Die von Kirill Kourlaev und Olga Esina im Volkstheater veranstaltete 1. Weltstar-Gala darf als voller Erfolg in die Annalen eingehen. Zugleich mit dem Auftritt der Stars renommierter Compagnien wurde auch ein Jubiläum gefeiert: Seit 25 Jahren tut Ballettkorrepetitor, Pianist und Organisator Igor Zapravdin seinen geliebten Dienst an der Wiener Staatsoper. Das muss gefeiert werden. Und das wurde es auch. Auf der Bühne, heiter und gelöst, wie vom Publikum mit Jubel und Bravorufen.

Mit seinem 19. Roman hat sich der Mailänder Autor Andrea De Carlo in der Beliebtheitsskala noch höher an die Spitze geschraubt. Nicht nur bei den italienischen Leserinnen. „L’imperfetta meraviglia / Ein fast perfektes Wunder“ ist eine gefühlvolle, doch keineswegs sentimentale Komödie, die vom Genuss des flüchtigen Augenblicks schwärmt und das Leben feiert, wie es ist, kurz und vergänglich. Ein wunderbarer Roman, der unterhält und ein wenig nachdenklich macht.

Das Schweizer Kulturmagazin Du widmet ein ganzes Heft dem Tanz, dem Schweizer Tanz vor allem. Doch Interviews und Porträts, Kommentare und Reportagen sind nicht nur für Tanzfreundinnen in der Schweiz interessant. So eng werden die Grenzen ohnehin nicht gezogen, sind doch Schweizer Tänzer und Tänzerinnen auch jenseits der Grenzen bekannt und Choreografen auch in den Nachbarländern hoch willkommen. Martin Schläpfer sei als ein Beispiel genannt.

Der Film „Maudie“ der irischen Regisseurin Aisling Walsh basiert auf der Lebensgeschichte der kanadischen Volkskünstlerin Maud Lewis, 1903 geborene Dowley. Durch eine rheumatoide Arthritis im Kindesalte litt sie an einer sich stetig verschlimmernden Behinderung der Extremitäten. Dennoch malte sie bis zur ihrem Tod 1970 einfache kleine Bilder in fröhlichen Farben. Der britischen Schauspielerin Sally Hawkins gelingt es als Maudie, den Film nicht im Schmalz der Rührseligkeit ersticken zu lassen, sondern eine Frau darzustellen, die sich nicht unterkriegen lässt und das Leben trotz aller Hindernisse liebt. Gefühlskino der feinsten Art, optimistisch und tröstlich.

Die New Yorkerin Jodi Picoult versteht es, brisante Themen auf spannende, auch unterhaltsame Weise darzustellen. In ihrem jüngsten Roman befasst sie sich mit Rassismus und Menschenverachtung. Im Zentrum steht Ruth Jefferson, eine afroafrikanische Kinderschwester und Hebamme, der von einem Elternpaar verboten wird, den neugeborenen Sohn zu versorgen. Keine schwarzen Hände auf weißer Haut! Als Ruth allein mit dem Säugling ist, gerät dieser in Atemnot und Ruth steht vor der Entscheidung: Soll sie der dienstlichen Anweisung gehorchen oder ihrem inneren Antrieb, dem Kind zu helfen, folgen?

Die erste Ballettpremiere der aktuellen Saison an der Staatsoper ist ein Abend, wie ihn das Publikum schätzt. Drei unterschiedliche Teile, abwechslungsreich und gefühlvoll. Drei einaktige Werke von drei britischen Choreografen werden zum ersten Mal vom Wiener Staatsballett getanzt. „Concerto“ zur Musik von Dimitri Schostakowitsch hat Kenneth MacMillan zu seinem Einstand als Ballettdirektor in Berlin 1966 geschaffen. Schon drei Jahre davor hat der ältere Frederic Ashton für Rudolf Nurejew und Margot Fonteyn „Marguerite and Armand“ kreiert, und zwischen die beiden herausragenden,stilprägenden Choreografen des 20. Jahrhunderts schiebt sich auf dem Programmzettel ein Zeitgenosse, Wayne McGregor. Wie einst Ashton und MacMilla, ist er principal choreographer des Balletts der Londoner Oper. Erst seit 1957 tragen Opernhaus und Ballettcompany im Namen den Titel „Royal“.

Kaum zu glauben! Schon 25 Jahre ist der Pianist Igor Zapravdin als Ballettkorrepetitor und musikalischer Begleiter an der Wiener Staatsoper beschäftigt. Das muss gefeiert werden. Kirill Kourlaev, noch immer im Gedächtnis aller Ballettfans als Erster Solotänzer des Wiener Staatsballetts, frönt dabei seiner neuen Leidenschaft und organisiert das Fest mit Ballettgrößen aus aller Welt im Wiener Volkstheater am 29. Oktober 2017.

Ja! Hüpfen, hüpfen, hüpfen, bis die Beine zittern. Das macht Freude, befreit von bösen Gedanken, lässt die Seele schwingen. Allein zu hüpfen ist schön, noch schöner ist es, gemeinsam zu springen und zu tanzen. Die junge Tänzerin und Choreografin Gat Goodovitch hat das mit ihrer Mittänzerin und Freundin erlebt. Und deshalb will sie diese Lust mit Kindern ab drei teilen. „Hüpfen“ heißt ihr erstes Stück, das sie gemeinsam mit Corinne Eckenstein, der künstlerischen Leiterin des Dschungel Wien, erdacht und auf die Bühne gebracht hat.

