etabliert: PannOpticun in Neusiedl am See widmet sich bereits zum 7. Mal der Kunst des Figurentheater-Spiels. Vier Tage, vom 30. Juni bis 3. Juli wird Theaterkunst der anderen Art gezeigt.


Alain Platel hat gemeinsam mit seinem Regiekollegen und Autor Frank Van Laecke und dem Komponisten Steven Prengels ein rauschhaftes Stück konzipiert, in dem er professionelle Blasmusiker_innen und Performer_innen mit einer Amateurkapelle zusammenspielen lässt. Im Festspielhaus St. Pölten war das die für Grenzüberschreitungen offene Stadtkapelle Tulln. Freudiger Jubel zeigte den Künstler_innen und den Tullner Blechbläser_innen und Perkussionisten wie sehr das Publikum dieses Sprech-, Musik- und Tanztheater genossen hat. Ein außergewöhnlicher Abend.

De marfim e carne – as estátuas também sofrem“ („Aus Elfenbein und Fleisch – auch Statuen leiden“) nennt die Tänzerin / Choreografin Marlene Monteiro Freitas ihre 2014 in Lissabon uraufgeführtes jüngste Show. Im Rahmen der Festwochen fesselten vier Tänzer_innen und drei Musiker das Publikum im Halle G des Museumsquartiers.

Der Erfolg des Performance Brunch REAL 2015 im Volkskundemuseum hat die Veranstalterinnen, Aline Kristin Mohl und Regina Picker, ermutigt, auch heuer wieder zeitgenössischer, performativer Kunst mit genussreichen Nahrungszufuhr zu verbinden. Eine Matinee der besonderen Art.

Marianela Nuñez, Principal Dancer im Royal Ballet, lässt als Kitri die Vorstellung des Balletts „Don Quixote“zu einem Fest werden. Mit tobendem Jubel begleitete das Publikum jeden Schritt der Ballerina, beklatschte auch ihren Partner, Semyon Chudin, den Ersten Solotänzer des Bolschoi-Balletts. Der Star des Abends jedoch war die durch die von Paul Connelly mit Verve dirigierte Musik wirbelnde Ballerina.

Der Zirkus kommt in die Stadt, die Leute strömen in das Zelt und werden bald in Angst und Schrecken versetzt. Alles geht schief, bald sind alle Akrobaten samt dem Direktor tot. Stereoptik (Romain Bermond, Jean-Baptiste Maillet) zeigt schwarze Kunst auf der Leinwand. In Echtzeit entsteht der Katastrophen-Zirkus unter den Händen der beiden Akteure. Ein Programm, das im brut die ganze Familie begeistert.

Artist At Ressort“ ist ein Residence und Coaching Projekt, das Bert Gstettner für Tanzschaffende ins Leben gerufen hat. Im 12. Teil des erfolgreichen Prjekts haben vier Künstler_innen in einem wochenlangen Prozess ihre Ideen ausgearbeitet und schließlich ihre Arbeit in der abschließenden Werkschau präsentiert. Ein überaus gelungener, abwechslungsreicher Abend im Tanz*Hotel, nicht nur für die glücklichen Künstler_innen, auch für das begeisterte Publikum.

Die Performancekünstlerin Barbara Kraus tastet sich mit geschlossenen Augen durch das Studio im Tanzquartier, in dem das Publikum auf Sofas, Hockern oder Matratzen sitzt und liegt. Mit einleitenden zehn Minuten „gemeinsamer Stille“ soll eine „temporäre Gemeinschaft von Fremden“ herzustellen. „Out there is a field“ ist Barbara Kraus pur, Erlebnis und Überraschung, Text und Bewegung, Abenteuer und Langeweile (meine), in keinem Fall einzuordnen.

Die zauberhaften Kostüme, erdacht und genäht von den sChülerinnen der Modeschule Michelbeuern, und die von Magdalena Zenz für ein Trio komponierte Musik, retten die Aufführung des von der Autorin Christine Rettl dramatisierte Kinderbuch aus dem Jahr 1993 „Ds große und das kleine Pfüh“. Die neue Formation ArtistStrett zeigt die Suche nach dem Pfüh als Musical im Dschungel .

Das Tanzfestival für Kinder und Jugendliche, mit dem von den Kindern selbst gewählten Titel „Szene Bunte Wähne“, hat seinen angestammten Termin im Spätwinter, dann wenn Kinder lieber im warmen Theater sitzen als in Wald und Wiese zu toben, an das Ende der Theatersaison verlegt. Mit 14 Produktionen aus England, Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Spanien und Österreich bietet das Festival im Dschungel und im BRUT im Künstlerhaus wird an sieben Tage (15.–22. Juni) kleinen, jungen und Jugendlichen Zuschauerinnen Tanztheater der unterschiedlichsten Art geboten.

Mein großes Werk (ein ehrgeiziges Projekt)“ nennt der katalanische Tänzer, Regisseur und Choreograf David Espinosa die knappe Stunde mit der Compagnie Hekinah Degul. Nicht zu hoch gegriffen, sind doch 300 Darstelle_innen, Zwei- und Vierbeiner, beteiligt. Sie alle haben samt Bühnenbild und Soundinstallation in einem Kabinenkoffer Platz. Die ganze Welt als Miniatur. Groß gedacht, klein gemacht. Eine geniale Idee. Eine erstaunliche Performance.

Der Tänzer und Choreograf Ákos Hargitay hat sein Interesse am Urbanen Tanz (B-Boying, Locking, Popping, Electric Boogie, meinst als Breakdance zusammengefasst) bereits in mehreren Produktionen bekundet. Zur Kultur der Hip-Hop-Bewegung gehört es auch, neue Aufführungsorte zu erobern. Hargitays „break.out“, die NeuInszenierung der Open-Air-Show (September 2015) im Museumsquartier, findet demnach im noch nicht sehr bekannten F23, einer alten Sargfabrik in Wien-Atzgersdorf, statt. Neu inszenierte Wiederaufnahme der Open-Air-Show im Museumsquartier.


 Der Direktor des Wiener Staatsballetts Manuel Legris hat gestern, 26. Mai 2016, im Anschluss an die Vorstellung von Don Quixote Davide Dato zum Ersten Solotänzer der Compagnie ernannt. Der aus Italien stammende Tänzer war an diesem Abend in der vom Publikum umjubelten und mit Standing Ovations bedachten Wiederaufnahme von Nurejews Ballettklassiker als Basil zu erleben.
Davide Dato ist in dieser Spielzeit noch am 5. Juni 2016 als Zigeuner in Don Quixote, am 7. und 11. Juni in Bella Figura im dreiteiligen Abend Van Manen | Ekman | Kylian sowie in der Nurejew Gala am 26. Juni 2016 als Faun in The Four Seasons sowie Birbanto im 1. Akt von Le Corsaire zu erleben.

Auch eine Repertoire-Vorstellung kann zu einem Fest werden. Die frisch gebackene Erste Solotänzerin Kiyoka Hashimoto tanzte ihre Rolle, Kitri, mit Verve und Charme. Ihr Partner, Davide Dato ersprang sich voll Energie die Ernennung zum Ersten Solotänzer. Obwohl das Publikum keine Ahnung von dem Avancement hatte, spendete es beiden Solistinnen nach jedem Solo, jedem Pas de deux nie enden wollenden Jubel.

Michael Turinsky, Tänzer, Choreograf und Philosoph, unterhält das Publikum im Tanzquartier mit seinem neuen Solo: „The second Skin – turn the beat around“. Ob im grauen Hoodie mit Mausohren oder im Pelz mit Goldkette, Turinsky ist immer überzeugend, doch will er diesmal die Zuschauerinnen weniger überzeugen als zum Lachen bringen. Und das tut die Hip-Hop-Generation ausgiebig.

Mit tosendem Applaus bedankten sich Freundinnen, Freunde, Verwandte, Kolleginnen und Kollegen bei den Studierenden der Ballettakademie der Wiener Staatsoper, verstärkt durch die Mitglieder der Jugendkompanie (Absolvent_innen der Akademie). Zur Phantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“ von Peter Tschaikowski hat Evelyn Téri das bekannte Thema choreografisch variiert. Im zweiten Teil des Abends in der Volksoper zeigte das engagierte Ensemble Natalia Horecnas abwechslungsreiche Choreografie „Malerei eines Traumes“. Selbstverständlich war auch das Leitungsteam der Ballettakademie, allen voran der künstlerische Leiter, Manuel Legris (zugleich Chef des Wiener Staaatsballetts), anwesend.

Das Ehepaar Betty und Edward Feathers kennen die Leserinnen der englischen Autorin Jane Gardam bereits. In „Ein untadeliger Mann“ wird die Lebens- und Ehegeschichte zweier Raj-Waisen, aus der Sicht Edwards geschildert. Im zweiten Teil der Trilogie ist Betty dran. Nicht nur ihre Jugend ist eine andere, auch der Verlauf des Ehelebens. Was beide eint ist die unverbrüchliche Liebe für und die Achtung vor einander. Ein eleganter, ruhiger und dennoch aufregender Roman.

Großer Jubel nach der Vorstellung von Patrick De Banas runderneuertem Ballett „Marie Antoinette“ für die junge Halbsolistin Natascha Mair. Mit Nina Tonoli als Madame Elisabeth, der Schwester Ludwig XVI., debütierte sie als dem späteren König von Frankreich verschacherte österreichische Prinzessin. Alternativ waren auch Schatten, Schicksal, Maria Theresia und der Namenlose besetzt. Jakob Feyferlik, darf sich mit seinem vierten Auftritt als Ludwig XVI. schon als Routinier fühlen.

Ein arrivierter, sozialdemokratischer Parteigrande, seine rechtskonservative Ehefrau, der neoliberale Jungunternehmer-Sohn und die öko-weltverbessernde Tochter baten zum weihnachtlichen Abendessen. Die Gäste waren das Publikum im wahrsten Sinn des Wortes und lauschten den politischen Debatten der Familienmitglieder. Diskussionsbeteiligung war aber durchaus erwünscht. „Wahlabend“ hieß die interaktive Performance mit Hubsi Kramar und jungen KollegInnen im Kunstraum fAN.

Als „Legende von Verdis Violetta“ erzählen im Dschungel  junge Darsteller und Darstellerinnen die Geschichte der „Kameliendame“, wie sie Alexandre Dumas in seinem 1848 erschienen Roman nennt. Violetta Valery (so ist die Rolle in Giuseppe Verdis Oper genannt) ist eine Puppe, geführt von Viviane Podlich, Studentin der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin.  Sie hat mit der Produktion ihre Abschlussarbeit (Ensemble) absolviert.  Mit zwei Kollegen, einer jungen, Sängerin und der Puppe Violetta hat sie  ihre Prüfung wohl bestanden.

Dem Architekten Josef Frank (19885–1967) widmet das MAK eine Ausstellung, die ebenso leicht zugänglich wie umfassend ist. Wegen des anhaltenden Publikumsinteresses wurde sie  bis in den Sommer 2016 verlängert. Frank hat zwar Architektur studiert und sich auch im Wohnbau engagiert, doch reichten seine Interessen in alle Bereiche der Gestaltung: Stoff- und Tapetenmuster hat er ebenso entworfen wie Mobiliar.

Verborgen zwischen den kleinen toskanischen Orten Seggiano und seinem winzigen Ortsteil Pescia liegt am Fuß des Monte Amiata im schattigen Tal das Paradies, il Giardino, der Garten. So ist der Flurname des 16 ha großen Areals, in dem der Künstler und Sammler Daniel Spoerri „seinen“ Garten pflegt. Was darin wächst ist Kunst. Skulpturen, Assemblagen, Installationen. Von Spoerri selbst und von seinen Freunden. In nahezu 20 Jahren haben sich mehr als 100 Werke angesammelt, die den Garten zu einem Zauberland machen. Die Natur spielt willig mit.

Sichtlich zufrieden blickt Ballettdirektor Manuel Legris bei seinem alljährlichen Pressetermin auf die demnächst zu Ende gehende Ballettsaison zurück und auch die kaufmännische Direktorin, Simone Wohinz, nennt stolz die Zahlen. Viele ausverkaufte Vorstellung treiben die Auslastung auf nahezu 97 Prozent. Besucher konnte man in dieser Saison etwas weniger zählen als 2014/2015. Erklärung: Es wurden auch weniger Vorstellungen geboten. 2016/17 wird sich das ändern statt 84 Vorstellungen in Staatsoper und  Volksoper sind wieder 91 angesetzt. Legris macht das berühmte Schneeköniggesicht.

Mind the gap! Zwischen gesagten, geschriebenen Wörtern und dem gelesenen, gehörten, verstandenen Sinn, wenn die aneinander gereihten Buchstaben zur Kette, also zu Sätzen gefügt werden, ist ein Spalt. Andrea Maurer und Frans Poelstra füllen diesen mit Unsinn der zum Sinn wird, mit Humor, der eigene Interpreationen und Gedanken zulässt. Eine köstlicher Buchstaben- und Wörter-Suppe aus „The Scattered Series" im Studio des Tanzquartiers.

Fyodor Pavlov-Andreevich präsentiert im Festwochenzentrum / Künstlerhaus mit seinem „Performance Carousel“ eine Stunde und 15 Minuten, die kaum zu beschreiben sind. Würde ich nämlich das Abenteuer, und das war es, wenn auch ganz ungefährlich, genau schildern, nähme ich kommenden Besucherinnen die Freude an der Entdeckung und das Vergnügen an der Beteiligung. In einer Video-Einführung geben die Künstlerinnen und Künstler etws von sich selbst preis und umkreisen das Thema.

Trompeten und Posaunen werden im Festspielhaus St. Pölten zum Saisonende blasen. Und, was man so hört, wird es ein richtiges Fest für das Publikum. In Kooperation mit dem Festspielhaus St. Pölten bringt ImPulsTanz den nicht gerade leisen Abend „En avant, marche!“ auf die Bühne. Der belgische Choreograf Alain Platel (Le ballet C. De la B.) und sein Landsmann, der Regisseur und Darsteller Frank Van Laecke inszenieren diese musikalische Performance mit einem Tänzer, Schauspielrinnen des Genter Stadttheaters und eben einer riesigen Blaskapelle.

Fünf Regisseure, die im 20. Jahrhundert die Regiearbeit wesentlich beeinflusst haben, müssen für eine Installation herhalten, die Unterschiede und den Wandel der Regiestile zeigen soll. Dazu verwendet die englische Regisseurin Katie Mitchel den Wahnsinns-Monolog der Ophelia aus Shakespeares „Hamlet“. Ausgehend vom Londoner Victoria an Albert Museum, ist die Videoinstallation auf ihrer Welttournee nun im Theatermuseum gelandet.

John Neumeier hat aus drei seiner zu unterschiedlichen Zeiten entstandenen Shakespeare-Ballette den Kern herausgeschält und zu einem Abend mit „Shakespeare Dances“ zusammengestellt. Umrahmt von zwei Komödien schockt die zum Tanztheater komprimierte Tragödie des Dänenprinzen Hamlet. Das Hamburg Ballett zeigte die Szenen als Gastspiel im Theater an der Wien. Neumeier und seine Compagnie durften nach der ersten Vorstellung im Applaus baden.

Sechs Jahre nach der Uraufführung seines abendfüllenden Balletts „Marie Antoinette“ hat Patrick de Bana seiner Choreografie ein neues Gesicht und mehr Tiefgang verliehen. Gestrafft und reduziert, mit neuen Musikteilen von Carlos Pino-Quintana und Spitzentanz für die Hauptfiguren ist ein eindrucksvoller Abend gelungen, der dem Wiener Staatsballett in der Volksoper Gelegenheit gibt, Ausdruckskraft und technische Perfektion zu zeigen. Das Publikum nahm bei der Premiere die Gelegenheit zu heftigem Jubel wahr.

Klassiker-Überschreibungen sind die Spezialität von Gernot Plass. Diesmal war die österreichische National-Ikone Nestroy an der Reihe. Doch nicht das Ensemble des Theater an der Gumpendorferstraße spielte in der Uraufführung von „Empört euch, ihr Krähwinkler“, sondern Studierende der Musik und Kunst Privatuniversität Wien. Auch wenn die Neudichtung ihre Qualität hat, hätte man sich in der theatralen Umsetzung doch lieber Profis gewünscht.

So frei wie mit dem Körper auf der Tanzbühne bewegt sich Maria Beykirch mit dem Pinsel auf der Leinwand. Lange Zeit hat sich die Malerin, im Brotberuf Ärztin, ihre Bilder nur guten Freunden gezeigt. Dem Erfolg ihrer ersten Ausstellung in der Wahlheimat München brach den Bann. Jetzt widmet der Hirmer-Verlag der mehrfach Begabten einen Band mit 50 Bildern, wenig Text. Anregungen zum Tanz der Gedanken und zu deren Ruhepause.

Immer wieder begeistert Kenneth MacMillans Choreografie von „Mayerling“, dem Ballett mit dem Kronprinzen Rudolf als zentrale Person. Roman Lazik ist ein gehemmter, zweifelnder, unglücklicher Prinz, von Vater und Mutter im Stich gelassen, todessehnsüchtig und zerrissen. Nur in der Taverne mit Mizzi Caspar und Alkohol kann er sich gehen lassen. Das Publikum ist vom Aufmarsch historischer Personen etwas überfordert.

Seit vielen Monaten beschäftigen sich die Mitglieder des KünstlerInnen-Kollektivs Superamas mit Krieg, Terror und Gewalt. Ausgangspunkt ist der Erste Weltkrieg. Im brut zeigte die Superamas einmalig die Performance "Why?" als weiteres Ergebnis der aufwändigen Recherchearbeit.

Inspiriert von der Schlussszene in Robert Bressons „Au hasard Balthazar“ hat Nikolaus Adler mit seinen Tänzer_innen einen Abend choreografiert, der nicht nur vom Tod (eines Esels) erzählt sondern vor allem vom Leben und von der Natur. Die Erinnerungen an den Film bleiben wach, der Tanz wechselt zwischen konkreter Erzählung und abstrakten Bewegungssequenzen. Ein Abend perfekten Tanzes der breiten Raum für eigene Gefühle lässt. Eine eindrucksvolle Uraufführung im Hamakom Theater.

Schnell vergangen, sind nicht nur für Markus Hinterhäuser die drei Jahre seiner Intendanz der Wiener Festwochen, auch dem Publikum dürfte die  Zeit viel zu schnell abgelaufen sein, so vielfältig , reich an Energie und  Engagemen waren die Programme. Am 13. Mai werden die letzten Hinterhäuser-Festwochen mit moderner Blasmusik auf dem Rathausplatz eröffnet. Die Tageskassen öffnen am Samstag, 30. April 2016.

