Im Salon der Marguerite Gautier (Liudmila Konovalova). © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

Umrahmt von zwei kleinen Stücken aus dem 20. Jahrhunderts feierte das auch nicht ganz taufrische Tanzstück von Wayne McGregor „Eden Eden“ bei der ersten Aufführung des dreiteiligen, als „very british“ angepriesenen Abends, einen Triumph. Ein aufregendes, ernsthaftes Stück zur Musik von Steve Reich, das sich mit den Möglichkeiten und Auswüchsen des Klonens von Lebewesen beschäftigt. „Concerto“ von Sir Kenneth MacMillan und „Marguerite and Armand“ von Frederick Ashton erscheinen dagegen als schwacher Rahmen, was keineswegs an den Tänzer*innen liegt.

Ditta Rudle
Gat Goodovitch, Elda Maria Gallo: "Hüpfen". © Rainer Berson

Ja! Hüpfen, hüpfen, hüpfen, bis die Beine zittern. Das macht Freude, befreit von bösen Gedanken, lässt die Seele schwingen. Allein zu hüpfen ist schön, noch schöner ist es, gemeinsam zu springen und zu tanzen. Die junge Tänzerin und Choreografin Gat Goodovitch hat das mit ihrer Mittänzerin und Freundin erlebt. Und deshalb will sie diese Lust mit Kindern ab drei teilen. „Hüpfen“ heißt ihr erstes Stück, das sie gemeinsam mit Corinne Eckenstein, der künstlerischen Leiterin des Dschungel Wien, erdacht und auf die Bühne gebracht hat.

Ditta Rudle
Rosas tanzt Rosas auch auf Zehenspitzen

Empfindsam und schüchtern, selbstbewusst und unnahbar, kokett und verträumt sind sie immer noch, diese vier jungen Frauen, Protagnistinnen in Anne Teresa Keersmaekers Tanzstück „Rosas danst Rosas“. Eine junge Compagnie tanzt sich selbst. Vor mehr als 30 Jahren eine Revolution, ist das Tanzstück längst Allgemeingut geworden. Im Odeon ist es zurzeit als ImPulsTanz Special zu sehen. Als „Re: Rosas“ werden Teile daraus in Wald und Wiese, am Strand und in der Schulklasse getanzt. Von allen, die Lust haben. Jede darf Rosas tanzen.

Ditta Rudle
Andrey Teterin mit den unbändigen Schüler_innen.

Im dreiteiligen Abend, den heimische Tänzer als Choreografen zur Musik Igor Strawinskys kreiert haben, kommen nahezu alle Mitglieder zum Zug. Diesmal, in der vorletzten Vorstellung dieser Saison, ist es Andrey Teterin, der in „Petruschka“ den Lehrer tanzt. Géraud Wielick springt, schnell entschlossen, für den erkrankten Trevor Hayden als einer der Chefquälgeister in der Schule ein: auch ein Debüt. Der Abend wurde enthusiastisch beklatscht, wobei Choreograf Andrey Kaydanovskiy für das Einspringen als Koschey im „Feuervogel“ mit langanhaltendem Sonderapplaus bedacht worden ist. Noch ein Böser, aber kein Debüt mehr, Halbsolist Kaydanovskiy tanzt und spielt die von ihm erdachte Figur zum dritten Mal.

Ditta Rudle
"Music For A While", getanzt in Linz © Vincenzo Laera

Zur Musik von Henry Purcell und seiner Kollegen gestaltet die Linzer Ballettchefin Mei Hong Lin einen erlebnisreichen Tanzabend. Geleitet von Christina Pluhar, wird ihr Ensemble, L’Arpeggiata, zur Tanzkapelle, Alte Musik zur lebendigen Begleitung – rasant und rhythmisch, getragen und melodienreich, auf Orignalinstrumenten gespielt, Das bestens trainierte Linzer Tanzensemble gerät außer Rand und Band. Das Publikum auch, wobei die Sopranistin Céline Scheen, Sopran, und Vincenzo Capuzzeto, Alt, keineswegs den geringsten Anteil haben, wie auch der  italienische Virtuose Gianluigi Trovesi, der mit seiner Klarinette geschmeichelt, bezaubert und verführt hat.

Ditta Rudle
Rollendebüt für Ioanna Avraam als Giselle  © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

Mit Bravorufen und langanhaltendem Applaus wurde die Solotänzerin Avraam für ihr Debüt in der Titelrolle im romantischen Ballett „Giselle“ bedankt. Als Albrecht war Denys Cherevychko, der sein Rollendebüt bereits im September dieses Jahres mit Nina Poláková gegeben hat, in beiden Akten präsent. Über ein kleines Debüt durfte sich der junge Corpstänzer Scott McKenzie freuen. Mit Natascha Mair zeigte er Allüre und Sprungkraft im berühmten Bauern-Pas-de-deux.

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