Empfindsam und schüchtern, selbstbewusst und unnahbar, kokett und verträumt sind sie immer noch, diese vier jungen Frauen, Protagnistinnen in Anne Teresa Keersmaekers Tanzstück „Rosas danst Rosas“. Eine junge Compagnie tanzt sich selbst. Vor mehr als 30 Jahren eine Revolution, ist das Tanzstück längst Allgemeingut geworden. Im Odeon ist es zurzeit als ImPulsTanz Special zu sehen. Als „Re: Rosas“ werden Teile daraus in Wald und Wiese, am Strand und in der Schulklasse getanzt. Von allen, die Lust haben. Jede darf Rosas tanzen.

Im dreiteiligen Abend, den heimische Tänzer als Choreografen zur Musik Igor Strawinskys kreiert haben, kommen nahezu alle Mitglieder zum Zug. Diesmal, in der vorletzten Vorstellung dieser Saison, ist es Andrey Teterin, der in „Petruschka“ den Lehrer tanzt. Géraud Wielick springt, schnell entschlossen, für den erkrankten Trevor Hayden als einer der Chefquälgeister in der Schule ein: auch ein Debüt. Der Abend wurde enthusiastisch beklatscht, wobei Choreograf Andrey Kaydanovskiy für das Einspringen als Koschey im „Feuervogel“ mit langanhaltendem Sonderapplaus bedacht worden ist. Noch ein Böser, aber kein Debüt mehr, Halbsolist Kaydanovskiy tanzt und spielt die von ihm erdachte Figur zum dritten Mal.

Neun Jahre ist Massimo alt, als die geliebte Mama verschwindet „Sie ist jetzt im Himmel, das hat sie sich gewünscht, nur so kann sie dein Schutzengel sein“. Mit diesem Märchen, das er nicht verstehen will, lebt Massimo auch noch als Erwachsener. Den Verlust der Mama kann er nicht überwinden, versetzt sich lieber zurück in die Vergangenheit und lässt sich von einem geheimnisvollen Dämon, dem Belfagor, leiten. Niemand sagt ihm, was wirklich passiert ist. Mit „Träum was Schönes“ zeigt der bald 80jährige italienische Meisterregisseur Marco Bellocchio ein Drama, das durch seinen genauen Blick, durch Feingefühl und den Verzicht auf Pathos nie zur Schnulze gerinnt.

Zur Musik von Henry Purcell und seiner Kollegen gestaltet die Linzer Ballettchefin Mei Hong Lin einen erlebnisreichen Tanzabend. Geleitet von Christina Pluhar, wird ihr Ensemble, L’Arpeggiata, zur Tanzkapelle, Alte Musik zur lebendigen Begleitung – rasant und rhythmisch, getragen und melodienreich, auf Orignalinstrumenten gespielt, Das bestens trainierte Linzer Tanzensemble gerät außer Rand und Band. Das Publikum auch, wobei die Sopranistin Céline Scheen, Sopran, und Vincenzo Capuzzeto, Alt, keineswegs den geringsten Anteil haben, wie auch der  italienische Virtuose Gianluigi Trovesi, der mit seiner Klarinette geschmeichelt, bezaubert und verführt hat.

Regina Picker und ihr Team haben für den 9. Performance Brunch einen neuen Spielort gefunden: Das Volksliedwerk Wien, gleich neben der Staatsoper. Jeweils an drei Wochenenden werden Kunst und Kulinarik aufs Angenehmste verknüpft. Verknüpft wird auch Tradition und Volkskunst mit aktuellen Darstellungsformen. Immer unterhaltend, immer kritisch, immer inspirierend.

Noch ist das sachkundige und liebevolle Wirken des verstorbenen Direktors Hans Hurch zu spüren. Die aktuelle Viennale ist teils von, auf jeden Fall jedoch für Hans Hurch konzipiert. Die Mischung ist bunt wie immer, neu ist lediglich das Festivalzentrum in der Kunsthalle Wien im Museumsquartier. Als Stargast ist Christoph Waltz geladen. Sein Kommen hat der Oscarpreisträger bereits zugesagt. Bemerkenswert ist der aktuelle Trailer von Abel Ferrara. Er verknüpft einiges, das Hans Hurch wichtig war, mit traumartigen Sequenzen und verdichtet die Bilder zu einer fantastischen Vision.

Allerlei Verrückte tummeln sich heuer bei den traditionellen Puppentheatertagen in Mistelbach. „Maniacs“ nennt Intendantin Cordula Nossek das Programm, vermutlich, weil der englische Begriff nicht so deutlich verstanden wird. Gesprochen wird auch auf der Puppenbühne Deutsch. Es sind ja auch wirklich Verrückte, Irre, Wahnsinnige, Besessene, Kasperln, die sich heuer in Mistelbach tummeln, Figuren aus der Literatur und aus bekannten Filmen. 22 Theatergruppen aus 12 Ländern werden anreisen und mit 31 Inszenierungen das Publikum an sieben Festivaltagen zum Lachen, Weinen und Staunen bringen.