Eine Nachricht, die viele Fans traurig stimmen wird: Der Erste Solotänzer des Wiener Staatsballetts Kirill Kourlaev hat beschlossen, seine Karriere zu beenden und mit Ende dieser Saison die Compagnie zu verlassen. Nach 16 Spielzeiten will er sich nun seinen Aktivitäten im Bildungsbereich widmen. Ballettdirektor Manuel Legris bedauert Kourlaevs Entschluss, zollt ihm aber Respekt, Dank und Anerkennung.

Der Esel ist tot. Der Film zu Ende. Der Tanz beginnt. Wie der tragische Held in Robert Bressons berühmten Film „Au hasard Balthazar“ heißt auch das Tanzstück von Nikolaus Adler: „Balthazar“.
Von dessen Leben und Sterben geht der Choreograf Nikolaus Adler aus, wenn er mit drei Tänzerinnen und zwei Tänzern den Tanzabend „Balthazar“ probt. Auch wenn der Esel Balthazar die Hauptperson ist, wird er unsichtbar bleiben: „Jeder ist der Esel“, sagt Adler. Inspiriert vom Kinofilm zeigt Nikolaus Adler ein ganzes Leben in 70 Minuten.

Im passenden Aufführungsort, auf der Bühne des Metro-Kinos, zeigt Yosi Wanunu mit seinem Ensemble „Toxic Dreams“ den Stoff, aus dem die Träume gemacht sind: das Kino. Allerdings nicht das heutige „kapitalistische“ Kino, sondern dessen Anfänge. Als realer Stoff dient dem Träumer Wanunu das Leben und Wirken eines anderen Träumers, des Filmpioniers Georges Méliès. Eine Multimedia-Performance in der auf höchst unterhaltsame Weise die Medien miteinander verschmelzen, die Realität der Magie weicht.

Jubel und Hochrufe in Wien und St. Petersburg. Während Manuel Legris und Maria Yakovleva beim „Dance Open Festival“ in St. Petersburg gefeiert wurden, tobte das Publikum in Wien, um sich bei Rebecca Horner, Denys Cherevychko, Eno Peçi und Kirill Kourlaev und dem gesamten Ensemble für einen großartigen John Neumeier-Abend – „Verklungene Feste“, „Josephs Legende“ – lautstark zu bedanken

Entzückend und zugleich beklemmend– eine merkwürdige Kombination von Adjektiven, aber so lässt sich die Performance „Liebesbriefe an Adolf Hitler“ der Gruppe transit im dunklen Ranftlzimmer des Wiener Künstlerhauses am besten beschreiben. Vier Künstlerinnen brachten dem Publikum recht eindringlich authentische Dokumente nahe, die allesamt aus der Feder verliebter Nationalsozialistinnen stammen.

Die schottische Autorin Ali Smith versteht es immer von neuem, ihre Leserinnen zu beglücken. Tatsächlich! Auch mit ihrem jüngsten Roman gelingt ihr das, auch wenn sowohl der Titel wie der Klappentext etwas verwirrend sind. Zwei Leben beschreibt Smith, die, obwohl 500 Jahre auseinander liegend, mit einander verwoben sind. So ist es möglich dass der italienische Maler Francesco del Cossa († 1477) beobachtet wie die 16jährige Georgia nach dem Tod der Mutter wieder ins Leben zurückfindet. 

Der Titel sagt es schon: Lady Diana, die bei einem Autounfall ums Leben gekommene Princess of Wales, als „Königin der Herzen“ verehrt, ist Ausgangspunkt und Folie für Marta Navaridas und Alex Deutinger, um über Oben und Unten, Volk und seine Herrscher, über Privates und Öffentliches nachzudenken. Weil sie dies perfekt und auf höchst originelle Weise tun, wurden sie im Tanzquartier herzlichst bedankt.

Mit vier Tänzerinnen und einem Tänzer zeigt Gisela Elisa Heredia in ihrer neuen Choreografie mit der Sehnsucht nach Nähe und dem Verlangen nach Distanz auseinander. Als Metapher dafür wählte sie, aus Argentinien stammende Choreografin den Tango. „Smokey Hugs and Tango“, als Titel etwas unglücklich gewählt, zeigt das homogene Ensemble im KosmosTheater ein flott und präzise getanztes Stück, das beim Publikum die eigenen Gefühle und am Ende begeisterten Applaus aktiviert.

When the mountain changed its clothing“, eine Produktion der Ruhrtriennale 2012, wird am 16. April 2016 mit dem renommierten Golden Mask Award als „best foreign production presented in Russia 2015“ ausgezeichnet. Die Verleihung findet im Rahmen des Golden Mask Festivals, dem wichtigsten Theaterfestival Russlands, statt.

Das Musiktheaterwerk von Heiner Goebbels, Künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale von 2012 – 2014, feierte bei der Ruhrtriennale 2012 Weltpremiere. Im Zentrum der Produktion steht das international bekannte Vocal Theatre Carmina Slovenica. Die 40 Mädchen des Chores im Alter von 10-20 Jahren lassen uns mit Versen, Gesängen und Szenen an Geschichten und Fragen zum Abschied von ihrer Kindheit teilhaben und schaffen dabei poetische und spannungsgeladene Bilder – nach Texten von J.J. Roussau, Gertrude Stein, Alain Robbe-Grillet u. a.

Seit der umjubelten Uraufführung 2012 in der Jahrhunderthalle Bochum ist die Produktion im Rahmen der Tourtriennale auf internationalen Bühnen und bei Festivals weltweit zu Gast – darunter das Golden Mask Festival in Moskau (Russland 2015), das Melbourne Festival (Australien 2014), das Holland Festival (Niederlande 2013) oder das Festival d'Automne (Frankreich 2012).

Mitunter liegt das Festspielhaus St. Pölten in Spanien, dann nämlich wenn in der kommenden Saison im Flamenco-Rhythmus getanzt wird. ¡Flamenco! wird mit mehreren Vorstellungen einen Schwerpunkt im reichen Tanzprogramm bilden. Aber auch Sasha Waltz, Sidi Larbi Cherkaoui, Grupo Corpo aus Brasilien oder der aus Samoa stammende Tänzer / Choreograf mit seiner Companie MAU sind mit neuen Stücken nach St. Pölten eingeladen.

Schlicht und prosaisch „7“ nennt Martin Schläpfer, Chef des Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg , seine 2013 geschaffene Choreografie zur 7. Symphonie e-Moll von Gustav Mahler. Das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, dirigiert von Wen-Pin Chien, Kapellmeister der Deutschen Oper am Rhein, begleitete die Compagnie bei ihrem Gastspiel im Festspielhaus St. Pölten. Die Musik Mahlers, durch ungewöhnliche Instrumente wie Mandoline, Gitarre und Kuhglocken ergänzt, teils romantisch, teils tragisch mit rauschenden Klängen an der Grenze der Tonalität, bleibt trotz der Bemühungen des Choreografen und der Qualität der Tänzer_innen vom Rhein die Hauptdarstellerin an diesem Abend.

Tanz im Museum ist nichts Neues, dass aber ein Museum dem Tanz eine Ausstellung widmet kommt nicht alle Tage vor. Im Museum der Moderne Salzburg hat sich Direktorin Sabine Breitwieser eines außergewöhnlichen Projekts angenommen. Ausgehend von den Derra de Moroda Dance Archives, die sich seit dem Tod der Sammlerin (1978) an der Universität Salzburg befinden, werden in der klar gegliederten Ausstellung Fäden zwischen dem (Tanz)Archivmaterial, heutiger Performance und aktueller bildender Kunst gewebt. „Kunst –Musik – Tanz“ im MdM ist ein, rund um die gesammelten Erinnerungen aus den 1920er / 30er Jahre gestaltete, höchst lebendige, dynamische Schau, die einen Dialog eröffnet und neue Sichtweisen auf verborgene Zusammenhänge ermöglicht.

Wenn das Ende des Studienjahres naht, zeigen die Studierenden und Lehrenden des Studienganges Zeitgenössischer und Klassischer Tanz an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK), was sie gelernt und gelehrt haben. Zugleich ist diese Performance für den vierten Jahrgang die praktische Abschlussarbeit. Diesen Teil ihres Bachelor-Studiums haben alle Tänzerinnen und der einzige Tänzer erreicht. Sie wurden nach der Performance im Werk X entsprechend gefeiert.

Knapp bevor Ballettchef Manuel Legris nach Japan gereist ist, um über ein Gastspiel des Wiener Staatsopernballetts zu verhandeln, hat er im Rahmen der Vorstellung des Opernprogramms der kommenden Saison, auch kurz angerissen, was er an Ballettvorstellungen geplant hat. Zwei Premieren werden das Repertoire erweitern: Anfang November ist ein dreiteiliger Abend angesetzt, der nach den Choreografen prosaisch „Balanchine |Liang | Proietto“ benannt ist; zwei Werke von John Neumeier („Le Pavillon d_Armide“, „Le Sacre“) haben im Februar 2017 Premiere.

Open Air, im Live Stream, auf Arte TV und natürlich auf der Bühne wird der Korsar nach der fulminanten Premiere zum letzten Mal in dieser Saison tanzen. In der Premierenbesetzung ist die Aufführung von mehreren Kameras aufgezeichnet worden. Mag sein, dass es diese stummen aber sehr aufmerksamen Zuschauerinnen waren, die die Tänzer_innen angepornt und die Vorstellung am 31. März so besonders gemacht haben.

Die Rechnung des Ballettdirektors ist aufgegangen. Seine Choreografie des Balletts „Le Corsaire“ begeistert das Publikum. Liudmila Konovalova als Médora, Kiyoka Hashimoto als Gulnare rissen auch in der Nachmittagsvorstellung am Ostermontag – die  4. der Serie – Stehplatz wie Parkett in der Wiener Staatsoper zu Beifallsstürmen hin. Richard Szabó debütierte mit Verve als des Korsaren Gegenspieler, Birbanto. 

Die Begeisterung hält an. Auch die der Premiere folgenden Aufführungen des von Manuel Legris inszenierten Balletts „Le Corsaire“ mit wechselnder Besetzung werden vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Zuletzt (21.,23.3.) debütierten Kiyoka Hashimoto (als Gulnare und gleich drauf als Médora), Olga Esina als Médora, Denys Cherevychko und Vladimir Shishov als Conrad, Masayu Kimoto als Birbanto, Mihail Sosnovschi und Francesco Costa als Lanquedem, sowie Nina Tonoli als Gulnare. Alle brachten sie neue Farben in Manuel Legris Choreografie und ernteten verdienten Applaus.

Im Anschluss an die Vorstellung von "Le Corsaire" am 23. März 2016 hat der Direktor des Wiener Staatsballetts Manuel Legris Kiyoka Hashimoto zur Ersten Solotänzerin der Compagnie ernannt. Die aus Japan stammende Tänzerin feierte an diesem
Abend ihr erfolgreiches Rollendebüt als Médora in einer ausverkauften Vorstellung von Manuel Legris’ Le Corsaire.

Natürlich ist es Fred Astaire, um den es in diesem Roman „Frederick“ geht. Oder auch: Er selbst, der große Tänzer, Choreograf, der auch gesungen und als Schauspieler agiert hat, geht um, ruht sich an manchen Stationen aus, verlässt andere, so schnell ihn seine flinken Füße tragen. Als sich das 20. Jahrhundert dem Ende näherte, hatte sich Frederick Austerlitz, genannt Fred Astaire,nach einer mehr als 70 Jahre währenden Karriere,  selbst überlebt. 

Mit einem gefühlvollen Salto rückwärts hat sich die Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker der Romantik in die Arme geworfen. Der 2014 entstandene Pas de deux „Verklärte Nacht“, war einer der Höhepunkte des Osterfestivals Tirol 2016. Cynthia Loemij und Boštjan Antončič haben in großen Halle des Innsbruck Congress (Dogana) zur Musik von Arnold Schönberg getanzt.

Mit seiner ersten eigenen Choreografie hat Ballettdirektor Manuel Legris das Premierenpublikum in der Staatsoper richtig begeistert. „Le Corsaire“, ein mehrfach bearbeitetes Ballett zur Musik von Adolph Adam und einigen anderen, eroberte letztlich in der Version von Marius Petipa von 1858 die Ballettbühnen der Welt. Nur in Wien war der gesamte Abend noch nie zu sehen – gewesen. Legris hat sich seiner angenommen und alles neu gemacht: Libretto, Musikzusammenstellung, Choreografie. Bis auf die paar von Gala-Aufführungen bekannten Nummern ist der Wiener „Corsaire“ ganz allein Legris’ Arbeit und Fantasie entsprungen.

Im Rahmen ihres Langzeitprojekts „Bedrohte menschliche Bewegungen“ zeigte nadaproductions (Amanda Piña & Daniel Zimmermann) das zweite Kapitel der Tänze aus der Vergangenheit. „Dance & Resistance“ ist ein durchchoreografierter Abend, an dem die alten Tänze aus Archiven und Museen zu neuem Leben erweckt werden und sich zu einer dramaturgisch perfekt gebauten Performance aus Tanz, Musik und Licht fügen. Nicht nur die Tänzerinnen bewegen sich im Kreis auch das Publikum des Tanzquartiers bildet eine Runde, wird zur Gemeinschaft.

„Ballett Revolution“ nennen die Tänzer_innen aus Kuba ihre Show, die bei hohem technischem Können eine wilde Stilmixtur bringt. Die Bewegungen des klassischen Balletts sind ihnen ebenso vertraut wie die kraftraubenden Six-Step des Breakdance. Der Erfolg ihres Auftritts vor zwei Jahren, lockt sie wieder nach Wien. Im Museumsquartier werden sie, begleitet von der Revolución-Band über die Bühne wirbeln.

Das Tanzquartier Wien und das sound:frame präsentierten mit Synaesthesia3 ein geballtes, abwechslungsreiches Programm mit Visuals, Choreografie und Sound, ein komprimiertes Festival mit vier Bühnen in der Halle E als Vorgeschmack auf die 10. Ausgabe des audiovisuellen Festivals. Neben Performances von Künstler_innen wie Noé Soulier, Liquid Loft / Chris Haring und DJ-Sets und Visuals von Joja + フーパ (V ARE) / Ferdinand Glück, Cid Rim / nita sind Ryoji Ikeda, Hiroaki Umeda, Planningtorock, Jefta Van Dinther und Thiago Granato die absoluten Held_innen der Nacht.

Die Tänzerin / Choreografin Gisela Elisa Heredia (tanz.coop)hat  ein Tanzstück über das Tanzen einstudiert. Aus Argentinien stammend, hat sie sich natürlich auf den Tango gestürzt. Ein Quintett (vier Tänzerinnen, ein Tänzer) zeigen „Smokey Hugs and Cappuccino“ ab 8. April im Wiener KosmosTheater.

Allmählich gerät das Blut in Wallung und das Fieber steigt: Am 20. März ist die Premiere des Seeräuberballetts „Le Corsaire“. Grund zum Feiern gibt es mehrfach: Zum ersten Mal wird der Hit aus dem 19. Jahrhundert in Wien gezeigt, zum ersten Mal hat sich Ballettchef Manuel Legris an eine Choreografie gewagt, für das Ballettensemble ein Debüt auf allen Linien. Robert Gabdullin, Maria Yakovleva, Davide Dato, Liudmila Konovalova, Kirill Kourlaev, Alice Firenze und Mihail Sosnovschi holen an vorderster Front die Kohlen aus dem Feuer.

Die „ich bin O.K.“-Dance Company bringt mit „Kein Stück Liebe“ eine neue Produktion auf die Bühne des Akzent-Theaters. Elf TänzerInnen mit und ohne Behinderung setzen ihre Ängste, Sorgen und Fragen in Bewegung.
In mehreren Szenen befassen sich die TänzerInnen mit Themen, die in den aktuellen Nachrichten vorkommen, jedoch auch sie persönlich betreffen.

Neun Tänzer_innen des SEAD Bodhi Projects (Salzburg Experimental Academy of Dance) zeigen im Dialog zur Musik, gespielt von acht Musiker_innen des oenm., ihre Bilder von Zeit.  Mit der Produktion „Zeit–Bild“ waren das oenm. (Österreichisches Ensemble für Neue Musik) und der Choreograf Etienne Guilloteau zum ersten Mal beim Osterfestival Tirol im ehemaligen Salzlager von Hall in Tirol.

Ohne Titel (2000)“ nennt Tino Sehgal widerwillig seine 2000 als Solo entwickelte Performance, weil ein Titel einfach notwendig ist. Fünfzehn Jahre nach er Erstaufführung hat er die Choreografie mit drei Tänzern einstudiert. Im nahezu familiärem Rahmen des Osterfestivals Tirol ist Andrew Hardwidge, Frank Willens und Boris Charmatz ein großartiger und unterhaltsamer Vorstellungs-Hattrick gelungen.

Drei splitternackte Tänzer treten nacheinander in unterschiedlichen Räumen als lebendige Archive der Choreografie auf. Vor 15 Jahren hat der damals junge Konzeptkünstler Tino Sehgal sein Stück „Ohne Titel“ bei der Tanzplattform Deutschland vorgestellt. Bei der Wiederaufnahme im Tanzquartier lässt er Andrew Hardwidge, Frank Willens und Boris Charmatz die Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts bewegt in Erinnerung rufen.

Medusa-Assoziationen“ könnte Bert Gstettner seine Ode im Odeon auch nennen. So viele Gedanken hat er sich dazu gemacht. Gemeinsam mit dem Maler Hannes Mlenek und dem Komponisten Günther Rabl hat er unter seinem Label Tanz*Hotel einen Klang-Raum-Bild Erlebnis geschaffen, das nach der ersten Aufführung in der alten Expedithalle der Ankerbrot-Fabrik überarbeitet ins Odeon übersiedelt ist. Wirklich gut getan hat das dem choreografischen Schauspiel nicht.

Eine neue Veranstaltungsreihe hat in Wien Premiere. Unter der Abkürzung VIBE – klingt gut, ist englisch und lässt an positive Schwingungen und gute Stimmung denken – sind junge Tänzerinnen und Tänzer aus aller Welt eingeladen, ihre Können zu prüfen und zu verbessern, einander kennen zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln. Gregor Hatala, Präsident des ÖTR, ist Organisator und Hauptsponsor. Zum Abschluss lockt ein Galaabend ins Wiener Volkstheater.

Zwei Sängerinnen, zwei Sänger, einen Tänzer und drei Musiker genügen, um die Geschichte der freiheitsliebenden Carmen auf der Bühne zu zeigen, ohne den Komponisten der gleichnamigen Oper, Georges Bizet, zu verletzen. Inszeniert von Andreas Zimmermann, musikalisch arrangiert von Tscho Theissing, ergötzt dieses Gustostückerl das begeisterte Publikum in der schmucken Kammeroper.