Mit Bravorufen und langanhaltendem Applaus wurde die Solotänzerin Avraam für ihr Debüt in der Titelrolle im romantischen Ballett „Giselle“ bedankt. Als Albrecht war Denys Cherevychko, der sein Rollendebüt bereits im September dieses Jahres mit Nina Poláková gegeben hat, in beiden Akten präsent. Über ein kleines Debüt durfte sich der junge Corpstänzer Scott McKenzie freuen. Mit Natascha Mair zeigte er Allüre und Sprungkraft im berühmten Bauern-Pas-de-deux.

Sie ordnen und schlichten, bauen Skulpturen und Türme. Das Desaster kommt unverhofft. Alles stürzt ein, Chaos bricht aus, die Katastrophe scheucht die Gruppe auf. "Wer ist schuld?" „Was tun?“, fragen sechs Tänzer*innen im Dschungel sich selbst und das Publikum ab 11. Sie stellen sich vor, erzählen von persönlichen Desastern, von Hoffnungen und Träumen, davon, wie sie die Welt sehen und suchen nach Antworten. „Disastrous“ ist intelligentes, heftig bewegtes und auch bewegendes Tanztheater.

Unter dem Titel „Feuervogel“ zeigen drei Tänzer des Wiener Staatsballetts, was ihnen als Choreografen zur Musik Igor Strawinskys eingefallen ist. Eno Peçi verlegt seine Choreografie zu „Petruschka“ vom Marktplatz in die Schule; András Lukács kommt in „Movements to Stravinsky“ von sechs Paaren zur Pulcinella Suite und anderen Kompositionen ohne Handlung aus; Andrey Kaydanovskiy lässt den „Feuervogel“ im Kaufhaus tanzen. Das Bombige in der Besetzung der 12. Vorstellung zieht sich durch alle drei Stücke und erfreut das Publikum gleich zu Beginn mit der Neubesetzung aller Hauptrollen von „Petruschka“.

Bildbände, in denen der flüchtige Augenblick des Tanzes festgehalten ist, gibt es viele. Die meisten widmen sich einer Tänzerin / einem Tänzer, die mit ihrem Schweben und Drehen beeindrucken. Die Tänzerin und Choreografin Andrea Simon und der Tanzfotograf Andreas J. Etter haben für ihren attraktiven Bildband ein Thema gewählt: Persönlichkeitsprofile, Grundlage der klassischen homöopathischen Diagnostik, bilden den Ausgangspunkt der ins Bild gesetzten Choreografien.

Das Bild hat ausgedient. Ein neues Bild wird montiert. Eine Spielsaison konnte man, war man rechtzeitig in der Staatsoper eingetroffen, das Bild von Tauba Auerbach als temporären eisernen Vorhang vor der bemalten Brandschutzwand in der Wiener Staatsoper betrachten. Die Ausstellung ist beendet, ein neues Bild wird vor den goldglänzenden „Eisernen“, gestaltet von Rudolf Eisenmenger, gehängt. Für die neue Ausgabe der von museum in progress konzipierten Ausstellungsreihe „Eiserner Vorhang“ wählte die Jury (Daniel Birnbaum, Hans-Ulrich Obrist) den international renommierten amerikanischen Künstler John Baldessari aus.

Kommunizieren kann man nicht nur mit Worten, auch mit Klang, Rhythmus und Melodie kann man sich verständigen. In einer Zusammenarbeit zwischen Wien und Ljubljana ist ein Stück mit dem lautstarken Titel „Bumm, Krach, Peng!“ entstanden, in dem von einem Kind erzählt wird, das sich, weil es nicht reden will, durch Musik und Geräusche verständigt. Zurecht war das junge Publikum ebenso begeistert wie das erwachsene.

Die Freude am Tanz steht Giselle und Herzog Albrecht, der das arglose Bauernmädchen umgarnt, ins Gesicht geschrieben. Auch die Tänzerin Ioanna Avraam, die mit Denys Cherevychko den ersten Akt des romantischen Balletts „Giselle“ probt, ist mit fröhlichem Eifer dabei. Am 9. Oktober wird die Solotänzerin ihr Debüt in der Titelrolle feiern. Der Erste Solotänzer Cherevychko hat seine Rolle schon auf der Bühne getanzt und unterstützt die neue Partnerin liebevoll und unermüdlich.

„Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren …” unter diesem Motto von Pina Bausch steht die zweite Staffel der Dokumentationsreihe „Let’s dance!”, die sich in drei Teilen den Tanztraditionen der ganzen Welt widmet. „Let’s dance!” nähert sich dem Tanz über drei große Kategorien: dem Gruppentanz, dem Paartanz und dem Solotanz. Hautnah geht die Kamera an die Tänzer_innen heran und zeigt so, wie viel Sinnlichkeit und Freude, aber auch Disziplin, Angst und Zweifel mit dieser einzigartigen Kunst verbunden sind.

Im Rahmen des Festivals Salam Orient ist auch die palästinensische Tanzformation Diyar Dance Theatre mit jungen Tänzerinnen aus Bethelehm der Einladung gefolgt. Im Dschungel zeigte das aus sechs Jugendlichen zwischen 13 und 16 bestehende Ensemble, wie es ihnen in Bethlehem geht und wie ihnen zumute ist. Den Tänzer_innen steht eine breite Gefühlspalette und erstaunliche Ausdruckskraft zur Verfügung.