An der Schwelle zum Barock, eine mehr oder weniger willkürliche Bezeichnung für eine Epoche der europäischen Kunstgeschichte, hat es William Shakespeare bereits gewusst: Die Welt spiegelt sich im Theater. Das augenfälligste und üppigste Beispiel dafür ist das barocke Theater mit seiner Maschinerie, den großartigen (und teuren) Festen und fürstlichen Auftritten. Das Theatermuseum widmet diesem „Triumph des Theaters“ eine ansehnliche Ausstellung.

Zuerst wurde in Moskau heftig geklatscht und gleich danach in Essen. Andrey Kaydanovskiy, hervorragender Tänzer und Charakterdarsteller sowie erfolgreicher Choreograf, als Halbsolist Mitglied des Wiener Staatsballetts, hat am Stanislavsky Theater eine neue Choreografie "Coffe or Tea" gezeigt und ist im Rahmen einer Ballettgala im Essener Aalto Theater mit dem "Deutschen Tanzpreis 2016" in der Kategorie "Zukunfkt" ausgzeichnet worden. Bereits im Sommer 2015 stand Kaydanovsiy auf dem Podest, als er im Rahmen des Internationalen Tanzfestivals TANZOLYP mit dem Special Prize als „Best Dance Theatre Performer and Choreograph“ ausgezeichnet worden ist.

Mit Irina Tsymbal als Tatjana und Eno Peçi in der Titelrolle erzählt John Crankos gefühlvolles Ballett „Onegin“ weniger von der schwärmerischen Liebe eines jungen Mädchens als von den reifen Gefühlen einer wissenden Frau. Alice Firenze und Masayu Kimoto tanzten des zweite Liebespaar, Olga und Lenski, zum ersten Mal und konnten ebenso wie das Hauptpaar begeistern.

Der Titel des neuen Romans von Ana Bilić sagt es schon: Es bleibt bei der Absicht. Lidia hat alles vorbereitet, um ihren Mann umzubringen. Er muss weg, sie will ein neues Leben beginnen, doch einer Scheidung würde er nie zustimmen. Also wird ein Pilzgericht gekocht.

Als „Tanzoper“ hat die Linzer Ballettchefin Mei Hong Lin Christoph Willibald Glucks „Orfeo ed Euridice“ inszeniert. Daniel Linton-France dirigierte die Premiere im Musiktheater Volksgarten; der Extrachor singt und agiert mit dem Tanzensemble des Landestheaters. Knappe anderthalb Stunden dauert die abgeschlankte Version.

Superamas gönnt dem Publikum einen ersten Blick in den Arbeitsprozess für ein neues Stück, in dem sich die Compagnie mit Gewalt, Krieg und Terror beschäftigen wird. Für zwei Abende im Tanzquartier hat Superamas Ergebnisse ihrer Recherchearbeit, Fundstücke aus Musik- und Filmarchiven und selbst produzierte Szenen gezeigt, um einen Eindruck ihrer Assoziationen, Gedanken und Emotionen zu vermitteln.

Mit acht Körpern, zwei Tänzerinnen, zwei Tänzern, vier weiß gekleideten kopflosen Puppen, zeigt Saskia Hölbling im Odeon das Untergehen des Individuums in der Masse. Ausbruch ist kaum noch möglich, die Menge fängt den Einzelnen immer wieder ein. Mit einer fremden, neuen Körpersprache zaubert die Choreografin schöne, eindrucksvolle Bilder. Körper im Nahkampf.

Die ehemalige Solotänzerin und Probenleiterin des Wiener Staatsballetts, Trägerin des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst, Marialuise Jaska ist überraschend, nach kurzer schwerer Erkrankung in Mistelbach verstorben. 1969 wurde die damals 15jährige Ballerina in das Wiener Staatsopernballett aufgenommen, ihre Karriere hat sie als Erste Solotänzerin beendet. Bis 1998 gehörte sie, zuletzt als Probenleiterin, dem Ballettensemble der Wiener Staatsoper an.

Spannender und dichter kann man sich Wolfgang Amadeus Mozarts Opera buffa „Le Nozze di Figaro“ gar nicht wünschen. Bernd R. Bienert inszenierte das Werk für sein Teatro Barocco in größtmöglicher Annäherung an eine historische Aufführungspraxis, mit berückender Musikalität und Gestik. Sogar der Ort ist Geschichte: Das ehemalige kaiserliche Hoftheater in Schloss Laxenburg, wo Mozarts Meisterwerk kurz nach der Uraufführung in Wien 1786 gespielt wurde.

Seit zwanzig Jahren bereichert das Festival „Osterklang“ im Theater an der Wien nun schon die Osterzeit. Immer wird etwas Besonderes geboten, und heuer sind musikalische Schätze wie die Oper (Dramma per musica) „Agrippina“ von G. F. Händel, J. S. Bachs h-Moll Messe, das Oratorium „Il primo omicidio“ von Alessandro Scarlatti oder “Das große Abend- und Morgenlob“, die „Ganznächtliche Vigil“ für Chor a capella op.37 (1915) von Sergei Rachmaninow an unterschiedlichen Spielorten zu genießen.

Der in Deutschland lebende französische Regisseur und Choreograf Laurent Chétouane setzt Kleists Text über den Verlust der Anmut in Bewegung. Heinrichv on Kleits Essay "über das Marionettentheater" dient ihm als choreografische Parittur für sein Stück "Considering / Accumulation", das er mit einem Duo aus Tänzerin und Ttänzer, einem Pianisten und einer Stimme aus dem Off auch im Tanzquartier gezeigt hat.

Mit einer gelungenen Mischung aus Live-Video, Film, Theater und Comic unterhält das Team von TWOF2 + dascollectiv im Dschungel junges Publikum ab 13 aufs allerbeste. Giovanni Jussi, Schauspieler mit Multitalenten, ist die Comicfigur Jean-Luck, die dem papierenen Gefängnis entkommen will. Beste Unterhaltung mit Anspruch.

Eine interessante Kombination gab es im Festspielhaus in St. Pölten zu sehen und zu hören. Das Tonkünstlerorchester spielte die selten an einem Abend gemeinsam zu hörenden drei römischen Tondichtungen von Ottorino Respighi visuell untermalt und umrahmt von einer Videoprojektion von La Fura dels Baus. Dadurch entstand zeitweise eine ungeheuer dichte visuell-akustische Kulisse, die einen in ihren Bann zog und umhüllte.

Aus welchen Bewegungseinheiten setzt sich der traditionelle nordindische Tanzstil „Kathak“ zusammen und wie gehen zeitgenössische Tänzer damit um? Gibt es eine Brücke zwischen traditionellem und zeitgenössischem Tanz? Frage, die vom Kathak-Tänzer Vikram Iyengar in einer Choreografie von Preethi Athreya, Tänzerin und Choreografin aus der Metropole Madras am Golf von Bengalen, beantwortet werden. Der präzisen, bündigen Performance im 21er Haus, "Acrross not Over", fehlt eine Einführung, um wirklich zu verstehen, was zu sehen ist. Sie würde den Eindruck vertiefen.

An drei Abenden zeigt Ian Kaler zwei Teile seiner als Tetralogie angelegten choreografischen Reihe „o.T.“ plus der kondensierten Zusammenschau der zwei Teile: „synopsies“. Auch durch die bestimmende Mitwirkung des Tänzers / Choreografen Philipp Gehmacher, des/der Musiker_in Jam Rostron (Planningtorock) und des Lichtkünstlers Jan Maertens war der 2. Teil, „gateways to Movement“ spannend und eindrucksvoll.

Li Xuelian, eine junge Bäuerin, tappt in ihre eigene Falle. Weil sie ein zweites Kind erwartet, was wegen der chinesischen Ein-Kind-Politik, ihrem Mann den Job kosten könnte, will sie sich scheiden lassen. Pro Forma nur. Dann hätte jeder ein Kind, noch Ehemann Qin Yuhe den Sohn und Li Xuelian das erwartete Mädchen.

Das renommierte Osterfestival Tirol in Hall i. T. und Innsbruck lädt 2016 unter dem Motto „Liebe“ ein. Vom 11. Bis 27. März finden ausgesuchte Konzerte und Tanzveranstaltungen statt, die entspannen, vielleicht auch verstören, auf jeden Fall bereichern und zum Nachdenken anregen. Maria Crepaz, die Gründerin und Managerin des Festivals und Tochter Hannah, die künstlerische Leiterin, haben ein exquisites Programm zusammengestellt.

„Dance, if you want to enter my country!“, nennt der Choreograf und Performer Michikazu Matsune einen Abend, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Begleitet wird die imponierende Vorstellung von einer Gruppenausstellung unter dem Titel „Towards the other side oft he world“, obwohl die Welt rund ist, hat sie zwei Seiten. Matsune erzählt, sinniert und erinnert tanzend an die Alvin Ailey Dance Company.

Madonna oder Mutter oder gar Mätresse? Beim Figurentheaterfestival im Kosmos Theater nehmen international bekannte Künstlerinnen die tradierten und mythologisierten starren Frauenbilder unter die Lupe. An drei Abenden präsentiert die Figurenspielerin und Initiatorin und künstlerische Leiterin des Festivals, Cordula Nosek, in dessen vierter Ausgabe an drei Abenden fünf Künstlerinnen, die umstrittene Frauenfiguren der klassischen Weltliteratur kritisch und unkonventionell interpretieren.

Wie zeitlos John Crankos Ballett „Onegin“ (nach Puschkin) ist, zeigt in der Wiener Staatsoper jede neue Besetzung. Mit prickelnde Lebendigkeit reißen Natascha Mair und Davide Dato (Rollendebüt als Olga / Lenski) auch das Corps mit. Ketevan Papava ist als Tatjana weniger naiv als selbstbewusst und überaus erotisch. Vladimir Shishov ein düsterer, gefühlskalter Onegin. Beide Paare ernteten verdienten Applaus.

Nina Poláková und Roman Lazik waren die umjubelten Stars des ersten Abends einer sechs Vorstellungen umfassenden Serie des Ballettklassikers von John Cranko „Onegin“. Nach einer verpatzten Uraufführung 1965 präsentierte Cranko 1967 eine Neufassung und eroberte damit die Ballettwelt. Seit zehn Jahren ziert „Onegin“ auch das Repertoire des Wiener Staatsballetts.

Lang hat er es nicht ausgehalten, der aus Amerika, wo er Erster Solist am New York City Ballet war, gerufene Direktor des Paris Opernballetts. Nach nur zweieinhalb Jahren hat Benjamin Millepied, 40, das Handtuch geworfen. Neue Ballettchefin ist ab September 2016 die erst im Vorjahr verabschiedete "Ètoile" Aurelie Dupont.

Mit einer Neuadaption seines ursprünglich für das Berliner Grips-Theater geschrieben Stückes punktet Autor und Regisseur Volker Schmidt beim jungen Publikum im Dschungel. Hauptdarstellerin Nancy Mensah-Offei gibt dem Stück Leben und Spannung.

Der Tänzer und Choreograf Raúl Maia führt sein Publikum in einen imaginären Raum aus Bewegung, Text, Musik und Licht. Auf der im Tanzquartier-Studio aufgebauten schrägen Bühne entsteht eine intensive, eindrucksvolle Performance, die sich jeglicher vorgegebenen Deutung entzieht. Abstrakt und konkret, magisch und poetisch, düster auch und beklemmend.

"Onegin", das wunderbare Ballett von John Cranko, steht ab Anfang Februar sechs Mal auf dem Spielplan. Cranko hält sich mit seiner Choreografie von Puschkins Versroman "Eugen Onegin" so ziemlich an das Libretto für Peter Tschaikowskis gleichnamige Oper. Getanzt wird ebenfalls zu Musik von Tschaikowski, jedoch können Opernfreundinnen nicht mit trällern. Karl-Heinz Stolze hat ein Mosaik aus verschiedenen Kompositionen zusammengestelt.

Die Medusa, das vor 200 Jahren gesunkene Schiff und die Gorgo mit den Schlangenhaaren, lassen Bert Gstettner nicht los. Im vergangenen Herbst hat das erste Ergebnis der als work in progress konzipierten Multimedia-Performance in der riesigen Halle der Ankerbrotfabrik beeindruckt. Aus „Medusa*Expedit“ ist nun „Medusa*Ode“ geworden und diese wird im magischen Ambiente des Odeon Theaters aufgeführt.

Die Choreografin Doris Uhlich bewegt im Tanzquartier acht Tänzer_innen im unaufhörlichen Rhythmus elektronisch hämmernder Geräusche als wären sie Marionetten. „Boom Bodies“, die an ihr Limit gehen, rennen, purzeln und rutschen. Aller Respekt gebürt den acht Performer_innen.

Bernd R. Bienert, dem Gründer und Intendanten des Teatro Barocco, ist es gelungen Wolfgang Amadé Mozarts Oper „Le Nozze di Figaro“ an seinen Ursprungsort zurückzuführen. 230 Jahre nach der Uraufführung im (alten) Burgtheater lässt Bienert Figaro im ehemaligen kaiserlichen Hoftheater in Schloss Laxenburg heiraten. Auch ein originaler Aufführungsort, denn gleich nach der keineswegs umjubelten Premiere übersiedelte die Aufführung nach Laxenburg.

Im Rahmen des EU-geförderten Projekts SWICH – Sharing a World of Inclusion, Creativity and Heritage – ist im Jänner und Februar 2016 die Künstlerin Rajkamal Kahlon im Weltmuseum Wien zu Gast.

Im Jahr 1898 verlässt um der Liebe willen ihre gutbürgerliche Familie und zieht mit ihrem frisch angetrauten Mann an die wilde Küste Kaliforniens. Gemächlich, in einfachen Sätzen erzählt die Amerikanerin Christina Schwarz vom Leben am Rand der Welt und dem Geheimnis, das die dort ansässige Familie Crawley bewahrt.

Unter dem Schirm von Dance Ability wird auf der Bühne experimentiert. Dichter und Dichterin, Musiker und Musikerinnen, Tänzer und Tänzerinnen treten gemeinsam auf, erzählen tanzend, singend, rezitierend und spielend eine Geschichte. „Jattle, BAM + poetry“ ist jedes Mal wieder ganz neu und für Mitwirkenden ebenso vergnüglich wie für die Zuschauerinnen.

Eine „Apokalypse“ droht dem Festival der Alten Musik im Wiener Konzerthaus bestimmt nicht. Einmal mehr brachten großartige Ensembles spannende Werke vom Mittelalter bis Barock zur Aufführung und das Publikum zur Begeisterung. Highlights der vergangenen Woche waren die virtuosen I Turchini di Antonio Florio mit Sopranistin Francesca Lombardi Mazzuli und das charismatische Ensemble Micrologus mit Patrizia Bovi.

Aufgeregtes Gewusel im Studio des Dschungels. Dreijährige sind eingeladen, Raffaela Gras und Stefanie Sternig (Künstlerkollektiv „kunststoff“) dabei zuzusehen, wenn sie ausprobieren und demonstrieren, was verboten ist und was erlaubt. „Nein“ kommt öfter vor als „Ja“ und das ist überaus lustig und abwechslungsreich, denn sich über Verbote hinwegzusetzen, ist bekanntermaßen ein Vergnügen. Nicht nur für Kinder. "Messer Gabel Schere Licht" (Du darfst nicht) ist Pläsier für Klein und Groß. 

Der international bekannte Choreograf Erik Kaiel hat mit dem Tanzensemble des Dschungel (Steffi Jöris, Maartje Pasman, Rino Indiono) ein Trio einstudiert, das ohne Worte die griechische Sage von Ikarus, der zu nahe an die Sonne geflogen ist, sehr frei nacherzählt. Fliegen und Fliehen sind die Themen mit denen Kaiel spielt.

So fröhlich und festlich wie einen Kindergeburtstag haben die jungen Talente Natascha Mair und Jakob Feyferlik ihr Debüt im Ballett von Frederick Ashton „La Fille mal gardée“ gefeiert. Anfangs noch vorsichtig die Schritte setzend, konnten beide nach dem perfekt gelungenen „Fanny-Elßler-Pas de deux“ sichtlich entspannt, ihre Fähigkeiten voll entfalten.

In einer kalten Winternacht des Jahres 1918 besteigt der 14-jährige Moshé Feldenkrais in seiner umkämpften ukrainischen Heimatstadt einen Pferdekarren und wird von einem Schmuggler durch ein gefährliches Sumpfgebiet nach Polen gebracht. Seine weitere abenteuerliche Odyssee führt ihn auf die staubigen Baustellen Tel Avivs und mitten hinein in die Straßenkämpfe mit feindlichen Arabern, in das Radium-Institut des Ehepaars Joliot-Curie in Paris, das London des „Blitz“ und in die geheime Anti-U-Boot-Forschungsabteilung Churchills im Norden Schottlands.

Eine große Portion Händel gab es am Eröffnungswochenende der „Resonanzen“. Das beliebte Festival Alter Musik setzt in diesem Jahr dramaturgisch auf die „Apokalypse“ und ließ mit dem Concerto Copenhagen wahre Meister ihres Faches Händels „Israel in Egypt“ aufspielen, kongenial unterstützt vom Nederlands Kamerkoor. Nicht ganz so glanzvoll, aber solide dann am Sonntag das tschechische Collegium 1704 mit Händel und Telemann.

Mit zwei Stücken, dem kurzen Vorspiel „Metric Dozen, und „Model“, im Sommer 2015 uraufgeführt, krönte der Choreograf Richard Siegal mit Tänzer_innen des Bayerischen Staatsballetts und aus Marseille seinen Aufenthalt als Artist in Residenz im Festspielhaus St. Pölten. „Metric Dozen“, 2014 zum ersten Mal gezeigt, wurde mit heftigem Johlen und Klatschen bedankt. „Model“ ließ das Publikum etwa ratlos zurück.

Nach der Gala von Jérôme Bel, der ersten überhaupt, bei der ich mich nicht gelangweilt habe, läuft das Programm der zweiten Saisonhälfte im Tanzquartier so richtig an. Publikumslieblinge wie Doris Uhlich oder Superamas wechseln mit Studioaufführungen und Langzeitprojekten, wie Claudia Bosses „Ideale Paradise“ ab. Die Redereihe beschäftigt sich mit der „Lust am Text“ und die erst im Herbst geöffnete Mediathek wird ständig erweitert und auch eifrig genutzt.

Philosophen bieten oft schlechtes Theater anstatt guter Philosophie, wenn sie im Fernsehen auftreten. Sie kauen an Brillenbügeln, blicken in ferne Höhen und geben dabei vor zu philosophieren. So denkt der Wiener Philosoph Robert Pfaller und sagt, dann lieber gleich echte Schmiere. Gemeinsam mit Katharina Lacina und Katharina Baumhakel lud er in den Rabenhof zur Premiere der Show „Die großen Knaller bei Robert Pfaller“. Stargast: Karl Marx.