Mit dem Roman „Letzte Freunde“ hat Jane Gardam, Doyenne der britischen Literatur, ihre Trilogie über die Raj-Waisenkinder, die in den britischen Kolonien geboren wurden und später in England in die Schule gingen, beendet. Die Eltern hatten Leben und Arbeit weiterhin in Asien, die Kinder lebten bei Gasteltern und hatten meist schmerzhaftes Heimweh. Auch als Erwachsene, wenn sie längst in England lebten, blieben die Herzen in Asien.

Die MAK-Ausstellung „Firma Goldscheider. Wiener Keramik 1885–1938“ würdigt eine der bedeutendsten Wiener Keramikmanufakturen. 80 Exponate geben Einblick in die bunte Produktpalette, die die renommierte Keramikproduktion einer breiten Klientel äußerst erfolgreich anbot. Die ausgewählten Prunkstücke der figuralen Keramik aus der MAK-Sammlung Glas und Keramik verdeutlichen, weshalb der Name Goldscheider, der zeitweise sogar synonym für „Wiener Fayencen“ verwendet wurde, noch heute viele Sammlerherzen höherschlagen lässt.

Die Tänzerin und Choreogafin Doris Uhlich hat  mit dem Tänzer und Choreografen Michael Turinsky eine Performance erarbeitet, die das Publikum toben lässt. In „Ravemachine“ lässt sich Turinsky  von Rhythmus und Sound, teilweise aus den Geräuschen des Rollstuhls Turinskys gesampelt, hinreißen, tanzt sitzend und auf eigenen Beinen und zeigt seine höchst eigene Körpersprache. Choreografin Uhlich tanzt mit ihm im brut.

„Lavenir“, die Zukunft, nennt Mia Hansen-Løve ihren jüngsten Film. Eine langjährige Ehe geht in die Brüche, der Mann hat eine andere gefunden. Nathalie ist überrascht, weiß nicht wie es weitergehen soll, zumal er mit den ihr wichtigen Büchern ihr halbes Leben mitgenommen hat. Nicht was passiert, eigentlich passiert ohnehin nichts, sondern was diese Einbrüche von Trennung und Scheidung mit Nathalie machen, erzählt der Film.  Isabelle Huppert ist die Darstellerin der Philosophie-Professorin Nathalie; André Marcon spielt Heinz, den untreuen Ehemann, Roman Kolinka den einstigen Lieblingsschüler.

Paul Wenninger bewegt sich vom Tanz zum Objekt und ist einstweilen beim Film und der Pixilation-Technik gelandet. Was ist Choreografie? Diese Frage steht für den Tänzer, Choreografen und Filmemacher Paul Wenninger in den letzten Jahren im Vordergrund. Längst beschäftigt sich der 50jährige nicht mehr nur mit dem Bewegen vom tanzenden Körper zur Musik auf der Bühne. Auch starren, stummen Körpern, Objekten, gibt er eine Choreografie.

Gäste sind auf der Wiener Ballettbühne gern gesehen. Vom Publikum, weil es auf jeden Fall etwas zu jubeln hat. Welcher Gast wird nicht als Star angekündigt! Und auch für Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles, weil sie den Vergleich nicht zu scheuen brauchen und studieren können, wie es die anderen machen und sich anfeuern lassen. In der letzten Vorstellung dieser Saison von Manuel Legris‘ „Corsaire“ tanzte Vadim Muntagirov den Conrad und wurde zurecht gefeiert. Seine Partnerin als Mé, ebenbürtig, hinreißend und wie immer perfekt: Liudmila Konovalova.

In der Galerie Gerersdorfer sind bis zum 19. November 2016 neue Arbeiten der Malerine Hildegard Stöger zu sehen. Zur Eröffnung am 20. Oktober spricht in Anwesenheit der Künstlerin Leander Kaiser.  Nach dem Studium an der Akademie für angewandte Kunst und an der Akademie der bildenden Künste sowie Arbeits- und Studienaufenthalten in New York lebt die aus  Linz stammende Künstlerin, Jahrgang 1952,  in Wien. Seit 1985 stellt sie regelmässig in der Galerie Gerersdorfer aus.

Das hört man gern: Die Künstlerin Patti Smith liebt Wien und auch die Viennale. In diesem Jahr gibt sie nicht nur ein Konzert im Gartenbaukino, sondern zeigt auch 28 ihrer Fotografien im Metro Kinokulturhaus. Im Übrigen bietet das 54. Filmfestival, zwischen 21. Oktober und 2. November 2016, was wir gewohnt sind: Filme, Filme, Filme, kurz oder lang, erzählend oder dokumentierend, Tributes, Retrospektiven und einige Spezialprogramme. Das umfangreiche Rahmenprogramm mit Diskussionen, Lesungen und künstlerischen Interventionen gehört auch dazu, sowie das Festivalzentrum auf der Dominikanerbastei mit Party und Konzert bis zwei Uhr früh.

In einem Glaskasten liegt ein zuckender Fleischklumpen. Viel Platz ist nicht, 1,44 qm, 1,20 m hoch.Dass es eine Frau ist, die da splitternackt auf dem Boden liegt, ist durch das Video im Hintergrund zu erfahren. Schöne Bilder sind das, einmal war alles noch heil. Jetzt scheint alles aus, Dunkelheit, totale Leere. „Void“ nennt Leonie Wahl Ihre choreografische Erzählung. Gemeinsam mit dem bildenden Künstler Robert Fleischanderl hat sie eine „Dance & Visual Arts Performance“ konzipiert und im Off-Theater gezeigt. Eine beeindruckende und spannende Arbeit.

Das Wissen Macht ist, und auch Geld, das wissen wir schon lange. Dass Forschung und Wissenschaft auch als große Show daherkommen, erleuchtet uns den TV-Abend. Wir vergnügen uns mit den Science Busters und meinen gescheiter geworden zu sein. The Loose Collective betrachtet diese Entwicklung mit skeptischem Vergnügen und zeigt in einer unterhaltsamen Performance mit Text und Ton und Tanz, wie wissenschaftliche Fakten präsentiert und umgedeutet werden können. Eine Unterrichtsstunde mit Intelligenz, Witz und Ironie, in Musik, Gesang und Tanz eingewickelt. Eine fröhlich-rasante Show.

Der Orpheus-Mythos, erdacht und erzählt von Männern, gehört dem Mann. Eurydike, die durch einen Schlangenbiss getötete Gattin des Sängers Orpheus, bleibt im Hintergrund, passiv. Schließlich verpatzt der angeblich so sehr liebende Gatte ihre Rückkehr aus dem Reich das Hades. Eurydike bleibt unten. Elfriede Jelinek meint, das will sie auch. Sabine Mitterecker hat den Monolog, ein endlos kreisendes, auf- und abschwellendes Schimpfen und Jammern, in der riesigen Halle des F 23 großartig umgesetzt.

Schrecken der Nacht. Teufel und Schlangen, Spinnen und Drachen, Totenköpfe, schwarze Masken, drohende Schatten, Sintflut. Ein Albtraum. Man fährt hoch und weiß nicht wo man ist, hat die Kontrolle verloren, ist schwach. Beklemmung und Angst. Schweißausbruch. Für das kunsthistorische Museum hat der Keramikkünstler und Autor Edmund de Waal eine Wunder- und Schreckenskammer eingerichtet. Tod und Teufel beherrschen den dämmerigen Raum, aber auch so manches Zaubermittel, Furcht und Schrecken zu bannen.

Inspiriert durch Steve Paxton und seine Untersuchungen zu Variation und Improvisation, die der Tänzer und Choreograf in den 1980er Jahren zur Musik der „Goldbergvariationen“ von Johann Sebastian Bach gezeigt hat, hat der Tänzer und Choreograf Daniel Aschwanden die musikalische und inhaltliche Klammer der Bachschen „Clavier Übung“ übernommen, um ein Jahr lang im öffentlichen Raum aufzutreten. 24 Stunden dieser Performance Aschwandens werden im Oktober 2016 zu genau definierter Zeit und am festgelegten Ort, dem internationalen Busbahnhof neben der U3-Haltestelle Erdberg, gezeigt.

„untitled (look, look, come closer“ behandelt mit den Mitteln von Performance, Musik und Text, die Themen die durch die Medien längst weit weg gerückt sind und nur noch als virtuelle Show erlebt werden: Krieg und Terror, Gewalt und Willkür. Christine Gaigg hat  mit sechs Performer_innen ist ein „Bühnenessay“ (Gaigg) geschaffen, der, obwohl kühl und sachlich dargeboten, in einer knappen Stunde Beklemmung und Schrecken und  auslöst. Nach der Uraufführung im 21er Haus im Rahmen des  ImPulsTanz Festivals 2015 , wird die Performance nun im Atelierhaus der bildenden Künste, dem ehemaligen Semperdepot, wieder gezeigt.

Die Salzburger Tänzerin / Choreografin macht auf ihrer internationalen Tournee auch Station in Wien. Im Raum 33 der Company Gervasi zeigt sie zwei ihrer jüngsten Produktionen: „Das Chamäleon aus 1001 Nacht“, uraufgeführt 2015 und „Bluff“, eine aktuelle Produktion. Helene Weinzierl /cieLaroque ist nur am 28. Und 29. Oktober im Raum 33 zu sehen.

Die vorletzte Vorstellung dieser Saison des dreiteiligen Ballettabends mit Werken von Hans Van Manen, jiři Kylián hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Enttäuschend diesmal der Beginn: „Adagio Hammerklavier“ für drei Paare von Hans Van Manen. Trost und Freude spenden hingegen zum Abschluss des Abends die wunderbaren, „schönen Figuren“ in Jiří Kyliáns Ballett „Bella Figura“. Nicht zu leugnen ist der Publikumserfolg von Alexander Ekmans „Cacti“. Alle drei Stücke wurden brav mit freundlichem Applaus bedankt.

Mit dem Pilotprojekt „Calibrate“ für frisch graduierte Tänzer- und Performer_innen soll im Tanzquartier ein Übergang vom Studenten- ins Berufsleben geschaffen werden. Kennenlernen, Austauschen, gemeinsam Arbeiten mit Choroegraf_innen steht im Vordergrund. Am Ende steht ein Abend, an dem die Beteiligten eine in der Gruppe erarbeitete Choreografie zeigen. Alix Eynaudi, Ian Kaler, Paul Wenninger haben mit den Absolvent_innen von IDA / Linz, MUK / Wien und SEAD / Salzburg gearbeitet und sie auf ihr Debüt im Tanzquartier vor Publikum vorbereitet.