Fast ein Kommentar.
Bequem sitzt das zur Berichterstattung geladene Publikum in den gepolsterten Sesseln. Das Textbuch, das ihm in die Hand gedrückt worden ist, kann nicht gelesen werden, der Raum ist abgedunkelt. Ist auch logisch: Wir sind im Kino, im schönen Blickle-Kino des 21er Hauses. Hell ist die Leinwand, auf der ein Zusammenschnitt aus demnächst zu sehenden Filmen abschnurrt. Instant-Kino.

Es gibt jede Menge begabter und auf die Bühne drängender, junger Ballerinas und Ballerinos – das ist die Erkenntnis des Abends „Junge Talente des Wiener Staatsopernballetts II“ vom 7. Jänner in der Volksoper. Wieder einmal präsentierte Ballettdirektor Manuel Legris dem Publikum, wie hoch das Niveau der Newcomer bereits ist, unterstützt von der bewährten musikalischen Leitung Wolfram-Maria Märtigs.

Ein Neujahrskonzert ganz nach meinem Geschmack. Ohne jegliche Künstlichkeit. Tanzeinlagen an neuen Orten, in der Freudenau und im Park von Schönbrunn, fröhlicher mit Engelsstimmen geträllerte Polkagesang (Wiener Sängerknaben) und Walzermusik, so leicht und schmelzend, wie schon lange nicht. Auch der Pausenfilm war erfreulich musikalisch, dezent und unterhaltsam.

Publikum wie Tänzer lieben die Witwe Simone, Mutter der eigenwilligen Lise im Ballett „La fille mal gardée“. Tänzerisch wie darstellerisch herausfordernd, wird diese Rolle, die viel Raum für vorsichtige Improvisation lässt, traditionell von einem Mann getanzt, komisches Talent vorausgesetzt. In der aktuellen Serie, triumphierte Roman Lazik, nach ihm haben Eno Peçi und Andrey Kaydanovskiy die Holzschuhe angezogen.

Nur noch zehn Tage ist die großartige Retrospektive von Joseph Cornells Werk im Kunsthistorischen Museum zu sehen. 30 Jahre war der amerikanische Künstler in Europa nicht präsent, die von Jasper Sharp (KHM) und Sarah Lea (Royal Academy London) kuratierte Ausstellung zeigt wichtige Werke aus allen großen Serien, die Cornell in vierzig Jahren geschaffen hat.

Wenn es ein Weihnachtsstück in dieser Wiener Ballettsaison gibt, ist es jedenfalls nicht „Die Schneekönigin“. Der wahre Feiertagsspaß ist das mehr als zweihundert Jahre alte Stück „La Fille mal gardée“ in der Choreographie von Frederick Ashton an der Staatsoper, gut in jeder Besetzung. Diesmal mit Maria Yakovleva, Eno Peçi, Mihail Sosnovschi und Richard Szabó.

Nach der Zeitreise durch die Eremitage in St. Petersburg, „Russian Ark / Russische Arche“, einem Film, der 2002 in nur einer Einstellung gedreht worden ist, widmet sich der russische Regisseur und Drehbuchautor Alexander Sokurov nun dem Louvre in Paris. Im Film „Francofonia“ diskutiert Sokurov unterschiedliche Ideen und Auffassungen über die Bedeutung von Kunst, im Besonderen von Museen. Ein ungewöhnlicher, spannender Film.

Der brasilianisch-deutsche Geiger José Maria Blumenschein, 30, wird am 1. September 2016 die Stelle eines Konzertmeisters des Staatsopernorchesters / Wiener Philharmoniker antreten. Die Stelle ist durch die Pensionierung von Rainer Küchl (nach 45 Dienstjahren), frei geworden. Blumenschein wurde in Freiburg im Breisgau geboren.

Ioanna Avraam tanz in der Volksoper die Titelrolle in Michael Corders Ballett „Die Schneekönigin“ zur Musik von Sergej Prokofjew. Das junge Paar, Gerda und Kay, wird von Nina Tonoli und Greig Matthews verkörpert. Neu besetzt sind auch die beiden Rosenknaben: Andrey Kaydanovskiy und Tristan Ridel bescheren Nina Tonoli als Gerda süße Träume. Wie schon bei der Premierenbesetzung spendete das Publikum begeistert Applaus.

Man kann es nicht oft genug sehen dieses Ballett vom fröhlichen Landleben und der Liebe von Lise und Colas aus dem 18 Jahrhundert. Frederick Ashton hat „La Fille mal gardée“ 1960 nach dem Libretto von Jean Dauberval neu choreografiert. Wie frisch und fröhlich die zwei Akte immer noch sind, spürt auch das Publikum und beklatscht freudvoll auch die zweite Serie in neuer Besetzung.

Zwei Jahre lang hat sich der Tänzer / Choreograf Georg Blaschke mit Hieronymus Boschs „Weltgerichtstriptychon“ auseinandergesetzt. Mit dem Solo „Stains“ hat er nun das choreografische Triptychon vollendet. Der Körper dient als Medium, Bewegungs- und Choreografie-Möglichkeiten, die das detailreichen Flügelbild bietet, auszuloten, zusammenzufassen und zu reduzieren. Zu sehen war die Premiere im Kulturraum Brick-5.

Wenn neue Romane als sensationelle Bestseller angekündigt werden, die Autoren_innen als Überraschung Preise geschenkt bekommen und die Verlage den Buchändlern_innen Sonne, Mond und Sterne zur Dekoration zur Verfügung stellen, dann ist Vorsicht geboten, sind Zweifel angesagt. Daher Vorsicht bei den Hymnen über den neuen Roman Australierin Eleanor Catton. Mit mehr als tausend Seiten, viel Leerlauf und einem konstruierten Personal bieten „Die Gestirne“ nicht viel mehr als ein Wälzer. Eine Sensation ist das nicht.

Alte Musik vom Mittelalter bis zum Barock, von jungen und bunten Ensembles auf Originalinstrumenten gespielt, von einem aufgeschlossenen, begeisterten Publikum gehört, ohne den elitären Gestus der Klassik und Romantik – das ist das Erfolgsrezept der Resonanzen. Diesmal stehen die musikalischen Kostbarkeiten im Zeichen der „Apokalypse“.

Gerhard Jelinek erzählt Geschichte und Geschichten von / aus / über Österreich. Geschichten, die er als Wendepunkte in der Geschichte eines Landes, das sich gar nicht so genau definieren lässt, empfindet. Positiv denkend, befasst sich Jelinek nicht mit verlorenen Kriegen, verheerenden Epidemien, Meinungsterror und anderen Katastrophen, sondern berichtet von jenen Ereignissen, die die Weichen zum Besseren gestellt haben.

Was wie eine kitschige Liebesgeschichte beginnt, wandelt sich bald zu einem bestens choreografierten Entwicklungsroman, in dessen Mitte die Liebe zum Ballett steht. Für Spannung sorgt ein Geheimnis, das die Leserin noch vor der Offenlegung selbst entschlüsseln darf. Der Zauber des Balletts und die Hektik der Proben stehen in scharfem Kontrast zum geschilderten ruhigen Familienleben in Kalifornien.

Zur Musik Sergej Prokofjews erzählt der britische Choreograf Michael Corder Hans Christian Andersens Märchen von der „Schneekönigin“ als Ballett. In der an Hollywood-Märchenfilme erinnernde üppigen Ausstattung tanzt das Wiener Staatsballett in der Volksoper. Noch zehn Mal ist die eiskalte Könign nach der Premiere zu bewundern – der Publikumsansturm ist kaum zu bewältigen.

Wie es der Gentleman Phileas Fogg und sein Diener Jean Passepartout schaffen, eine schier aussichtslose Wette zu gewinnen und in 80 Tagen rund um den Erdball zu reisen, zeigt Beppo Binder im Stadttheater Baden. Aus Jules Vernes bekanntem Roman hat der Autor und Regisseur gemeinsam mit dem Komponisten Pavel Singer ein Musical für die ganze Familie geschaffen, dass zwei Stunden lang aufs beste unterhält und auch in Spannung versetzt.

Im Rahmen ihrer weltweiten Abschiedstournee gastierte die französische Startänzerin Sylvie Guillem diese Woche im Festspielhaus St. Pölten. Das aus vier Stücken bestehende Programm wurde heftig bejubelt, obwohl der Abend weder choreographisch noch tänzerisch restlos überzeugen könnte. Nach letzten Vorstellungen in Japan wird Guillem Ende dieses Jahres ihre Karriere als Tänzerin endgültig beenden. Was sie danach machen wird, lässt sie offen.

Am 12. Dezember wird die Virgilkapelle, einer der besterhaltenen gotischen Innenräume Wiens, nach Renovierung und Neugestaltung, wieder geöffnet. Die im Zuge des U-Bahn-Baus entdeckte Kapelle ist in der U-Bahn-Station Stephansplatz zu finden.

Der junge französische Tänzer, Choreograf und Philosoph Noé Soulier zeigt im Tanzquartier Köper in Bewegung, Gesten, Handlungen, Aktionen – immer nur im Ansatz. Keine Geste, kein Ablauf wird zu Ende geführt. „Removing“ ist eine Aneinanderreihung von Sequenzen abgebrochener, gestoppter Bewegung. Spannung entsteht, weil gewohnte Folgen gebrochen werden, Erwartung nicht erfüllt wird.

Eine silberne Kugel und ein goldener Würfel sind die magischen Objekte der ersten Geometriestunde für Dreijährige. Die zauberhafte Choreografie „Rundum eckig“ von Karin Steinbrugger war als doppelte Premiere im Tanz*Hotel / Bert Gstettner zu sehen. Ein brandneues Stück und das erste für ganz Kleine im „Artist At Resort“-Projekt von Gstettner im Tanz*Hotel.

In seiner neuen Choreografie, "What kind of Animal is" lädt der Tänzer und Choreograf Elio Gervasi nicht zu einem Quiz in den Tiergarten ein, sondern beschäftigt sich mit einem urmenschlichen Problem: der Balance zwischen dem Bedürfnis, ein einmaliges Wesen, ein Individuum, zu sein und der Sehnsucht, dazu zu gehören, von der Gemeinschaft anerkannt zu werden. Mit den Tänzer_innen sucht er nach dem innersten Wesen des Menschen, differenziert zwischen Chaos und Ordnung, zwischen Freiheit und Bindung, dem Einzelnen und dem Ganzen. Die Uraufführung der choreografischen Reflexion findet Mitte Dezember im Tanzquartier statt.

Schneeflocken rieseln vom Himmel, im kalten Licht glitzert und funkelt der Palast der Königin. Majestätisch und gebieterisch schwebt sie durch ihr eisiges Reich. Da zerbricht ihr magischer Spiegel. Doch das ist nur das Vorspiel, gleich werden Kay und Gerda vorgestellt. Sie stammen aus Hans Christian Andersens Märchen „Die Schneekönigin“, sind jedoch in Michael Corders Choreografie in Russland geboren. Das 2007 entstandene Ballett wird demnächst in der Volksoper die finstersten Tage des Jahres erhellen.

Elsa Freitag und Anna Geiger haben in der Vorbereitung für die Matura den Solotänzer des Wiener Staatsballetts Eno Peçi befragt und jede Menge interessante Antworten erhalten. Das von mir gekürzte Ergebnis ist es Wert, veröffentlicht zu werden.

Noch bis zum 9. März wird die frische Version (Carl Philip von Maldeghem) nach Shakespeares Drama "Romeo und Julia" am Salzburger Landestheater gespielt. Romeo ist Tim Oberliessen, Julia Nikola Rudle. Dass ich begeistert bin, versteht sich von selbst.

"Romeo und Julia", Carl Philip von Maldeghem. Nächste Termine: 2., 15., 18., 21., 30.12. 2015. Salzburger Landestheater.

Nicht immer muss das klassische Ballett mit todernster, womöglich sogar gelangweilter, Miene betrachtet werden. Es darf in Spezialfällen auch herzlich und anhaltend gelacht werden. Etwa bei der herzerfrischenden Choreografie des alten „Strohballetts“ von Frederick Ashton: „La Fille mal gardée“ wurde nach 8jährigem Schlaf im Staatsopern-Archiv von Ballettdirektor Manuel Legris wieder ins Bühnenlicht gehoben. Das befreiende Lachen während und der dröhnende Applaus am Ende der Vorstellung geben ihm mehr als Recht.

Natur und Landschaft Alaskas, das Meer, der eisige Gletscher samt seinen tiefen Spalten, aus denen es kein Entkommen gibt und ein Leuchtturm auf einer einsamen Insel  spielen die eigentliche Hauptrolle in diesem anregenden Roman von Rachel Weaver. Zwei junge Menschen, Anne Richard, die dem Gletscherwandern verfallen ist und Kyle McAllin, der sich als Fischer durchbringt, verlieben sich ineinander. Doch  beide tragen schwer an einem Geheimnis.

Mit Spielfreude und Fantasie unterhält die Theatergruppe TWOF2 im Dschungel Volksschulkinder mit Wahrheits- und Lügengeschichten. Regisseurin Maria Spanring hat einen witzigen Text über Lüge und Wahrheit geschrieben; Danijela Milijic, Andri Schenardi und Giovanni Jussi spielen, singen und tanzen mit und zur Begeisterung aller.

Liudmila Konovalova, Erste Solotänzerin im Wiener Staatsballett, ist ein bezauberndes Dornröschen, eine edle Schwanenprinzessin und ihr furioses schwarzes Double, doch sie kann auch das schelmische, schlecht erzogene Bauernmädchen Lise in „La Fille mal gardée“ sein. Die Wiederaufnahme des beliebten romantischen Balletts ist für die Ballerina eine echte Premiere. Mit Fleiß und Sachkenntnis hat sie sich die Choreografie von Frederick Ashton erarbeitet.

Der schwedische Autor Håkan Nesser, 66, ist immer wieder für eine Überraschung gut. Mit Tiefsinn und Hochspannung, Ironie und Metaphysik hat er seine Fangemeinde bereits gefesselt. Jetzt unterhält er auf Beste mit einem Abenteuermärchen. Der Schwede Arne Albin Hektor Murberg, in Kumla geboren, wie der Autor selbst, reist nach Berlin, um seine Mutter zu suchen.

Zum elften Mal haben Künstlerinnen am Residence / Coaching / Mentoring Projekt (AAR – Artist at Resort) im Tanz*Hotel teilgenommen. Vom 4. bis 6. Dezember zeigen sie ihre, in Begleitung von Bert Gstettner erarbeiteten, Choreografien. Für die Nachmittagsvorstellung hat die Tänzerin / Choreografin Karin Steinbrugger ein Stück für junges Publikum vorbereitet. Es ist nicht ihr erstes.

Die Geschichte von Peter Pan, der in Nimmerland lebt, geschrieben vor mehr als 100 Jahren, ist im Dschungel als Abenteuermärchen für Kinder zu sehen. Regisseurin Julia Burger und Julia Perschon (Dramaturgie) haben das Buch des Engländers James Matthew Barrie für Volkschüler bearbeitet. Spannend, witzig und magisch, ist die Vorstellung mit einem motivierten Ensemble ein rechtes Vergnügen.

Der Tänzer, Choreograf und prominente bildende Künstler Tino Sehgal konnte als Mentor des danceWEB Stipendienprogramms bei ImPulsTanz 2016 in Wien gewonnen werden. Zudem wird der Künstler das vielfältige Workshopprogramm im kommenden Jahr um eine eigene Kursreihe erweitern, die sich explizit mit den Wechselbeziehungen von Tanz und bildender Kunst auseinandersetzt. 
Zuletzt war Sehgals „Musée de l  Danse“ im Tanzquartier Wien  zu sehen.
2016 findet danceWEB von 13. Juli bis 17. August bei ImPulsTanz in Wien statt. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis 11. Dezember 2015, 12:00 Uhr MEZ. Weitere Infos und Onlinebewerbung auf www.lifelongburning.eu.

Die Uraufführung der Komposition „Moving Architecture“ (Monadologie XVIII) von Bernhard Lang zeigt neue Perspektiven für die Rezeption zeitgenössischer Musik auf. Der außergewöhnlichen Konzertabend, in Zusammenarbeit des Komponisten mit der Choreografin Silke Grabinger und dem österreichischen Ensemble Phace entstanden und im Rahmen des Festivals Wien Modern im Tanzquartier präsentiert worden.

Salon5 (Anna Maria Krassnigg und Christian Mair) hat sein gewohntes Ambiente verlassen und ist in das renovierte Metro-Kinokulturhaus  übersiedelt. Mit gutem Grund. „La Pasada – Die Überfahrt“ heißt die Kinobühnenschau mit einem Text Anna Poloni, bei der das Publikum Theater und Kino zugleich sehen darf. Theater ist hier und jetzt, der Film: das war einmal. In Anwesenheit der Schauspieler_innen und der Regisseurin Anna Maria Krassnigg zeigte das Publikum enthusiastisch seine Begeisterung.

Zum zweiten Mal findet das Festival scaPes – sound & choreography im Brick-5 statt. Bekannte Perforrmer_innen und internationale Gäste beschäftigen sich mit der Verbindung von Choreografie und Musik. Georg Blaschke zeigt den 3. Teil der choreografischen Auseinandersetzung mit Hieronymus Boschs „Weltgerichtstriptychon“.

Auf dem schwankenden Schiff tobt ein Kampf. Noch sind es weiche Gummischläuche, die gezückt werden, doch später, bei der Aufführung mit Publikum, werden es klingende Degen sein und das Krokodil wird seine scharfen Zähne in den bösen Kapitän Hook schlagen und ihn verschlingen. Doch für Maartje Pasman ist das Spiel noch nicht aus. Rasch raus aus der Piratenkluft, rein ins noble Kleid geschlüpft und ohne sichtbare  Kampfspuren entspannt im Lehnsessel schlummern.

Es sind schwierige Zeiten, und da tut es gut, im Theater gelegentlich lachen zu können. Wenn das Stück dann auch noch intelligent, komisch und satirisch ist, kann es fast nur von Nobelpreisträger Dario Fo stammen. Im Theater Akzent hat Hubsi Kramar den Dauerbrenner „Bezahlt wird nicht!“ inszeniert, ganz und gar nicht postdramatisch, aber dafür erfrischend für Herz und Hirn.

Die besten Clownfrauen aus aller Welt versammeln sich neun Tage lang im Kosmos Theater, um ihr Publikum mit Humor und Esprit zu unterhalten. Zum 5. Mal findet das internationale Clownfrauenfestival in Wien statt und bringt in 13 Vorstellungen auch Ur- und Erstaufführungen. Clownin ist eine Koproduktion von Gaby Pflügl & Pamela Schartner / theater super nova und Barbara Klein / Kosmos Theater.

Eve Harris, von Beruf Lehrerin, hat einen großartigen, tief berührenden und auch erkenntnisreichen Roman über das Leben orthodoxer Jüdinnen und Juden geschrieben. Die Geschichte von Chani Kaufman, Baruch Levy und der Rebbetzin Zilberman zeigt ein Leben, das allein durch den Glauben und die Schrift bestimmt ist.