Inmitten einer Bombenbesetzung tanzt der Halbsolist Alexandru Tcacenco, geboren in Chisinau / Moldawien, den Sklavenhändler Lanquedem im Ballett "Le Corsaire". Er schlägt sich wacker. Elektrisierend, wie bereits gewohnt, Denys Cherevychko (Conrad); Nina Poláková (Médora), Nina Tonoli (Gulnare). Keineswegs im Abseits: Masayu Kimoto und Ioanna Avraam (das Liebespaar Birbanto / Zulméa). Ein Erlebnis, nicht nur für den überquellenden Stehplatz, eine Enttäuschung für jene, die mit dem Zettel „Suche Karte“ vor der Oper ihr Glück nicht finden konnten.

Wie die Sonne und der Mond, die Erde und die Lebewesen darauf entstanden sind, das wird zur Einführung erzählt und später sinnlich erfahrbar gemacht. „Genesis Park“, von der formlosen Formatierung Makemake erdacht, eingerichtet und hergezeigt, ist ein Megaunternehmen, aufregend, anregend, umwerfend, mit Tanz und Poesie, ständigen Geräuschen, die meist die gesprochenen Wörter übertönen, voll Überraschungen und neuen Erfahrungen. „Genesis Park“ im F 23, das ist Wow!

Der dreiteilige Ballettabend in der Staatsoper sollte so recht nach dem Geschmack des Publikums sein. Fordernd und schwierig zu Beginn, für beide Seiten – oben auf der Bühne, unten im Saal – und fröhlich entspannend im Finale von Jerome Robbins’ Ballett „The Four Seasons“. Der zweite Akt von Stephan Thoss’ großartigem Ballett „Blaubarts leitet den Abend ein, „Fool’s Paradise“ von Christopher Wheeldon bildet den magischen Mittelteil.

Der neue Roman von Anna Enquist ist zwar in Amsterdam, ihrer Heimatstadt, angesiedelt. Doch könnte jede andere Stadt, auch Wien, der Schauplatz sein. Die Förderung billiger Eventkultur und die Streichung der Subventionen für Kunst und Kultur, ist nicht nur ein niederländisches Phänomen. Die Autorin glaubt jedoch weiterhin daran, dass die Kunst, was sie selbst betrifft, vor allem die Musik, Wunden heilen und die Welt verbessern kann.

Es wird trivial. Oder poppig. Überkreuzt in jedem Fall. Die Trivial-Kultur sprengt mit lockerem Hüpfen die einst strengen Grenzen des Festivals für Neue Musik. Auch die Kompositionen für den Konzertsaal sind von der populären Musik unserer Zeit beeinflusst und in diesem November soll die Schnittstelle zwischen Neuer Musik und avancierter Popmusik aufgedeckt und beleuchtet werden.

Noch bis zum 11. Jänner 2016 ist im Wiener Theatermuseum die Ausstellung „ExistenzFest“ zu sehen. Im Mittelpunkt steht das o.m. Theater (Orgien Mysterien Theater) des Universalkünstlers. Kuratiert von Hubert Klocker, der über das Perfomative in Nitschs Kunst dissertiert hat, geht man auf gewundenen Pfaden durch das umfangreiche Œuvre des oft missverstandenen Künstlers.

Nach ihrer Verletzungspause ist die Erste Solotänzerin Maria (Masha) Yakovleva wieder mit Elan im Einsatz. Schon im Frühjahr hat sie in "La Sylphide" gezeigt, dass sie auf voller Höhe ist. Im Oktober wurde sie in der Paraderolle der Kitri in "Don Quixote" bewundert. Demnächst wird sieals "Frühling" in der Premiere von Jerome Robbins' „Vier Jahreszeiten“ und in der Folge auch in Christopher Wheeldons „Fool’s Paradise“ tanzen.

Nicht Prinz Siegfried und die Schwanenprinzessin stehen im Mittelpunkt der Choreografie zur Musik des Ballettklassikers „Schwanensee“ von Peter I. Tschaikowsky, sondern der Komponist selbst. Tschaikowsky als tragische Figur. Auf die Schwäne, groß und klein, weiß und einmal  schwarz, will Choreografin Mei Hong Lin dennoch nicht verzichten. Zum Entzücken des Publikums im Linzer Musiktheater. 

Ein „getanztes Rebus“ nennt die Tänzerin / Choreografin Alix Eynaudi ihr neues Stück „Edelweiß“. Und das bleibt es auch, ein Rätsel in originellen Kostümen und schönen Bildern. Eynaudi ist eine Ästhetin, das Berührende, durch Schönheit Berührende, liegt ihr näher als das Schockierende. Deshalb habe ich die Performance der drei Tänzerinnen plus einem Tänzer auch genossen.

Ich lese Bücher von Radek Knapp und kaufe bei ihm Zwetschken und Marmelade. Nicht oft treffe ich einen Menschen, der den Geist bestens nährt und den Körper gleich dazu. Eben ist sein neuer Roman, "Der Gipfeldieb", erschienen. Mitten in der dörflichen Idylle des Wiener Kutschkermarktes spricht der Atuor über Idealismus, Satire, die Digitalisierung der Welt und den Geisteszustand „Heimat“.

Eine „Tanzoper“ nennt die Komponistin und Regisseurin Judith Unterpertinger ihr jüngstes Werk „Judith“. Das Libretto stammt von Magdalena Knapp-Menzel; Walter Kobéra, Intendant der Neuen Oper Wien, leitet die Uraufführung im mumok / Hofstallung.