Die Tänzerin Lucinda Childs hat ihre 1983 gemeinsam mit dem Komponisten John Adams und dem Architekten Frank O. Gehry geschaffene Choreografie „Available Light“ wieder aufleben lassen. Im Rahmen einer ausgedehnten Europatournee war das bahnbrechende Werk an einem Abend auch im Festspielhaus St. Pölten zu sehen. Keine Sensation mehr, doch ein Gesamtkunstwerk immer noch, postmodern, minimalstisch, im Einklang von Tanz, Musik und Bühnenarchitektur.

Es hat einige Zeit gedauert, bis sich der Status des ehemaligen Konservatoriums der Stadt Wien als Konservatorium Wien Privatuniversität akzeptiert war und sich die familiäre Anrede „KONSuni“ eingebürgert hat. Jetzt wurde die KONSuni zum MUK, was in Langschrift „Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien" heißt. Quasi ein neuer Schlauch für den alten Wein.

In einer bunten Montage aus Text, Bildern, Musik, Gesang und Tanz befassen sich die Tänzer_innen von The Loose Collective mit der nationalen Identität, besonders des jodelnden Alpenlandes Österreich. „The Music of Sound“ arbeitet mit Klischees und bietet ein unterhaltsames Heimatmusical als Puzzle aus einzelnen Szenen. Die Uraufführung fand beim steirischen herbst ’15 statt, bei der Wien-Premiere konnte sich das Publikum im Tanzquartier unterhalten.

Fremdartige Wesen kommen von einem andern Planeten auf die Erde, um Informationen zu sammeln. Es sind Ifos, geschlechtslos und auch ahnungslos. Sie erfahren, dass die Menschheit aus Mädchen und Buben und allem dazwischen besteht. „Zwischen Rosarot und Himmelblau“ ist ein originelles Tanzstück von Theater Ansicht, mit drei perfekten Tänzerinnen, das im Dschungel Wien Premiere gefeiert hat.

In «Monadologie XVIII» überführt Lang die Architekturpläne in musikalische Bewegungen. Dabei ziehen sich Fragmente von Bob Dylans «Like a Rolling Stone» wie ein roter Faden durch das Stück. Silke Grabinger hat die physischen Bewegungen dazu in einer Partitur festgehalten, für drei Tänzer_innen und auch das Ensemble PHACE. Nach der Uraufführung in New York hat das Werk im Rahmen von Wien Modern im Tanzquartier seine Österreich-Premiere.

Jiří Bubeníček, Erster Solist des Semperoper Ballett, wird am Mittwoch, 11. November in Sir Kenneth MacMillans »Manon« und der Rolle des Des Grieux seine Abschiedsvorstellung geben.

Mit den Mitgliedern des Postgraduate-Programms „Bodhi Project“ des Tanzzentrums SEAD erarbeitet der französische Choreograf Etienne Guilloteau in Salzburg derzeit ein Tanzstück zur Zeit. „Zeit-Bild“ wird im Rahmen des Festivals Dialoge der Stiftung Mozarteum Salzburg aufgeführt. Nach "Luft", "Licht" und "Wort", ist das Motto des Festivals – Konzerte, Filme, Gespräche und Tanz – heuer "Zeit". Im Zentrum stehen die Komponisten Morton Feldman Beat Furrer und Mozart, weil diese drei "für eine Musik ohne Floskeln und Klischees eintreten".

Im Rahmen ihrer zweiwöchigen Residenz im Tanzquartier zeigte die libanesische Choreografin Danya Hammoud ihr 2011 erarbeitetes Solo „Mahalli“, ein intensives komprimiertes Werk. Eine Frau bewegt sich im Raum, die sich durchsetzen und behaupten will. Nur eine knappe halbe Stunde dauert dieser unaufhörlich fließende Tanz, doch es ist alles gesagt. Danya Hammoud tritt zum ersten Mal in Wien auf.

Die sonnigen Oktobertage dürften heuer den Jubel über die Besucherzahlen der Viennale ’15 etwas gedämpft haben.
„Die Rekordzahlen des Vorjahres konnten nicht erreicht werden“, wird offiziell erklärt. Das war auch schwer: 98.200 Zuschauer_innen zählte man 2014. Heuer waren es 94.100, auch noch eine beachtliche Zahl. Dementsprechend ist auch die Auslastung zurückgegangen: Von 81,7 % auf 76,4. Immerhin waren von insgesamt 377 Vorstellungen 123 ausverkauft.
Viennale-Chef Hans Hurch hat noch drei Jahre, bis 2018, Zeit, neue Viennale-Rekorde zu verbuchen.
2017 wird die Festivalleitung vom Kulturamt der Stadt Wien neu ausgeschrieben werden. <--

Der hochangesehenen britischen Autorin Val McDermid neuestes Werk beginnt wie viele Kriminalromane: Mit einem Toten. Eigentlich mit zweien. Eine Leiche ist ganz frisch, mit durchgeschnittener Kehle liegt der Mann in Kreta auf der Schwelle seiner Wohnung. Die andere ist nur noch ein Skelett und liegt seit gut 7 Jahren hoch oben in einem unzugänglichen Turm eines historischen Gebäudes. Der Baukostenanalyst Fraser Jardine hat es gefunden, als er vor Höhenangst schwitzend und zitternd die Dachaufbauten untersuchen musste, um die Kosten für die Renovierung festzustellen.

Ohne Chef oder Chefin arbeitet das Loose Collectiv an seinen Produktionen. Die neueste, „The Music of Sound“ hat im Tanzquartier Premiere und kreist um das Thema „Heimat“. Dazu haben die Mitglieder der lockeren Gruppe eigene Erfahrungen gesammelt. Tänzerinnen und Tänzer sind in unterschiedlichen Ecken der Welt geboren.

Die alternative Besetzung nahezu aller Rollen des neuen Repertoire-Abends mit drei unterschiedlichen Choreografien – „Blaubarts Geheimnis" (2. Teil) von Stefan Thoss, „Fool’s Paradise“ von Christopher Wheeldon, „The Four Seasons“ von Jerome Robbins – zeigte welch großartiges Ensemble das Wiener Staatsballett unter Manuel Legris ist. Nahezu alle Rollen der drei Stücke sind Debüts, nur die Damen und Herren des Corps und wenige Solistinnen haben schon die erste Premiere getanzt.

Wieder mal das übliche Schicksal einer geplanten Serie. Der Erste Teil, in diesem Fall der erste Band einer angekündigten Trilogie, schraubt die Hoffnungen so weit in die Höhe, dass die Erfüllung im zweiten nicht eintritt. Mit der Protagonistin, Sophie Brinkmann, einer allein erziehenden Krankenschwester, zeigt Alexander Söderberg wie unscharf die Grenzen zwischen Gut und Böse und auch zwischen Verrat und Treue sind. Im ersten Band, „Unbescholten“, ist das großartig gelungen. Der zweite verwirrt, langweilt und enttäuscht.

Seit Jahren beschäftigt sich der Choreograf Georg Blaschke mit dem Weltgerichtstriptychon von Hieronymus Bosch, an dessen 500. Todestag im kommenden Jahr gedacht werden wird. Nach „The Bosch Experience part I“ in der Akademie der bildenden Künste (im Rahmen von ImPulsTanz2014) zeigt er nun in der Expedithalle der Brotfabrik „part II“ an einem Doppelabend mit lawine torrèn.

Der dreiteilige Ballettabend in der Staatsoper sollte so recht nach dem Geschmack des Publikums sein. Fordernd und schwierig zu Beginn, für beide Seiten – oben auf der Bühne, unten im Saal – und fröhlich entspannend im Finale von Jerome Robbins’ Ballett „The Four Seasons“. Der zweite Akt von Stephan Thoss’ großartigem Ballett „Blaubarts leitet den Abend ein, „Fool’s Paradise“ von Christopher Wheeldon bildet den magischen Mittelteil.

Der neue Roman von Anna Enquist ist zwar in Amsterdam, ihrer Heimatstadt, angesiedelt. Doch könnte jede andere Stadt, auch Wien, der Schauplatz sein. Die Förderung billiger Eventkultur und die Streichung der Subventionen für Kunst und Kultur, ist nicht nur ein niederländisches Phänomen. Die Autorin glaubt jedoch weiterhin daran, dass die Kunst, was sie selbst betrifft, vor allem die Musik, Wunden heilen und die Welt verbessern kann.

Es wird trivial. Oder poppig. Überkreuzt in jedem Fall. Die Trivial-Kultur sprengt mit lockerem Hüpfen die einst strengen Grenzen des Festivals für Neue Musik. Auch die Kompositionen für den Konzertsaal sind von der populären Musik unserer Zeit beeinflusst und in diesem November soll die Schnittstelle zwischen Neuer Musik und avancierter Popmusik aufgedeckt und beleuchtet werden.

Noch bis zum 11. Jänner 2016 ist im Wiener Theatermuseum die Ausstellung „ExistenzFest“ zu sehen. Im Mittelpunkt steht das o.m. Theater (Orgien Mysterien Theater) des Universalkünstlers. Kuratiert von Hubert Klocker, der über das Perfomative in Nitschs Kunst dissertiert hat, geht man auf gewundenen Pfaden durch das umfangreiche Œuvre des oft missverstandenen Künstlers.

Nach ihrer Verletzungspause ist die Erste Solotänzerin Maria (Masha) Yakovleva wieder mit Elan im Einsatz. Schon im Frühjahr hat sie in "La Sylphide" gezeigt, dass sie auf voller Höhe ist. Im Oktober wurde sie in der Paraderolle der Kitri in "Don Quixote" bewundert. Demnächst wird sieals "Frühling" in der Premiere von Jerome Robbins' „Vier Jahreszeiten“ und in der Folge auch in Christopher Wheeldons „Fool’s Paradise“ tanzen.

Nicht Prinz Siegfried und die Schwanenprinzessin stehen im Mittelpunkt der Choreografie zur Musik des Ballettklassikers „Schwanensee“ von Peter I. Tschaikowsky, sondern der Komponist selbst. Tschaikowsky als tragische Figur. Auf die Schwäne, groß und klein, weiß und einmal  schwarz, will Choreografin Mei Hong Lin dennoch nicht verzichten. Zum Entzücken des Publikums im Linzer Musiktheater. 

Ein „getanztes Rebus“ nennt die Tänzerin / Choreografin Alix Eynaudi ihr neues Stück „Edelweiß“. Und das bleibt es auch, ein Rätsel in originellen Kostümen und schönen Bildern. Eynaudi ist eine Ästhetin, das Berührende, durch Schönheit Berührende, liegt ihr näher als das Schockierende. Deshalb habe ich die Performance der drei Tänzerinnen plus einem Tänzer auch genossen.

Ich lese Bücher von Radek Knapp und kaufe bei ihm Zwetschken und Marmelade. Nicht oft treffe ich einen Menschen, der den Geist bestens nährt und den Körper gleich dazu. Eben ist sein neuer Roman, "Der Gipfeldieb", erschienen. Mitten in der dörflichen Idylle des Wiener Kutschkermarktes spricht der Atuor über Idealismus, Satire, die Digitalisierung der Welt und den Geisteszustand „Heimat“.

Eine „Tanzoper“ nennt die Komponistin und Regisseurin Judith Unterpertinger ihr jüngstes Werk „Judith“. Das Libretto stammt von Magdalena Knapp-Menzel; Walter Kobéra, Intendant der Neuen Oper Wien, leitet die Uraufführung im mumok / Hofstallung.

Mit Theresia Walsers gern gespielter „Komödie für zwei Hitler-Darsteller und einen Goebbels“m "Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm",  unterhält Regisseur Hans-Peter Kellner im Theater Nestroyhof-Hamakom das Publikum. Ein Schauspieler-Trio diskutiert über die eigene Kunst.  Zwei davon haben Hitler gespielt, einer nur den Goebbels. Darf man über diese Männer lachen, fragen sie und erzählen wie sie in angelegt haben, den Hitler und den Goebbels.

Liudmila Konovalova begeisterte als springlebendige Kitri in 26. Aufführung von Don Quixote der Choreografie von Rudolf Nurejew nach Marius Petipa. Partner Robert Gabdullin ließ sich als Basil von der Energie der Ersten Solistin anstecken und erntete ebenso begeisterten Applaus und Hochrufe.

Die Bühne gehört den Künstlerinnen und Künstlern.  Die Politiker und Politikerinnen haben die ihre im Parlament.
Ein Kommentar.

Gewalt im Alltag, Gewalt als Medien-Spektakel, im TV-Tatort oder in der Wrestling-Show, Gewalt im Kopf, in den Armen, in der Kehle. Mit allen Facetten von Gewalt, auch den befreienden und den zur Publikumsgaudi gespielten, setzt sich SILK Fluegge, das von Silke Grabinger gegründete Kollektiv junger Künstler_innen, in einer fulminanten Tanzproduktion auseinander. „BOOOM!!!“ hat im Werk X das Festival zum Stella*15 eröffnet.

Mit seinem ersten Roman, „Rauchschatten“, hat Ilir Ferra Leserinnen und Kritikerinnen begeistert. In einer vom Autor überarbeiteten Fassung ist „Rauchschatten“ nun als Taschenbuch neu aufgelegt worden. Die Geschichte des jungen Erlind unterhält und berührt gleichermaßen. „Minus“ heißt sein ebenfalls als Taschenbuch erschienener zweiter Roman über die Menschen in Wettlokalen.

Der Bariton Tobias Greenhalgh und der Tänzer Martin Dvořák heben den Glassturz über Franz Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ und geben eine frische neue Perspektive frei. Dvořáks Inszenierung / Choreografie lässt auch den Sänger zum Akteur werden, gibt dem „Porträtkonzert“ in der Kammeroper Dramatik und Spannung. Die „Winterreise“ wird gesehen und auch ganz neu gehört.

Mit der Choreografie „Körper“, dem ersten Teil einer Trilogie, hat Sasha Waltz die Berliner Schaubühne, in deren Direktorium sie berufen worden war, eröffnet. Eine Sensation. Gut 15 Jahre später zieht zwar der Name der als „wichtigste deutsche Choreografin“ gehandelten Regisseurin das Publikum in die große Halle des Tanzquartiers, doch das umwerfende Erlebnis bleibt aus. Man will halt dabei gewesen sein, um am sehnlich erwarteten Ende zu pfeifen und zu kreischen. Man hat’s gelesen: Sasha Waltz ist eine Ikone.

Organisiert vom Netzwerk AKS / Platform for Contemporary Dance + Art, wird im November in Kärnten getanzt. Motor des Festivals „Tanz im November“ ist die Choreografin und Regisseurin Andrea Schlehwein, die mit ihrem Team ein dichtes Programm auf die Beine gestellt hat: Zeitgenössischer Tanz, Filmvorführungen, Tanz für Kinder, Tanz mit Kindern, Workshops, Trainingsstunden für Profis, Gesprächsrunden und Diskussionen finden sowohl im Stift Millstatt als auch in Klagenfurt statt.

Mit „Der Liebe Schlaf“, einem Dornröschenballett hat sich der neue Direktor der Grazer Ballettcompagnie dem Publikum vorgestellt. Weinöhl greift auf die Erstausgabe des von den Brüdern Grimm aufgezeichneten Märchens zurück und wechselt auch die Perspektive. Die Zuschauer_innen sitzen samt dem Grazer philharmonischen Orchester auf der Bühne.

Der Choreograf Georg Blaschke setzt seine visuell bewegten Erfahrungen mit dem berühmten „Weltgerichtstriptychon“ von Hieronymus Bosch, das in der Akademie der bildenden Künste zu betrachten ist, fort. "The Bosch Experience part II" findet Ende Oktober in der Expedithalle der Brotfabrik statt. Am selben Abend schließt sich Hubert Lepka mit "timor et tremor", einem Duo von Licht und Tanz, der Auseinandersetzung mit der Kunst der Renaissance an.

Viel gibt es noch nicht zu berichten von der „Produktions- und Spielstätte für Performative Künste“ unter der künstlerischen Leitung von Kira Kirsch, zuletzt leitende Dramaturgen beim steirischen herbst, doch immerhin ein Eröffnungsdatum: Am 30. Oktober steigt die erste Party. Davor aber tanzen die Autos durch die Stadt. Die Schweizer Performancegruppe mercimax zeigt ein „Autoballett“.

Nahezu 500 Seiten hat das Katalogbuch der Viennale 2015. Wie üblich setzen Hans Hurch und sein Team einige Schwerpunkte. Zur besseren Orientierung. Spezialprogramme, Tributs, Fokussierungen und die drei Kategorien, Spielfilm, Dokumentarfilm und Kurzfilm, bieten eine Fülle an, vom Chef und den KuratorInnen als sehenswert eingestuften, Filmen damit jeder Gusto und Geschmack befriedigt wird.

Maartje Pasman, die großartige Tänzerin aus dem Dschungel-Team trägt ganz allein ein Stück, das unter einem irreführenden Titel angekündigt ist und Zweijährige ins Theaterhaus lockt. Die halten 50 Minuten jedoch, die Länge einer Schulstunde, nicht durch. Dementsprechend kämpft die Tänzerin als Gärtnerin tapfer gegen Unruhe und Unmut der kleinen Gäste und geplagten Mütter / Väter.

Mit einem Minifestival feiert die Vorarlberger Kulturinitiative "tanz ist" im Spielboden Dornbirn den November. „Surprises / Überraschungen“ ist der sprechende Übertitel und so wäre es ja widersinnig allzu viel zu verraten. Auf jeden Fall jedoch die Daten: tanz ist - surprises findet vom 3. bs 7. November statt. Zur Beruhigung der Gemüter nach den Halloween-Umtrieben.

Die Viennale hat in diesem Jahr den 26. Oktober kurzfristig zum «Internationalfeiertag» erklärt und zeigt im Gartenbaukino den gesamten Festivaltag hindurch ein Filmprogramm, das sich mit den Themen Flucht, Migration, Vertreibung und Fremde beschäftigt.
Die Auswahl reicht von Charlie Chaplins „The Immigrant“ über Elia Kazans Auswandererepos „America America“ bis zur wunderbaren Seltenheit „Moonlighting“ von Jerzy Skolimowski.
Die beiden Hauptabendtermine sind den Premieren zweier neuer österreichischer Dokumentarfilme gewidmet, die sich auf unterschiedliche Weise dem Thema Flucht und Asyl widmen, „Last Shelter“ von Gerald Igor Hauzenberger und „Lampedusa in Winter“ von Jakob Brossmann. Um 23 Uhr beendet Clint Eastwoods Film „Gran Torino“ den Internationalfeiertag.
Der Reinerlös des "Internationalfeiertages" der Viennale im Gartenbaukino geht je zur Hälfte an die Caritas und die Volkshilfe.

Internationalfeiertag, 26. Oktober ab 10.30 Uhr, Gartenbaukino.

In mehreren Entwicklungsphasen haben der Tänzer / Choreograf Bert Gstettner, der bildende Künstler Hannes Mlenek und der Komponist / Musiker Günther Rabl am Projekt „Floß*Medusa“ gearbeitet. Als beeindruckende raumfüllende Inszenierung wurde nun in der Expedithalle der Brotfabrik Wien ein erstes Ergebnis gezeigt. Malerei, Choreografie und Musik flossen nahtlos zu einem Gesamtkunstwerk zusammen.

Bei den Spezialisten für Klassiker-Bearbeitungen im Theater an der Gumpendorfer Straße stand diesmal Shakespeares „Romeo und Julia“ Pate. Von der berühmten Vorlage ist zwar nicht viel übrig geblieben, aber es gelang dem Ensemble unter der Regie von Christian Suchy ein sympathisch-beklemmender szenischer Bogen quer über menschliche Ur-Nöte.

Als „Ausstellung der Superlative“ bezeichnete die deutsche Presse die Oskar Schlemmer in seinem Geburtsort Stuttgart gewidmete Ausstellung (November 2015–April 2015). Erbenstreitigkeiten hatten bewirkt, dass Schlemmers Werke nahezu 40 Jahre unsichtbar waren. 70 Jahre nach seinem Tod sind die Rechte ausgelaufen, der Bauhauskünstler ist wieder da. Die Ausstellung ist nicht mehr zu besuchen, doch das herrliche Katalogbuch hilft der Erinnerung und Wieder-Begegnung.

In einem Klavierkonzert, allerdings auf einem fernen Planeten, wähnte man sich beim Besuch der Uraufführung „Close Up“ der Editta Braun Company mit Ayse Deniz. Mit Witz und Musikalität boten die Pianistin und Tänzerinnen eine eigenwillige und spezielle Performance aus irritierenden Bewegungen und Bildern, in der Musik und Tanz eine harmonische Verbindung eingingen.

Egal, was die beiden Mittfünfziger zeigen, ob sie ein sitzendes Duett tanzen, oder ein stilles, ob sie erzählen, musizieren, rezitieren oder singen – Jonathan Burrows, der Tänzer und Choreograf + Matteo Fargion der tanzaffine Komponist, schaffen es, das junge Publikum im Tanzquartier anderthalb Stunden zu fesseln. Auch bei dem Doppelprogramm „Show and Tell / Body Not Fit For Purpose“ wäre die Stecknadel gehört worden, so sie gefallen wäre.

Mit der Uraufführung von „Marie Antoinette“ feierte das Wiener Staatsballett einen weiteren Erfolg. Olga Esina und Kirill Kourlaev überboten die insgesamt ausgezeichnete Leistung des Ensembles. Mit dem spanischen Komponisten Luis Miguel Cobo und der französischen Kostümbildnerin Agnes Letestu hat Choreograf Patrick de Bana eine gute Wahl getroffen.

Sag’ ma, du bist … und ich bin …“. Viele Spiele im Kinderzimmer fangen so an. Die Schauspielerin Mira Tscherne und der Musikwissenschaftler Marko Kölbl spielen das Spiel auf der Bühne des Dschungel: eine mutige Frau, ein höflicher Mann. Mit viel Gespür für die Zuschauerinnen im Volksschulalter erzählen die beiden, singend und Possen reißend, dass auch gelobte Eigenschaften zum Gefängnis werden können. "Höflich wie ein Löwe" ist eine gelungene Performance.

Die jüngste Ausgabe der Vierteljahresschrift des Universitäts-Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft ist mit dem bunten Bild eines Kirschbaums geschmückt und trägt auch einen raffiniert verändert Titel: Statt „Maske und Kothurn“ ausnahmsweise „Meister und Kothurn“. Denn dieses „Heft 3-4“ des Jahrgangs 61 ist ganz und gar und ausnahmsweise der ao. Prof. Monika Meister gewidmet.

Nach 12 Jahren als Direktor an der Spitze des Wien Museums endet mit Ende September die Amtszeit von Wolfgang Kos. Unter seiner Leitung wurde das „Historische Museum der Stadt Wien“ in „Wien Museum“ umbenannt, durch ihn wurden neue Standards in Ausstellungsgestaltung, Corporate Design und Veranstaltungsprogramm gesetzt.

Sie sollen an den Tod erinnern und zugleich das Leben feiern. Das Projekt „Feiert das Leben!“, eine Kooperation der Caritas mit dem Kunsthistorischen Museum, wurden bekannte Personen eingeladen, sich mit dem Tod, einem unabdingbaren Bestandteil des Lebens, auseinanderzusetzen und sich für das Abnehmen einer Lebensmaske zur Verfügung zu stellen. Die von Künstler_innen bearbeiteten Lebensmasken sind jetzt im im Kunsthistorischen Museum ausgestellt.

Der Erfolg ihrer Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Aktionismus,  "Lemonism ≈ Actionism" während des Festivals ImPulsTanz im Sommer, animiert die Tänzerin und Choreografin Akemi Takeya, die Performance während der Langen Nacht der Museen drei mal zu wiederholen.

Zum dritten Mal haben Bühnenkünstlerinnen im Volkskundemuseum, Wien den Performance Brunch REAL veranstaltet, im Rahmen dessen kurze und überaus kurzweilige Performances mit Nahrung für den Leib ergänzt werden. In den Pausen Getränke und Brötchen, zum Abschluss das große Fressen. Veranstaltet wird die Matinee am Wochenende von den Performerinnen Regina Picker und Aline Kristin Mohl.

Die Berliner Choreografin und Opernregisseurin Sasha Waltz lässt sich gern von Räumen inspirieren. Da hat ihr die Einladung gefallen, mit ihrer Compagnie das restaurierte Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel und das neu von Zaha Hadid erbaute MAXXI (Museum des 21. Jahrhunderts) in Rom tanzend zu eröffnen. Aus Elementen dieser beiden Performances hat Waltz eine Bühnenversion erstellt. Im Festspielhaus St. Pölten wurde „Continu“ erstmals von einem Orchester unterstützt.

Mit einem Festival wird im Oktober der orientalischen Kultur gehuldigt. Gäste aus Palästina, Ägypten, der Türkei, Mali oder dem Iran kommen nach Wien und bringen ihre Musik, ihre Tänze oder Gedichte mit. Durch die Vermischung von westlicher und orientalischer Kultur sind neue Ausdrucksformen der Künstler entstanden, die an das Publikum appellieren, neue Perspektiven einzunehmen.

Zwei Wochen lang bietet Slam.Orient ein vielfältiges Programm mit Konzerten und Tanzvorführungen, mit Vorträgen, Diskussionen und Lesungen. Manche der Künstler_innen mussten ihr Geburtsland verlassen und leben im Exil. Die mitgebrachte Kultur hat sich mit der des Westens vermischt und eine neue Ästhetik hervorgebracht. Andere sind geblieben, um mit ihren Ausdrucksmitteln gegen Gewalt und Unterdrückung und für Freiheit zu kämpfen.

Um nur einige Beispiele zu nennen: „Hoffen auf den Olivenzweig – Saitun El Amal“ nennt der Musiker Marwan Abado seine Performance mit der Palästinenserin Viola Raheb. Gemeinsam wollen sie einenklischeefreien Blick auf das heutige Palästina werfen. Weltmusik bringen Natacha Atlas & Group aus Ägypten mit; Vater und Sohn Dinkjian (Omnik, Gesang & Ara, Oud) haben ihre Wurzeln in Armenien und bringen mit ihrem Ensemble alte armenische Weisen in neuem Gewand zu Gehör; die iranischen Musiker Hossein Alizadeh, Alireza Ghorbani & Zarbang Enemble haben ihr Konzert klassischer iranischer Musik unter das Motto „Liebestrunken“ gestellt; auch an ein Programm für Kinder und Jugendliche ist gedacht. Feyza Akinerdem spricht über die Frauenbeegung. © Feyza Akinerdem
Vorträge mit Publikumsdiskussion und eine Lesung der türkischen Menschenrechtsaktivistin Fethiye Çetin, die von ihrer armenischen Großmutter, deren Schicksal vom Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg bestimmt worden ist.

Das genaue Programm und die Spielorte finden sich auf der Website des Festivals.

Salam. Orient – Festival für Musik, Tanz und Poesie aus orientalischen Kulturen. 14. bis 31. Oktober. Eröffnungskonzert: Le Trio Joubran, Palästina, 14. Oktober, 19.30 Uhr im Theater Akzent.

An Goethes Klassiker sind schon viele Inszenierungen gescheitert, die ihn kategorisch in die Gegenwart transferieren wollten. Auch die wundersamen Knittelverse vertragen keine Übersetzung in moderne Vulgärsprache. Einen Geniestreich bietet dagegen Gernot Plass mit seiner Bearbeitung am TAG Theater in der Gumpendorfer Straße. Unbedingt anschauen!

Zwischen Sizilien und Afrika siedelt der italienisches Autor Andrea De Carlo die Insel Tari an, auf der ein erfolgreicher Architekt eine einsame Villa in ein Luxusressort umbauen lässt. Ein Rückzugsort für die Superreichen soll diese „Villa Metaphora“ werden, mit allem Komfort, aber diskret, von der Außenwelt abgeschirmt. Versprochen, doch nicht gehalten, denn nicht nur die Natur hat ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Auch in diesem Jahr ist es der Viennale wieder gelungen, einen großen Regisseur des Weltkinos für die Erstellung des traditionellen Festivaltrailers zu gewinnen. Der taiwanesische Filmemacher Tsai Ming-liang hat auf Einladung der Viennale eine kleine, knapp zweiminütige Hommage an den Schauspieler Lee Kang-sheng, jenen Darsteller, der seit fast 30 Jahren in nahezu sämtlichen Filmen Tsai Ming-liangs mitgewirkt und sein gesamtes Œuvre entscheidend geprägt hat, gestaltet.

Mehr als 25 Jahre gibt es diesen Chor von wahren Amateurinnen schon, doch die Damen und Herren haben nicht genug vom Singen. Und wenn es doch so weit ist: Die nächste Generation wächst bereits heran. Immer wieder bekommen Sängerinnen und Sänger auch Lust, eine Bühne zu betreten und öffentlich zu zeigen, was sie im Lauf des Jahres erarbeitet haben. Unter dem, wie der eigene Name, etwas sonderbaren Titel „Dazwischen nicht atmen!“ treten die Küchenfeen und –hexer diesmal im ehemaligen Kabelwerk auf.

Ein großartiges Tanzstück mit drei wunderbaren Tänzer_innen, einem wenig glücklich gewählten Titel und einer falschen Altersangabe. Die Uraufführung von „Kind im Wirbelwind“ im Dschungel Wien mit dem bewährten hauseigenen Tanzensemble kann dennoch  durchaus begeistern.

Unter Tag eröffnet das Tanzquartier 24 Stunden lang die Herbstsaison 2015. Begleitet von dem Musiker und Performer Marino Formenti treffen einander im geschützen Raum der Halle G (unter der Erde) Künstler_innen, Theoretiker_innen und andere Gäste mit dem Publikum, um zu schauen, zu hören, zu diskutieren und auch zu essen und zu trinken, wenn notwendig auch zu schlafen. Das Kollektiv AO& organisiert die soziale Situation. Begegnungen sind möglich, Ereignisse finden statt, verdichten sich gegen Abend und währen bis zum nächsten Morgen.

Nahezu ein Jahr nach der gelobten Premiere des Doppelabends mit Choreografien von Thierry Malandain, stehen „Mozart à deux“ und „Don Juan“ wieder im Programm der Volksoper. Als Auftakt der Ballettsaison 2015/16. Die erste Vorstellung der neuen Serie konnte mich nicht überzeugen.

Gemeinsam arbeiten drei Künstler – der Tänzer und Choreograf Bert Gstettner, der bildende Künstler Hannes Mlenek und der Musiker Günther Rabl an einer Inszenierung zum Themenkreis „Das Floß der Medusa“. Eine erste Performance dieser laufenden Arbeit unter dem Dach von Tanz*Hotel findet am 4. Oktober in der großen Expedithalle der ehemaligen Ankerbrotfabrik statt.

Daniel Brühl als arroganter Schreiberling Sebastian Zöllner und Jesper Christensen als scheinbares Opfer, Manuel Kaminski, einst Kultfigur des Kunstmarktes, liefern sich in Wolfgang Beckers Verfilmung des Romans „Ich und Kaminski“ von Daniel Kehlmann ein spannendes Duell.

Anlässlich der Wiedereröffnung des Standorts Virgilkapelle im Dezember 2015 startet das Wien Museum heute eine Crowdfunding-Aktion auf der Plattform wemakeit.com. Mit dem Erlös soll die Publikation der umfangreichen neuen Forschungsergebnisse ermöglicht werden.

Zum zweiten Mal haben sich die Geschwister Anne und Even Holt zusammengetan, um einen Thriller zu schreiben. Das bereits im Buchtitel angerissene Thema hat wohl  der Herzspezialist Even Holt vorgegeben. Es geht um den plötzlichen Herzstillstand bei Fußballern in England, den der neue norwegische Arzt Ola Farmen bald in Zusammenhang mit einer unerklärlichen Leistungssteigerung mancher Mitglieder des FC Notting Hill bringt. Etwas hilflos wendet er sich an seine langjährige Freundin und Mentorin Sarah Zuckermann.

Philippe (Riera, Superamas) contra Philipp (Gehmacher, mumbling fish). Ein Kampf (fast) bis aufs Messer, der mit zwei Siegern endet. „The Battle“ heißt das von Superamas entwickelte Format eines performatives Wettbewerbs, der heiter und locker beginnt und im Lauf der acht Akte ganz schön hart wird. Ein intelligentes Vergnügen, auf jeden Fall für das Publikum im prall vollen Auditorium des WUK.

I wanna be a Supernatural Rocket“ nennt die Choreografin Gisela Elisa Heredia ihr erfolgreiche Choreografie. Am 26. September wird das sprühende Tanzstück als Gastspiel von tanz.coop im Theater am Markt / Brunnenpassage wieder einmal gezeigt. Drei Tänzerinnen und eine kleine Heroine als anonymer Gast wollen temperamentvoll abheben.

Der Solotänzer des Wiener Staatsballetts, Davide Dato, ist beim *Positano Premia la Danza * Léonide Massine“ als „Italienischer Tänzer des Jahres 2015“ ausgezeichnet worden.
Der renommierte Ballett-Preis „Positano Premia la Danza * Léonide Massine“ wird in Partnerschaft mit dem „Prix Benois de la Danse“ von der Gemeinde Positano vergeben.
Er ist der älteste aktuelle Tanzpreis und würdigt auch den Tänzer und Choreografen der „Ballets Russes“, Léonide Massine, der bei Positano eine Insel besaß, auf der er ein Tanzstudio geführt hat. Nachdem Massine 1979 mit 83 Jahren in Köln verstorben war,  gründete der italienische Ballettkritiker Alberto Testa den angesehenen Ballett-Preis.
Bisherige Preisträger des *Premio Positano“ in verschiedenen Kategorien waren unter anderen Margot Fonteyn, Rudolf Nurejew, Maurice Béjart, Vladimir Vassiliev, Alessandra Ferri und Roberto Bolle.

Davide Dato: Als Italienischer Tänzer des Jahres 2015 ausgezeichnet.

Seit Beginn der Saison 2015/16 heißt die ehemalige Forsythe Company in Frankfurt, „Dresden Frankfurt Dance Company“ und wird zu gleichen Teilen in Dresden / Hellerau und Frankfurt residieren.
William Forsythe hat die Direktion der Company an Jacopo Godani übergeben. Forsythe selbst ist Choreograf in residence an der Pariser Oper.

Jacopo Godani, in der ligurischen Stadt La Spezial geboren, hat in Italien und in Brüssel in Maurice Bejars Tanzzentrum MUDRA seine Tanzausbildung gemacht. Drei Jahre lang hat Godani auch bildende Kunst in Carrara studiert. Von 1991 bis 2000 war er Erster Solist in Forsythes Ballett Frankfurt. Danach arbeitete als Choreograf für nahezu sämtliche renommierten europäischen Compagnien. Nur Wien fehlt noch in seiner Werkliste.
Die Erste Premiere des neu benannten Balletts ist ein dreiteiliger Abend unter dem Titel „The Primate Trilogy“. „Der Verzicht auf alles Überflüssige, verbunden mit der virtuosen Beherrschung der Technik, wird in diesem ersten Programm - sowie allen künftigen - maßgeblich sein“, charakterisiert der Choreograf seine Ziele. Sein Motto: „Intelligent und experimentell, aber aufregend.“

Dresden Frankfurt Dance Company: Jacopo Godani: "The Primate Trilogy", Uraufführung: 1. Oktober 2015, Frankfurt, Bockenheimer Depot.
Weitere Vorstellungen in Frankfurt: 2., 3., 4; 7., 8., 9., 10. und 11. Oktober.
Danach zeigt die Company das Programm in Dresden / Hellerau.
Die nächste Uraufführung findet dann, vermutlich Anfang Februar 2016, in Hellerau statt und siedelt nach drei Wochen nach Frankfurt.

Die erste Wiener „Biennale für Kunst, Design und Architektur“ ist in ihrem letzten Drittel angelangt. Doch es gibt bis 4. Oktober Gelegenheit, die Ausstellungen im MAK, dem Az W – Architekturzentrum Wien, der Kunsthalle im Museumsquartier, der Universität für angewandte Kunst (Angewandte Innovation Laboratory am Franz-Josefs-Kai) und im technologiezentrum aspern IQ besucht werden. Das Ziel der Veranstaltungsreihe ist hochgesteckt: „Mit kreativen Ideen und künstlerischen Projekten zur Verbesserung der Welt beizutragen“.
 Schau’n Sie sich das an.

Vienna Biennale 2015,  Ideas for Change, eine Initiative  des MAK – österreichische Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst.

Im Englischen ist der living room das Wohnzimmer. Doch der Choreograf Willi Dorner und die Fotografin Lisa Rastl gehen über die Bedeutung hinaus. Ihr „living room“  ist ein „lebendiger Raum“, der zwischen Privatwohnungen und dem öffentlichen Raum des neuen Sonnwendviertels in Wien-Favoriten oszilliert, gebildet aus einem Ausstellungsprojekt innen und performativen Intervention draußen.

Also ein Probetext, damit auch ein Standpunkt da steht. Der gehört aber in die Kategorie Bühne unter "Kritisch gesehen" . Aber das Layout sollte ein anderes sein: Nur links mein kleiner Kopf, denn soll man auch nicht vergrößern. Dann sollte die intelligente Leserin bald wissen: das ist ein Komentar, eine Meinung, eine Glosse. Soll das Bild etwas kleiner eingespeichert werden.