Mit Theresia Walsers gern gespielter „Komödie für zwei Hitler-Darsteller und einen Goebbels“m "Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm",  unterhält Regisseur Hans-Peter Kellner im Theater Nestroyhof-Hamakom das Publikum. Ein Schauspieler-Trio diskutiert über die eigene Kunst.  Zwei davon haben Hitler gespielt, einer nur den Goebbels. Darf man über diese Männer lachen, fragen sie und erzählen wie sie in angelegt haben, den Hitler und den Goebbels.

Liudmila Konovalova begeisterte als springlebendige Kitri in 26. Aufführung von Don Quixote der Choreografie von Rudolf Nurejew nach Marius Petipa. Partner Robert Gabdullin ließ sich als Basil von der Energie der Ersten Solistin anstecken und erntete ebenso begeisterten Applaus und Hochrufe.

Die Bühne gehört den Künstlerinnen und Künstlern.  Die Politiker und Politikerinnen haben die ihre im Parlament.
Ein Kommentar.

Gewalt im Alltag, Gewalt als Medien-Spektakel, im TV-Tatort oder in der Wrestling-Show, Gewalt im Kopf, in den Armen, in der Kehle. Mit allen Facetten von Gewalt, auch den befreienden und den zur Publikumsgaudi gespielten, setzt sich SILK Fluegge, das von Silke Grabinger gegründete Kollektiv junger Künstler_innen, in einer fulminanten Tanzproduktion auseinander. „BOOOM!!!“ hat im Werk X das Festival zum Stella*15 eröffnet.

Mit seinem ersten Roman, „Rauchschatten“, hat Ilir Ferra Leserinnen und Kritikerinnen begeistert. In einer vom Autor überarbeiteten Fassung ist „Rauchschatten“ nun als Taschenbuch neu aufgelegt worden. Die Geschichte des jungen Erlind unterhält und berührt gleichermaßen. „Minus“ heißt sein ebenfalls als Taschenbuch erschienener zweiter Roman über die Menschen in Wettlokalen.

Der Bariton Tobias Greenhalgh und der Tänzer Martin Dvořák heben den Glassturz über Franz Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ und geben eine frische neue Perspektive frei. Dvořáks Inszenierung / Choreografie lässt auch den Sänger zum Akteur werden, gibt dem „Porträtkonzert“ in der Kammeroper Dramatik und Spannung. Die „Winterreise“ wird gesehen und auch ganz neu gehört.

Mit der Choreografie „Körper“, dem ersten Teil einer Trilogie, hat Sasha Waltz die Berliner Schaubühne, in deren Direktorium sie berufen worden war, eröffnet. Eine Sensation. Gut 15 Jahre später zieht zwar der Name der als „wichtigste deutsche Choreografin“ gehandelten Regisseurin das Publikum in die große Halle des Tanzquartiers, doch das umwerfende Erlebnis bleibt aus. Man will halt dabei gewesen sein, um am sehnlich erwarteten Ende zu pfeifen und zu kreischen. Man hat’s gelesen: Sasha Waltz ist eine Ikone.

Organisiert vom Netzwerk AKS / Platform for Contemporary Dance + Art, wird im November in Kärnten getanzt. Motor des Festivals „Tanz im November“ ist die Choreografin und Regisseurin Andrea Schlehwein, die mit ihrem Team ein dichtes Programm auf die Beine gestellt hat: Zeitgenössischer Tanz, Filmvorführungen, Tanz für Kinder, Tanz mit Kindern, Workshops, Trainingsstunden für Profis, Gesprächsrunden und Diskussionen finden sowohl im Stift Millstatt als auch in Klagenfurt statt.

Mit „Der Liebe Schlaf“, einem Dornröschenballett hat sich der neue Direktor der Grazer Ballettcompagnie dem Publikum vorgestellt. Weinöhl greift auf die Erstausgabe des von den Brüdern Grimm aufgezeichneten Märchens zurück und wechselt auch die Perspektive. Die Zuschauer_innen sitzen samt dem Grazer philharmonischen Orchester auf der Bühne.

Der Choreograf Georg Blaschke setzt seine visuell bewegten Erfahrungen mit dem berühmten „Weltgerichtstriptychon“ von Hieronymus Bosch, das in der Akademie der bildenden Künste zu betrachten ist, fort. "The Bosch Experience part II" findet Ende Oktober in der Expedithalle der Brotfabrik statt. Am selben Abend schließt sich Hubert Lepka mit "timor et tremor", einem Duo von Licht und Tanz, der Auseinandersetzung mit der Kunst der Renaissance an.

Viel gibt es noch nicht zu berichten von der „Produktions- und Spielstätte für Performative Künste“ unter der künstlerischen Leitung von Kira Kirsch, zuletzt leitende Dramaturgen beim steirischen herbst, doch immerhin ein Eröffnungsdatum: Am 30. Oktober steigt die erste Party. Davor aber tanzen die Autos durch die Stadt. Die Schweizer Performancegruppe mercimax zeigt ein „Autoballett“.