Am 16. September startet das Wiener Staatsballett mit Thierry Malandains zweiteiligem Ballettabend "Mozart à 2 / Don Juan" in der Volksoper Wien in die neue Saison. In den feinen Pas de deux "Mozart à deux" sind Kiyoka Hashimoto, Masayu Kimoto; Alice Firenze, Eno Peçi; Nina Poláková, Alexis Forabosco; Nina Tonoli, Davide Dato; Ketevan Papava, Mihail Sosnovschi zu sehen. In Don Juan zur Musik von Christoph Willibald Gluck, uraufgeführt 1761 in Wien, tanzen László Benedek, Keisuke Nejime, Gleb Shilov, Felipe Vieira, Martin Winter die Männerrollen (Don Juan, Kontur, Tod) und das Ensemble des Staatsballetts in der Volksoper die Damen (Elvira, Furien, Mätressen. Das Orchester Der Volksoper wird von Jiři Novák dirigiert.

Mit der Uraufführung des Tanzstücks „Körper“, des ersten Teils der gleichnamigen Trilogie, startete Sasha Waltz, als erste Choreografin und einzige Frau im Leitungsteam, ihre Tätigkeit als Co-Direktorin der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin. Sowohl thematisch wie auch ästhetisch war „Körper“ damals, im Jänner 2000, Neuland,  für Waltz und  das Publikum. Das bahnbrechende Tanzstück wird im Oktober im Tanzquartier gezeigt.

Großmütter und deren Großmütter hatten sie einst, in mancher Bauernküche findet man sie noch heute: Wandschoner mit frommen Sprüchen. Der Künstler Daniel Spoerri hat sie auseinander geschnitten und neu zusammengesetzt. Dem Wieser-Verlag ist es zu danken, dass die „Fadenscheinigen Orakel“ nun auch in einem ansprechenden Bildband zu bewundern sind.


Die Autorin, Journalistin und Regisseurin Elisabeth Scharang ist offenbar von Verbrechern fasziniert. Nach ihrem Film „Franz Fuchs – Ein Patriot“, einer Semidokumentation über die Briefbombenattentate des Franz Fuchs Mitte der 1990er Jahre, hat sie sich nun mit dem Mörder Jack Unterweger beschäftigt. Johannes Krisch spielt den später für neun Frauenmorde neuerlich Angeklagten. Scharang hat viele Jahre an dem Film gearbeitet. Vielleicht ist er deshalb so langweilig. Weder kühle Dokumentation, noch Analyse und schon gar kein Vergnügen. Schließlich geht es um einen verurteilten Mörder.

Die Schauspielerin Stefanie Reinsperger ist im Rahmen der Kritikerumfrage der Zeitschrift Theater heute sowohl als beste Nachwuchsschauspielerin wie auch als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Zugleich wurde Regisseur Dusan David Pařízek für seine Inszenierung und das Bühnenbild von Wolfram Lotz’ „Die Lächerliche Finsternis“ (uraufgeführt im Akademietheater 2014) prämiert.

Der beliebte und mehrfach zu Filmehren gelangte Kommissar Tabor Süden hat ausgedient. Jetzt lässt Friedrich Ani Jakob Franck, einen Kriminalkommissar in Pension, ermitteln. Franck kommt mit dem Ruhestand nicht zurecht, geschieden ist er auch, einsam und ruhelos wird er heimgesucht von alten Fällen. Die Toten sitzen an seinem Tisch, er horcht ihnen zu und serviert Kekse.

Gene Kelly spannt den Schirm ab und tanzt im Regen, steppt zwischen den Tropfen und singt dazu. Genau: „Singin’ in the Rain.“ Ein Film, der nicht nur Großmütter bezaubert. Auch zwei schwedische Schulbuben ließen sich begeistern und beschlossen, es Kelly nachzutun. Sie wollten Tänzer werden. Einer, Alexander Gottfarb, hat durchgehalten, hat die harte Ausbildung an der schwedischen Ballettakademie überlebt, ist in Österreich dem freien Tanz begegnet, hat bei Esther Linley an der Bruckner-Universität in Linz studiert und ist bei Liz King im Burgenland (Cie.D. ID) als Artist in Residence aufgetreten. Nun will er mit der Company The Loose Collective das Alte Testament tanzen. Vielleicht auch singen. Wie viele Schweden hat er in der Jugend dem Chorsingen gefrönt.

Mit dem Bild des Schädels eines fossilen Krokodils signalisiert Viennale Direktor Hans Hurch einen der Schwerpunkte des heurigen Filmfestivals: Tiere. Dazu passt auch das Filmplakat mit der Schauspielerin Tippi Hedren. Der heuer 85jährigen, die vor allem durch die Filme „Die Vögel“ und „Marnie“ von Alfred Hitchcock bekannt geworden ist, zollt die Viennale ’15 Tribut.

Für Ivan Liška ist die aktuelle Saison 2015/16 die letzte als Ballettchef des bayerischen Staatsballetts. Ab 2016 /17 ist der russische Tänzer Igor Zelensky Chef des Bayerischen Staatsballetts. Zum Abschied schenkte der Förderverein „Ballettfreunde Hamburg e.V.“ dem großartigen Tänzer und Compagniechef Liška eine biografische Hommage, aufgezeichnet von der Journalistin Dagmar Ellen Fischer.

Das Festival ImPulsTanz ist mit den üblichen Erfolgsmeldungen beendet worden. Mehr als 96 Prozent Auslastung, 26.000 Zuschauer_innen, ein geteilter Prix Jardin d’Europe (an Elina Pirinen für „Personal Symphonic Moment“ und Ligia Lewis für „Sorrow Swag“) und an die 7.000 Workshop- und Researchbuchungen. Alles palletti?

Patrick Modiano erzählt in seinem jüngsten Roman von Jean Daragane, der, wie die Figuren Modianos so oft, auf der Suche nach der verlorenen Zeit ist. An die Kindheit erinnert er sich nur bruchstückhaft, doch neuerdings tauchen Namen und Personen aus seinem Gedächtnis auf, die er längst vergessen wähnte.

Das Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden steht zur Zeit im Zeichen der Auseinandersetzung mit der Tradition. Im Schloss Pillnitz, wo das 1876 gegründete Kunstgewerbemuseum (eine Entsprechung zum Wiener MAK, das 1863 als k.k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie gegründet worden ist) beheimatet ist, wird eine Hommage an die Tradition der Kunstblumenherstellung gezeigt: „Die Falsche Blume“ ist „Ein Desingmärchen von Hermann August Weizenegger“.

untitled [look, look, come closer]“ nennt die Choreografin Christine Gaigg ihren „Bühnenessay“, in dem sie im 21er Haus den Nachrichten, Reports und der Propaganda über Krieg und Terror in den (sozialen) Medien einen analogen Blick entgegensetzt. Mit minimalen Mitteln provoziert die Aufführung, verknüpft mit der Musik von Klaus Schedl (netzzeit), statt Voyeurismus und Zerstreuung echte Emotionen, Angst und Schrecken.

Das Genre der theorielastigen Performance dominiert dieses Jahr das ImpulsTanz Festival, das selbst sehr konzeptdominiert daher kommt. Da muss der Wiener Aktionismus wiederbelebt werden, damit Künstler_innen im Mumok auftreten können. Oder das kurz vor der Renovierung stehende Weltmuseum darf nicht einfach nur ein Spielort sein, nein, es muss gleich jedes Stück irgendeine inhaltliche Auseinandersetzung mit Bestand und Ausrichtung des Hauses bieten.

Die einen reden, klagen, kritisieren, zeigen auf. Die anderen tun.
Magda Chowaniec ist eine, die tut. Zum zweiten Mal hat sie mit jungen Flüchtlingen gearbeitet und mit ihnen eine beeindruckende Choreografie einstudiert. Mani Obeya und Liz King haben sie dabei unterstützt. „Songs of the Water / Tales of the Sea“ wird im Rahmen von ImPulsTanz im Weltmuseum gezeigt.

Attan bleibt bei uns“ nennt Magdalena Chowaniec, Choreografin, Tänzerin, Sängerin von Renommee, das Projekt mit jungen afghanischen Männern, die im Flüchtlingsheim der Diakonie im burgenländischen Rechnitz leben. Sie sind die „Rechnitz Crew“.  Chowaniec hat einen interessanten Ort für die Performance gewählt, den Pferdestall des kaiserlichen Hofes. Diese „Hofstallungen“ im Museumsquartier gehören jetzt dem MuMok.

Mit einer "Dornröschen"-Choreografie, "Der Liebe Schlaf", feiert Jörg Weinöhl am 16. Oktober nicht nur die Uraufführung seines neuen Balletts sondern auch seinen Einstand als neuer Ballettchef der Grazer Oper. Der bisherige Direktor, Darrel Toulon, verlässt zugleich mit Intendantin Elisabeth Sobotka nach 14 Jahren erfolgreicher Tätigkeit als Ballettchef und Choreograf, das Haus. Sobotkas Nachfolgerin ist die Schweizerin Nora Schmid, die bisher Chefdramaturgin an der Semperoper / Dresden war.

Der Tänzer Choy Ka Fai hat eine Forschungsreise durch die vielfältige choreografische Landschaft Asiens gemacht und ist mit einem Multimediaarchiv samt Performancezyklus zurück gekommen. Auf Einladung von ImPulsTanz hat er Teile des Archivs und auch drei Tänzer gebracht, die in kurzen Vorstellungen auf die Verschiedenartigkeit asiatischen Tanzes hingewiesen haben.

Einen Tanz für drei Cyborgs hat der Tänzer Sergiu Mates erfunden. Mit ihm tanzen Maria Walser und Luis Rodriguez tanzen eine Stunde lang alles, was sie an Bewegungen und Stilen bisher gelernt und in den Körper integriert haben. Bei  ImPulsTanz zeigten sie „Explicit Content“ im Schauspielhaus.

Florintena Holzinger und Vincent Riebeek träumen romantisch. In ihrem dreiteiligen Tanzstück „Schönheitsabend“ erinnern sie sich auf ihre spezielle Art an Episoden der Tanzgeschichte. Les Balletts Russes, die Tänzerin Anita Berber, die Wien zum Kochen gebracht hat und Vaslav Nijinsky, Symbol der Tanzkunst, bilden den Hintergrund für einen bewegten Abend im Kasino am Schwarzenbergplatz.

Mit dem „Facebook Theatre“ lädt der Performer Ivo Dimchev das Publikum im mumok ein mitzuwirken. Es soll über Facebook mit ihm kommunizieren, indem es Bemerkungen und Kommentare postet. Live integriert er die dann in seine Show. Das klappt nur bedingt, denn was da gepostet wird, ist nichtsonderlich inspirierend und auf die Technik kann man sich auch nicht verlassen.Sie hat ihre eigenen Marotten und will nicht immer, wie sie soll.

Englisch klingt es halt besser, das Allerweltsmotto „Zurück in die Zukunft“. Eine abgedroschene Hülle, die aber alles und jedes zu stülpen ist. Sei’s drum. Auch heuer wird beim steirischen herbst getanzt und vorgeführt, gelacht, vielleicht auch geweint und eben auch die Vergangenheit neu betrachtet, („damit die Zukunft gelingen kann“, steht im Text der Intendantin Veronica Kaup-Hasler). Den Reigen eröffnet Mette Ingvartsen mit einer Uraufführung.

Tritte, Schläge, Kopfstöße, Kollisionen, übereinander Rollen und Wälzen. Schließlich am Boden liegend Schmerzen mimen, eine Show, den Fußballern abgeschaut. Vier Männer versuchen einander in Bewegung zu halten oder zu stoppen: Contact Gonzo. Etwas härter aber im Grunde doch nicht viel mehr als eine Rauferei im Pausenhof, gezeigt im Rahmen von ImPulsTanz im Weltmuseum.

Ein Kommentar anstelle einer Rezension.
Denn zu „my shapes, your words, their grey“, der Performance von Philipp Gehmacher im 21er Haus ist alles gesagt. ImPulsTanz kündigt den Auftritt keck als Uraufführung an. Das stimmt im Grund, doch eigentlich auch wieder nicht. Die Performance / Ausstellung beschäftigt Gehmacher schon seit gut zwei Jahren und wurde in Variationen bereits mehrmals gezeigt. Im 21 Haus war nun, im Rahmen von ImPulsTanz, eine neue durch den Raum bedingte, Variante zu sehen.

Als Workshopleiter  ist der klassisch ausgebildete Performer Simon Mayer bei ImPulsTanz  kein Unbekannter. Jetzt darf er (endlich) auch auf die Bühne. Im Odeon  zeigt er seine brillantes  Solo „SunBengSitting“.  Eine präzise gearbeitete, energiegeladene Tanzdarbietung, die Elemente des klassischen Tanzes mit Volkstanzelementen, Brauchtum und Machoverhalten nahtlos verbindet und zeigt, dass Stadt und Land nicht gar so weit voneinander entfernt sind, wie es manchmal scheint.

Die in Österreich lebende japanische Tänzerin / Choreografin hat ihr feines Solo „Little Stories About S.O.S.“ in eine Gruppen Version verarbeitet. Drei Tänzer und eine Tänzerin zeigen „Sings Of Solidarity“ und andere Deutungen von S.O.S, des Kürzels für den Internationalen Notruf, das bei Licht besehen nichts bedeutet, nur eine Buchstabenfolge ist. Der Idee der kleinen als 30-Sekunden-Ritual vorgetragenen Geschichten, im Kasino am Schwarazenbergplatz gezeigt, hat das nicht gut getan.

Eine „Performance-Ausstellung“ nennt Akemi Takeya ihr neues Solo, uraugeführt im Schauspielhaus. Wie der Titel andeutet, zeigt sie „kleine Geschichten“, die auf symbolische und teilweise ironische Weise einen Notfall zeigen. Takeya ist allein auf der als Laufsteg ausgelegten Bühne, mit Konzentration und Esprit hält sie das Publikum gespannt.

Festivaldirektor Hans Hurch © Alexi PelekanosIn seiner gestrigen Sitzung hat das Kuratorium der Viennale einstimmig die Verlängerung des bis 2016 laufenden Vertrags von Viennale-Direktor Hans Hurch um weitere zwei Jahre beschlossen.

Mit „Future Memory“ frönt Rani Nair ihren ganz persönlichen Erinnerungen an die indisch-schwedische Tänzerin Lilavati Häger. Ihr hat der deutsche Choreograf Kurt Jooss seine letzte Choreografie, „Dixit Dominus“, geschenkt. Häger hat dieses Solo Nair, auch sie hat indische Wurzeln und lebt in Schweden, als Erbe überlassen. Im Weltmuseum zeigte die Tänzerin, in engem Kontakt mit dem Publikum, wie sie mit dem Geschenk umgeht.

War der Sex früher besser? Für Christine Gaigg schon. Da gab es etwa noch ein männliches Begehren, da stimmte das Verhalten der Männer gegenüber den Frauen noch. Es gab ein geiles Liebesleben und nicht etwas Geiles zu kaufen vom Elektrohändler Saturn. Wie und warum sich Sexualität in den letzten dreißig Jahren gewandelt hat, reflektiert die Choreographin und Theaterwissenschaftlerin in ihrem Stück „Maybe the way you made love twenty years ago ist the answer?“ an einem Abend im Odeon.

Die indische Tänzerin und Choreografin Padmini Chettur zaubert lebendige Reliefs an die Wände zweier Räume des Weltmuseums. Eine dreistündige Arbeit, bezaubernd schön und aufregend radikal, die die Zeit schrumpfen und den Geist fliegen lässt. Mit „Wall Dancing“ –  vier Tänzerinnen und ein Tänzer – hebt sie die Regeln zwischen Performer_innen und Zuschauer_innen auf und fesselt das Publikum durch Ruhe und Konsequenz.

Vor mehr als 30 Jahren passierte Sensationelles auf der kleinen Bühne des heute „brut“ genannten Theaters im Künstlerhaus (später „dietheater“): Eine unbekannte Compagnie, das Tanztheater Wien, zeigte seine erste Produktion. Hinreißend, neu, Tanz ganz anderer Art. Mit dem Abend „Back to the Future“ läßt Gründungsmitglied, Tänzerin und Choreografin Liz King gemensam mit Mitgliedern ihrer ehemaligen Formationi im Akademietheater Motive aus den damals gefeierten Stücken wieder aufleben. Eine Erinnerungsarbeit.

Mit fünf Tänzer/innen zeigt der ungarischer Tänzer und Choreograf im Odeon „Hinoki“, ein rasantes, kraftvolles Stück, das die Gruppe bis zur Erschöpfung fordert. Als ehemaliger Tänzer von Ultima Vez / Wim Vandekeybus, geschult von Martin Schläpfer und Ohad Naharin ist Mészáros eigentlich über die Reihe [8:tension] Young Choreographers’ Series längst hinausgewachsen. „Hinoki“ ist seine vierte Choreografie.

Mit einer aufwändigen, präzisen und liebevollen Arbeit zeigen nadaproductions (Amanda Piña & Daniel Zimmermann) „Four remarks on the history of dance“ im Kasino am Schwarzenbergplatz. Die Choreografien konzentrieren sich auf rituelle Tänze, die nicht der Unterhaltung eines Publikums dienen. Es ist dies der erste Teil einer Sammlung „vom Aussterben bedrohter Bewegungen“.

Im Weltmuseum tanzen und spielen Superamas und Gäste einen „Willkommensakt“. Es scheint als wären ausgestellte Figuren aus Afrika, Asien und Amerika lebendig geworden, um eine „Geschichte der Gewalt“ zu zeigen. Eine abwechslungsreiche, unterhaltsame Performance, die den prächtigen überdachten Innenhof des Weltmuseums zur Arena macht und auch die marmornen Treppen und Emporen nützt.

450 Jahre ist die Wiener Spanische Hofreitschule alt, ein Jubiläumsgeschenk ist angebracht. Die Leiterin der Reitschule (der Hof ist ja vor bald 100 Jahren abgedankt) Elisabeth Gürtler, der dem Pferdesport und der Hippologie verschriebene Journalist Arnim Basche und der international renommierte Fotograf René van Bakel haben sich zusammen getan, um dieses Geschenk herstellen. In einen schonenden Schuber verpackt, liegt es in der Edition Lammerhuber für jeglichen Gabentisch bereit.

Neue Spielorte locken neues Publikum an. Nicht nur im Off-Theater werden die oft unbequemen Sitzreihen verlassen, wird die vierte Wand niedergerissen. Das ImPulsTanz Festival hält es da nicht anders. Immer schon. Wenn aber diese neuen Orte nicht mit Bedacht gewählt werden, dann ist der Bär in Dienst genommen und der ist bekanntlich als Arbeitstier untauglich.

Saskia Hölbling kämpft mit Requisiten und einem Partner, den zweiten weidet sie aus. „Assemblage Humain“ ist ein Solo mit Puppen, aufgeführt im Rahmen von ImPulsTanz im Schauspielhaus. Ein „relatives Solo“ nennt Hölbling ihre Performance, die von grausig und unheimlich zu einem fröhlich bunten Tanz wechselt.

Lemonism x Actionism“ nennt die Choreografin und Tänzerin Akemi Takeya ihre Arbeit im Rahmen der ImPulsTanz Serie „Redefining Action(ism). Die Performances finden im mumok, inmitten der Ausstellung „Mein Körper ist das Ereignis – Wiener Aktionismus und internationale Performance“ statt. Takeya hat sich intensiv mit dem Aktionismus beschäftigt und adaptiert, variiert und wiederholt dessen Strategien, konfrontiert sie auch mit ihrem eigenen „Lemonismus“.

Im Malersaal der Bundestheater im Arsenal zeigt Elio Gervasi „White Horn“ , eine veränderte, erweiterte, verbesserte Choreografie, die seine Company im Dezember 2014 im Odeon uraufgeführt hat. Sechs Tänzerinnen bewegen sich vereinzelt und gemeinsam durch dien riesigen, verglasten Raum, werden nach außen gedrängt und wieder herein genommen. Purer gemeinsamer Tanz der Individuene

Barbara Kraus schließt die Augen und sieht das Unsichtbare. Allein auf der weiß ausgelegten Bühne des Schauspielhauses scheint sie in Trance zu geraten und auch ihr Publikum in Trance zu versetzen. "close my eyes and see", eine Uraufführung im Rahmen von ImPulsTanz, ist eine beeindruckende Performance. Kraus weiß das Publikum zu fesseln und bei aller Ernsthaftigkeit auch zu unterhalten. 

Die Tänzerin / Choreografin Alix Eynaudi hat ihr 2012 im Tanzquartier uraufgeführtes Duo „Monique“ für das ImPulsTanz Festival als  Museumseinlage adaptiert. Zwischen den Filmleinwänden im mumok, Teil der Ausstellung über den Wiener Aktionismus, tanzt sie mit Mark Lorimer in stummem Einverständnis eine geheimnisvolle Choreografie.

Oleg Soulimenko besuchte die Schamanen im sibirischen Burjatien und teilt seine Erfahrungen mit dem Publikum. Die Performance „Meet the Shaman“ ist ein beeindruckendes individuelles Ritual, aufbauend auf  Elementen schamanistischer Praktiken.

Huggy Bears ist ein neues Förderprogramm, das das Kollektiv Superamas ins Leben gerufen hat.

Huggy Bears ist vor allem ein Beratungsinstrument, das auf die Entwicklung von künstlerischen Prozessen abzielt. Die erste Phase von „Huggy Bears“ beginnt 2016/17.

Ab 2018 plant Superamas  die Ausweitung des Projekts, indem das eigene  internationale Netzwerk einbezogen wird.

Projektvorschläge aus dem Bereich Performing Arts können bis 15. Oktober 2015 eingereicht werden.
Genaue Information über Hugo Bears sind auf der Website von Superamas zu finden.

Mit der Demontage der Stühle im Zuschauerraum hat im Volksthater die geplante Generalsanierung begonnen. Der Einbau einer neuen Tribüne sowie neuer Theatersessel sollen ab Herbst 2015 für das Publikum mehr Sicht- und Sitzkomfort sowie bessere Akustik bringen.
Damit eine Zuschauertribüne sowie neue Theatersessel am Rang eingebaut werden können, muss der Zuschauerraum zunächst komplett leer geräumt werden. Alle alten, zum Teil bereits sehr verschlissenen Sessel werden abgeschraubt und ausgebaut.  
Insgesamt dauern die Arbeiten voraussichtlich etwa sechs Wochen.

Die Kosten für die Umbaumaßnahmen belaufen sich auf ca. 1,2 Millionen Euro, die zum Teil auch aus den Einnahmen der laufenden Spendenkampagne finanziert werden

Wenn aus der Zitrone Blut fließt und der Herd der magischen Köchin im Museum angefeuert wird, ist ganz Wien in Bewegung: Das ImPulsTanz Festival Tanz Festival hat die Fahnen gehisst, den Vorhang hochgezogen und die Türen geöffnet. Diese nicht nur von Theaterhäusern und gläsernen Zelten im Arsenal-Gelände sondern auch von Museen. Dort wird die performative Kunst mit der bildenden kommunizieren.

Der Schweizer Peter Theiler soll neuer Intendant der Sächsischen Staatsoper Dresden werden.

Er wechselt vom Staatstheater Nürnberg, wo er derzeit als Staatsintendant tätig ist, in die sächsische Landeshauptstadt.  Der 59-Jährige wird sein Amt mit der Spielzeit 2018/2019 antreten. Theiler hat in vielen Theatern und Opern der Schweiz, Frankreichs und Deutschland in verschiedenen Funktionen gearbeitet – viele Jahre davon auch als Intendant.

 

Peter Høeg, 1957 in Kopenhagen geboren, ist mit dem Roman „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ bekannt und berühmt geworden. Ein Bestseller, der die anderen, wichtigen Romane Høegs in den Hintergrund gedrängt hat. Zu Unrecht. Mit seinem jüngsten Werk, „Der Susan Effekt“, landet er wieder auf der Krimicouch und auch der noble Hanser-Verlag kann sich den Hinweis „Pageturner“ nicht verkneifen. Doch das fiebrige Seitenumblättern, um endlich den Ausgang zu finden, macht schließlich noch kein lesenswertes Buch.

Davide Longo, einer der wichtigsten Literaten der jungen Generation Italiens, geboren im piemontesischen Carmagnola, jüngster Roman liest sich wie ein Krimi, ist aber ein Nachdenken über die dunklen Kammern der menschlichen Seele, über die Verbindung von Opfer, Täter und Ermittler. Im „Fall Bramard“ ist das Opfer zugleich der Ermittler. Die kraftvolle Poesie der Sprache, die atmosphärische Dichte der einprägsamen Bilder, die Gedankenwelt der Hauptperson bleiben lange im Gedächtnis haften.

1995 zeigte Saskia Hölbling ihre erste Choreograf und gründete ihr Ensemble DANS.KIAS. Damals war die Tänzerin und Choreografin 24 Jahre alt. Seitdem hat sie mehr als 30 Stücke choreografiert und inszeniert. Grund genug das Jubiläum zu feiern. DANS.KIAS tut das in der ehemaligen Ankerbrotfabrik mit den dreiteiligen Squatting Project. Die riesige Expedithalle rückt die Körper in den Installationen in neues Licht und erlaubt neue Perspektiven.

„Samedi détente“ nennt die in Ruanda geborene Künstlerin Dorothée Munyaneza die Show, in der sie sich an den Völkermord in ihrer Heimat erinnert. Seit November 2014 tourt sie mit Gesang und Tanz, der ivorischen Tänzerin Nadia Beugré und dem Musiker und Improvisateur Alain Mahé vor allem durch Frankreich. Auf Einladung der Wiener Festwochen erzählt sie ihre Geschichte im Künstlerhaus.

Das Hessische Staatstheater Wiesbaden gehört zu den meistbesuchten Theatern in Deutschland. Das Dreispartenhaus hat seit 2014 eine neue Intendanz und ein und erneuertes Staatsballett, das aus einer Fusionierung der Ensembles in Darmstadt und Wiesbaden entstandrunderneuertes Staatsballett, das aus einer Fusionierung der Ensembles in Darmstadt und Wiesbaden entstanden ist. Nach der Vorstellung in Wiesbaden spricht er von den Problemen der Fusion und den Vorteilen des Drei-Säulen-Modells.

Ein wahrer  Urlaubsknüller. Das Meer ist (fast immer) so blau wie der Himmel, eine Luxusyacht segelt durch die kroatische Adria, ankert vor Korcula und Zadar. An Bord ist der stinkreiche Leonardo Mancuso, seine Tochter Francesca mit Freund Titus (aus Österreich) und der zwielichtige Finanzberater aus Malta Yannis Zammit, der als Lobbyist in Brüssel umherschleicht. Elena, die als Reiseleiterin für den Törn angeheuert worden ist,

Roman Lazik ist nicht nur in Wien als Erster Solotänzer dem Publikum ans Herz gewachsen. All die Bühnen aufzuzählen, auf denen er getanzt hat, ergäbe eine lange Liste. Nach Wien kam er als Erster Solotänzer des Bayerischen Staatsballetts. Da war der Titel "Erster Solotänzer" eben abgeschafft werden. Erst unter Manuel Legris werden die "Ersten" dem Corps als Vorbild  und dem Publikum zur Verehrung wieder eingeführt. 

Der dreiteilige Ballettabend „Van Manen | Ekman | Kylián“ bleibt enttäuschend. Trotz technischer Perfektion und akrobatischem Witz fehlt es dem Abend zum Großteil an Tiefe. Edel und lustig allein genügen nicht. Erst bei Jiří Kyliáns Meisterwerk „Bella Figura“ sind Atmosphäre und Emotionen, glühende sogar, zu spüren. Entsprechend herzlich wurden die TänzerInnen auch vom Publikum bedankt.

Mit Akribie hat die Journalistin Sibylle Zehle Leben und Wirken des bald 80-jährigen Bühnen- und Kostümbildners Jürgen Rose erforscht und mit Liebe erzählt. Die hat nicht nur mit Rose selbst sondern mit seinen zahlreichen Weggefährten und Verehrern gesprochen, sodass die Biografie reichlich dick geworden ist und eher zum Schmökern als zum kontinuierlichen Lesen einlädt. Für die U-Bahn ist der opulente Band kaum geeignet und der Platz im Bücherregal muss erst gefunden werden.

Im Augarten sind die Detektive unterwegs. Der 6jährige Wim wird gesucht. Samt neuem Fahrrad, Milchflasche und Reiseführer ist er abgehaut. Die Eltern sind verzweifelt. Nach einem berühmten holländischen Kinderbuch hat Sara Ostertag ein interaktives Theaterspiel geschaffen, das Volksschulkinder auf ein Abenteuer mitnimmt bei dem sie allerlei Komisches und Aufregendes erleben. Vorausgesetzt, dass es nicht regnet.

Die Sache ist kompliziert. Ein dem Tod Geweihter schreibt seinem Schuldfreund (besonders leiden konnte der den Schreiber nicht), dass er ihn um einen letzten Gefallen bitte. Er sei ihm diesen schließlich schuldig, denn er, der Schreiber mit Namen Tibor (Scheißhaufen) Schittkowski, habe dem Schriftsteller doch zwei Mal das Leben gerettet.

We don’t speak to be understood“ nennen Pieter Ampe und Benjamin Verdonck ihre präzise ausgeführte Slapstick Performance. Das Zentrum der köstlichen Stunde im Rahmen der Wiener Festwochen ist Antonio Vivaldi. Mit Hilfe seiner Violinkonzerte „Die vier Jahreszeiten“ unterhalten die Genter Künstler eine Stunde lang mit Kopf und Körper.

In einfachen Bildern öffnet Lara Foot, Autorin, Regisseurin und Leiterin des Baxter Theatre Centre in Kapstadt, die Türe in einer Hütte in einem afrikanischen Fischerdorf. Mehr schlecht als recht lebt hier eine zusammengewürfelte Familie. Aufgeben oder weiter kämpfen ist die Frage, die jede und jeder Einzelne für sich allein beantworten muss. Dramatisch verstärkt wird die zu Herzen gehende Geschichte, Europapremiere im Rahmen der Festwochen, durch Musik, Gesang und Tanz.

Je ne suis plus une femme noire / ich bin keine Schwarze mehr“ nennt Kettly Noël, geboren in Haiti, in Mali zuhause, ihr neues Tanzstück, dessen Uraufführung im Rahmen der Wiener Festwochen stattgefunden hat. Mit Noël agiert der bildende Künstler Joël Andrianomearisoa aus Madagaskar auf der Bühne des Plastikersaales im Künstlerhaus. Material für das Stück ist ihre eigene Biografie, die Biografie einer schwarzen Frau.

In einer fröhlichen Show fragt das Ensemble IYASA aus Simbabwe das junge Publikum im Dschungel Wien, was denn typisch österreichisch sei. Die Kinder können mit dieser Frage noch wenig anfangen. „Do You Jodel?“ könnte sie dennoch fesseln, würde die hinreißende Darbietung nicht durch die Ansage hölzerner Texte gebremst.

In drei Vorstellungen dürfen junge Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne der Volksoper ihr Talent zeigen. Nicht nur TänzerInnen, die bereits in Solorollen aufgefallen sind, präsentieren sich dem Publikum, auch so manche NewcomerInnen und Mitglieder des Corps des Wiener Staatsballetts werden in einem vielfältigen Programm ihrem Mentor und Direktor Manuel Legris alle Ehre machen.

AH / HA von Lisbeth Gruwez © LucDepreitereAH / Ha ist eine Performance über das Lachen. Um das  Lächerliche geht es dabei der Choreografin und Tänzerin Lisbeth Gruwez  keineswegs. Im Gegenteil sie erzeugt mit ihrem Stück über das Lachen auch Horror und Angst, schenkt aber mit HA HA das AHA-Erlebnis, dass Lachen zusammenschweißt. Allein zu lachen ist halb so lustig. Die flämische Künstlerin  tritt mit ihrer Gruppe "Voetvolk" im Tanzquartier auf.

„Seelen“ nennt der renommierte französische Choreograf Olivier Dubois, sein neuestes Stück. Sechs Tänzer aus verschiedenen afrikanischen Ländern ziehen Spuren im Sand. Spuren der Seelen, eingeprägt, wieder gelöscht, ein Logbuch des Schicksals, ein Archiv der Schicksale. Eine Reise vom Leben zum Tod, der das Leben erst so richtig bestätigt. Ein von Trommelwirbel akzentuierter Abend, meditativ und fesselnd.

Jerusalem, Besuch nach zehn Jahren © Gael MaleuxAus dem Zyklus „Holozän“, einer Serie von Stadtporträts, zeigte das Künstlerkollektiv Berlin den zweiten Besuch in Jerusalem als performative Video-Installation im Salzlager von Hall i. T. 2003 schon besuchte Berlin zum Auftakt von „Holozän“ die geteilte Stadt, um mit BewohnerInnen zu sprechen, zehn Jahre später wiederholten sie den Besuch und aktualisierten das Porträt. Das Fazit ist traurig: Es wird schlimmer und schlimmer.

Tino Sehgal: Flüchtige Kunst. © Tanzquartier Drei splitternackte Tänzer treten nacheinander in unterschiedlichen Räumen als lebendige Archive der Choreografie auf. Vor 15 Jahren hat der damals junge Konzeptkünstler Tino Sehgal sein Stück „Ohne Titel“ bei der Tanzplattform Deutschland vorgestellt. Bei der Wiederaufnahme im Tanzquartier lässt er Andrew Hardwidge, Frank Willens und Boris Charmatz die Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts bewegt in Erinnerung rufen.

Auch bei der 44. Vorstellung, mehr als fünf Jahre nach der Premiere, ist das Publikum in der Sächsischen Staatsoper (bekannter als Semperoper) entzückt vom Schauspiel am „Schwanensee“. Die Gäste bleiben paralysiert in den Sitzen kleben, klatschen jubelnd im Takt. Der Ballerina, Svetlana Gileva, wird ein Strauß roter Rosen überreicht, der Dirigent, David Coleman, bedankt sich winkend für die immer von neuem aufbrandenden Bravorufe.

Als Abschlussabend der Veranstaltungsreihe "Swaying: non-aligned bodies and comtemporary performance" zeigten zwölf Tänzerinnen und Musikerinnen im Tanzquartier eine  inklusive Performance. KünstlerInnen  mit und ohne Behinderung haben drei Tage miteinander gearbeitet und eine ausdrucksstarke Vorstellung  entwickelt.

In ihrem neuen Programm beschäftigen sich die fröhlichen Rabtaldirndln aus der Steiermark mit der Landflucht, den Begriffen Stadt und Land und suchen nach der Heimat. „Du gingst fort“ ist ein ebenso unterhaltsamer wie klug aufgebauter Abend, der nicht nur in brut-Chef Thomas Frank sanfte Herzstiche ausgelöst hat. Wer wird schon gern darauf hingewiesen, dass er als Landei durch die Großstadt wackelt.

Diesmal stimmt der Gemeinplatz vom Letzten, das das Beste ist. In seinem letzten Intendanz-Jahr kann Thomas Frank für 2014 das beste Ergebnis vorlegen. Mit einer Bilanz von mehr als 90 Prozent Auslastung übergibt der das schuldenfreie Haus seiner Nachfolgerin Kira Kirsch. Noch einmal aber kann Frank ein spannendes und auch geheimnisvolles Programm für das Festival imagetanz anpreisen. „Unheimliche Körper“ werden für drei Wochen das brut sondern auch andere , vor allem öffentliche, Räume unsicher machen.

Einer der bedeutendsten Filmregisseure des 20. Jahrhunderts hat als Fotograf begonnen. Nicht nur die Umwelt, auch Stanley Kubrick († 1999) hat seine erste Karriere nahezu vergessen. Im Bank Austria Kunstforum wird nun mit einer beeindruckenden Schau daran erinnert. Auch die Albertina zeigt eine Zusammenschau von Fotografie und Film. Im Mittelpunkt steht Michelangelo Antonio.

Wien, wie es ein betagtes Mobiltelefon mit eingebauter Kamera, eines der ersten auf dem Markt, sieht. Die Filmemacherin Kitty Kino benützt es. Bei Tag – eher frustrierend, in der Nacht aber – eine Überraschung. Der Verleger Lois Lammerhuber, selbst preisgekrönter Fotograf, sieht die Bilder, ist begeistert, jagte die Kino bei Nacht auf die Piste, auf dass sie ihm 100 Fotos für einen seiner legendären Bildbände liefere. In limitierte Auflage, von der Jungfotografin handsigniert, ist der prächtige Band nun zu haben.

Die Nachmittagsvorstellung des Balletts „Der Nussknacker“ in der Choreografie Rudolf Nurejews rettet die Ehre der ersten Darbietung dieser Saison des beliebten Weihnachtsstücks. Der Zufall der Umbesetzung hat es ergeben, dass die Hauptrollen von den selben SolistInnen getanzt wurden, wie diese nicht so wirklich gelungene Eröffnungsvorstellung: Robert Gabdullin und Kyoka Hashimoto.

Für Rebecca Horner, Mitglied des Wiener Staatsballetts, sind Zufälle immer Glücksfälle. Der letzte katapultierte sie als Potiphars Weib mitten unter die Ersten Solisten der Staatsoper.

Ein Reigen in neuer Besetzung

Zum elften Mal hat das Wiener Staatsballett „Ein Reigen“ von Antony McDonald und Ashley Page in der Volksoper getanzt. Neubesetzungen haben dafür gesorgt, dass sich in der nun rund und kompakt gefügten Aufführung keine Routine einschleichen kann. Das gebannte Publikum reagierte mit Begeisterung.