Nahezu 500 Seiten hat das Katalogbuch der Viennale 2015. Wie üblich setzen Hans Hurch und sein Team einige Schwerpunkte. Zur besseren Orientierung. Spezialprogramme, Tributs, Fokussierungen und die drei Kategorien, Spielfilm, Dokumentarfilm und Kurzfilm, bieten eine Fülle an, vom Chef und den KuratorInnen als sehenswert eingestuften, Filmen damit jeder Gusto und Geschmack befriedigt wird.

Maartje Pasman, die großartige Tänzerin aus dem Dschungel-Team trägt ganz allein ein Stück, das unter einem irreführenden Titel angekündigt ist und Zweijährige ins Theaterhaus lockt. Die halten 50 Minuten jedoch, die Länge einer Schulstunde, nicht durch. Dementsprechend kämpft die Tänzerin als Gärtnerin tapfer gegen Unruhe und Unmut der kleinen Gäste und geplagten Mütter / Väter.

Mit einem Minifestival feiert die Vorarlberger Kulturinitiative "tanz ist" im Spielboden Dornbirn den November. „Surprises / Überraschungen“ ist der sprechende Übertitel und so wäre es ja widersinnig allzu viel zu verraten. Auf jeden Fall jedoch die Daten: tanz ist - surprises findet vom 3. bs 7. November statt. Zur Beruhigung der Gemüter nach den Halloween-Umtrieben.

Die Viennale hat in diesem Jahr den 26. Oktober kurzfristig zum «Internationalfeiertag» erklärt und zeigt im Gartenbaukino den gesamten Festivaltag hindurch ein Filmprogramm, das sich mit den Themen Flucht, Migration, Vertreibung und Fremde beschäftigt.
Die Auswahl reicht von Charlie Chaplins „The Immigrant“ über Elia Kazans Auswandererepos „America America“ bis zur wunderbaren Seltenheit „Moonlighting“ von Jerzy Skolimowski.
Die beiden Hauptabendtermine sind den Premieren zweier neuer österreichischer Dokumentarfilme gewidmet, die sich auf unterschiedliche Weise dem Thema Flucht und Asyl widmen, „Last Shelter“ von Gerald Igor Hauzenberger und „Lampedusa in Winter“ von Jakob Brossmann. Um 23 Uhr beendet Clint Eastwoods Film „Gran Torino“ den Internationalfeiertag.
Der Reinerlös des "Internationalfeiertages" der Viennale im Gartenbaukino geht je zur Hälfte an die Caritas und die Volkshilfe.

Internationalfeiertag, 26. Oktober ab 10.30 Uhr, Gartenbaukino.

In mehreren Entwicklungsphasen haben der Tänzer / Choreograf Bert Gstettner, der bildende Künstler Hannes Mlenek und der Komponist / Musiker Günther Rabl am Projekt „Floß*Medusa“ gearbeitet. Als beeindruckende raumfüllende Inszenierung wurde nun in der Expedithalle der Brotfabrik Wien ein erstes Ergebnis gezeigt. Malerei, Choreografie und Musik flossen nahtlos zu einem Gesamtkunstwerk zusammen.

Bei den Spezialisten für Klassiker-Bearbeitungen im Theater an der Gumpendorfer Straße stand diesmal Shakespeares „Romeo und Julia“ Pate. Von der berühmten Vorlage ist zwar nicht viel übrig geblieben, aber es gelang dem Ensemble unter der Regie von Christian Suchy ein sympathisch-beklemmender szenischer Bogen quer über menschliche Ur-Nöte.

Als „Ausstellung der Superlative“ bezeichnete die deutsche Presse die Oskar Schlemmer in seinem Geburtsort Stuttgart gewidmete Ausstellung (November 2015–April 2015). Erbenstreitigkeiten hatten bewirkt, dass Schlemmers Werke nahezu 40 Jahre unsichtbar waren. 70 Jahre nach seinem Tod sind die Rechte ausgelaufen, der Bauhauskünstler ist wieder da. Die Ausstellung ist nicht mehr zu besuchen, doch das herrliche Katalogbuch hilft der Erinnerung und Wieder-Begegnung.

In einem Klavierkonzert, allerdings auf einem fernen Planeten, wähnte man sich beim Besuch der Uraufführung „Close Up“ der Editta Braun Company mit Ayse Deniz. Mit Witz und Musikalität boten die Pianistin und Tänzerinnen eine eigenwillige und spezielle Performance aus irritierenden Bewegungen und Bildern, in der Musik und Tanz eine harmonische Verbindung eingingen.

Egal, was die beiden Mittfünfziger zeigen, ob sie ein sitzendes Duett tanzen, oder ein stilles, ob sie erzählen, musizieren, rezitieren oder singen – Jonathan Burrows, der Tänzer und Choreograf + Matteo Fargion der tanzaffine Komponist, schaffen es, das junge Publikum im Tanzquartier anderthalb Stunden zu fesseln. Auch bei dem Doppelprogramm „Show and Tell / Body Not Fit For Purpose“ wäre die Stecknadel gehört worden, so sie gefallen wäre.

Mit der Uraufführung von „Marie Antoinette“ feierte das Wiener Staatsballett einen weiteren Erfolg. Olga Esina und Kirill Kourlaev überboten die insgesamt ausgezeichnete Leistung des Ensembles. Mit dem spanischen Komponisten Luis Miguel Cobo und der französischen Kostümbildnerin Agnes Letestu hat Choreograf Patrick de Bana eine gute Wahl getroffen.